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Norah Jeruto holt WM-Gold für Kasachstan

Leichtathletik-WM 2022 Norah Jeruto holt WM-Gold für Kasachstan

Norah Jeruto gewann mit neuem WM-Rekord Gold über 3.000 Meter Hindernis. Gesa Krause konnte nicht zufrieden sein.

Norah Jeruto ist die neue Weltmeisterin über die 3.000-m-Hindernisdistanz. Die aus Kenia stammende und für Kasachstan startende Läuferin triumphierte bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Eugene (USA) in 8:53,02 Minuten und erzielte damit die drittschnellste je gelaufene Zeit und einen WM-Rekord. In einem extrem schnellen Rennen blieben auch die Äthiopierinnen Werkuha Getachew und Mekides Abebe mit 8:54,61 beziehungsweise 8:56,08 unter der Neun-Minuten-Barriere.

Gesa Krause (Eintracht Frankfurt) belegte in diesem Finale lediglich den 15. und damit letzten Rang. Sie kam nach 8:52,66 Minuten abgeschlagen ins Ziel. Krankheitsbedingt verspätet in die Saison gestartet, reichten offensichtlich Kraft und Form nur für ein Rennen bei der WM und nicht für zwei. Im Vorlauf qualifizierte sich Gesa Krause ganz knapp für das Finale, wo die WM-Dritte von 2019 und Olympia-Fünfte von Tokio 2021 frühzeitig weit zurück fiel.

In der Nacht zuvor hatte Jake Wightman im 1.500-m-Finale den Topfavoriten Jakob Ingebrigtsen (Norwegen) geschockt: Mit einem famosen Lauf stürmte der Brite zur überraschenden Goldmedaille über die Mittelstrecke.

So schnell war das Anfangstempo im 3.000-m-Hindernislauf, dass sich die führenden Läuferinnen fast den Bereich des Weltrekordes (8:44,32) erreichten. Nachdem sich Norah Jeruto sowie die ebenfalls aus Kenia stammende aber für den Bahrain startende Winfred Yavi und Werkuha Getachew vor der 2.000-m-Marke abgesetzt hatten, schaffte in der Schlussphase noch Mekides Abebe den Anschluss an diese Gruppe. Die Vorentscheidung fiel dann am letzten Wassergraben als Yavi aus dem Tritt kam und Jeruto den Schwung aus dem Sprung mitnehmen konnte. Yavi wurde am Ende Vierte in 9:01,31. Die Albanerin Luiza Gega folgte als Fünfte mit einem Landesrekord von 9:10,04 und muss zurzeit als EM-Favoritin angesehen werden. Hinter Courtney Frerichs (USA/9:10,59) überzeugte mit der Britin Aimee Pratt eine weitere Europäerin als Siebente mit einem nationalen Rekord (9:15,64). „Ich hatte großen Respekt vor den Äthiopierinnen. Es war ein hartes Rennen, und ich habe alles gegeben. Ich wollte das Rennen von vorne kontrollieren, daher habe ich mich an die Spitze des Feldes gesetzt“, sagte Norah Jeruto, die den ersten WM-Titel überhaupt für Kasachstan gewann.

Im sicherlich schwächsten Rennen ihrer internationalen Karriere kam Gesa Krause bei weitem nicht an die Leistung aus dem WM-Vorlauf heran, in dem sie sich mit der deutschen Jahresbestzeit von 9:21,02 Minuten für das Finale qualifiziert hatte. „Das ist nicht mein Anspruch. Ich muss der Tatsache ins Auge blicken, dass ich momentan nicht so fit bin, um ein Top-Resultat auf die Bahn zu zaubern. Bei jedem anderen Rennen wäre ich nicht zu Ende gelaufen, aber es ist nun mal eine Weltmeisterschaft. Da möchte ich kein ´Did not finish´ stehen haben. Es ist frustrierend, aber Niederlagen gehören zum Sport dazu“, sagte Gesa Krause, die bei allen internationalen Sommer-Höhepunkten der letzten Jahre immer wieder die beste Platzierung aller deutschen Läufer erreicht hatte.

Keine erfreulichen Nachrichten gab es auch in den Vorläufen am Mittwoch von den deutschen Läufern. So konnte sich keine der drei Starterinnen über 5.000 m für das Finale qualifizieren. Überraschend scheiterte auch Konstanze Klosterhalfen (Bayer Leverkusen). In ihrem Vorlauf lag die 5.000-m-WM-Dritte von Doha 2019 bis zur 4.000-m-Marke auf Kurs für einen Platz im Endlauf. Doch auf dem letzten Kilometer brach Konstanze Klosterhalfen ein und kam schließlich nur als Achte in 15:17,78 Minuten ins Ziel. Nach einer Covid-Infektion ist sie offensichtlich noch lange nicht wieder in Topform. Bei sehr heißen Temperaturen von über 30 Grad Celsius gewann die Äthiopierin Gudaf Tsegay den ersten Vorlauf in 14:52,64 Minuten.

Im zweiten 5.000-m-Vorlauf zeigte sich, dass auch Alina Reh (SCC Berlin) noch nicht wieder in der Verfassung ist, um in den Kampf um die Finalplätze eingreifen zu können. Die 10.000-m-EM-Dritte von 2018 litt Anfang des Jahres an einer Herzmuskelentzündung, hatte dadurch einen langen Trainingsausfall und ist noch ein Stück entfernt von ihrer Bestform. In der zweiten Hälfte des Rennes wuchs ihr Rückstand auf die Spitzengruppe deutlich. Am Ende belegte Alina Reh Rang zehn in 15:13,92 Minuten. Nur auf Rang 18 kam Sara Benfarès (LC Rehlingen) nach 16:34,23 ins Ziel. Letesenbet Gidey (Äthiopien), die bereits über 10.000 m Gold gewonnen hatte, war mit 14:52,27 die schnellste Läuferin dieses Vorlaufes. Für die deutschen Läuferinnen wäre eine Zeit von unter 15:00,98 nötig gewesen, um das Finale zu erreichen.

Keine Chance auf den Einzug ins Halbfinale hatte der einzige deutsche Läufer über 800 m. Marc Reuther (Eintracht Frankfurt) läuft in dieser Saison seiner früheren Form hinterher. In seinem Vorlauf kam er mit einer Zeit von 1:50,75 Minuten nicht über Rang fünf von sechs Läufern hinaus. Platz drei wäre nötig gewesen, um das Halbfinale zu erreichen.

Insgesamt ist das Abschneiden der deutschen Leichtathleten bei diesen Weltmeisterschaften bisher erschreckend schwach. Zur Halbzeit der Titelkämpfe, nach fünf Wettkampftagen, gab es nicht nur keine Medaille sondern auch nicht eine einzige Top-Acht-Platzierung. 52 andere Nationen hatten bis Dienstagabend zumindest einen Athleten, der unter den ersten Acht war.

1.500-m-Überraschung Jake Wightman: „Running is coming home“

Mit einem famosen Lauf war zuvor der Brite Jake Wightman zur überraschenden Goldmedaille über 1.500 m gestürmt und hatte dabei Olympiasieger Jakob Ingebrigtsen (Norwegen) hinter sich gelassen. Der 28-Jährige lief das Rennen seines Lebens und übernahm rund 200 Meter vor dem Ziel die Führung von Ingebrigtsen. In der Folge war Jake Wightman nicht mehr einzuholen und gewann in einer Jahresweltbestzeit von 3:29,23 Minuten vor dem Norweger (3:29,47). Bronze sicherte sich der Spanier Mohamed Katir in 3:29,90 vor seinem Landsmann Mario Garcia (3:20,20) und dem britischen Olympia-Dritten Josh Kerr (3:30,60). Erst danach folgte auf Platz sechs der beste Kenianer in Eugene: Der Titelverteidiger und Olympia-Zweite Timothy Cheruiyot lief nach 3:30,69 ins Ziel.

„Als ich ins Ziel lief dachte ich, das ist surreal, da muss etwas schief gelaufen sein“, beschrieb Jake Wightman seine Gefühle. Doch Jakob Ingebrigtsen war an diesem Tag einfach nicht stark genug, um den Schotten zu besiegen. „Das wird noch eine Weile dauern, bis ich das realisiere. Nach einem bitter enttäuschenden zehnten Platz bei Olympia wollte ich es hier besser machen.“ Jake Wightman ist der erste britische 1.500-m-Weltmeister seit der goldenen britischen Mittelstrecken-Ära in den 80er Jahren. 1983 gewann Steve Cram, der das Rennen in Eugene für die BBC kommentierte, den WM-Titel. Ein Jahr später triumphierte der aktuelle Präsident des internationalen Leichtathletik-Verbandes World Athletics, Sebastian Coe, bei den Olympischen Spielen über 1.500 m. Seitdem hat kein Brite mehr einen großen globalen Titel über 1.500 m gewonnen.

Auch ein Kuriosum gab es bei Jake Wightmans 1.500-m-Sieg in Eugene: Sein Vater und Trainer Geoff Wightman war der Stadionsprecher, der das Rennen kommentierte. Überwältigt vom Sieg seines Sohnes und in Anspielung an die große britische Mittelstrecken-Tradition rief er: „Running is coming home!“

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