Was ist ein Backyard Ultra?
Backyard Ultra ist ein weltweit sehr beliebtes Ultralauf-Format, bei dem die Teilnehmenden stündlich eine 6,706 km (4,167 Meilen) lange Runde absolvieren, bis nur noch eine Person übrig bleibt. Bei dem Last-(Wo)man-Standing-Rennen siegen nicht die schnellsten Läuferinnen und Läufer, sondern diejenigen, die am längsten durchhalten. Nur der oder die Letzte auf der Strecke gewinnt. Alle anderen scheiden aus! Das Besondere am Backyard Ultra wie etwa beim Backyard Ultra in Zittau ist, dass es ein Ultramarathon ohne feste Ziellinie ist. Es gibt keine feste Distanz und kein festes Ende – theoretisch kann der Lauf über 24, 48 und mehr Stunden gehen. Der Reiz und die Herausforderung liegen darin, dass es immer gleich weitergeht: gleiche Strecke, gleiche Belastung, immer wieder von vorn. Mit der Zeit kommen Erschöpfung, Schlafmangel und mentale Belastung dazu, sodass der Kopf beim Backyard Ultra oft entscheidender ist als die Beine.
Der Backyard Ultra stammt aus den USA und wurde von dem Ultraläufer Gary Cantrell (auch bekannt als „Laz Lake“) erfunden. Der erste offizielle Backyard Ultra, bekannt als „Big's Backyard Ultra“, fand 2011 auf dessen Privatgrundstück („Backyard“) in Tennessee statt. Gary Cantrell wollte ein Format schaffen, bei dem es nur einen Gewinner gibt und bei dem nicht die Geschwindigkeit zählt, sondern Ausdauer, Taktik sowie mentale Stärke. Beim Debüt 2011 in Tennessee schaffte der Sieger 18 Runden (18 Stunden), was ca. 120 Kilometern entsprach. Der Weltrekord im Backyard Ultra liegt bei 119 Runden (ca. 797,9 km), aufgestellt 2025 von Phil Gore (Australien) beim Dead Cow Gully Backyard Ultra.
Wie läuft ein Backyard Ultra ab?
Ein Backyard Ultra ist ein Ausscheidungslauf, der einem ziemlich klaren, aber auch gnadenlosen Ablauf folgt.
Alle starten gemeinsam zur vollen Stunde auf eine 6,706 km (4,167 Meilen) lange Rundstrecke. Du hast maximal 60 Minuten, um die Runde zu beenden. Schaffst du es schneller, hast du Pause bis zur nächsten vollen Stunde. Schaffst du es nicht rechtzeitig, bist du raus. Deshalb musst du dir deine Pausen, Essen und sogar kurzen Schlaf perfekt einteilen. Punktgenau zur nächsten vollen Stunde starten alle verbleibenden Läuferinnen und Läufer wieder auf dieselbe Rundstrecke. Du läufst jede Stunde eine Runde – und das so lange, bis du nicht mehr kannst oder alle anderen vorher aufgeben. Du gewinnst, wenn du ganz alleine den letzten „Loop“ beendest und alle anderen schon ausgeschieden sind.
Die Backyard-Ultra-Regeln im Überblick:
Der Backyard Ultra ist eine relativ neue Erfindung aus den USA – entstanden aus der Idee, nach möglichst simplen Regeln ein extrem hartes Rennformat zu schaffen:
- Der Start erfolgt immer zur vollen Stunde (z. B. 8:00 Uhr, 9:00 Uhr, …) und alle starten gleichzeitig.
- Jede Runde („Loop“ oder „Yard“) ist 4,167 Meilen bzw. 6,706 Kilometer lang.
- Für jede Runde steht ein maximales Zeitlimit von 60 Minuten zur Verfügung. Wer früher fertig ist, hat Pause bis zum nächsten Start.
- Wer nicht rechtzeitig im Ziel ist oder nicht am Start zur nächsten Runde steht, scheidet aus.
- Versorgung und Betreuung sind meist nicht entlang der Strecke, sondern nur im Start-/Zielbereich erlaubt.
- Das Rennen läuft ohne festgelegte Rundenzahl und endet erst, wenn nur noch eine Person übrig ist.
- Der Sieger oder die Siegerin muss eine letzte Runde alleine erfolgreich beenden.
- Alle anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen keine offizielle Platzierung und gelten als DNF (Did Not Finish).
Tipps zur Vorbereitung auf einen Backyard Ultra
Die Backyard-Rundenlänge ist so gewählt, dass in 24 Stunden 100 Meilen zurückgelegt werden, was einer durchschnittlichen Pace von 8:57 Minuten entspricht. Ziel ist es, Energie zu sparen, konstant zu bleiben und trotzdem pro Runde möglichst viel Pause für Verpflegung und Erholung zu haben.
Lege zuerst die Grundlage, dann das Tempo. Dein Körper muss lernen, sehr lange und ausdauernd zu arbeiten. Entscheidend ist nicht Geschwindigkeit, sondern die Zeit auf den Beinen. Lange Läufe über mehrere Stunden und auch an zwei Tagen hintereinander sind wichtig, um Ermüdung zu simulieren.
Trainiere, dein Tempo konstant zu halten. Ein langsames, gleichmäßiges Tempo („Ultra-Shuffle“) ist effizienter als schnelle Runden. Trainiere auch kürzere Laufstrecken pro Stunde, um dich an die Herausforderung zu gewöhnen. Plane bei steilen Anstiegen oder zur Erholung Gehpausen ein, das spart Energie.
Simuliere Pausen und übe den „Boxenstopp“, um deine individuellen Bedürfnisse in der Erholungszeit zu automatisieren. Denn nach jeder Runde bleiben dir nur wenige Minuten, in denen es dir nicht möglich ist, mehrere Dinge (Trinken, Essen, Ruhen etc.) gleichzeitig zu tun.
Schlafmangel und mentales Training. Wenn du lange durchhalten willst, baue Trainingseinheiten spätabends und frühmorgens ein. Du wirst Tiefpunkte haben. Zerlege die Runde in kleine Abschnitte und arbeite mit einfachen Strategien wie „bis zur Hälfte“, „bis zum nächsten Baum“ oder „nur noch 10 Minuten konzentriert bleiben“.
