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Blog: Lauflabor Mysterium des Geschlechter-Wettkampfs

Geschlechter-Mysterium: Der Leistungs-Unterschied zwischen Männern und Frauen nimmt beim Laufen mit längerer Distanz zu, beim Schwimmen hingegen ab.

Lauflabor_Kampf der Geschlechter +

Im Gegensatz zu bisherigen Vermutungen zeigt eine aktuelle Studie, dass Frauen im Verhältnis zu den Männern auf den kurzen Laufdistanzen stärker sind als auf den langen.

Es gibt eine lange Liste von Experten, die behaupteten und behaupten, dass Frauen schon bald auf langen Laufstrecken besser sein werden als Männer. „Werden die Frauen bald die Männer überholen?" fragte ein Artikel in der Fachzeitschrift Nature schon 1992. Ja, werden sie, und zwar noch vor 1998, war die Antwort. Und „Können Frauen den Männern in Ultramarathon-Rennen davonlaufen?" fragten Forscher 1997 in der Zeitschrift Medicine & Science in Sports & Exercise. „Frauen werden dies auf lange Sicht tun", behaupteten Wissenschaftler 2005 im British Journal of Sports Medicine, unter Berufung auf folgende mögliche Gründe:

"Unterschiede in der Fähigkeit, bei einem höheren Prozentsatz der maximalen Sauerstoffaufnahme aerob zu laufen, in der Verwendung von aufgenommenem und gespeichertem Glykogen, im Lipidstoffwechsel und vielleicht in der akuten Reaktion von Wachstumshormonen im Gleichgewicht zwischen Gentranskription, Proteinabbau und in der Widerstandsfähigkeit gegen oxidativen Stress sowie in der Schmerzempfindung."

Das einzige Problem mit diesen Theorien besteht darin, dass sie nicht immer mit der Realität übereinstimmen, was auch Amby Burfoot, ehemaliger Chefredakteur des amerikanischen RUNNER’S-WORLD-Magazins, in seinen Ausführungen zu diesem Thema schon 2005 feststellte. Denn tatsächlich scheint der Trend genau umgekehrt: Je kürzer die Distanz, desto näher kommen die Frauen ihren männlichen Kollegen auf allen Ebenen des Wettbewerbs, wie Running-Science Blogger Graydon Snider in einem kürzlich erschienenen Beitrag überzeugend darlegt.

Aber genau hier ist der Haken, der mich neugierig macht: das Geschlechter-Mysterium. Denn Snider hat auch eine derartige Studie zum Schwimmen durchgeführt und fand heraus, dass sich dort ein entgegengesetzter Trend zum Laufen abzeichnet. Unter Läufern sind es die Sprinterinnen, die ihren männlichen Kollegen leistungsmäßig am nächsten kommen; unter Schwimmern sind es die Langstreckenschwimmerinnen, die ihren männlichen Kollegen am nächsten sind.

Im unteren Bild sehen Sie dazu zwei der wichtigsten Grafiken von Graydon Snider, die das Verhältnis der männlichen zu den weiblichen Zeiten auf unterschiedlichen Distanzen und auf vier verschiedenen Niveaus des Wettkampfs (nationales kanadisches Niveau (grün), nationales amerikanisches Niveau (lila), olympisches Niveau (blau), und die ersten 5 der Weltrangliste (rot)) für das Laufen und das Schwimmen darstellen.

Die Tendenzen sind überraschend klar. Das Verhältnis weiblich / männlich (also das Verhältnis der Endzeiten auf verschiedenen Distanzen) wird größer auf längeren Laufdistanzen und kleiner auf längeren Schwimmdistanzen. Also ist die Frage: Warum?
Geschlechter-Unterschiede beim Schwimmen und Laufen +
Foto: Graydon Snider

Die Grafiken geben Aufschluss über das Verhältnis der männlichen zu den weiblichen Zeiten auf unterschiedlichen Distanzen und auf verschiedenen Leistungsniveaus.

Wenn wir über das Laufen (oder das Schwimmen) an sich sprechen, dann ist es leicht, Theorien zu präsentieren, warum es welchen Trend geben könnte. Generell können die Erklärungsversuche in zwei große Kategorien unterteilt werden: soziologisch (z.B. weniger Frauen beteiligen sich an Langstreckenwettkämpfen), und physiologisch (z.B. Frauen verbrennen Fett effizienter auf längeren Distanzen). Die Herausforderung besteht darin, dass jeder Theorie zur Erklärung eines Trends, sofort durch eine andere Tendenz widersprochen werden kann, denn das Laufen und Schwimmen haben viele soziologische und physiologische Faktoren gemeinsam. Graydon schickte mir diese Daten vor ein paar Wochen per Mail und wir tauschten unsere Ideen dazu aus.

Nach dem Lesen von Graydons Gedanken war meine erste Vermutung, dass beim Schwimmen Muskelkraft zur Überwindung des Wasserwiderstandes wohl der bedeutendste Faktor auf kürzeren Distanzen ist und Männer daher im Vorteil sind. Auf längeren Distanzen wird die pure Kraft unwichtiger und Effizienz gewinnt an Bedeutung, so schwindet der männliche Vorteil und vielleicht hilft auch der größere Auftrieb durch höheren Körperfettanteil den Frauen ihren männlichen Konkurrenten ein bisschen näher zu kommen. Für das Laufen auf der anderen Seite... Nein, ich komm nicht weiter. Warum sollte eine Sprinterin "relativ" besser sein als eine Marathonläuferin? Offenbar haben Männer in der Regel eine um ungefähr 25 Prozent größere maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit (VO2max) als Frauen, was zum großen Teil auf die größere Menge an Körperfett von Frauen zurückzuführen ist. Vielleicht bringen Männern Muskelmasse, spezielle Faser-Typen, die Kontraktionsstärke Vorteile auf kürzeren Distanzen.

Irgendwie hat Graydon da einige faszinierende Daten in Umlauf gebracht, die ein Mysterium sind und bleiben. Wenn irgendjemand die Lösung oder wenigstens einige Ideen dazu hat, dann teilen Sie uns die bitte mit!
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Autor: Alex Hutchinson, Übersetzung Jane Grüning 05.04.2013
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