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Durchblutungsstörung

Kompartmentsyndrom

Es gibt das akute und das chronische Kompartmentsyndrom. Wer vorbeugt, erspart sich die unangenehmen Schmerzen beim Laufen.

Was ist das Kompartmentsyndrom?

Das Kompartmentsyndrom ist eine Durchblutungsstörung. Es kann nach einem Knochenbruch (auch durch einen Ermüdungsbruch im Lauftraining) entstehen (akutes Kompartmentsyndrom), aber auch durch zu starke Belastung beim Laufen (chronisches Kompartmentsyndrom).

Die Wahrscheinlichkeit für ein akutes Kompartmentsyndrom nach einem Knochenbruch ist erhöht, wenn neben Knochen auch Weichteile wie Muskeln, Sehnen oder Bänder verletzt sind. Durch eine Schwellung (Flüssigkeitsansammlung (Ödem)) im Gewebe und/oder von außen wirkenden Druck (z. B. durch blaue Flecken (Hämatome)) steigt der Druck auf das Gewebe nahe der Bruchstelle an. In diesem Bereich kann die Durchblutung durch ein akutes Kompartmentsyndrom bis auf ein lebensbedrohliches Niveau absinken.

Meist sind jüngere Männer vom Kompartmentsyndrom betroffen. Das Durchschnittsalter der vom Kompartmentsyndrom Betroffenen liegt bei etwa 31 Jahren. Vor allem an den Beinen, speziell am Unterschenkel, treten das chronische, aber auch das akute Kompartmentsyndrom, besonders häufig auf.

Kompartmentsyndrom – die Symptome

Wegweisend für ein Kompartmentsyndrom sind starke Schmerzen, sowohl in Ruhe als auch beim Laufen, eine Schwellung und eine Druckzunahme sowie Druckgefühl im betroffenen Gebiet. Die Schmerzen, die bei einem Kompartmentsyndrom entstehen, sind mit herkömmlichen Schmerzmitteln meist nicht beeinflussbar. Sensibilitätsausfälle, Sensibilitätsstörungen, Bewegungsstörungen, Blässe und Temperaturminderung der Haut können beim Kompartmentsyndrom durch mangelnde Behandlung auftreten.

Die Symptome eines Kompartmentsyndroms können bereits wenige Stunden, oder aber erst einige Tage nach dem Eintreten der Ursache auftreten. Am häufigstem kommt es jedoch 15 bis 36 Stunden nach dem auslösenden Ereignis zu ersten Symptomen.Blut- und Harnanalysen sowie bildgebende Verfahren finden ihre Anwendung in der Diagnostik eines Kompartmentsyndroms. Da eine Behandlung des Kompartmentsyndroms zeitnah erfolgen sollte, ist eine schnelle Diagnosestellung von großer Bedeutung.

Wie kommt es zu einem Kompartmentsyndrom?

Die häufigste Ursache eines akuten Kompartmentsyndroms ist ein Knochenbruch, meist an den Beinen, besonders häufig am Unterschenkel. Auch Weichteilquetschungen können zu einem Kompartmentsyndrom führen. Weitere Ursachen für ein Kompartmentsyndrom können Einblutungen nach Gefäßverletzungen oder Blutungen nach Einnahme von Medikamenten sein, die die Gerinnung des Blues hemmen (Antikoagulantien). Aber auch lediglich zu eng angelegte Gips-Verbände oder Bandagen können zu einem Kompartmentsyndrom führen.

Das chronische Kompartmentsyndrom kommt eher selten vor. Bevorzugt bei Langstreckenläufern und/oder Läufern beim Marathon tritt das chronische Kompartmentsyndrom durch eine Überlastung der Muskulatur auf. Mitunter steigen bei diesen Läufern die Umfänge der einzelnen Muskeln sehr schnell, sodass sich das übrige Gewebe nicht schnell genug anpassen kann und somit Engpässe entstehen, die wiederum zu einer Druckzunahme führen. Der Druck wirkt beim chronischen Kompartmentsyndrom auf die Blutgefäße, die folglich schlechter durchblutet werden und weniger Sauerstoff transportieren können.

Beim Laufen kommt es dann durch Sauerstoffmangel in der Muskulatur zu den für ein Kompartmentsyndrom charakteristischen starken Schmerzen, meist im Unterschenkel. Einige Läufer klagen zusätzlich über eine ausgeprägte Muskelschwäche, sobald das chronische Kompartmentsyndrom auftritt. Außerdem können sich beim Laufen die Zehen taub anfühlen.

Wie wird ein Kompartmentsyndrom behandelt?

Ein akutes Kompartmentsyndrom als Folge eines Knochenbruchs ist immer ein Grund, den nächsten Arzt aufzusuchen. Dieser kann mithilfe einer Sonde den Druck messen, der auf das Gewebe einwirkt. Zur Vermeidung möglicher Gesundheitsfolgen durch das Kompartmentsyndrom sollte frühzeitig eine Operation durchgeführt werden, bei der ein Chirurg durch die Spaltung bestimmter Gewebe das betroffene Gebiet vom Druck entlastet. Laut Literatur sollte dies bei einem Kompartmentsyndrom in den ersten sechs Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome geschehen.

Bei einem chronischen Kompartmentsyndrom, das beim Laufen entstanden ist, sollten Sie das betroffene Bein regelmäßig hochlagern. So wird die Regeneration der Muskulatur und des umliegenden Gewebes unterstützt. Außerdem können Dehnübungen helfen, den Druck auf die betroffene Muskulatur zu vermindern. Ein chronisches Kompartmentsyndrom ist kein Grund, sofort komplett mit dem Laufen aufzuhören, auf jeden Fall sollten Sie jedoch wesentlich kürzer treten und Ihre Laufumfänge reduzieren. Laufen Sie nur im schmerzfreien Bereich.

So können Sie einem Kompartmentsyndrom vorbeugen

Wenn Sie einen Knochenbruch erlitten haben, sei es durch Fremdeinwirkung oder als Folge von zu belastendem oder häufigen Lauftraining (Ermüdungsbruch), sollten Sie das betroffene Körperteil regelmäßig hochlegen, um eine Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe möglichst zu vermeiden. Um einem chronischen Kompartmentsyndrom vorzubeugen, sollten Sie Schuhe mit möglichst flachem Absatz tragen. Das kontinuierliche Anziehen der Fußspitzen beim Laufen kann zu einer Überbelastung der Schienbeinmuskulatur führen. Wenn Sie regelmäßig Kompressionsstrümpfe oder Bandagen beim Laufen tragen, achten Sie sorgfältig darauf, dass selbige den Unterschenkel auch bei hoher Laufbelastung nicht einschnüren.

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