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Ratgeber Rauchen und Laufen - geht das?

Training führt auch bei Rauchern zur Verbesserung der Ausdauerleistung. Niktiongenuss sollten Läufer dennoch meiden.

"Ich habe mit dem Laufen begonnen und obwohl ich auch sonst sehr viel Sport treibe, kann ich von der »Genuss-Zigarette« nicht ganz lassen und rauche fast täglich ein bis zwei Zigaretten. Welche Auswirkungen hat das auf meine Leistungsfähigkeit?"

Frau L. G., Salzburg

Prof. Dr. med. Andreas Niess +
Foto: Runner's World

Prof. Dr. med. Andreas Niess, Langstreckenläufer und Leiter der Sportmedizin an der Universitätsklinik Tübingen.


Sportmediziner Dr. Andreas Nieß antwortet:
Generell muss man davon ausgehen, dass Rauchen die sportliche Leistungsfähigkeit negativ beeinflusst. Dies konnte auch in einer Reihe von Studien mehr oder weniger deutlich nachgewiesen werden. Zu den Einflüssen, die bei Nikotingenuss über die Zigarette leistungsmindernd wirken, zählt ein erhöhter Kohlenmonoxidgehalt im Blut. Kohlenmonoxid, das der Raucher über die Verbrennungsgase der Zigarette inhaliert und aufnimmt, bindet um etwa 300mal besser an den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) der roten Blutkörperchen als Sauerstoff. Dies führt dazu, dass ein Teil des Hämoglobins nicht für den Sauerstofftransport im Körper zur Verfügung steht. Dabei stört das Kohlenmonoxid aufgrund seiner starken Bindungseigenschaft an das Hämoglobin selbst nach der letzten Zigarette noch bis zu einen Tag lang den Sauerstofftransport. Somit werden insbesondere Ausdauerleistungen vom Rauchen negativ berührt.

Weitere leistungsmindernde Faktoren sind unter anderem in einer durch das Rauchen verschlechterten Lungenfunktion und der ungünstigen Wirkung von Nikotin auf die Gefäßregulation zu sehen. Regelmäßiges Training führt auch bei Ihnen als Raucherin zu einer Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit. Es ist jedoch anzunehmen, dass sich Ihre Leistung in geringerem Maße entwickelt als bei vergleichbaren Nichtraucherinnen.

Zu den gesundheitlichen Folgen, die aus dem Rauchen erwachsen können, zählt die Arteriosklerose, die zum Herzinfarkt, Schlaganfall oder aber auch zu Gefäßverschlüssen führen kann. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Erkrankung nimmt bei gleichzeitig vorhandenem Bluthochdruck, erhöhten Cholesterinwerten, Einnahme der Pille oder bestehender Zuckerkrankheit nochmals deutlich zu. Ungünstige Einflüsse übt das Rauchen auch auf die Fließeigenschaften des Blutes aus. So besteht ein erhöhtes Risiko für Thrombosen, insbesondere bei Frauen, welche die Pille einnehmen. Weiterhin wird die Gefahr von Lungen- und Bronchialkrebs sowie anderer Tumore erhöht.

Rauchbedingtes Gesundheitsrisko sinkt

Ob sich beim Raucher durch ein regelmäßiges Ausdauertraining das rauchbedingte Risiko reduzieren lässt, und vor allem: Ab wieviel Zigaretten oben genannte Einflüsse geltend zu machen sind, ist nicht eindeutig zu beantworten. Gewisse günstige Effekte sind durch das Training jedoch zu erwarten. Insbesondere dann, wenn weitere Risikofaktoren wie erhöhte Blutfettwerte oder Blutdruckwerte bestehen, können diese durch das Ausdauertraining gesenkt und das Gesamtrisiko verringert werden.

Übrigens: Inwieweit Ausdauertraining negativen Auswirkungen des Rauchens selbst entgegenwirkt, ist bisher nur in wenigen wissenschaftlichen Studien untersucht worden. Denkbar wäre, dass Ausdauersport die Abgabe des Kohlenmonoxids beschleunigt, einer nikotinverursachten Störung der Gefäßregulation entgegenwirkt und möglichweise auch eine schnellere Entgiftung der im Rauch zugeführten Stoffe begünstigt. Somit könnte auch ein Raucher in gesundheitlichem Sinne von einem Ausdauertraining profitieren. Besser ist es jedoch, letzteres ohne Nikotinkonsum durchzuführen, denn den durch das Rauchen verursachten negativen Effekten wirkt man auch durch ein umfangreiches Ausdauertraining nur in geringem Maße entgegen.
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16.10.2008
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