THEMEN-SPECIAL
#BrooksRunsNamibia
Präsentiert von
Brooks Runs Namibia Stephan Wieser

#BrooksRunsNamibia Teil 1 – Nirgendwo in Afrika

Mit #BrooksRunsNamibia erkundet unser Redakteur Namibia und weiß danach, dass er für ein 200-Kilometer-Rennen zurückkehren wird.

Schweißgebadet liege ich auf dem Rücken und blicke mit weit aufgerissenen Augen in den Himmel. Noch nie habe ich so viele Sterne derart deutlich wahrgenommen. Ich bin froh, dass ich mich gegen ein normales Zelt und für den freien Himmel entschieden habe. Einzig ein Schlafsack, den ich ganz eng um meinen Hals gezogen habe, damit kein Skorpion hineinkrabbelt, gibt mir ein gewisses Gefühl von Schutz. Doch es ist nicht die Angst vor wilden Tieren, deren Anwesenheit ich vor wenigen Stunden in Form von angefressenen Zebra- und Antilopenskeletten sowie Leoparden-Exkrementen unweit unserer Schlafstätte am Ufer des Fischflusses (auf Afrikaans: Vis­rivier) eindrucksvoll vor Augen geführt bekam. Was mich nicht schlafen lässt, ist das laute Schnarchen um mich herum. Denn neben mir irgendwo im Nirgendwo liegen noch sieben weitere Menschen.

Brooks Runs Namibia
Stephan Wieser

Mit #brooksrunsnamibia nach Afrika

Mit dreien von ihnen, Lara, Culli und Stephan, bin ich vor drei Tagen in Deutschland aufgebrochen, um Namibia als Laufdestination zu erkunden. Lara ist Mar­ke­ting-Managerin bei Brooks und der Kopf hinter dem Projekt #brooksrunsnamibia. Culli heißt eigentlich Christian und ist als @culli_runs einer der größten Instagramer der Laufszene. Und Stephan schließlich soll das Ganze per Kamera dokumentieren. Gemeinsam reisen wir eine Woche lang durch Namibia, laufen, wo es uns gefällt, und fotografieren, wo immer es spektakulär aussieht – so der Plan.

Auf dem afrikanischen Kontinent war ich noch nie und über Namibia wusste ich bis zum Abflug nur, dass es mal eine deutsche Kolonie war. Vor meinem inneren Auge sah ich mich in der glühenden Sonne über die Savanne hinter einem Elefanten her- und vor einem Löwen weglaufen. Tiefer Sand, große Hitze, wilde Tiere, das war meine simple Vorstellung von Afrika. Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass uns ein echtes Abenteuer bevorstand.

Nach der Landung in Windhuk ist davon erst mal nichts zu spüren. Wir logieren in einem überaus luxuriösen Resort namens „Gocheganas“ und sehen gleich bei unserem ersten Lauf Zebras, Nashörner und Giraffen. Sanfte Hügel, spärlicher Bewuchs und sandiger Untergrund umgeben uns. Damit haben sich meine Erwartungen bereits nach wenigen Stunden erfüllt: Afrika ist wild, heiß und sandig … War’s das schon?

Tags darauf fliegen wir mit einer kleinen Cessna 800 Kilometer weiter in den Süden. Den Ausblick kann ich nicht genießen – mir ist übel. Ich schließe die Augen. Als ich sie zwei Stunden später wieder öffne, ist die Kulisse eine völlig andere: weit und breit kein Strauch und kein Baum – nichts als Sand, Geröll und Berge. Eine halbe Stunde Ausruhen im Kofferraum löst meine Übelkeit zum Glück auf und ich bin fit für ein Fotoshooting auf ­einer schier endlos langen Asphaltstraße. Verkehr gibt es hier fast nicht. Den Feierabend läuten wir ein, indem Culli, Stephan und ich die zehn Kilometer bis zur Unterkunft laufen. Links und rechts tauchen Plantagen auf. Mitten in der Wüste wächst etwas Grünes. Arbeiter winken uns zu, wir winken zurück. Was sie wohl von uns drei bleichen Gestalten – unsere Shirts haben wir längst ausgezogen – halten?

Als wir abends am Ufer des Oranje zusammensitzen, ist Südafrika, unser morgiges Ziel, nur einen Steinwurf entfernt. Doch wir sind nun mal keine Steine, weshalb wir einen 100 Kilometer langen Umweg in Kauf nehmen müssen. Willam, der unseren Trupp als Fahrer verstärkt, lenkt den Geländewagen erst über Asphalt, dann über Schotterstraßen. Bevor wir bei Sendelingsdrif auf einem kleinen Floß den Fluss und damit die Grenze überqueren, müssen wir an einem namibischen Grenzbeamten vorbei. Der wirft dabei vor allem ein Auge auf Lara und lässt uns erst nach einem Gruppenfoto passieren.

Wenige Kilometer weiter warten Owen und Marion auf uns. In Owen, sehnig und braungebrannt, erkennt man gleich den vorab angekündigten Traillauf-Experten. Bei Keksen und Kaffee erklärt er uns grob, was in den nächsten Tagen ansteht – und dass wir von nun an keinen Handyempfang mehr haben werden. Rückblickend markiert dieser Moment den Start zum wirklich abenteuerlichen Teil der Reise.

Das Laufabenteuer in Namibia beginnt

Es beginnt mit einem kurzen Lauf durch ein ehemaliges Diamanten-Schürfgebiet. Während Marion und Willam mit den ­Autos vorfahren, kämpfen wir mit Steinen, Sand und Sonne. Ein Weg ist nicht zu erkennen. Es sieht aus wie auf einer gigantischen Schutthalde. Owen erklärt, es gebe hier höchstens Wildwechsel, also von Tieren ausgetretene Pfade. Ansonsten laufe er stets querfeldein und folge ausgetrockneten Flussbetten, wo der Sand fester ist.

Als wir nach knapp 80 Minuten Marion und Willam erreichen, verziehe ich mich erst mal in den Schatten unter unserem Auto und kippe eine Ladung Sand aus meinen Trailschuhen. Deutlich länger dauert dann die holprige Fahrt zu einem Wildnis-Camp, das von imposanten Bergen eingerahmt wird. Außer uns ist hier niemand. So gehören die kleinen Hütten samt Solarduschen und Küche ganz uns.

Brooks Runs Namibia
Stephan Wieser

Küchenfee Marion kümmert sich ums Essen. Da sie sich strikt weigert, Hilfe anzunehmen, sitzen wir am Lagerfeuer und lauschen Owens Geschichten. Er erzählt uns von einem Rennen, das er im Juni ver­anstalten wird: dem Namibia Crossing. Es führt über fünf Etappen 200 Kilometer durch den grenzübergreifenden Ai-Ais Richtersveld Transfrontier Park. Die maxi­mal 80 Teilnehmer werden die Nächte ähnlich wie wir heute in Camps verbringen, die Owen mit seinem Team aufbauen wird. Sie werden sich um alles kümmern, was auch nötig ist, da es hier draußen im Umkreis von Stunden nicht nur keinen Mobilfunkempfang gibt, sondern auch keinen Supermarkt und keine Ortschaft. Nichts!

Trailrunning ohne Trails

Brooks Runs Namibia
Stephan Wieser

Am nächsten Morgen möchte Owen uns einen Abschnitt des Rennens zeigen. Es ist noch finster und frisch, als wir um vier Uhr aufbrechen. Im Schein der Stirnlampen klettern wir über vom Wind rund ­geschliffene Felsen mit mehreren Metern Durchmesser einen Berg hinauf. Auch hier: kein Pfad. Beim Rennen wird man mit einem Navigationsgerät ausgestattet und muss sich den Weg zwischen den Punkten selbst wählen, so Owen. Ich orientiere mich jetzt einzig an ihm. Bei dem Versuch, so leichtfüßig wie er den Hang hinaufzukraxeln, bekommen meine Hände und Beine einige Kratzer ab. Der Ausblick am Gipfel macht das aber wett: So weit man schauen kann, zeichnen sich Bergketten in der aufgehenden Sonne ab. Auf der anderen Seite geht es steil bergab. Ein Fehltritt würde hier sicher nicht gut ausgehen. Doch bei uns geht alles gut. Die Felsen werden nach unten hin immer mehr zu Steinen und letztlich zu Sand.

Wir folgen dem Verlauf eines Flussbetts, bis vor uns ein grünes Band aus Bäumen und Sträuchern auftaucht. Hier hat Marion bereits ein tolles Frühstück vorbereitet. Kurz darauf sitze ich in der sanften Strömung des Oranje und bin sicher: Besser kann es nicht werden. Wird es aber.

Owen hat noch ein Highlight in petto. Es geht zurück nach Namibia. Wir treffen Bully und Benny von der Nationalparkverwaltung. Nur mit ihnen dürfen wir dorthin, wo wir hinwollen. Nach langer Fahrt auf topfebenen Schotterpisten biegen wir plötzlich ab. Wir folgen – wie sollte es anders sein? – dem Verlauf eines Flussbetts.

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Stephan Wieser

Seit zwei Jahren sei kein Mensch mehr in dem Tal gewesen, dem wir uns im Schneckentempo nähern, erklärt uns Bully. Das glaube ich ihm sofort, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man hier mit einem Geländewagen herunter-, geschweige denn wieder heraufkommen soll. Doch Owen lenkt den Pick-up lässig über jede noch so knifflige Stelle und grinst dabei über beide Ohren.

Als wir das Camp erreichen, brennt schon das Feuer. Marion kocht auch diesen Abend für uns. Helfen lässt sie sich von Bully, der Pap, ein traditionelles Gericht aus Maismehl und Wasser, mit einem riesigen Holzlöffel über dem Feuer zubereitet. Es duftet köstlich. Allerdings sind wir an einem heiligen Ort. Vor dem Essen müssen wir uns bei den Göttern mit einem Tanz bedanken. Und so tanzen wir nach, was Benny vortanzt. Mir ist egal, wie blöd ich dabei aussehe – ich habe Hunger!

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Stephan Wieser

Was folgt, ist die eingangs beschriebene schlaflose Nacht unter freiem Himmel. Die Morgenmüdigkeit vertreibt ein Bad im von heißen Quellen aufgeheizten Fluss. Auch beim letzten Lauf mit Owen begegnen wir keinem Menschen. Die Abgeschiedenheit führt bei mir dazu, dass ich total im Moment bin. Obwohl der Canyon heißer, der Untergrund sandiger und wir langsamer werden, genieße ich es. Ich spüre mich selbst wie selten zuvor. Hier zu laufen ist kein Kinderspiel. Es ist anstrengend, ursprünglich, abenteuerlich. All das endet nach 17 Kilometern in einem Resort mit Pool, Cola und Handyempfang – die Zivilisation hat uns wieder. Schade!

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Stephan Wieser

Die letzten zwei Reisetage sind geprägt von vielen Stunden im Auto. Willam fährt uns zurück nach Windhuk. Wir passieren kleine Ortschaften mit Namen wie Mariental und Grünau. Während das Gebirge in eine Wüste und dann in eine Savanne übergeht, bleibt uns Zeit, über Owens Vorschlag zu reden. Noch bevor wir am Abreisetag im Laufschritt Windhuk erkunden, steht fest: Im Juni kehren wir zurück, um am Namibia Crossing teilzunehmen. Ich freue mich schon auf die Nächte unter den Sternen.

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