17th IAAF World Athletics Championships Doha 2019 - Day Nine Getty Images Europe

Nike Oregon Projekt Nike stoppt Alberto Salazars Oregon-Projekt

Während der Leichtathletik-Weltmeisterschaften wurde Trainer Alberto Salazar für vier Jahre gesperrt. Nun stoppt Nike das Projekt.

Der US-Sportartikel-Riese Nike hat die Notbremse gezogen: Das Unternehmen gab bekannt, dass das umstrittene Nike Oregon Project (NOP) mit sofortiger Wirkung beendet wird. Der Cheftrainer und Mit-Begründer des NOP, Alberto Salazar, war zuvor von der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur (USADA) für vier Jahre gesperrt worden. Die Entscheidung, das NOP zu schließen, wurde fünf Tage nach dem Ende der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha bekannt gegeben. Die Webseite des NOP ist offline.

Mehrere Medaillen in Doha

Bei der WM hatten NOP-Athleten verschiedene Medaillen gewonnen. Herausragend war dabei der Doppelsieg der Holländerin Sifan Hassan, die als erste Frau in der Leichtathletik-Geschichte über 1.500 und 10.000 m globale Goldmedaillen gewann. Sie muss sich nun ebenso wie Konstanze Klosterhalfen (Bayer Leverkusen), die über 5.000 m in Doha zur Bronzemedaille gelaufen war, einen neuen Trainer und ein neues Umfeld suchen. Die Deutsche wurde beim NOP bisher von Pete Julian betreut, der aber für das von Salazar geleitete NOP tätig war.

Langjähriger Star des Nike Oregon Projects in Beaverton (Oreghon/USA) war der Brite Mo Farah, der 2012 und 2016 jeweils Olympia-Gold über 5.000 und 10.000 m gewann. Farah trennte sich allerdings 2017 vom NOP und trainiert seitdem bei Gary Lough, dem Ehemann der britischen Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe. Der US-Amerikaner Galen Rupp, der am Sonntag ebenso wie Mo Farah beim Chicago-Marathon startet, gehörte von Beginn an zu den Athleten von Alberto Salazar.

Nach mehrjährigen Verhandlungen verurteilt

Die USADA hatte erklärt, dass das US-Schiedsgericht AAA nach mehrjährigen Verhandlungen urteilte, dass Salazar und der ebenfalls gesperrte Arzt Dr. Jeffrey Brown mit der verbotenen Substanz Testosteron arbeiteten, verbotene Infusionen verabreichten und daran beteiligt waren, relevante Informationen über ihr Verhalten vor der USADA geheim zu halten. Alberto Salazar erklärte, er werde gegen das Urteil Berufung einlegen.

Der frühere NOP-Assistenztrainer Steve Magness und die ehemalige US-Weltklasseläuferin Kara Goucher, die unter Salazar trainierte und das NOP dann verließ, gehören zu jenen, die den Mut hatten, Salazar mit belastenden Zeugenaussagen anzuklagen. In einem Interview mit der BBC hatte Kara Goucher vor wenigen Tagen bereits gefordert, das NOP zu schließen.

DLV-Präsident spricht von folgerichtiger Entscheidung im Sinne des Sports

Unverständnis löste ein Interview von Sifan Hassan aus, in dem sie gegenüber der BBC nach ihrem erstaunlichen 1.500-m-Sieg bei der WM erklärte, dass sie verärgert sei über die Situation bezüglich der Sperre ihres Trainers. Hassan sagte, sie sei eine saubere Athletin. Konstanze Klosterhalfen betonte immer wieder, dass ihr Trainer Pete Julian sei. Doch damit konnte sie sich der Situation nicht entziehen. Die Athletics Integrity Unit (AIU), die sich in der Leichtathletik unter anderem mit Dopingfällen beschäftigt, war noch in Doha an die Athleten des NOP herangetreten und hatte diese aufgefordert hat, sich von ihrem Trainer zu trennen.

„Für mich ist der Beschluss, das Oregon Project nach der Salazar-Sperre zu beenden, eine folgerichtige Entscheidung im Sinne der Athleten und des Sports“, sagte der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Jürgen Kessing.

Zum weiteren Vorgehen bezüglich der Situation von Konstanze Klosterhalfen sagte DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska, der den Nike-Beschluss ebenfalls als konsequent einstuft: „Wir werden wie bereits bei der WM in Doha von mir angekündigt, intensive Gespräche mit Konstanze Klosterhalfen und ihrem Management suchen, um die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Tokio optimal abzusichern. Die Entscheidung, wie es weitergeht, wird letztlich Konstanze Klosterhalfen eigenverantwortlich treffen. Wichtig ist es aus meiner Sicht, die beste und nicht die schnellste Lösung zu finden.“

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