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Innovationen in der SportmedizinFünf neue Therapien im Check

Neue Behandlungsmöglichkeiten wie Eigenblut- oder Stammzellentherapie versprechen Heilung, wo sonst nur die OP half. Das taugen die innovativen Ansätze.

1 / 7 | Sportarzt John Ball: „Immer mehr Verletzungen, die früher eine Operation erforderten, können wir heute minimal-invasiv behandeln.“ Foto: iStockphoto
Innovationen in der Sportmedizin Fünf neue Therapien im Check
Neue Behandlungsmöglichkeiten wie Eigenblut- oder Stammzellentherapie versprechen Heilung, wo sonst nur die OP half – was taugen die innovativen Ansätze?

Fünf neue Therapien im Check

Die Sportmedizin hat in den letzten Jahrzehnten gewaltige Fortschritte gemacht. Früher wurde Läufern mit einer Muskel-oder Gelenkverletzung erst einmal Ruhe verordnet. Die Therapie folgte dem PECH-Prinzip: Pausieren, Eisbeutel, Kompression (Druckverband), Hochlegen. Wenn per Röntgenaufnahme ein Knochenbruch diagnostiziert wurde, steckte man das betroffene Glied in der Regel in einen Gipsverband. Anschließend wurde es wochenlang ruhiggestellt. Heute gibt es ganz neue Methoden zur Diagnose und Therapie: von Knochen-Scans bis zu MRTs, von biomechanischen Videoanalysen bis zu Laufstil-Anpassungen, von Muskelstimulation bis zum therapeutischen Kinesio-Taping. Sportmedizinern stehen mehr Hilfsmittel zur Verfügung als je zuvor, um verletzte Läufer zu behandeln und gesund zu erhalten.

Medizinische Innovationen bringen neue Heilungsmöglichkeiten

Und das ist nur der Anfang. Wissenschaftler sind ständig bemüht, neue, wirkungsvollere Therapien zu entwickeln, um Athleten mit chronischen Schmerzen und Beschwerden zu helfen, ohne zur Operation schreiten zu müssen. „Die medizinische Entwicklung ist tatsächlich an einem faszinierenden Punkt angelangt“, sagt Joseph C. McGinley, Facharzt für Sport und Röntgenologie in Casper, Wyoming (USA). „Immer mehr Verletzungen, die früher eine Operation und eine längere Trainingsunterbrechung erforderlich machten, können wir heute minimal-invasiv behandeln.“

Noch nicht das Ende aller Schmerzen aber Hoffnung für hartnäckige Beschwerden

John Ball, im US-Bundesstaat Arizona praktizierender Sportarzt mit Fachgebiet Chiropraktik, gibt jedoch zu bedenken: „So spannend die Möglichkeiten auch sind, die sich aus den neuen Behandlungsmethoden ergeben, die Techniken sind noch jung und die Ergebnisse noch sehr durchwachsen. Das heißt zwar nicht, dass die Methoden wirkungslos sind, aber sie sollten nur als letztes Mittel eingesetzt werden, wenn eine Verletzung auf die traditionellen Therapien nicht anspricht.“ Kurz gesagt: Es ist zwar noch zu früh, um das Ende aller Schmerzen zu verkünden, aber gerade für sehr hartnäckige Beschwerden gibt es neue Hoffnung.

In unserer Bilderstrecke checken wir fünf neue Behandlungsmethoden durch: Wann helfen sie, wie wirksam sind sie und wer bietet sie an?

2 / 7 | Injektionen mit thrombozytenreichem Plasma (PRT) aus dem eigenen Blut sollen den Heilungsprozess von langwierigen chronischen Verletzungen beschleunigen. Foto: iStockphoto
Fünf neue Therapien im Check Eigenbluttherapie (PRT)
Neue Behandlungsmöglichkeiten wie Eigenblut- oder Stammzellentherapie versprechen Heilung, wo sonst nur die OP half – was taugen die innovativen Ansätze?

Eigenbluttherapie (PRT)

WAS IST DAS?

Bei der PRP-Therapie wird Eigenblut verwendet, um den Heilungsprozess in einer beschädigten Sehne oder einem Gelenk zu stimulieren. Ein Arzt entnimmt dem Patienten aus dem Arm eine kleine Menge Blut und schleudert es in einer Zentrifuge, bis sich die Blutkörperchen vom flüssigen Bestandteil des Bluts, dem Plasma, trennen. Letzteres enthält natürliche Wachstumsfaktoren und Heilungsproteine. Wie Jonathan Drezner von der University of Washington School of Medicine erklärt, wird das thrombozytenreiche Plasma (PRP) im Anschluss in die verletzte Stelle injiziert und so die Regeneration von Knorpelgewebe, Sehnen und Muskeln aktiviert.

WANN HILFT ES?

Im Allgemeinen bei langwierigen bis chronischen Verletzungen. „Je weiter fortgeschritten die Degeneration zum Beispiel einer Sehne ist, desto besser scheint die PRP-Therapie zu wirken“, so Drezner. Er empfiehlt allerdings, zuerst die konventionellen Möglichkeiten auszuschöpfen: Eisbehandlung, Ruhe, biomechanische Anpassungen und Physiotherapie. „Aber wenn diese Ansätze fehlschlagen, kann PRP einem die Freude am Laufen wiedergeben.“

WIE WIRKSAM IST ES?

Der Forschungsstand zum Thema ist uneinheitlich. Ein Artikel in der Zeitschrift „Current Pharmaceutical Biotechnology“ zur Wirksamkeit der PRP-Methode in der Sportmedizin kam jedoch zu dem Schluss, dass sie Bindegewebe sogar dann heilen kann, wenn andere Behandlungsmethoden versagen. Laut Drezner wurden in seiner Klinik bereits über 300 Sportler mit PRP behandelt – mit einer Erfolgsquote von 60 bis 70 Prozent.

TUT ES WEH?

Abgesehen von der Unannehmlichkeit der Injektion können leichte muskelkaterähnliche Schmerzen auftreten, die aber normalerweise nach zwei bis drei Tagen wieder verschwinden.

WER BIETET ES AN?

Alle größeren sportmedizinischen Abteilungen.

WIE LÄUFT ES AB?

In den meisten Fällen genügt eine einzige Injektion; mitunter ist drei bis sechs Monate später eine zweite erforderlich. Falls das Problem dann noch nicht behoben ist, war die Behandlung wohl erfolglos.

3 / 7 | Soll zum Beispiel bei Arthrose vor einem Gelenkersatz bewahren: Mit Stammzellen aus dem Knochenmark wird neues Knorpelgewebe gebildet. Foto: iStockphoto
Fünf neue Therapien im Check Stammzellentherapie
Neue Behandlungsmöglichkeiten wie Eigenblut- oder Stammzellentherapie versprechen Heilung, wo sonst nur die OP half – was taugen die innovativen Ansätze?

Stammzellentherapie

WAS IST DAS?

Während die PRP-Therapie den Heilungsprozess von vorhandenem Gewebe stimuliert, kann mit der Stammzellentherapie neues Gewebe erzeugt werden. Forscher und Ärzte glauben, dass diese Therapie bei verschleißbedingten Gelenkverletzungen helfen kann. Stammzellen sind noch unfertige Zellen, welche die Fähigkeit haben, sich in ganz unterschiedliche Zelltypen auszudifferenzieren. In der Sportmedizin werden Stammzellen entnommen und dann in den verletzten Bereich injiziert, erklärt Jonathan Finnoff, Professor für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Ärztlicher Direktor der sportmedizinischen Abteilung der Mayo-Klinik in Minneapolis, die Vorgehensweise. Eine solche alternative Therapie kann Patienten möglicherweise vor einem Gelenkersatz bewahren. Dazu wird Knochenmark aus der Hüfte entnommen, indem mittels eines kleinen Einschnitts eine spezielle Nadel eingeführt wird, die in den Knochen eindringen kann. Dann wird, ähnlich wie bei der PRP-Methode, das Knochenmark zentrifugiert und in Stammzellen und Blutplättchen zerlegt. In Zellkulturen bilden die Stammzellen dann neues Knorpelgewebe, das – unter Ultraschall-Kontrolle – in die schmerzende Stelle gespritzt wird.

WANN HILFT ES?

Die Stammzellentherapie wird in erster Linie bei Sehnen-, Bänder-, Gelenk- und Muskelverletzungen eingesetzt, die auf andere Behandlungsmethoden einschließlich PRP nicht ansprechen. Finnoff: „Ich empfehle fast immer zuerst PRP, denn dieses Verfahren ist weniger belastend, kostengünstiger, und seine Wirksamkeit ist wissenschaftlich besser belegt.“

WIE WIRKSAM IST ES?

Es gibt bislang nur wenige Studien zur Wirksamkeit der Stammzellentherapie. Die vielversprechendsten Ergebnisse stammen aus Untersuchungen mit Schafen, in denen gezeigt werden konnte, dass sich mit Stammzellen Knorpelgewebe erneuern lässt, was letztlich bedeuten würde, dass sich Arthrose rückgängig machen ließe. „Die Entwicklung der Stammzellentherapie befindet sich noch im Frühstadium“, sagt Finnoff. „Ich hatte aber schon mehrere Patienten, die positiv darauf angesprochen haben, und denen ansonsten nur noch ein größerer operativer Eingriff geholfen hätte.“

TUT ES WEH?

Die Entnahme des Knochenmarks geschieht unter lokaler Betäubung oder unter medikamentöser Sedierung (Beruhigung/Herabsetzen des Schmerzempfindens), der Patient spürt also praktisch nichts. Die Injektion der Stammzellen ist – ähnlich wie beim PRP – zwar mit einem unangenehmen Gefühl verbunden, sollte aber keine ernsthaften Schmerzen verursachen.

WER BIETET ES AN?

Stammzellentherapien stehen immer häufiger zur Verfügung, vor allem in größeren, auf Forschung ausgerichteten Kliniken. Die Mehrheit der Verfahren wird allerdings in den USA von der FDA-Behörde (Food and Drug Administration) des Gesundheitsministeriums nicht anerkannt. Finnoff empfiehlt, einen Arzt zu suchen, der eine Verbindung zu einer Universität oder einem Forschungszentrum hat – Institutionen also, die Erfahrung mit dem Thema Stammzellen haben.

WIE LÄUFT ES AB?

Eine Stammzellentherapie ist in der Regel eine einmalige Sache. „Eine zweite Injektion nehme ich nur dann vor, wenn die erste ein zwar gutes, aber unvollständiges Ergebnis gebracht hat“, sagt Finnnoff. „Wenn sich zum Beispiel bei einem Läufer mit Arthrose noch nicht genug neues Knorpelgewebe gebildet hat, sodass er noch nicht schmerzfrei laufen kann, ziehe ich eine zweite Behandlung in Betracht.“

4 / 7 | Bei der innovativen sportmedizinischen Botoxtherapie werden schmerzende Muskeln durch das Nervengift Botox quasi „eingefroren“. Foto: iStockphoto
Fünf neue Therapien im Check Botoxtherapie nach McGinley
Neue Behandlungsmöglichkeiten wie Eigenblut- oder Stammzellentherapie versprechen Heilung, wo sonst nur die OP half – was taugen die innovativen Ansätze?

Botoxtherapie nach McGinley

WAS IST DAS?

Botulinumtoxin, besser bekannt unter seinem Handelsnamen Botox, ist in der Schönheitschirurgie inzwischen weltweit bekannt. Das Nervengift, das die Erregungsübertragung von Nervenzellen hemmt, wird aber nicht nur bei kosmetischen Eingriffen, sondern auch für medizinische Zwecke eingesetzt, unter anderem in der Schmerztherapie. Mithilfe von Ultraschall und Computertomografie wird es zum Beispiel in einen schmerzenden Muskel gespritzt, wodurch der Blutfluss drastisch herabgesetzt beziehungsweise für drei bis vier Monate quasi „eingefroren“ wird. „Ziel dieses patentierten Verfahrens ist es, den meist eng umgrenzten Bereich des Muskels, der die Schmerzen verursacht, mit dem Botulinumtoxin einfach für einige Zeit auszuschalten“, so McGinley.

WANN HILFT ES?

Botox-Injektionen werden zur Behandlung von Unterschenkelverletzungen eingesetzt: einerseits beim chronischen Kompartmentoder Logensyndrom (CECS), bei dem ein erhöhter Gewebedruck zu Durchblutungsstörungen und zu neuromuskulären Störungen führt, andererseits bei Durchblutungsstörungen in der Kniekehle (fPAES). Auslöser ist in beiden Fällen ein kleiner Teil des Muskels, der auf eine Vene oder Arterie drückt, was zu einer Druckerhöhung im Unterschenkel oder zu einer Durchblutungsstörung führt. Die Folge: massive Schmerzen, Schwellungen und Taubheitsgefühle in Wade, Fuß oder Fußgelenk respektive in der Kniekehle. Für Läufer mit diesen Beschwerden gab es in der Vergangenheit nur eine Lösung: die Operation. Aber jetzt kann auch schon eine Spritze helfen: Botulinumtoxin wird in genau den Muskelbereich injiziert, in dem der Blutfluss beeinträchtigt ist. „Die Risiken sind im Vergleich zu einer Operation minimal“, verspricht McGinley, ein Pionier dieser Behandlungsmethode. Ein Läufer büßt im „eingefrorenen“ Bereich zwar etwas an Muskelfunktion ein, doch der Verlust ist gering und kann vom Körper mit der Zeit problemlos kompensiert werden.

WIE WIRKSAM IST ES?

Der Einsatz von Botulinumtoxin für diese Art von Beschwerden ist noch ein echtes Novum. Es existiert dazu erst eine einzige Studie, doch die ist dafür durchaus bedeutsam: Im „American Journal of Sports Medicine“ wurde beschrieben, wie dank dieser Therapie in 94 Prozent der CECS-Fälle die Schmerzen verschwanden. 69 Prozent der Versuchspersonen berichteten zwar von einem gewissen Kraftverlust, doch hatte dies laut den Autoren der Studie keinen Einfluss auf die Bewegungsfunktion.

TUT ES WEH?

Die Injektion ist nicht schmerzhafter als eine Grippeimpfung.

WER BIETET DIE BEHANDLUNG AN?

Zurzeit ist der Mediziner McGinley der einzige Arzt, der eine Behandlung mit Botulinumtoxin durchführt. Das heißt, Läufer, die diese Therapie wünschen, müssen nach Casper im US-Bundesstaat Wyoming reisen, wo McGinley Athleten aus der ganzen Welt behandelt – zum stolzen Preis von 5000 bis 8000 Dollar.

WIE LÄUFT ES AB?

Die meisten Athleten brauchen sechs bis sieben Monate nach der ersten Behandlung eine zweite, die noch mal 3000 Dollar kostet. Danach sollte die Stelle im Muskel, die den Blutfluss behinderte, so klein geworden sein, dass sie keine Probleme mehr verursacht.

5 / 7 | Dünne Nadeln, die in die schmerzenden Stellen eingeführt werden, sollen bei Shin Splints und Plantarfasziitis helfen. Foto: iStockphoto
Fünf neue Therapien im Check Nadeltherapie
Neue Behandlungsmöglichkeiten wie Eigenblut- oder Stammzellentherapie versprechen Heilung, wo sonst nur die OP half – was taugen die innovativen Ansätze?

Nadeltherapie

WAS IST DAS?

Die gängigste der hier beschriebenen Therapien ist die sogenannte Nadeltherapie. Sie wird in der Physiotherapie eingesetzt, und zwar dann, wenn tief in einem Muskel liegendes schmerzendes Gewebe erreicht werden soll. Dazu führt der Therapeut eine dünne Nadel, wie man sie in der Akupunktur verwendet, in Richtung der schmerzenden Stelle (Triggerpunkt) ein. Ist sie dort angekommen, führt dies zu einer Entspannung. Gleichzeitig werden bestimmte Neurochemikalien beseitigt, welche die Schmerzen verursachen. Scott Epsley, Direktor der Physiotherapie und klinischen Diagnostik des Basketballklubs Philadelphia 76er, erklärt diesen Vorgang folgendermaßen: „Die Nadelstiche bewirken, dass sich die Muskeln entspannen, der Blutfluss intensiviert wird und körpereigene Heilungsmechanismen aktiviert werden. Sobald die Nadel den Triggerpunkt verlässt, zieht sich der Muskel zusammen und funktioniert normal.“

WANN HILFT ES?

Scott Epsley behandelt mit dieser Methode Läufer mit dem sogenannten Schienbeinkantensyndrom (Shin Splints) sowie mit Schmerzen im unteren Rückenbereich, in Hüfte, Knie und im unteren Fersenbereich (Plantarfasziitis).

WIE WIRKSAM IST ES?

Immer mehr medizinische Publikationen dokumentieren die Wirksamkeit der Nadeltherapie bei Verletzungen im Bereich von Muskulatur und Sehnenansätzen.

TUT ES WEH?

Die Nadeln sind so fein, dass man den Einstich selbst kaum spürt. Erreicht die Nadel den Triggerpunkt, kann ein dumpfer Schmerz auftreten. Die Nadel bleibt 5 bis 15 Minuten am Triggerpunkt oder wird mehrmals herausgezogen und wieder eingeführt. Nach der Behandlung kann es ein oder zwei Tage lang zu leichten Schmerzen kommen, vergleichbar mit einem Muskelkater. Einzige Ausnahme: die Wadenmuskulatur. Geht es um eine Behandlung dieser Region, vor allem wenn ein Wettkampf unmittelbar bevorsteht, ist Epsley ein wenig zurückhaltend. „Die Nachbehandlungsschmerzen in der Wade dauern länger und können mehrere Tage anhalten.“

WER BIETET DIE BEHANDLUNG AN?

In den USA wird die Nadelmethode von Physiotherapeuten in 25 Bundesstaaten angeboten. Ein paar von ihnen, darunter auch Epsley, bedienen sich des Ultraschalls, um die Nadel an die richtige Stelle zu bringen. So kann der Triggerpunkt besser lokalisiert und der Heilungserfolg optimiert werden. Als Physiotherapeut benötigt man eine Zusatzausbildung, um das Ultraschallverfahren anwenden zu dürfen; laut Epsley bemühen sich immer mehr Therapeuten darum. Wie die Situation in Deutschland ist, kann beim Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK) erfragt werden.

WIE LÄUFT ES AB?

Laut Epsley muss ein Läufer mit zwei bis sieben über ein paar Wochen verteilten Sitzungen rechnen. Falls die Beschwerden auch nach längerer Behandlung nicht verschwinden, liegt die Ursache möglicherweise nicht im Muskel-/Sehnenbereich. In diesem Fall muss eine Ermüdungsfraktur in Betracht gezogen werden.

6 / 7 | Mit einem mobilen Ultraschallgerät lässt sich eine Operation bei langwierigen Stressfrakturen vermeiden. Foto: iStockphoto
Fünf neue Therapien im Check Knochenstimulation
Neue Behandlungsmöglichkeiten wie Eigenblut- oder Stammzellentherapie versprechen Heilung, wo sonst nur die OP half – was taugen die innovativen Ansätze?

Knochenstimulation

Die Knochenstimulation kommt meist dann zum Einsatz, wenn ein Fuß- oder Schienbeinknochen nach vier bis sechs Monaten mit einer herkömmlichen Behandlung noch nicht verheilt ist. Bei einem Bruch des fünften Mittelfußknochens sowie bei Ermüdungsbrüchen wird sie manchmal auch als Erstbehandlung eingesetzt, weil diese Knochen ohne Stimulation oder Operation nur sehr schwer heilen. „Falls Sie eine Knochenstimulation brauchen, heißt das eventuell auch, dass Sie eine Zeitlang eine Manschette oder Krücken benutzen müssen“, erklärt Pribut.

WIE WIRKSAM IST ES?

Die Wirksamkeit der Methode ist hinlänglich dokumentiert, und auch Pributs Erfahrungen in seiner Klinik bestätigen die positiven Ergebnisse. „Ultraschall- Knochenstimulation kann den Heilungsprozess bei herkömmlichen Stressfrakturen zwar nicht beschleunigen, aber in den Fällen, wo traditionelle Therapien fehlschlagen, oder bei einem Bruch des fünften Mittelfußknochens hilft sie eindeutig.“ Rich Kenah, ehemaliger Olympiateilnehmer über 800 Meter, wurde bei einer Kahnbein-Stressfraktur im Fuß mit einer Knochenstimulation behandelt. „Der Bruch ist verheilt, ich habe die Qualifikation für Olympia geschafft und laufe bis heute ohne Schmerzen“, so Kenah.

TUT ES WEH?

Es kann zu einer Wärmeentwicklung kommen, aber die meisten Patienten spüren überhaupt nichts.

WER BIETET ES AN?

In den letzten zehn Jahren hat sich die Knochenstimulation weit verbreitet. „Die meisten Sportärzte kennen das Verfahren inzwischen und haben auch Zugang dazu“, berichtet Pribut.

WIE LÄUFT ES AB?

Pribut rät betroffenen Läufern, den Stimulator drei bis vier Monate lang täglich 20 Minuten einzusetzen. Da die Behandlung so langwierig ist, bevorzugen viele Topathleten eine Operation.

7 / 7 | Auch die Züchtung von künstlichem Gewebe verspricht zukünftig Heilungsmöglichkeiten für verletzte Sportler. Foto: iStockphoto
Fünf neue Therapien im Check Weitere Innovationen in der Sportmedizin
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Weitere Innovationen in der Sportmedizin

Neben den fünf vorgestellten Therapie-Ansätzen forscht die Sportmedizin an weiteren neuen Möglichkeiten. Der Kurz-Check:

INDIVIDUELLE UNTERSTÜTZUNG DURCH 3-D-DRUCK

Künftig können orthopädische Schuhe oder Gipsverbände mit einem 3-D-Drucker hergestellt werden – mit den exakten Maßen und individuell auf den Patienten abgestimmt. Das sagt Mark Davies, orthopädischer Chirurg an der regionalen Klinik im kalifornischen San José. Und irgendwann werde es sogar möglich sein, mit einem 3-D-Drucker organisches, auf Zellen aufgebautes Gewebe wie Bänder, Knorpel oder Sehnen anzufertigen.

GEZÜCHTETES GEWEBE AUS KOLLAGEN

Bei einem Bänderriss bildet der Körper vermehrt Kollagen (leimartiges Eiweiß des Bindegewebes), um die entstandenen Schäden zu reparieren. Künftig, so Davies, wird Kollagen auch aus natürlich vorkommenden biologischen Bestandteilen gezüchtet werden.

ANABOLE ARZNEISTOFFE: DOPING ODER HEILUNG?

Menschliche Wachstumshormone (HGH) und andere anabole, also muskelbildende Arzneistoffe können möglicherweise Heilungsprozesse beschleunigen. Die Anwendung ist allerdings umstritten, weil dadurch die Grenze zwischen Sportmedizin und leistungsfördernden Methoden verwischt wird. Außerdem sind gesundheitsgefährdende Nebenwirkungen nicht auszuschließen. An der University of Michigan (USA) läuft aber bereits eine – privat finanzierte – Studie zur Untersuchung der Wirkung von HGH nach operativen Eingriffen.

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