Eile mit Meile - Sporthistorische Blätter zur DDR-Laufbewegung Privat

„Eile mit Meile!“ Sporthistorische Blätter zur DDR-Laufbewegung

Der fast vergessenen Breitensport-Laufbewegung in der DDR wird mit der 60-seitigen Ausgabe Nr. 23 der Sporthistorischen Blätter gedacht.

In der Bundesrepublik Deutschland haben in den 1970er Jahren Protagonisten des Deutschen Sportbundes, einer der Vorgängerorganisationen des Deutschen Olympischen Sportbundes, mit Jürgen Palm, und seinem Team die Trimm-Dich-Bewegung u.a. mit einem Akzent auf Ausdauersportarten (hier mit dem Slogan: „Ein Schlauer trimmt die Ausdauer“) mit zahlreichen Maßnahmen und Aktionen bundesweit etabliert. In der DDR waren es seinerzeit Sportjournalisten aus der „Kommission Freizeit- und Erholungssport der Sportjournalistenvereinigung der DDR“, die im Jahre 1974 die Idee hatten, mit dem Slogan „Eile mit Meile“ die Bevölkerung der DDR zu regelmäßigem Laufen und anderen Ausdauersportarten „meilenweit“ einzuladen. Das geschah übrigens politisch korrekt just zu „Ehren des 25. Jahrestages der DDR“.

Dieser (fast vergessenen) Breitensport-Laufbewegung in der DDR wird nun mit der 60-seitigen Ausgabe Nr.23 der Sporthistorischen Blätter in Wort und Bild gedacht, die als Reihe vom Forum für Sportgeschichte, dem Fördererverein des Sportmuseums Berlin zusammen mit dem dort ansässigen Marathoneum herausgegeben wird.

Für das neue Heft mit dem Untertitel „Vor 45 Jahren: Sportjournalisten machten DDR-Laufgeschichte“ zeichnet Gerd Steins als Präsident des Förderervereins redaktionell verantwortlich. Für diese Broschüre haben die früheren DDR-Sportjournalisten Klaus Weidt (Berlin) und Helmut Wengel (Erfurt) sowie der Jenaer Sporthistoriker Hans-Georg Kremer („Mr. Rennsteiglauf“) Textbeiträge und Archivmaterial beigesteuert.

Begeisterung für den Sport sollte geweckt werden

Wie muss man sich den „Eile mit Meile“ als Event bzw. Format vorstellen? Auf der hinteren Einbandseite des vorliegenden Bandes der Sporthistorischen Blätter ist der Aufruf von damals nachzulesen. Darin heißt es u.a., dass „jedermann“ teilnehmen kann und mit Hilfe eines „Leistungs-Paß“ möglichst 25 „Meilenweiten“ im Laufen, bei Fuß, Rad-, Wasserwanderungen oder im Schwimmen in der Zeit vom 20. April bis zum 7. Oktober 1974 zurücklegen soll. Die Leistungsnachweise für jede einzelne Meile müssen (z.B. von Vorständen der Sportgemeinschaften) bestätigt werden. Die Pässe sollen dann auf eine Postkarte geklebt und eingesendet werden (z.B. an die Redaktion „Der Leichtathlet“ in 1055 Berlin, Dimitroffstraße 157). Alle Einsendungen nehmen an einer Tombola teil … Die Zielrichtung des Wettbewerbs ist klar formuliert – nämlich „viele Menschen für den Sport zu begeistern und damit auch einen Teil der Hauptaufgabe des VIII. Parteitages zu erfüllen“

In seinem dreiseitigen Editorial ruft Autor Gerd Steins die große Bedeutung Berlins für die Entwicklung des Laufsports in Erinnerung und begründet darin auch, dass das Sportmuseum Berlin von seiner museumsphilosophischen Ausrichtung ein Laufsport-Museum ist und schließlich auf Initiative von Horst Milde, dem langjährigen Direktor des Berlin-Marathons, ab 2008 das weltweit erste und einzige „Marathon-Museum of Running“ der Internationalen Straßenlaufvereinigung (AIMS) wurde, woraufhin am 21. Januar 2015 die Wortmarke „Marathoneum“ auf das Forum für Sportgeschichte beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragen wurde.

Im Auftaktbeitrag (Titel: „Eine DDR-Aktion und ihre Langzeitwirkung“) skizziert dann der Berliner Sportjournalist Klaus Weidt, nach der Maueröffnung Herausgeber und Chefredakteur des Fachmagazins „Laufzeit“, die Anfänge der Meilen-Bewegung in der DDR und ihre Vorläufer. Dazu gehörte damals übrigens auch der neuseeländische Trainer Arthur Lydiard (1917-2004), der 1965 an der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig einen Vortrag über das langsame Laufen (Jogging) hielt, das damals n der DDR gänzlich unbekannt war, der aber einige Sportwissenschaftler anregte, sich für das massensportliche Laufen zu engagieren. Aber auch der Westen stand Pate. So ist an einer Stelle im Text über die Trimm-Dich-Bewegung zu lesen: „Sie wurde anlässlich der Olympischen Sommerspiele von München mit großem Aufwand als Breitensport-Initiative gestartet und fand Widerhall. Sollte das nicht auch in der DDR möglich sein?“ (Seite 12). Die Ausgabe 23 der Sporthistorischen Blätter enthält weitere Textbeiträge (u.a. „Erfurter Meilen-Spezialitäten“), besticht aber auch durch die attraktive fotografische Aufbereitung der Devotionalien aus der DDR-Laufbewegung sowie die genaue Auflistung der Archivgüter von Edelfrid Buggel (1928-2000), Klaus Hennig (geb. 1900) und Klaus Weidt (geb. 1936). Abgerundet wird das Heft dann noch mit einer 230-teiligen Bibliografie zur Lauf- und Fitnessbewegung, die ebenfalls Gerd Steins zusammengestellt hat. Die Schrift kann beim Forum für Sportgeschichtegegen eine Schutzgebühr von 5,- € bestellt werden.

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