Kompartment-Syndrom iStockphoto

Kompartmentsyndrom: Symptome und Behandlung

Druckgefühl und Schmerzen in den Beinen Kompartmentsyndrom

Das Kompartmentsyndrom tritt bevorzugt bei Langstreckenläufern durch eine dauerhafte Überlastung der Muskulatur auf. Grund ist, dass die Umfänge der einzelnen Muskeln sehr schnell steigen, sodass sich das übrige Gewebe nicht schnell genug anpassen kann und ein schmerzhafter Druck entsteht.

Unklare Druckgefühle und belastungsabhängige Schmerzen in der Muskulatur des Unterschenkels oder Oberschenkels bei Langstreckenläufern werden häufig mit allen möglichen Erkrankungen und Verletzungen in Verbindung gebracht. In die Diagnostik wird das Kompartmentsyndrom als mögliche Ursache für die Symptome häufig erst sehr spät einbezogen. Leider, denn bei einer Bestätigung dieser Durchblutungsstörung zählt vor allem eines: die Zeit.

Was ist das Kompartmentsyndrom?

Das Kompartmentsyndrom bzw. Logensyndrom ist ein pathologischer lokaler Anstieg des Gewebedrucks, der zu einer Durchblutungsstörung führt. Es ist nach der posttraumatischen Thrombose die zweithäufigste Komplikation nach Verletzungen.

Medizinisch unterscheidet man zwischen drei Formen:

  • Posttraumatisches Kompartmentsyndrom: häufig nach einem Knochenbruch (beispielsweise durch einen Ermüdungsbruch im Lauftraining)
  • Akutes funktionelles/belastungsbedingtes Kompartmentsyndrom: Tritt während oder unmittelbar nach einer Überlastung der Muskulatur auf und kann zu einem pathologischen Abbau des Muskels führen
  • Chronisches funktionelles/belastungsbedingtes Kompartmentsyndrom: Entsteht durch eine Schwellung der Muskelstruktur bei immer wiederkehrender muskulärer Überlastung

Die Wahrscheinlichkeit für ein Kompartmentsyndrom nach einem Knochenbruch ist erhöht, wenn neben Knochen auch Weichteile wie Muskeln, Sehnen oder Bänder verletzt sind. Durch eine Schwellung (Flüssigkeitsansammlung (Ödem)) im Gewebe und/oder von außen wirkenden Druck (z. B. durch blaue Flecken (Hämatome)) steigt der Druck auf das Gewebe nahe der Bruchstelle an. In diesem Bereich kann die Durchblutung durch ein Kompartmentsyndrom bis auf ein lebensbedrohliches Niveau absinken.

Meist sind jüngere Männer vom Kompartmentsyndrom betroffen. Das Durchschnittsalter der vom Kompartmentsyndrom Betroffenen liegt bei etwa 31 Jahren. Vor allem an den Beinen, speziell am Unterschenkel, und an den Armen, speziell am Unterarm, tritt das Kompartmentsyndrom besonders häufig auf.

Wo kann ein Kompartmentsyndrom entstehen?

Bei Läufern tritt das Kompartmentsyndrom meist am Unterschenkel auf. Grundsätzlich kann es jedoch in allen Körperregionen, selbst im Bauchraum, entstehen und dort zu langfristigen funktionellen Einschränkungen führen.

Kompartmentsyndrom – die Symptome

Die Symptome eines Kompartmentsyndroms am Beispiel des Unterschenkels:

  • Wegweisend sind: Starke unverhältnismäßige Schmerzen bei Belastung (und in Ruhe), vor allem in der Wade
  • Keine oder nur geringe Schmerzverbesserung durch herkömmliche Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol
  • Druckgefühl und Druckschmerz in der Unterschenkelmuskulatur mit gleichzeitiger Durchblutungsstörung
  • Wadenverhärtung, einseitiges Taubheitsgefühl in den Zehen und am Fußballen
  • Schwäche der Wadenmuskulatur
  • Schmerzen bei einer passiven Dehnung des Wadenmuskels
  • Schwellung am Vorfuß und Fußballen
  • Der Puls ist bei Druck auf den Unterschenkel mit der Hand weiterhin tastbar

Der Unterschied zwischen dem akuten und dem chronischen funktionellen Kompartmentsyndrom ist, dass die Beschwerden beim chronischen funktionellen Kompartmentsyndrom im Alltag abseits des sportlichen Trainings abnehmen und komplett weggehen – bis zur nächsten Laufeinheit.

Die Symptome eines Kompartmentsyndroms können bereits wenige Stunden oder aber erst einige Tage nach dem Eintreten der Ursache auftreten. Am häufigstem kommt es jedoch 15 bis 36 Stunden nach dem auslösenden Ereignis zu ersten Symptomen. Unbehandelt kann ein Kompartmentsyndrom zu Sensibilitätsausfällen, Sensibilitätsstörungen, Bewegungsstörungen, Blässe und Temperaturminderung der Haut führen.

Schmerzen im Kniegelenk und Hüftgelenk nach Verletzungen und Traumen müssen nicht unbedingt die Folge eines Kompartmentsyndroms sein und können ebenfalls auf ein Läuferknie, Arthrose, einen Meniskusriss, muskuläre Dysbalancen der Oberschenkelmuskulatur, Ischiocruralen Muskulatur, Rumpfmuskulatur oder Wadenmuskulatur, ein Schienbeinkantensyndrom, eine Patellasehnenentzündung, ein Patellaspitzensyndrom, ein femoropatellares Schmerzsyndrom, einen Haarriss im Knochen oder eine Stressfraktur hindeuten. Eine Diagnose ist für den Laien also alles andere als leicht.

Wann entsteht ein Kompartmentsyndrom?

Die Ursache für die Entstehung eines Kompartmentsyndroms ist eine Erhöhung des Gewebedrucks in einem Kompartiment (Muskelloge, von Faszien eingeschlossener Bereich), entweder durch Druck von außen (z. B. durch eine Bandage/Gips oder bei Lagerung des Beins mit einseitiger Druckverteilung) oder durch eine Erhöhung des Kompartimentinhalts (z. B. durch eine Blutung, bei erhöhter Durchlässigkeit für Lymphflüssigkeit (Ödem) nach einer Prellung oder bei sehr schnellem Muskelwachstum). Der erhöhte Druck auf oder in dem Kompartiment führt zu einer verminderten Durchblutung und Versorgungsdefiziten der umliegenden Gewebe. Außerdem ändert sich das Druckgefälle des gesamten Körperbereichs, sodass eine physiologische Gewebedurchblutung und -versorgung insgesamt nicht mehr gegeben ist.

Die häufigste Ursache eines Kompartmentsyndroms ist ein Knochenbruch (Fraktur), meist an den Beinen, besonders häufig am Unterschenkel. Auch Weichteilquetschungen, zum Beispiel nach einem Auto- oder Fahrradunfall, können zu einem Kompartmentsyndrom führen. Weitere Ursachen für ein Kompartmentsyndrom können Einblutungen nach Gefäßverletzungen, Blutungen nach Einnahme von Medikamenten sein, die die Gerinnung des Blutes hemmen (Antikoagulantien), und zu eng angelegte Gips-Verbände oder Bandagen.

Wie äußert sich das chronische funktionelle/belastungsbedingte Kompartmentsyndrom bei Läufern?

Das chronische funktionelle Kompartmentsyndrom tritt bevorzugt bei Langstreckenläufern und/oder Läufern beim Marathon durch eine dauerhafte Überlastung der Muskulatur auf. Mitunter steigen bei diesen Läufern die Umfänge (Durchmesser) der einzelnen Muskeln sehr schnell, sodass sich das übrige Gewebe nicht schnell genug anpassen kann und somit Engpässe entstehen, die wiederum zu einer Druckzunahme führen. Der Druck wirkt auf die Blutgefäße, die folglich schlechter durchblutet werden und weniger Sauerstoff transportieren können. Beim Laufen kommt es dann durch den Sauerstoffmangel in der Muskulatur zu den für ein Kompartmentsyndrom charakteristischen starken Schmerzen, meist im Unterschenkel. Einige Läufer klagen zusätzlich über eine ausgeprägte Muskelschwäche, sobald das chronische Kompartmentsyndrom auftritt. Außerdem können sich beim Laufen die Zehen taub anfühlen.

Wer behandelt ein Kompartmentsyndrom?

Die Diagnose des Kompartmentsyndroms erfolgt durch Ihren Arzt. Die Therapie übernimmt je nach Art des Kompartmentsyndroms ein Gefäßchirurg oder sie verbleibt bei konservativem Behandlungsansatz bei dem diagnosestellenden Arzt. Bei konservativem Behandlungsansatz oder Rehabilitation nach einer Operation erhalten Sie zusätzliche Unterstützung durch einen Physiotherapeuten oder Sporttherapeuten.

Welcher Arzt behandelt ein Kompartmentsyndrom?

Da es sich beim Kompartmentsyndrom vorrangig um eine Gefäßerkrankung handelt, ist ein Internist für Diagnose und Behandlung der richtige Ansprechpartner.

Wie wird ein Kompartmentsyndrom behandelt?

Ein Kompartmentsyndrom als Folge eines Knochenbruchs ist immer ein Grund, möglichst schnell den nächsten Arzt aufzusuchen. Dieser kann mithilfe einer Sonde den Druck messen, der auf das betroffene Gewebe einwirkt (Kompartmentdruckmessung). Sicherheit gibt zudem ein Blutbild, das bei vorliegendem Kompartmentsyndrom einen erhöhten Wert für Myoglobin und Kreatinkinase zeigt und damit eine Schädigung von Muskelzellen bestätigt.

Zur Vermeidung von Spätfolgen wie Nervenschädigungen oder Gefäßverletzungen durch die verminderte Durchblutung sollte frühzeitig eine Operation durchgeführt werden, bei der ein Chirurg durch die Spaltung bestimmter Gewebe das betroffene Gebiet vom Druck entlastet (Fasziotomie). Laut Literatur sollte dies bei einem Kompartmentsyndrom in den ersten sechs bis zwölf Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome geschehen.

Physiotherapie, Kältetherapie, Ultraschalltherapie und Medikamente wie Antiphlogistika und Diuretika unterstützen die Rückkehr in den Alltag und später in den Sport.

Was hilft bei einem chronischen funktionellen Kompartmentsyndrom bei Läufern?

Bei einem chronischen funktionellen Kompartmentsyndrom, das beim Laufen entstanden ist, sollten Sie das betroffene Bein regelmäßig hochlagern. So wird die Regeneration der Muskulatur und des umliegenden Gewebes sowie deren Durchblutung unterstützt. Außerdem können aktive (!) dynamische Dehnübungen helfen, den Druck auf die betroffene Muskulatur zu vermindern und so Erleichterung verschaffen. Ein chronisches funktionelles Kompartmentsyndrom ist somit kein Grund, sofort komplett mit dem Laufen aufzuhören, auf jeden Fall sollten Sie jedoch wesentlich kürzer treten und Ihre Laufumfänge reduzieren. Laufen Sie nur im schmerzfreien Bereich. Denn die gute Nachricht: Laut Studien kann ein chronisches funktionelles Kompartmentsyndrom kann auch ohne Operation vollständig ausheilen. Ein wissenschaftlicher Artikel in "Der Unfallchirurg" legt beispielsweise bei einem funktionellen Kompartmentsyndrom des Schienbeins zusätzlich zu konservativen Therapiemaßnahmen der Physiotherapie eine Analyse und Veränderung der Lauftechnik als Mittel der Wahl nahe.

Wie lange dauert die Heilung eines Kompartmentsyndrom?

Die Dauer bis zur (vollständigen) Heilung eines Kompartmentsyndroms ist vor allem abhängig von der Ursache, dem Zeitpunkt der Diagnosestellung, der Körperregion und der Behandlungsmethode sowie möglicherweise der Anzahl der notwendigen Operationen. Somit kann die Heilung von mehreren Wochen bis hin zu mehreren Monaten dauern.

So können Sie einem Kompartmentsyndrom vorbeugen

Wenn Sie einen Knochenbruch erlitten haben, sei es durch Fremdeinwirkung oder als Folge von zu belastendem oder häufigen Lauftraining (Ermüdungsbruch), sollten Sie das betroffene Körperteil regelmäßig hochlegen, um eine Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe möglichst zu vermeiden. Um einem funktionellen/belastungsinduzierten Kompartmentsyndrom vorzubeugen, sollten Sie Schuhe mit möglichst geringer Sprengung tragen. Wenn Sie regelmäßig Kompressionsstrümpfe oder Bandagen beim Laufen tragen, achten Sie sorgfältig darauf, dass diese den Unterschenkel auch bei hoher Laufbelastung nicht einschnüren.

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