Themenspecial
Ich bin ein Läufer
Maria-Luise Kluge läuft lächelnd durch den Wald. Michael Löwa

Maria-Luise Kluge So schnell ist sonst keine Deutsche in ihrem Alter

Maria-Luise Kluge läuft 10 Kilometer unter einer Stunde – mit 74 Jahren! Lesen Sie hier, was die sportliche Frohnatur vorantreibt.

Maria-Luise Kluge, 74, aus Hannover, Geschäftsführerin im Bereich EDV i. R. entdeckte vor 27 Jahren das Laufen für sich. Anfangs joggte sie ganz ohne Ehrgeiz. Je älter sie wurde, desto ambitionierter trainierte sie. ­Dieses Jahr gelang es Maria-Luise, ihre eigene Bestleistung über zehn Kilometer zu verbessern: Mit 56:53,83 Minuten führt sie die aktuelle ­deutsche Jahresbestenliste der Altersklasse 75 an. Sie startet auch bei Europa- und Weltmeisterschaften – und landet in ihrer Altersklasse immer auf dem Treppchen. Denn Maria-Luise ist kein bisschen müde in den Beinen und hat noch viele Pläne.

Mit jedem Jahr schneller

Die schlanke Frau mit dem pfiffigen Kurzhaarschnitt fällt auf. Daran sind nicht nur die knallroten Haare schuld, sondern auch ihr Hobby: In ihrem Wohnort Hannover schießt sie wie ein ­roter Blitz an Fußgängern und Mitläufern vorbei, ist bei sämtlichen Laufveranstaltungen am Start – und landet regelmäßig auf dem Podest. Denn in ihrer Altersklasse ist Maria-Luise unschlagbar. Was viele nicht wissen und die meisten nicht glauben können: Sie wurde am 21. August 75 Jahre alt, läuft also seit dieser Saison in der AK 75.

Maria-Luise ist läuferisch eine Spätzünderin: Sie war fast 50, als sie eine Leidenschaft für den Langstreckenlauf entdeckte. Zuvor hatte sie Tennis gespielt. „1992 organisierte unser damaliger Tennisverein für Mitglieder einen 5-Kilometer-Lauf. Da lief ich zum ersten Mal in meinem Leben fünf Kilometer am Stück. Das war ganz entsetzlich“, erinnert sie sich an ihre erste Runde. „Völlig erschöpft erreichte ich das Ziel, dachte auf der Zielgeraden: ,Einmal und nie wieder!‘ Aber als ich kurze Zeit später eine Medaille um den Hals gehängt bekam, setzte der Stolz ein – und gleichzeitig dieses gute Gefühl nach dem Laufen, das mich bei der Stange hielt. Bis heute. Ich mag das warme Gefühl, das nach dem Lauf meinen Körper durchströmt – ob nach Training oder Wettkampf.“

Am liebsten trainiert Maria-Luise morgens. „Jetzt im Sommer so gegen sieben Uhr, im Winter um neun. Sobald danach dieses Gefühl einsetzt, den Körper bewegt zu haben, fängt der Tag für mich optimal an“, sagt sie. Früher war ihr Ehemann Hans-Dieter der Läufer in der ­Familie, heute haben sich die Rollen vertauscht. „Er spielt gern mal Golf, ich laufe. Manchmal trainieren wir zusammen, aber Tempoläufe mag er nicht.“

„Das Gesellige am Laufen, das mag ich.“

Ihr Mann war es auch, der Maria-­Luise an die Marathonstrecke brachte, aber vorerst als Zuschauerin. Genau ein einziges Mal blieb sie am Streckenrand stehen, danach wuselte sie schon selbst im Feld der Marathonläufer mit. „Das war 2003, als ich meinen ersten in Berlin lief, um für New York zu üben.“ Beim Berichten über ihren zweiten Marathon kommt sie ins Schwärmen: „Der New-York-Marathon 2004 war und blieb das spannendste Lauferlebnis, das ich je hatte. Einmalig! Ein Muss für alle Läufer“, sagt sie.

Es folgten acht weitere Marathons im In- und Ausland. Ihren letzten vollen Marathon lief Maria-Luise 2016 in Amsterdam. Dabei erreichte sie eine Zeit von 4:34 Stunden und damit den ersten Platz ihrer Altersklasse. Sie steht gern auf dem Podest, das gibt sie schon zu. Doch das Schönste am Laufwettkampf ist für sie: „Andere Städte kennenlernen, mit anderen Läufern sprechen, das Gesellige am Laufen, das mag ich.“ Das ist ihr noch wichtiger als die Leistung. Aber irgendwie schafft sie es ­immer, beides miteinander zu verbinden: „Wenn ich mich auf der Strecke mit anderen unterhalte, dann kommt auch eine gute Zeit raus.“

Immer ein freundliches Lächeln fürs Zielfoto

In den letzten drei Jahren lief Maria-Luise bei keinem Marathon mehr mit, dafür umso häufiger bei Halbmarathons. „Das ist meine Lieblingsdistanz.“ Sie läuft drei- bis viermal pro Woche. „Die Tempoläufe absolviere ich an der Sporthochschule Hannover, auf dem Gelände des Sportplatzes, da gibt es eine große Uhr zur Kontrolle. Das finde ich praktisch.“

Auf der Homepage ihres Vereins LAC Langenhagen steht Maria-Luises neueste Errungenschaft in dicken Lettern: Sie führt mit 56:53,83 Minuten (gelaufen in Essen) die Jahresbestenliste 2019 der W75 im 10 000-Meter-Lauf an. Drei Jahre zuvor war sie in Celle bei den gleichen Meisterschaften noch eineinhalb Minuten langsamer. Ihre Leistungskurve zeigt also steil nach oben. „Es waren nur drei Teilnehmerinnen in meiner AK. Ich dachte, ich würde Dritte, aber Deutsche Meisterin – das hat mich überrascht“, sagt sie. Lieber tiefstapeln als laut posaunen, das ist typisch für sie – dabei hat sie die anderen Ladys zweimal überrundet, und das auch noch mit großer Leichtfüßigkeit! Die Zweite erreichte erst sechs Minuten nach ihr das Ziel. Lächeln statt Röcheln ist Maria-Luises Laufmotto für die Zielgerade: „Ich bin noch nie am Limit ins Ziel gerannt. Ein freundliches Lächeln auf den Lippen ist mir wichtig fürs Zielfoto.“

Getreu ihrem Motto „Mit Stil ins Ziel“ startete sie in den letzten Jahren fünfmal bei Europa- und Weltmeisterschaften für Seniorinnen. Jedes Mal landete sie auf dem Treppchen. Denn neben dem Hübschsein ist ihr Ehrgeiz mit den Jahren ebenso gewachsen. Wie kann eine Frau Mitte 70 so frisch aussehen? „Das Laufen ist das Beste, was ich für meine Figur tun kann, vor allem, weil ich gern esse“, verrät sie. Am 21. August feiert Maria-Luise ihren 75. – natürlich wie immer mit einem Lauf.

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