Herzmuskelentzündung (Myokarditis) bei Sportlern iStockphoto

Herzmuskelentzündung bei Sportlern

Myokarditis Herzmuskelentzündung bei Sportlern

Herzmuskelentzündungen sind eine häufige Ursache für die dauerhafte Herzschwäche bei Sportlern. Die Lösung: konsequente Therapie.

Der Herzmuskel ist der Motor jeder Sportlerin und jedes Sportlers. Funktioniert dieser Muskel nicht richtig, ist das Training unbefriedigend und manchmal lebensgefährlich. Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) kann jeden treffen, kommt aber vor allem bei Sportlerinnen und Sportlern unter 40 Jahren vor. Bei Jugendlichen unter 18 Jahren ist sie die häufigste Ursache für den plötzlichen Herztod. Steht die Diagnose "Myokarditis" einmal fest, ist schnelles Handeln gefragt. Denn unbehandelt kann die Entzündung des Herzmuskels zu einer dauerhaften Herzschwäche führen. Die gute Nachricht aber vorab: Die meisten akuten Herzmuskelentzündungen heilen ohne bleibende Schäden aus.

Was ist eine Herzmuskelentzündung?

Die Herzmuskelentzündung oder Myokarditis gehört zu den erworbenen, entzündlichen (inflammatorischen) Kardiomyopathien, die für eine Vielzahl verschiedener Strukturveränderungen der Herzmuskulatur stehen. Bei der Myokarditis werden die Muskelzellen des Herzens durch die Einwanderung von Entzündungszellen geschädigt. Klinisch entsteht daraus eine Fehlfunktion oder eingeschränkte Funktionsfähigkeit des Herzens, die zu einer mindestens subjektiven herabgesetzten (sportlichen) Belastbarkeit führt.

Kardiomyopathien wie die Myokarditis sind die häufigste Ursache für die Entwicklung einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche), vor allem bei jungen Menschen. Eine Herzschwäche führt dazu, dass der Herzmuskel es nicht mehr schafft, den (gesamten) Körper in ausreichendem Maße mit Blut und mit Sauerstoff zu versorgen. Das macht sich vor allem bei alltäglichen und sportlichen Belastungen bemerkbar, wenn ein höherer Sauerstoffbedarf im Körper entsteht.

Hinsichtlich der Art von Herzmuskelentzündungen unterscheidet man nach der Ursache (infektiös oder nicht-infektiös) und dem Verlauf (fulminant = rasant verlaufend, akut oder chronisch). Bei uns in Europa werden die meisten Herzmuskelentzündungen durch Viren verursacht. Grundsätzlich kann jedoch jeder infektiöse Erreger den Herzmuskel befallen, also auch Bakterien, Parasiten und Pilze.

Formen der Herzmuskelentzündung – eine Übersicht

Die Herzmuskelentzündung kann als alleinige Erkrankung, aber auch als Begleiterscheinung einer bereits bestehenden Erkrankung vorkommen. Bei Sportlerinnen und Sportlern ist meist eine Virusinfektion die Ursache (Virus-Myokarditis).

Nicht-infektiöse Myokarditis-Formen (Auswahl)

  • Riesenzellmyokarditis: Kommt selten vor, ohne bekannte Ursache, bevorzugt bei jungen Menschen, mit plötzlichem, schnellem und häufig tödlichem Verlauf. Mögliche Therapie: Immunsuppression und Herztransplantation.
  • Überempfindlichkeitsmykarditis durch Arzneimittelüberempfindlichkeit: Überempfindlichkeitsreaktion auf Medikamente, z. B. in der Krebstherapie, die zu einer chronischen Entzündung des Herzmuskels mit Herzrhythmusstörungen und Herzrasen (Tachykardie, also kontinuierlich mehr als 100 Schläge/Minute) führt.
  • Hypereosinophile Myokarditis: Kommt selten vor, eher bei Erwachsenen, mit absterbendem Herzmuskelgewebe aufgrund von Durchblutungsstörungen oder Entzündungen.
  • Rheumatische Myokarditis: Entsteht durch eine entzündliche Systemerkrankung der Gelenke, geht als Zweiterkrankung einher mit rheumatischem Fieber und führt bei Komplikationen zu einer schweren Herzinsuffizienz.

Infektiöse Myokaditis

  • Bakterielle und mykotische Myokarditis: Entsteht bei einer bereits bestehenden Infektion, z. B. einer Pilzinfektion; häufig bei Diabetes Mellitus oder nach schweren Verbrennungen. Schädigungen des Herzmuskelgewebes sind im EKG nachweisbar. Therapie durch Antibiotika möglich.
  • Myokarditis durch Protozoen: Entsteht durch eine Toxoplasmose-Infektion, meist ohne starke Entzündungsreaktion des Körpers.
  • Virale Myokarditis oder Virus-Myokarditis: Wird durch Viren ausgelöst, häufig durch Coxsackie-Viren, aber auch durch Hepatitis-, Masern- oder Influenza-Viren. Durch eine Entzündungsreaktion wird der Herzmuskel geschädigt.

Woran erkenne ich eine Herzmuskelentzündung?

Die Symptome einer Myokarditis sind sehr variabel. Daher greift man bei der Diagnostik auf die Kombination mehrerer Untersuchungen zurück.

Symptome einer Herzmuskelentzündung

Zum Symptomspektrum einer Myokarditis gehören:

  • Symptomfreiheit mit unbemerkter Ausheilung
  • Brustschmerzen
  • allgemeines dauerhaftes Unwohlsein
  • wiederkehrende Übelkeit bei körperlicher Belastung
  • Schwindelgefühle
  • ungewöhnliche Müdigkeit trotz ausreichenden Schlafes
  • angeschwollene Beine nach längerer sitzender Tätigkeit
  • Rhythmusstörungen
  • Kurzatmigkeit bis hin zur Luftnot
  • ungewöhnlich schnelle Erschöpfung (im Training)
  • häufig grundsätzlich verminderte Leistungsfähigkeit im (sportlichen) Alltag
  • komplette Blockierung des Sinusknotens, der den Takt eines gesunden Herzens autonom vorgibt
  • plötzlicher Herztod

Bei Sportlerinnen und Sportlern fallen die Symptome einer Herzmuskelentzündung häufig im Rahmen einer regulären Leistungsdiagnostik oder einer internistischen Routinediagnostik zur Abklärung anderer Probleme auf. Wenn Sie ein oder mehrere der oben aufgelisteten Symptome bei sich bemerken, sollten Sie aufhorchen, auch wenn Sie ansonsten immer fit und gesund waren.

Diagnose der Herzmuskelentzündung

Eine Herzmuskelentzündung kann nur durch die Kombination mehrerer Untersuchungstechniken sicher festgestellt werden. Die Aussagekraft der Diagnostikmöglichkeiten hängt wiederum von der Form der Myokarditis ab. Eine Endomyokardbiopsie hat bei einer akuten Myokarditis beispielsweise eine sehr gute Aussagekraft, während die der kardialen MRT (Kernspintomographie/Magnetresonanztomographie des Herzens) bei der chronischen Myokarditis eher gering ausfällt. Entzündungsprozesse und Symptome einer Virusinfektion werden beispielsweise in einer MRT nicht sichtbar.

Als Goldstandard in der Diagnostik der Herzmuskelentzündung gilt die Endomyokardbiopsie (Erstbiopsie, dann Konsekutivbiopsie), führt aber nur in Kombination mit weiteren Untersuchungen zu einer sicheren Diagnose. Richtungsweisend kann ein Kardio-MRT sein. Ein Ruhe- und Belastungs-EKG (Elektrokardiogramm/Echokardiographie) sollte bei allen Personen mit Verdacht auf eine Myokarditis erfolgen, ebenso wie die Untersuchung des Blutbildes auf Entzündungsmediatoren und Eiweiße des Herzmuskels (erhöhtes Troponin im Vergleich zu Kreatinkinase, Blutsenkungsgeschwindigkeit, C-reaktives Protein). Ergänzende Diagnostikmöglichkeiten sind die Herzkatheteruntersuchung mit Entnahme von Gewebeproben, ein Ultraschall des Herzens, ein Röntgenbild der Lunge sowie die Ultraschalluntersuchung des Bauchraums.

Welche Ursachen hat eine Herzmuskelentzündung?

Die Ursachen der Herzmuskelentzündung sind vielfältig. Deshalb sind auch die Symptome so unterschiedlich und reichen von einer symptomlosen Erkrankung über herzinfarktähnliche Symptome bis hin zum plötzlichen Herztod.

Infekte als häufigste Ursache einer Myokarditis

Die häufigste Ursache für eine Herzmuskelentzündung ist eine Infektion mit Coxsackieviren, aber auch andere Infekte der Atemwege und des Verdauungstraktes, die mit Fieber einhergehen, können zu einer Herzmuskelentzündung führen, vor allem, wenn während der Infektion trotz des Unwohlseins weiter intensiv trainiert wird.

Ähnliche Symptome wie die Herzmuskelentzündung (Myokarditis) entstehen bei einer Herzbeutelentzündung (Perikarditis). Hierbei ist die bindegewebige Hülle, die das gesamte Herz umgibt, entzündet. Auch die Ursachen beider Erkrankungen ähneln sich häufig. Eine unbehandelte Herzbeutelentzündung kann im weiteren Verlauf zu einer Herzmuskelentzündung (Perimyokarditis) führen.

COVID-19-Infektion als Ursache für eine Herzmuskelentzündung

SARS-CoV-2 befällt unseren Körper über ein Schlüsselenzym der Blutdruckregulation. Das Virus betrifft somit nicht nur die Atemwege, sondern ebenfalls das Herz-Kreislauf-System, vor allem durch eine Störung der Blutgerinnung und Veränderungen der Blutgefäße. Veränderungen des Herzmuskelgewebes kommen bei etwa 20 Prozent der Corona-Infizierten vor.

Corona-Impfung als mögliche Ursache für Herzbeutelentzündung und Herzmuskelentzündung

Grundsätzlich gilt eine Impfung weiterhin als bester Schutz gegen eine COVID-19-Infektion mit schwerwiegenden Langzeitfolgen (Long-Covid). Seit Dezember 2020 häufen sich jedoch (Verdachts-)Fälle, sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Sportlern, in denen vor allem die zweite Impfung sowie die Booster-Impfung mit Moderna oder Biontech zu Symptomen einer Herzbeutelentzündung oder Herzmuskelentzündung führt. Dies geht aus Studien und Expertenmeinungen im Januar 2022 hervor. Studien zu einem kausalen Zusammenhang stehen noch aus.

Wer ist besonders gefährdet für eine Herzmuskelentzündung?

Ein erhöhtes Risiko für eine Herzmuskelentzündung besteht bei Patienten unter Chemotherapie, im Rahmen einer Infektion mit HIV/AIDS oder nach Organtransplantationen, wenn das Immunsystem durch eine Erkrankung oder als Nebenwirkung von Medikamenten bereits geschwächt ist.

Was kann bei einer Herzmuskelentzündung passieren?

Eine Herzmuskelentzündung führt zu einer (vorübergehenden) eingeschränkten Pumpfunktion des Herzens. Eine Störung des Taktgebers des autonom funktionierendes Herzmuskels kann Herzrhythmusstörungen nach sich ziehen. Durch verbleibende Narben im Herzmuskelgewebe sind nach der Heilung bleibende funktionelle Schädigung des Herzmuskels möglich. Bei einem Prozent der Hobbysportlerinnen und Freizeitsportler und fünf Prozent der Leistungssportlerinnen und -athleten kann eine Myokarditis in nachfolgenden Obduktionen als maßgebliche Ursache für den plötzlichen Herztod festgestellt werden.

Welcher Arzt behandelt eine Herzmuskelentzündung?

Die Diagnostik und Therapie bei Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung und nach bestätigter Diagnose erfolgt durch einen Internisten oder eine Kardiologin. Da durch eine Herzmuskelentzündung im weiteren Verlauf auch die Lunge und die Organe des Bauchraums betroffen sein können, ist eine Kombination beider Fachrichtungen häufig sinnvoll.

Wie behandelt man eine Herzmuskelentzündung?

Die Behandlung der Herzmuskelentzündung erfolgt je nach Arzt oder Ärztin unterschiedlich. Häufig orientieren sich die Behandlungsmaßnahmen nicht an den aktuellen Leitlinien und die Durchführung der empfohlenen Kontrolluntersuchungen vor Wiedereinstieg in den Sport wird vernachlässigt. Ausschlaggebend für die Therapie einer Herzmuskelentzündung sind die Ursache der Erkrankung, die auch für die Prognose des Krankheitsverlaufs eine große Rolle spielt, sowie das Ergebnis der Endomyokardbiopsie.

Für die Behandlung der viralen Myokarditis gibt es aktuell keine wissenschaftlich belegten Therapieansätze, weshalb die Behandlung symptomorientiert erfolgt. Eine eingeschränkte Pumpfunktion des Herzmuskels behandeln Ärzte mit immunsuppressiven Medikamenten (Kortikosteroide, ACE-Hemmer, Betablocker) zur Unterdrückung der Entzündung. So soll das Herz vorübergehend entlastet und der Heilungsprozess beschleunigt werden. Körperliche Schonung für drei bis sechs Monate tragen ebenfalls zur Entlastung des Herzens bei. Zusätzliche Beschwerden werden symptomorientiert behandelt. Bei nicht-infektiöser Myokarditis erfolgt die Behandlung ebenfalls mithilfe immunsuppressiver Medikamente.

Die Erkrankungsdauer bei einer Herzmuskelentzündung ist unterschiedlich. Medizinisch unterscheidet man zwischen fulminanten (rasant verlaufenden), akuten und chronischen Erkrankungsverläufen. Leichte Formen der Herzmuskelentzündung können komplett unbemerkt verlaufen und ausheilen. Eine akute Myokarditis beispielsweise kann innerhalb von vier Wochen vorübergehen, ohne langfristige Schäden am Herzen zu verursachen.

Darf ich bei einer Herzmuskelentzündung Sport machen?

Aktuell gibt es keine größeren Studien guter Qualität zu Myokarditis und Sport. Return-to-sports-Empfehlungen, also Hinweise für die Wiedereingliederung in das sportliche Training und den Wettkampfbetrieb erfolgen meist auf der Grundlage von Einzelfallstudien oder Expertenmeinungen. Weit auseinander gehen die Meinungen vor allem hinsichtlich der drei- bis sechsmonatigen Ruhephase nach dem Abheilen einer akuten Myokarditis.

Laut der ESC-Pocket-Leitlinie für Sportkardiologie sollten Sie bei einer wahrscheinlichen oder diagnostizierten Myokarditis vorübergehend auf Sport verzichten. Dies gilt für den gesamten Zeitraum, in dem eine aktive Entzündung nachgewiesen werden kann. Bis die Entzündung vollständig abgeheilt ist, können mehrere Monate vergehen. Nach bestätigter Abheilung wird zu einer dreimonatigen Sportpause mit geringer körperlicher Belastung geraten. Daraus ergeben sich durchschnittlich drei bis sechs Monate Sportpause bei diagnostizierter Herzmuskelentzündung.

Danach sollten der Troponin-Wert und Entzündungswerte (CRP-Wert, Blutsenkungsgeschwindigkeit) überprüft und eine Echokardiografie sowie ein EKG durchgeführt werden. Ein Belastungstest ist vor dem endgültigen sportlichen Wiedereinstieg durchaus sinnvoll. So lässt sich das Risiko für einen belastungsinduzierten plötzlichen Herztod einschätzen und durch das entsprechend angepasste weitere Vorgehen minimieren. Sportlerinnen und Sportlern, bei denen die Herzmuskelentzündung Narben hinterlassen hat und weiterhin Rhythmusstörungen bei geringer Belastung auftreten, wird von hochintensivem Leistungssport abgeraten.

Grundsätzlich gilt jedoch wie bei allen anderen Erkrankungen, die eine Schwäche des Herzmuskels zur Folge haben: Bewegung ist das beste Training für Ihr Herz. Behalten Sie nur immer im Hinterkopf: Die Dosis macht's!

Wie kann ich einer Herzmuskelentzündung vorbeugen?

Wie jede Entzündung entsteht die Herzmuskelentzündung vor allem dann, wenn das Immunsystem ohnehin geschwächt ist. Planen Sie Ihr Training daher sorgfältig, vermeiden Sie Überanstrengung und somit eine starke temporäre Schwächung des Immunsystems. Beachten Sie die Regeln der Regeneration in anstrengenden Trainingsphasen und nach auslaugenden Wettkämpfen. Aber vor allem: Legen Sie bei fieberhaften Infekten grundsätzlich eine Sport- und Trainingspause ein. Warten Sie nach Abklingen des Fiebers mindestens drei Tage ab, bevor Sie wieder in die Laufschuhe steigen und Ihren Herzmuskel belasten.

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