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Heilung auch ohne OP Stammzellentherapie

Neue Behandlungsmöglichkeiten wie die Stammzellentherapie versprechen Heilung, wo sonst nur die OP half – was taugt die innovative Therapie?

Die Sportmedizin hat gewaltige Fortschritte gemacht. Die verordnete Ruhe und das PECH-Prinzip – Pausieren, Eisbeutel, Kompression (Druckverband), Hochlegen – bei Muskel- und Gelenkverletzungen geht immer weiter zurück. Wenn per Röntgenaufnahme ein Knochenbruch diagnostiziert wurde, steckte man das betroffene Glied in der Regel in einen Gipsverband. Anschließend wurde es wochenlang ruhiggestellt. Heute gibt es ganz neue Methoden zur Diagnose und Therapie: So zum Beispiel die Stammzellentherapie, die da helfen soll, wo sonst nur eine Operation Abhilfe schafft.

Was ist das?

Mit der Stammzellentherapie kann neues Gewebe erzeugt werden. Forscher und Ärzte glauben, dass diese Therapie bei verschleißbedingten Gelenkverletzungen helfen kann. Stammzellen sind noch unfertige Zellen, welche die Fähigkeit haben, sich in ganz unterschiedliche Zelltypen auszudifferenzieren. In der Sportmedizin werden Stammzellen entnommen und dann in den verletzten Bereich injiziert, erklärt Jonathan Finnoff, Professor für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Ärztlicher Direktor der sportmedizinischen Abteilung der Mayo-Klinik in Minneapolis, die Vorgehensweise. Eine solche alternative Therapie kann Patienten möglicherweise vor einem Gelenkersatz bewahren. Dazu wird Knochenmark aus der Hüfte entnommen, indem mittels eines kleinen Einschnitts eine spezielle Nadel eingeführt wird, die in den Knochen eindringen kann. Dann wird das Knochenmark zentrifugiert und in Stammzellen und Blutplättchen zerlegt. In Zellkulturen bilden die Stammzellen dann neues Knorpelgewebe, das – unter Ultraschall-Kontrolle – in die schmerzende Stelle gespritzt wird.

Wann hilft es?

Die Stammzellentherapie wird in erster Linie bei Sehnen-, Bänder-, Gelenk- und Muskelverletzungen eingesetzt, die auf andere Behandlungsmethoden, ebenso die Eigenbluttherapie, nicht ansprechen. Finnoff: „Ich empfehle fast immer zuerst die Eigenbluttherapie, denn dieses Verfahren ist weniger belastend, kostengünstiger, und seine Wirksamkeit ist wissenschaftlich besser belegt.“

Wie wirksam ist es?

Es gibt bislang nur wenige Studien zur Wirksamkeit der Stammzellentherapie. Die vielversprechendsten Ergebnisse stammen aus Untersuchungen mit Schafen, in denen gezeigt werden konnte, dass sich mit Stammzellen Knorpelgewebe erneuern lässt, was letztlich bedeuten würde, dass sich Arthrose rückgängig machen ließe. „Die Entwicklung der Stammzellentherapie befindet sich noch im Frühstadium“, sagt Finnoff. „Ich hatte aber schon mehrere Patienten, die positiv darauf angesprochen haben, und denen ansonsten nur noch ein größerer operativer Eingriff geholfen hätte.“

Tut es weh?

Die Entnahme des Knochenmarks geschieht unter lokaler Betäubung oder unter medikamentöser Sedierung (Beruhigung/Herabsetzen des Schmerzempfindens), der Patient spürt also praktisch nichts. Die Injektion der Stammzellen ist zwar mit einem unangenehmen Gefühl verbunden, sollte aber keine ernsthaften Schmerzen verursachen.

Wer bietet es an?

Stammzellentherapien stehen immer häufiger zur Verfügung, vor allem in größeren, auf Forschung ausgerichteten Kliniken. Die Mehrheit der Verfahren wird allerdings in den USA von der FDA-Behörde (Food and Drug Administration) des Gesundheitsministeriums nicht anerkannt. Finnoff empfiehlt, einen Arzt zu suchen, der eine Verbindung zu einer Universität oder einem Forschungszentrum hat – Institutionen also, die Erfahrung mit dem Thema Stammzellen haben.

Wie läuft es ab?

Eine Stammzellentherapie ist in der Regel eine einmalige Sache. „Eine zweite Injektion nehme ich nur dann vor, wenn die erste ein zwar gutes, aber unvollständiges Ergebnis gebracht hat“, sagt Finnnoff. „Wenn sich zum Beispiel bei einem Läufer mit Arthrose noch nicht genug neues Knorpelgewebe gebildet hat, sodass er noch nicht schmerzfrei laufen kann, ziehe ich eine zweite Behandlung in Betracht.“

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