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Gedreht oder geschnürt Das Boa-System: Drehverschluss für Laufschuhe

Es tauchen immer mehr Laufschuhe mit Boa-System auf, also einem Drehknopf an der Lasche, der den Schnürsenkel ersetzt. Hat der Schnürsenkel ausgedient?

Was ist besser, Schnü­ren oder Drehen? Vor dieser Frage stehen wir Läufer angesichts der steigenden Zahl von Modellen, die mit einem Drehverschluss statt mit konventioneller Schnürung ausgerüstet sind, immer häufiger.

Einfaches Drehen zieht den Laufschuh am Fuß fest

Der Drehverschluss übernimmt das Schnüren inklusive Schleifebinden: das Festziehen der Schnürsenkel durch alle Ösen und über dem Fußrü­cken und das anschließende (möglichst dauerhafte) Verknoten der Enden. Boa heißt der Hersteller, der das System entwickelt hat, das bislang bei Snowboard- und Skischuhen, Inlineskates und auch bei Radschuhen zum Einsatz kam. Bei der diesjährigen Tour de France fuhren über zwei Drittel der Fahrer in Rennradschuhen mit Boa-Verschluss.

Idee aus den Neunzigern: Das Disc-System von Puma„Die Idee ist doch alt“, werden Läufer einwenden, die ihre Laufschuhe schon länger schnüren. In der Tat wurde das „Disc-System“ von Puma bereits in den frühen 1990erJahren entwickelt; damals freilich noch nicht in so filigraner Ausführung wie heute. Vor allem in Retro-Modellen von Puma wird Disc immer noch angeboten, bei Laufschuhen nur vereinzelt, wie beim Speed 500 Ignite Disc 2. Andere Hersteller verwenden die Boa-Technologie, bislang etwa Adidas (bei Golf- und Wanderschuhen), Asics, Dynafit, Icebug, Mammut und New Balance.

Was bringt der Drehknopf?

Auffälligster Vorteil: Mit jedem feinen Klick des Drehrades wird die Schnürung enger und lässt sich millimetergenau justieren. Zudem wird der Druck überall gleichmäßig verteilt, was bei nachlässiger Schnürung mit Schnürsenkeln ja nicht der Fall ist. Zum Lö­sen wird das Drehrad einfach nach oben gezogen. Das An- und Ausziehen der Schuhe geht also kinderleicht und sehr schnell, schneller als beim konventionellen Schnüren. Außerdem kann die Schleife unterwegs nicht mehr aufgehen und man kann die Schnürung schnell mal nachjustieren, was vor allem bei Trailschuhen ein Vorteil sein kann: Für längere Bergab-Strecken dreht man den Boa-Knopf einfach etwas und bringt den Schuh enger an den Fuß.

Weiterer Vorteil: Es stehen keine Schnürsenkel ab, die sich in Geäst verheddern und lösen oder verschmutzen können. In der Vergangenheit wurden in RUNNER’S-WORLD-Tests Defekte und Funktionsausfälle am Boa-System bemängelt, mittlerweile ist es aber hinreichend robust. „Es gibt außerdem eine Garantie für die Lebensdauer des Produkts“, versichert Ralf Schön, Produktexperte von Asics, deren Modelle (derzeit der schnelle Asics Dynamis und das Trail-Modell Asics Gel-Fujirado) nach mehrjähriger Entwicklungsphase von vornherein und von Grund auf für den Einsatz der Boa-Technologie konstruiert wurden. Nachteile durch mehr Gewicht entstehen kaum.

Ist der Drehverschluss mehr als ein Modegag?

Einen Nachteil gibt es aber doch: Die Schnürung besteht aus leichtem, aber nicht dehnfähigem Gewebe. Moderne Laufschuh-Senkel dagegen sind immer leicht dehnfähig, geben so dem Fuß etwas Spielraum. Auch das feine Justieren, Hinzufügen oder Auslassen einzelner Ösen beim Schüren entfällt. Ob der Drehverschluss nicht nur ein Modegag ist, sondern eine echte technische Aufwertung, muss sich zeigen. Disc-, Pump-System und Klettverschluss sind bei Laufschuhen gescheitert, denn bei Laufbekleidung kann sich nur durchsetzen, was sich in der Praxis bewährt.

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