Die Marathon-Bilanz der Männer 2020

Spitzensport Die Marathon-Bilanz der Männer 2020

Zehn Zeiten unter 2:05 Stunden und ein deutscher Rekord: Der Rückblick auf das Jahr 2020 aus spitzensportlicher Sicht fällt durchaus positiv aus.

Nach dem besten Marathon-Jahr aller Zeiten (2019) folgte 2020 die Corona-Pandemie, die den Laufsport weitgehend lahm legte. Es wäre ansonsten sicherlich ein weiteres ganz großes Marathon-Jahr geworden. Doch was am Ende übrig blieb, kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Obwohl in den vergangenen zwölf Monaten nur wenige international wirklich hochkarätige Rennen über die klassische Distanz gestartet wurden, gab es ein paar absolute Weltklassezeiten. Während der Kenianer Evans Chebet im Dezember in Valencia die Jahresweltbestzeit von 2:03:00 Stunden erreichte, sorgte auf nationaler Ebene Amanal Petros mit seinem überraschenden deutschen Rekord von 2:07:18 Stunden am Nikolaustag in Spanien für Furore.

Valencia-Marathon
Evans Chebet lief in Valencia die Jahresweltbestzeit von 2:03:00 Stunden.

Ende eine Serie: Marathon-Weltbestzeit in Valencia, nicht beim Berlin-Marathon

Eine einmalige Serie konnte aufgrund der Corona-Krise keine Fortsetzung finden: Neunmal in Folge wurde die Jahresweltbestzeit im Männer-Marathon in Berlin gelaufen, von 2011 bis 2019. Da sich die Veranstalter des Rennens während der Pandemie gegen die Ausrichtung eines reinen Elite-Marathons entschieden, endete diese Berliner Triumph-Serie zwangsläufig. Erstmals stammt eine Marathon-Jahresweltbestzeit nun aus Valencia. Das aufstrebende Rennen, das enorme finanzielle Unterstützung erfährt und über einen sehr schnellen Kurs verfügt, war einer der wenigen Marathonläufe, die als reines Eliterennen stattfanden. Nachdem in den ersten paar Monaten des Jahres noch einige Läufe regulär gestartet wurden, gab es einen mit Valencia vergleichbaren Marathonlauf im Herbst nur noch in London. Dort jedoch herrschten im Oktober schlechte Wetterbedingungen, so dass die Ergebnisse aus Spanien die Jahresweltrangliste prägen.

Immerhin zehn Zeiten von unter 2:05 Stunden wurden 2020 erreicht. Vier dieser Zeiten waren schneller als 2:04 – und alle diese Ergebnisse kommen aus Valencia. Nie zuvor erzielten in einem Rennen vier Athleten Zeiten von unter 2:04 Stunden. In der Top-15-Liste des Jahres ist Valencia gleich mit neun Ergebnissen vertreten. Der einzige Läufer, der 2020 sogar zwei absolute Topzeiten erreichte, ist Birhanu Legese. Der Äthiopier gewann zunächst den Tokio-Marathon im März in 2:04:15 Stunden und belegte dann Rang drei in Valencia mit 2:03:16. Noch etwas war einmalig in Valencia: 30 Läufer rannten schneller als 2:10 Stunden.

Für Eliud Kipchoge lief es 2020 nicht gut im Marathon

Für Kenias Superstar Eliud Kipchoge war es dagegen ein Jahr zum vergessen: Der Weltrekordler und Olympiasieger hatte sich vollkommen auf den London-Marathon konzentriert, wo er jedoch mit der nasskalten Witterung nicht zurecht kam. Erstmals seit 2013 und erst zum zweiten Mal überhaupt in seiner Marathon-Karriere konnte Eliud Kipchoge ein Marathonrennen nicht gewinnen. Als Achter lief er nach 2:06:49 Stunden ins Ziel und findet sich damit auf Platz 47 in der Jahresweltbestenliste wieder.

Während Peter Herzog trotz der schlechten Londoner Bedingungen mit einem österreichischen Rekord von 2:10:06 Stunden überraschte, fiel zwei Monate später auch die deutsche Bestmarke völlig unerwartet: Amanal Petros (TV Wattenscheid) nutzte die perfekten Bedingungen in Valencia und lief mit 2:07:18 genau 75 Sekunden schneller als Arne Gabius (Therapie Reha Bottwartal) fünf Jahre zuvor in Frankfurt. Amanal Petros schob sich in der Liste der schnellsten europäischen Marathonläufer aller Zeiten damit immerhin auf Rang 16.

photorun.net
Hendrik Pfeiffer lief neben dem neuen deutschen Marathon-Rekordler Amanal Petros und Richard Ringer eine Zeit von unter 2:11 Stunden. Eine solche Dichte in diesem Bereich gab es in Deutschland zuletzt 1985.

Pfeiffer und Ringer rannten unter 2:11 Stunden ins Ziel

Der Aufwärtstrend im deutschen Männer-Marathon, der sich angekündigt hatte, produzierte trotz des Corona-Jahres zwei weitere Zeiten unter 2:11 Stunden: Hendrik Pfeiffer (TV Wattenscheid) steigerte sich im Februar in Sevilla auf beachtliche 2:10:18, und Richard Ringer (LC Rehlingen) lief mit 2:10:59 in Valencia ein sehr gutes Marathondebüt. Man muss sehr weit zurückblättern, um herauszufinden, wann zuletzt drei deutsche Marathonläufer in einem Jahr Zeiten unter 2:11 erreicht haben: Es war 35 Jahre her! 1985 lief Michael Heilmann in Hiroshima 2:09:03, Christoph Herle rannte in London 2:09:23 und Ralf Salzmann erreichte in Chicago 2:10:56.

Philipp Pflieger (LT Haspa Marathon Hamburg), der sich in Valencia auf 2:12:15 steigerte, und Tom Gröschel (TC Fiko Rostock/Bestzeit: 2:13:49) sind Athleten, die sich noch deutlich verbessern können. Und Arne Gabius hat in seinem voraussichtlich letzten Profi-Jahr die Olympia-Qualifikation noch nicht aufgegeben. Dafür müsste er nach dem derzeitigen Stand schneller laufen als Richard Ringer. 2021 könnte trotz Corona ein weiteres gutes Jahr werden für den deutschen Männer-Marathon.

Die Jahres-Bestenlisten 2020

International:

2:03:00 Evans Chebet KEN Valencia 6.12.
2:03:04 Lawrence Cherono KEN Valencia 6.12.
2:03:16 Birhanu Legese ETH Valencia 6.12.
2:03:30 Amos Kipruto KEN Valencia 6.12.
2:04:12 Reuben Kipyego KEN Valencia 6.12.
2:04:15 Birhanu Legese ETH Tokio 1.3.
2:04:46 Mekuant Gebre ETH Sevilla 23.2.
2:04:49 Bashir Abdi BEL Tokio 1.3.
2:04:51 Sisay Lemma ETH Tokio 1.3.
2:04:53 Deso Gelmisa ETH Valencia 6.12.
2:05:05 Barnabas Kiptum KEN Sevilla 23.2.
2:05:05 Abel Kirui KEN Valencia 6.12.
2:05:15 Abebe Degefa ETH Valencia 6.12.
2:05:29 Suguru Osako JPN Tokio 1.3.
2:05:29 Leul Gebrsilase ETH Valencia 6.12.

Deutschland:

2:07:18 Amanal Petros TV Wattenscheid Valencia 6.12.
2:10:18 Hendrik Pfeiffer TV Wattenscheid Sevilla 23.2.
2:10:59 Richard Ringer LC Rehlingen Valencia 6.12.
2:12:15 Philipp Pflieger LT Haspa Marathon Hamburg Valencia 6.12.
2:14:25 Arne Gabius Therapie Reha Bottwartal London 4.10.
2:14:38 Johannes Motschmann SCC Events Pro-Team Berlin Wien 13.12.
2:18:53 Alexander Hirschhäuser ASC 1990 Breidenbach Bernöwe 25.10.

Die schnellsten je gelaufenen Zeiten

2:01:39 Eliud Kipchoge KEN Berlin 16.9.2018
2:01:41 Kenenisa Bekele ETH Berlin 29.9.2019
2:02:37 Kipchoge (2) London 28.4.2019
2:02:48 Birhanu Legese ETH Berlin 29.9.2019
2:02:55 Mosinet Geremew ETH London 28.4.2019
2:02:57 Dennis Kimetto KEN Berlin 28.9.2014
2:03:00 Evans Chebet KEN Valencia 6.12.2020
2:03:03 Bekele (2) Berlin 26.9.2016
2:03:04 Lawrence Cherono KEN Valencia 6.12.2020
2:03:05 Kipchoge (3) London 24.4.2016
2:03:13 Emmanuel Mutai KEN Berlin 28.9.2014
2:03:13 Wilson Kipsang KEN Berlin 26.9.2016

Auf der nicht rekord-konformen Strecke des Boston-Marathons (Punkt-zu-Punkt-Kurs) lief am 18.4.2011 Geoffrey Mutai (KEN) 2:03:02 Stunden, sein Landsmann Moses Mosop war Zweiter mit 2:03:06.

Die schnellsten Deutschen aller Zeiten

2:07:18 Amanal Petros (Wattenscheid) Valencia 6.12.2020
2:08:33 Arne Gabius (Stuttgart) Frankfurt 25.10.2015
2:08:47 Jörg Peter (Dresden) Tokio 14.02.1988
2:09:03 Michael Heilmann (Berlin) Hiroshima 14.04.1985
2:09:23 Christoph Herle (Waldkraiburg) London 21.041985
2:09:45 Stephan Freigang (Cottbus) Berlin 30.09.1990
2:09:55 Waldemar Cierpinski (Halle) Montreal 31.07.1976
2:10:01 Ralf Salzmann (Kassel) Tokio 14.02.1988
2:10:18 Hendrik Pfeiffer (Wattenscheid) Sevilla 23.02.2020
2:10:22 Carsten Eich (Fürth) Hamburg 25.04.1999

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