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Nervengift in der Sportmedizin Botoxtherapie nach McGinley

Botox ist durch den Einsatz in der Schönheitschirurgie weltweit bekannt. In der Sportmedizin wird das Nervengift zur Schmerztherapie verwendet.

Die Sportmedizin hat in den letzten Jahrzehnten gewaltige Fortschritte gemacht. Früher wurde Läufern mit einer Muskel-oder Gelenkverletzung erst einmal Ruhe verordnet. Die Therapie folgte dem PECH-Prinzip: Pausieren, Eisbeutel, Kompression (Druckverband), Hochlegen. Wenn per Röntgenaufnahme ein Knochenbruch diagnostiziert wurde, steckte man das betroffene Glied in der Regel in einen Gipsverband. Anschließend wurde es wochenlang ruhiggestellt. Heute gibt es ganz neue Methoden zur Diagnose und Therapie: von Knochen-Scans bis zu MRTs, von biomechanischen Videoanalysen bis zu Laufstil-Anpassungen, von Muskelstimulation bis zum therapeutischen Kinesio-Taping. Sportmedizinern stehen mehr Hilfsmittel zur Verfügung als je zuvor, um verletzte Läufer zu behandeln und gesund zu erhalten. Mit der Botoxtherapie können zum Beispiel Schmerzen für eine gewisse Zeit "ausgeschaltet" werden.

Was ist das?

Botulinumtoxin, besser bekannt unter seinem Handelsnamen Botox, ist in der Schönheitschirurgie inzwischen weltweit bekannt. Das Nervengift, das die Erregungsübertragung von Nervenzellen hemmt, wird aber nicht nur bei kosmetischen Eingriffen, sondern auch für medizinische Zwecke eingesetzt, unter anderem in der Schmerztherapie. Mithilfe von Ultraschall und Computertomografie wird es zum Beispiel in einen schmerzenden Muskel gespritzt, wodurch der Blutfluss drastisch herabgesetzt beziehungsweise für drei bis vier Monate quasi „eingefroren“ wird. „Ziel dieses patentierten Verfahrens ist es, den meist eng umgrenzten Bereich des Muskels, der die Schmerzen verursacht, mit dem Botulinumtoxin einfach für einige Zeit auszuschalten“, so McGinley.

Wann hilft es?

Botox-Injektionen werden zur Behandlung von Unterschenkelverletzungen eingesetzt: einerseits beim chronischen Kompartment oder Logensyndrom (CECS), bei dem ein erhöhter Gewebedruck zu Durchblutungsstörungen und zu neuromuskulären Störungen führt, andererseits bei Durchblutungsstörungen in der Kniekehle (fPAES). Auslöser ist in beiden Fällen ein kleiner Teil des Muskels, der auf eine Vene oder Arterie drückt, was zu einer Druckerhöhung im Unterschenkel oder zu einer Durchblutungsstörung führt. Die Folge: massive Schmerzen, Schwellungen und Taubheitsgefühle in Wade, Fuß oder Fußgelenk respektive in der Kniekehle. Für Läufer mit diesen Beschwerden gab es in der Vergangenheit nur eine Lösung: die Operation. Aber jetzt kann auch schon eine Spritze helfen: Botulinumtoxin wird in genau den Muskelbereich injiziert, in dem der Blutfluss beeinträchtigt ist. „Die Risiken sind im Vergleich zu einer Operation minimal“, verspricht McGinley, ein Pionier dieser Behandlungsmethode. Ein Läufer büßt im „eingefrorenen“ Bereich zwar etwas an Muskelfunktion ein, doch der Verlust ist gering und kann vom Körper mit der Zeit problemlos kompensiert werden.

Wie wirksam ist es?

Der Einsatz von Botulinumtoxin für diese Art von Beschwerden ist noch ein echtes Novum. Es existiert dazu erst eine einzige Studie, doch die ist dafür durchaus bedeutsam: Im „American Journal of Sports Medicine“ wurde beschrieben, wie dank dieser Therapie in 94 Prozent der CECS-Fälle die Schmerzen verschwanden. 69 Prozent der Versuchspersonen berichteten zwar von einem gewissen Kraftverlust, doch hatte dies laut den Autoren der Studie keinen Einfluss auf die Bewegungsfunktion.

Tut es weh?

Die Injektion ist nicht schmerzhafter als eine Grippeimpfung.

Wer bietet die Behandlung an?

Zurzeit ist der Mediziner McGinley der einzige Arzt, der eine Behandlung mit Botulinumtoxin durchführt. Das heißt, Läufer, die diese Therapie wünschen, müssen nach Casper im US-Bundesstaat Wyoming reisen, wo McGinley Athleten aus der ganzen Welt behandelt – zum stolzen Preis von 5000 bis 8000 Dollar.

Wie läuft es ab?

Die meisten Athleten brauchen sechs bis sieben Monate nach der ersten Behandlung eine zweite, die nochmal 3000 Dollar kostet. Danach sollte die Stelle im Muskel, die den Blutfluss behinderte, so klein geworden sein, dass sie keine Probleme mehr verursacht.

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