Läuferin mit Diabetes iStockphoto

Störung des Stoffwechsels Laufen mit Diabetes

Diabetes mellitus ist nicht heilbar. Ein sportliches Leben mit der Erkrankung ist bei guter Planung trotzdem möglich. Was Läuferinnen und Läufer wissen sollten.

Diabetes, auch Zuckerkrankheit, ist eine chronische Stoffwechselstörung und tritt als Typ 1, Typ 2, Typ 3 oder Schwangerschaftsdiabetes auf. Mehr als 90% der Diabetespatienten leiden an Typ-2-Diabetes. Die Diagnose von Diabetes Typ 1 erfolgt meist durch eine plötzliche Entgleisung des Stoffwechsels, während Typ-2-Diabetes schleichend beginnt und deshalb häufig erst mit ein bis zwei Jahren Verzögerung festgestellt wird. Eine der wichtigsten Säulen in der Diabetes-Therapie ist körperliche Bewegung.

Was ist Diabetes mellitus?

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, bei der ein chronisch erhöhter Glukosegehalt im Blut das Hauptsymptom darstellt. Ursächlich dafür sind eine zu geringe Produktion von Insulin, eine herabgesetzte Wirksamkeit von Insulin oder die Kombination aus unzureichender Insulin-Produktion und Insulin-Wirksamkeit.

Die Unterteilung der unterschiedlichen Formen von Diabetes mellitus erfolgt in Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes, Gestationsdiabetes und Typ-3-Diabetes. Typ-1-Diabetiker sind meist schlank und erkranken häufig in einem frühen Lebensstadium. Die häufigste Ursache für die Entstehung von Typ-II-Diabetes hingegen ist Übergewicht.

Komplikationen bei Diabetes mellitus sind periphere Gefäßerkrankung, periphere Neuropathie, eine Beeinträchtigung des Gangbildes und des Gleichgewichts sowie ein erhöhtes Sturzrisiko.

Welche Diabetes-Typen gibt es?

Die Unterteilung der unterschiedlichen Formen von Diabetes mellitus erfolgt in Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes, Gestationsdiabetes und Typ-3-Diabetes.

Diabetes Typ 1: Absoluter Insulinmangel

Diabetes Typ 1 ist eine der häufigsten chronischen Autoimmunerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Durch eine körpereigene Zerstörung der Betazellen in der Bauchspeicheldrüse, die für die Produktion des Hormons Insulin zuständig sind, herrscht im Körper der Betroffenen dauerhaft Insulinmangel. Die wichtigste Therapieform für Typ-1-Diabetiker ist daher die medikamentöse Zufuhr von Insulin, z. B. in Form von Spritzen oder mithilfe einer Insulinpumpe.

Diabetes Typ 2: Insulinmangel oder herabgesetzte Insulinsensitivität

Diabetes mellitus Typ 2 ist eine der häufigsten Erkrankungen der inneren Medizin und wird oft als eine Lifestyle-Erkrankung bezeichnet, die durch regelmäßige Kontrollen des Blutzuckerspiegels und regelmäßige Bewegung sowie Gewichtsreduktion vermieden werden könnte.

Typ-2-Diabetes entsteht dadurch, dass in der Bauchspeicheldrüse nicht ausreichend Insulin produziert wird und gleichzeitig eine erhöhte Resistenz des Körpers gegen Insulin besteht. Wie stark die jeweilige Ursache, also die Insulinsekretionsstörung sowie die Herabsetzung der Insulinsensitivität, ausgeprägt ist, ist individuell unterschiedlich. Meist bleibt die Insulinresistenz im Krankheitsverlauf ähnlich, während die Herstellung von Insulin immer weiter abnimmt. Dies ist der Grund, warum viele Betroffene die medikamentöse Gabe von Insulin mit steigender Krankheitsdauer kontinuierlich erhöhen müssen.

Gestationsdiabetes: Diabetes in der Schwangerschaft

Gestationsdiabetes ist eine Stoffwechselstörung, bei der der Körper eine herabgesetzte Toleranz gegenüber Glukose aufweist und die erstmalig in der Schwangerschaft diagnostiziert wird. Die Diagnose Gestationsdiabetes wird gestellt, wenn der Glukosewert bei einer nüchternen Frau bei mehr als 92 mg/dl liegt. Wurde bereits vor der Schwangerschaft eine Diabeteserkrankung diagnostiziert, kann die Diagnose Gestationsdiabetes nicht mehr gestellt werden.

Gestationsdiabetes führt analog zu Diabetes Typ 2 zu einer ähnlichen Symptomatik. Neben einer reduzierten Insulinempfindlichkeit, die in der Schwangerschaft hormonell bedingt sein kann, und genetischen Faktoren spielen auch hier Übergewicht, Fehlernährung und Bewegungsmangel die größte Rolle bei der Entstehung der Erkrankung. Da immer mehr Frauen übergewichtig sind und die Anzahl der späten Schwangerschaften steigt, nimmt die Häufigkeit von Schwangerschaftsdiabetes zu. Gestationsdiabetes erhöht die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen unter der Geburt sowie das spätere Auftreten von Adipositas (Übergewicht) und Typ-2-Diabetes beim Kind. Die erbliche Komponente hinsichtlich der Erkrankungswahrscheinlichkeit von Kindern wird auf etwa 50% geschätzt.

Diabetes Typ 3

Unter Typ-3-Diabetes fasst man alle Veränderungen des Insulinstoffwechsels zusammen, die nicht in die Gruppe von Diabetes Typ 1, Typ 2 oder Gestationsdiabetes fallen. Als Ursache für Typ-3-Diabetes gelten Nebenwirkungen von Medikamenten sowie Vorerkrankungen, die grundsätzlich nicht mit einer Diabetes mellitus-Erkrankung zusammenhängen.

Was ist Insulin?

Insulin ist ein Hormon. Es wird in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse gebildet. In der Leber, in den Fettzellen und im Muskel reguliert Insulin den Glukosestoffwechsel. Es hat die wichtige Aufgabe, den mit der Nahrung aufgenommenen Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Dort wird er als Energielieferant genutzt. Bei Insulinmangel sammelt sich Glukose im Blut an, der Blutzuckerspiegel steigt und es kommt innerhalb kürzester Zeit zu Stoffwechselproblemen.

Wie wird die Insulinproduktion im Körper reguliert?

Die Herstellungsmenge des Insulin hängt von einem Feedbackmechanismus zwischen den produzierenden Betazellen und den Rezeptoren im jeweiligen Gewebe ab, die Rückmeldung über die vorhandene Insulinmenge geben. Auf eine zunehmende Resistenz der Rezeptoren reagiert die Bauchspeicheldrüse mit einer Erhöhung der Insulinproduktion. Kann die Bauchspeicheldrüse dem rückgemeldeten Insulinbedarf nicht mehr nachkommen, steigt die Konzentration der Glukose im Blut, also der Blutzuckerspiegel. Zu einem Verlust der insulinproduzierenden Betazellen kommt es aus unterschiedlichen Gründen. Die Anzahl der Betazellen nimmt im Alter bei Männern und Frauen ab.

Wie testet man Glukosetoleranz und Nüchternglukose?

Eine gestörte Glukosetoleranz ergibt sich beim Test der Blutzuckerkonzentration zwei Stunden nach Einnahme von 75 g Glukose, wenn diese zwischen 140 und 200 mg/dl liegt. Eine abnorme Nüchternglukose wird bei einem Wert von 100 bis 126 mg/dl im Blut ohne vorherige Glukoseaufnahme diagnostiziert. Man spricht hierbei auch vom Oralen Glukosetoleranztest (OGTT).

Was sind die Ursachen für Diabetes mellitus?

Die Ursachen für Diabetes Typ 1 und Typ 2 sind unterschiedlich. Während es sich bei Diabetes Typ 1 um eine erbliche Autoimmunerkrankung handelt, entsteht Diabetes Typ 2 vor allem im Zusammenhang mit dem Metabolischen Syndrom (Übergewicht, Bluthochdruck, Dyslipidämie).

Typ-2-Diabetes - Ursachen

Es besteht ein starker Zusammenhang zwischen Adipositas und Insulinresistenz. Bei Übergewicht sind die Faktoren Körperfettanteil, Verteilung von Fettgewebe und die Größe der Fettgewebshormone (Adipozyten) ausschlaggebend für die Entstehung von Insulinresistenz und nachfolgend Typ-2-Diabetes. Adipozyten sind an Entzündungsreaktionen des Körpers maßgeblich beteiligt, weshalb auch der Entzündungswert (CRP-Wert) im Blutbild eine Aussagekraft für das individuelle Diabetesrisiko hat.

Die Kombination aus Adipositas, Bluthochdruck, Dyslipidämie und in vielen Fällen einem gestörten Glukosestoffwechsel ist häufig und wird als Metabolisches Syndrom bezeichnet. Auch ohne Prädisposition durch eine Glukosetoleranzstörung verdoppelt das metabolische Syndrom das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung weisen Betroffene häufig bereits eine geringere maximale Sauerstoffaufnahmekapazität und Muskelkraft und einen reduzierten Kalorienverbrauch sowie durchschnittlich weniger Schritte pro Tag und einen erhöhten Körperfettanteil gegenüber gesunden Menschen auf.

Was passiert bei Diabetes im Körper?

Absoluter oder relativer Insulinmangel führen dazu, dass der Glukosegehalt im Blut, vor allem nach der Nahrungsaufnahme, ansteigt. Durch Insulinmangel wird weniger oder keine Glukose in die Muskel- und Fettzellen aufgenommen. Bei gleichzeitigem Glukoseüberschuss im Blut besteht in Herzmuskel- und Skelettmuskelzellen ein Glukosemangel. Die Folge sind körperliche Leistungseinbußen und eine schnelle Ermüdung bei sportlichen Belastungen sowie Stoffwechselentgleisungen wie Hypoglykämie und Ketoazidose.

Wie erkenne ich Diabetes?

Erste Anzeichen eines Diabetes mellitus sind ein starkes Durstgefühl, obwohl man eigentlich ausreichend Flüssigkeit getrunken hat, eine herabgesetzte Leistungsfähigkeit, häufige Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, häufige Infekterkrankungen, Wundheilungsstörungen und Probleme beim Sehen.

Wer stellt die Diagnose Diabetes mellitus?

Diabetes mellitus ist eine internistische Erkrankung. Bei Verdacht auf diese Stoffwechselerkrankung suchen Sie daher einen Internisten oder einen Hausarzt auf, der eine Spezialisierung im Bereich der Inneren Medizin hat.

Was hilft bei Diabetes mellitus? Bewegung + Ernährung + Medikamente

Vor nicht allzu langer Zeit lag der Fokus der Therapie bei Diabetes mellitus noch auf der Ernährungsoptimierung. Heute gilt körperliche Bewegung aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse als eine der wichtigsten Säulen der Diabetestherapie. Grundsätzlich kombiniert man in der Therapie von Diabetes körperliche Aktivität, Ernährungsumstellung und Medikamente.

Sinnvoll bei der Planung körperlicher Aktivität ist eine Kombination aus Krafttraining, Ausdauertraining und Balancetraining, ergänzt durch funktionelles Alltagstraining. Explosivkrafttraining ist anstrengend, aber wichtig, da es die Schnellkraft für alltägliche Situationen verbessert.

Bewegung, Training und Wettkampfsport bei Diabetes

Sport und Diabetes schließen sich nicht aus. Im Gegenteil ist die sportliche Betätigung wie gerade erwähnt ein wichtiger Teil der Diabetes-Therapie. Im Folgenden lesen Sie, was Sie über den Zusammenhang von Sport wie Laufen und den unterschiedlichen Diabetes-Typen wissen sollten, wie sich Sport auf Diabetes auswirkt und welcher Sport für Diabetiker gut oder auch nicht so gut geeignet ist?

Typ-1-Diabetes: die richtige Insulindosis als Leistungsgarant

Während es für Diabetes Typ 2 gute wissenschaftlich belegte Empfehlungen für Trainingseinheiten gibt, sind diese für Typ-1-Diabetes eher rar. Da Typ-1-Diabetiker unter einem absoluten Insulinmangel bei normaler Insulinsensitivität leiden, kann eine Verbesserung des Stoffwechsels durch körperliche Aktivität keine generelle Therapieoption sein. Wissenschaftlich belegt ist eine Verbesserung des Fettstoffwechsels und damit die Entlastung des Herz-Kreislauf-Systems. Da Typ-1-Diabetiker häufig im Krankheitsverlauf durch eine starke Gewichtszunahme einen Diabetes Typ 2 entwickeln, dient Sport bei Betroffenen jedoch der Prävention von Übergewicht und Insulinresistenz.

Die fachärztliche Anpassung und Einstellung der individuellen Insulindosis ist bei Diabetes Typ 1 zwingende Voraussetzung für sichere Sporterlebnisse. Ein Bewegungstagebuch und engmaschige Blutzuckerkontrollen helfen Ihnen dabei, Ihre eigene Stoffwechselreaktion bei sportlicher Belastung zu analysieren und Ihren Körper besser kennenzulernen.

Wichtig: Wenn Sie neu in einen Sport einsteigen, denken Sie daran, dass der Körper auch nach der sportlichen Belastung "nachbrennt" und deshalb auch am Folgetag eine reduzierte Insulindosis notwendig sein kann. Und: Wettkämpfe in unbekanntem Terrain bringen häufig ungewohnte Temperaturen mit sich – auch diese können den Insulinbedarf vermindern oder erhöhen. Behalten Sie das im Hinterkopf, wenn Sie Urlaube, Trainingslager und Wettkämpfe planen. Tragen Sie aufgrund des Risikos einer Hypoglykämie oder Ketoazidose im Training und im Wettkampf immer schnell verfügbare Kohlenhydrate wie Traubenzucker oder Saft mit sich.

Hypoglykämie vermindert auch bei Sportlern die Urteilungsfähigkeit. Einige Sportarten wie Bogenschießen, Tauchen, Klettern, Rudern oder Segeln sollten Sie deshalb nur ausüben, wenn Sie absolut sicher sind im Umgang mit Ihrer Erkrankung und bereits sportliche Erfahrungen gemacht haben. Nehmen Sie an langen Trailläufen, Bergläufen oder Ultraläufen anfangs im Team mit einer weiteren Person teil, die mit Ihrer Erkrankung vertraut ist und Sie im Notfall schnell und tatkräftig unterstützen kann.

Typ-2-Diabetes: Bewegung als Therapie

Die Skelettmuskulatur nimmt 80 % der Blutglukose auf. Jede Bewegung, die wir machen, erhöht somit die Aufnahme von Glukose in die Muskelzelle und damit auch die Insulinsensitivität. Das bedeutet: Jede Trainingseinheit sorgt im Nachgang für eine Absenkung des zu hohen Blutzuckerspiegels und entlastet so den gesamten Körper mit all seinen Prozessen.

Bevor Sie sich jedoch ins Training stürzen, sollten Sie eine sportmedizinische Untersuchung mit Ergometrie bis zur Ausbelastung durchführen lassen, um mögliche bestehende Folgeerkrankungen und Risiken im Training auszuschließen. Achten Sie auf passendes Schuhwerk fürs Walken und Laufen und inspizieren Sie regelmäßig Ihre Füße, wenn Sie bereits Probleme mit den Füßen haben (Stichwort: periphere Polyneuropathie (PNP)). Nutzen Sie die Möglichkeit einer regelmäßigen Blutdruckkontrolle im Training, um Blutdruckspitzen zu vermeiden, falls Sie an einer Beeinträchtigung der Augen durch Diabetes leiden (Retinopathie), z. B. mithilfe einer Laufuhr.

Nach internationaler Leitlinie sollte ein Training für Typ-2-Diabetiker aussehen wie folgt:

  • Wärmen Sie sich zehn Minuten auf.
  • Ausdauertraining für Diabetiker mit Vorerkrankungen an Herz oder Bewegungsapparat: 2,5 Stunden körperliche Aktivität pro Woche, verteilt über mindestens drei Tage mit maximal zwei Tagen Trainingspause bei 64 - 76 % HFmax
  • Ausdauertraining für Diabetiker ohne Vorerkrankung: 1,5 Stunden körperliche Aktivität bei 77 - 95 % HFmax
  • Ein höherer als der empfohlene Trainingsumfang im Rahmen des Ausdauertrainings hat eine zusätzliche positive Wirkung auf die Krankheitsentwicklung.
  • Ausdauertraining entfaltet seine Wirkung sowohl als Dauerbelastung als auch als Intervalltraining. Als Intervalltraining durchgeführt sollten die Belastungsintervalle nicht kürzer als zehn Minuten sein.
  • Ausdauertraining ist auch als High-Intensity-Training (HIIT) möglich: beispielsweise auf dem Fahrradergometer oder auf einem Crosstrainer, mit jeweils 10 x 60 Sekunden Belastung und 60 Sekunden Belastungspause bei etwa 90 % der HFmax
  • Krafttraining für Diabetiker: Zwei Einheiten pro Woche, mindestens ein Tag Regeneration; fünf bis zehn mehrgelenkige Übungen für die Hauptmuskelgruppen des Körpers, ein bis vier Sätze, zehn bis 15 Wiederholungen, zwei Sekunden Bewegungsdauer pro Bewegungsrichtung
  • Mobilisationstraining, am besten entgegengesetzt der typischen Alltagshaltung und Alltagsaktivität
  • Kombinieren Sie Ausdauertraining und Krafttraining innerhalb einer Trainingseinheit, um einen größeren Trainingserfolg zu erzielen.
  • Kontrollieren Sie Blutdruck und Blutzucker im Verlauf des Trainings.
  • Trinken Sie ausreichend Wasser in kurzen planmäßigen Trainingspausen.
  • Nehmen Sie sich zehn Minuten Zeit für einen entspannten Cool Down.

Nicht nur sportliche Trainingseinheiten tragen zu einer Stabilisierung von Diabetes Typ 2 bei - auch eine vermehrte Bewegung im Alltag wie Treppensteigen, Arbeit im Garten, ausgedehnte Putzarien sowie Spaziergänge wirkt sich positiv auf die Erkrankung aus.

Exkurs: Wie helfe ich einem Diabetiker im Training und beim Wettkampf?

Bei Diabetikern besteht grundsätzlich die Gefahr eines erhöhten Blutzuckerspiegels (mehr als 300 mg/dl) oder eines zu niedrigen Blutzuckerspieles (unter 100 mg/dl). Körperliche Belastung senkt grundsätzlich den Blutzuckerspiegel, allerdings können intensive Belastungen auch eine kurzfristige Erhöhung des Blutzuckers bewirken. Der optimale Blutzucker vor Trainingsbeginn liegt bei 120 bis 180 mg/dl.

Bei erhöhtem Blutzuckerspiegel vor dem Sport:

  • Mehr als 300 mg/dl, keine Ketonkörper im Urin: Sportliche Aktivität bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr möglich
  • Mehr als 300 mg/dl, Ketonkörper im Urin: Insulingabe, um Blutzuckerspiegel auszugleichen, dann Sport möglich

Bei erniedrigtem Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie):

  • Weniger als 100 mg/dl: Kohlenhydrate vor dem Sport zuführen
  • Vor dem Sport Insulindosis planmäßig reduzieren
  • Ausgangsblutzuckerwert bei Risikosportarten wie Klettern, Tauchen, Rudern usw.: 180 mg/dl

Exkurs: Wie motiviere ich mich oder einen Freund mit Diabetes zu mehr Bewegung?

Nachhaltige Änderungen des Lebensstils sind niemals einfach. Aber jede Veränderung beginnt mit dem ersten Schritt. Deshalb gilt:

  • Suchen Sie eine Bewegungsform, die Ihnen Spaß macht (z. B. Walken, Laufen, Radfahren, Schwimmen, Aquajoggen, Kursfitness)
  • Setzen Sie sich erreichbare Ziele
  • Setzen Sie sich Minimalziele und Maximalziele für Ihre Trainingseinheiten
  • Machen Sie Ihr Training sichtbar: Führen Sie ein Bewegungstagebuch, machen Sie Kreuze im Kalender, nutzen Sie einen Schrittzähler oder eine Fitness-App
  • Schließen Sie sich einer Diabetessportgruppe an

Wie kann ich Diabetes mellitus vorbeugen?

Bisher gibt es aus wissenschaftlicher Sicht keine Strategie, um Diabetes Typ 1 zu verhindern. Für Diabetes Typ 2 und Gestationsdiabetes gilt: Übergewicht vermeiden, regelmäßig bewegen und ausgewogen ernähren.

Mark Brunner: Ultraläufe und Bergmarathon trotz Diabetes Typ 1

2.735 Radkilometer, ein Marathon und knapp 20.000 Höhenmeter – Mark Brunner schaffte trotz Diabetes diese extreme sportliche Höchstleistung. Dazu stimmte er seine Insulintherapie gezielt auf die einmonatige Ausdauerleistung ab.

Läufer Mark Brunner
Dirk Mathesius

"1995 wurde festgestellt, dass ich einen Typ-1-Diabetes habe“, berichtet Mark. Er war damals Anfang 20 und leistete gerade seinen Zivildienst ab. Mark war schon vor Ausbruch der Krankheit sehr sportlich; Triathlon war damals seine Leidenschaft. Heute hat er sich ganz dem Laufen und Radfahren verschrieben. Die Krankheit hindert ihn nicht daran, hohe Berge zu erklimmen. Der 46-jährige Mark Brunner reist jedes Jahr mit dem Rad von Berlin zum Jungfrau-Marathon, läuft mit, und fährt wieder zurück. Letztes Jahr fuhr er 1.451 Kilometer hin, 1.284 zurück und zwischendrin lief er einen der anspruchsvollsten Bergmarathons. Immer im Gepäck sind die Blechdosen mit den Testreifen, CGM-Sensoren, Pennadeln und dem Insulin.

Mittlerweile kann er auf eine ganz individuelle Jungfrau-Serie zurückblicken: In den vergangenen vier Jahren fuhr er jedes Jahr mit dem Rad von Berlin nach Interlaken, um seine Ausdauerleistung mit der Teilnahme am Jungfrau-Marathon zu krönen. In den ersten zwei Jahren fuhr er noch mit dem Zug zurück, 2018 auch den Rückweg mit dem Fahrrad. Sein Zeitplan ging letztes Jahr perfekt auf: Am 25.8.2018 startete Mark in Berlin auf seinem Titan-Rad – eine Spezialanfertigung mit besonders dicken Reifen, dafür ohne Federung. Exakt 13 Tage später war er in Interlaken.

2.735 Radkilometer, einen Marathon und 20.000 Höhenmeter in 28 Tagen

Der Jungfrau-Marathon im Berner Oberland ist sehr anspruchsvoll, da die steilsten Anstiege erst nach Kilometer 25 auf die Läufer warten. Dieser Streckenabschnitt hoch zum Dorf Wengen wird auch „die Wand“ genannt.

Wie kann man mit rund 1.500 Radkilometern in den Beinen noch einen Marathon in dieser Höhenlage zustande bringen? „Der Weg ist das Ziel“, lautet das Credo seines ganz persönlichen Duathlons in umgekehrter Reihenfolge: radeln, laufen, radeln. Auf dem Hinweg nahm Mark sogar Umwege in Kauf, um Freunde zu besuchen, Sightseeing in Städten zu machen und die Natur genießen.

Trotz guter Planung passiert manchmal Unvorhersehbares: „Meine Laufsachen sende ich immer mit der Post von Berlin nach Interlaken und zurück nach Hause. 2016 kam das Paket nicht an, es hing an der Grenze fest. Ich musste mir in Interlaken Laufschuhe kaufen, die natürlich nicht eingelaufen waren und nicht optimal passten. Danach war ich froh, dass ich mit dem Zug nach Hause fahren konnte.“

Ernährung, Insulintherapie und Leistung aufeinander abstimmen

Seinem Leitsatz folgend nimmt er sich nie Zielzeiten vor: „Für den Marathon habe ich stets das Minimalziel Ankommen.“ Nach sechs Stunden erreichte er letztes Jahr die in rund 2.100 Metern gelegene Passhöhe Kleine Scheidegg, wo sich die Zieleinkunft befindet und die Läufer mit einem Blick auf die drei bekannten Berge Eiger, Mönch und Jungfrau belohnt werden. Mark spürte auf der zweiten Streckenhälfte seine Beine: „Letztes Jahr musste ich langsamer machen als sonst. Ich bin viel gegangen, schon ab Lauterbrunnen. Es fiel mir schwer, noch nie hatte eine Hinfahrt so viele Kilometer. Ich lief den Marathon schon mal eine Stunde schneller.“

Der Zieleinlauf des Marathons war längst nicht das Ende seiner abenteuerlichen Reise. Einen Tag später schwang er sich in den Sattel und fuhr los in Richtung Heimat. 1.284 Radkilometer später war Mark wieder zu Hause. Die Bilanz: Insgesamt 2.735 Kilometer im Sattel, einen Marathon zwischendurch und exakt 19.626 Höhenmeter legte er in 28 Tagen zurück. Das sind über 100 Kilometer pro Tag.

Was treibt ihn zu dieser Höchstleistung an? „Ich tu das in erster Linie für mich allein, will sehen, ob ich es auch diesmal wieder schaffe, weiß, dass ich scheitern kann“, berichtet er. Sein Beispiel zeigt, was trotz Immunkrankheit möglich ist. Wenn Diabetiker die Ernährung und die Insulintherapie auf die Leistung abstimmten, können sie viel erreichen, sagt er. Sein Körper ist an hohe Ausdauerleistung gewöhnt. Den Rennsteiglauf und den 100 Meilen langen Berliner Mauerweglauf lief er bereits mehrfach.

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