Mentaltraining: Mit Gedanken zum Erfolg

Innere Stärke und Bestleistung
Mentaltraining und Laufen

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 04.03.2026
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Mentale Stärke beim Laufen
Foto: Stephen Cheetham

Mentales Training wird immer populärer, denn es hat eine hohe Wirksamkeit. Kurz vor dem Ziel entscheidet bei zwei gleich starken Athleten oft die Willenskraft über den Sieg. Aber wie trainiert man eigentlich seine Gedanken und wie soll das beim Sport helfen? Wir haben mit Patrick Thiele, Mentaltrainer im Spitzensport, gesprochen, der uns diese und viele weitere Fragen beantwortet hat.

Gedanken beeinflussen, wie wir uns fühlen, wie wir handeln und wie wir unsere Umgebung und uns selbst wahrnehmen. „Was wir denken, werden wir“, ist ein bekanntes Zitat von Buddha. Gedanken formen unsere Realität. Oftmals beherrschen sie unseren ganzen Tag, zum Beispiel in Form eines inneren Dialogs, der unbewusst oder bewusst abläuft. Er basiert auf Erfahrungen und Erlebnissen aus der Kindheit, die von unserem näheren Umfeld wie Familie, Schule und Freunden geprägt sind, und hat zum Ziel, eine Erkenntnis zu gewinnen. Mentales Training kann helfen, diesen inneren Prozess besser zu steuern.

Was ist Mentaltraining?

Das Wissen um mentale Stärke im Sport wird immer bekannter. Prominente Profisportlerinnen und Sportstars, die teilweise noch aktiv sind oder auch bereits ihre Karrieren beendeten, wie beispielsweise die Tennisspieler Serena Williams, Roger Federer und Novak Djokovic sowie der Fußballspieler Christiano Ronaldo sind bekannte Vorbilder dafür, dass sie verschiedene Mentaltechniken wie Achtsamkeitsübungen, innere Monologe und Visualisierung oder Meditation bewusst für sich nutzen. Auch Schwimmstar Michael Phelps setzte in seiner aktiven Zeit gezielt auf Mentaltraining. Heute gibt er sein großes Wissen an Nachwuchstalente weiter. Die mentale Gesundheit ist dabei für ihn als Coach sehr wichtig.

Trotzdem wird Mentaltraining im Leistungssport ebenso wie im Hobbybereich von Trainern und Sportlerinnen immer noch vernachlässigt. Warum nur? Meist sind die Vorteile nicht bekannt oder das körperliche Training wird priorisiert. Doch das erste Training nach einer längeren Pause, der Lauf bei schlechtem Wetter, intensive Intervallläufe und lange Dauerläufe sind Situationen, in denen der innere Schweinehund besiegt werden muss. Was dabei hilft? Mentale Stärke!

Wir stellen dir im Folgenden verschiedene Methoden sowie mentale Tricks, Tipps und Routinen vor, mit denen du deine Willenskraft trainieren kannst.

Zuvor möchten wir dich mit einer Erklärung bzw. Definition in das mentale Training einführen. Das Mentaltraining ist kein körperliches Training, sondern fordert den Kopf. Wahrscheinlich kennst du bei dir selbst die innere Stimme, die immer wieder sagt, dass du nicht gut genug bist oder etwas nicht schaffst. Mentales Training knüpft genau da an, wo die negativen Gedanken beginnen. Es ist besonders für Menschen geeignet, die das Ziel haben, erfolgreicher, effizienter und glücklicher zu werden.

Mentaltraining hat seine Wurzeln in der Sportpsychologie. Das Ziel von mentalem Training ist es, die eigenen Gefühle und die Konzentration steuern zu können und Herausforderungen einfacher zu bewältigen. Es dient der Entspannung und Stressbewältigung, wodurch wir belastbarer und leistungsfähiger werden. Übrigens: Willensstärke hilft dir nicht nur beim Training und beim Erreichen höherer sportlicher Ziele, sondern auch bei anderen, dem Training zuträglichen Vorhaben, wie früh ins Bett zu gehen oder gesundes Essen zuzubereiten.

Warum Mentaltraining für Läufer so wichtig ist

Beim Mentaltraining im Laufsport liegt der Fokus darauf, Handlungsabläufe zu optimieren, Willensstärke zu entwickeln und eine bessere Selbstführung zu erlernen. Mentales Training hilft dabei, unabhängig von Leistungsniveau, Altersstufe oder Sportart.

„Mentales Training ist für Hobbysportler der entscheidende Faktor dafür, ob das Training Spaß macht oder zum Kampf wird. Viele Sportler kritisieren sich ständig, stellen unnötig hohe Erwartungen an sich selbst oder können mit dem Druck bei einem Wettkampf nicht umgehen. Im Leistungssport hilft mentales Training, die erlernten Fähigkeiten aus dem Training bei einem Wettkampf anzuwenden und in entscheidenden Momenten die letzten Prozente zu mobilisieren“, sagt Mentalexperte Patrick Thiele.

Verschiedene psychologische Methoden helfen dir dabei, die negativen Gedankenspiralen zu stoppen und in ein positives Mindset zu verwandeln. Sie stärken die emotionale Kompetenz, das Selbstbewusstsein sowie das Wohlbefinden und verbessern die geistige und körperliche Belastbarkeit und damit einhergehend die sportliche Leistung. Und genau das wollen wir doch als Läuferinnen und Läufer, oder? Denn diese mentalen Stärken sind ganz wichtig auf den letzten Kilometern eines Wettkampfs, weil sie über den Erfolg von Läufern entscheiden. Bei zwei körperlich gleich starken Athletinnen siegt mit ganz großer Sicherheit die mental Stärkere.

Die häufigsten mentalen Herausforderungen beim Laufen

Typische Szenarien für Läufer sind der siebte Kilometer bei einem 10-km-Lauf oder das Marathontief um Kilometer 35, wenn der sogenannte „Mann mit dem Hammer“ kommt. In solchen Fällen hat der Körper eigentlich noch Energie, aber das Gehirn hat im Laufe der menschlichen Evolutionsgeschichte die Aufgabe übernommen, uns vor Gefahren zu schützen und uns am Leben zu halten. Deswegen sendet es unserem Körper Signale der Erschöpfung. Typische Anzeichen sind das Brennen der Lunge oder schwere Muskeln. Oftmals legen wir dann eine Pause ein, obwohl wir eigentlich mehr schaffen könnten. Mentaltraining hilft uns, dieses „Mehr“ herauszuholen.

Studien zufolge entscheidet die mentale Stärke zu 50 Prozent über den Erfolg, manche Sportler glauben sogar an einen höheren Anteil. Wissenschaftler vom Center for Applied Coaching and Sport Science der West Virginia University in Morgantown (USA) untersuchten, worin sich weniger erfolgreiche und erfolgreiche Olympiateilnehmer unterscheiden. Es konnte herausgefunden werden, dass die erfolgreicheren Sportler Optimisten waren und sich auf die Chancen statt auf die Probleme konzentrierten. Sobald sie ein Problem erkannten, handelten sie lösungsorientiert.

Optimisten sind nicht nur besser im Sport, sie leiden auch weniger unter Stress, haben ein besseres Immunsystem und leiden seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen. Sie haben mehr Erfolgschancen, mehr Freude und Zufriedenheit, sind resilienter und stabiler in Krisen. Aber keine Sorge, Optimismus lässt sich üben!

Es gibt einen eigenen Forschungszweig dazu, der sich positive Psychologie nennt. Hier wird untersucht, was uns Menschen glücklich macht. Was uns antreibt, unsere Ziele zu erreichen, und wie wir Optimismus und positives Denken trainieren können. Ein bekannter Name dieser Forschungen ist deren Begründer, der Amerikaner Martin Seligman. Ein weiterer Forscher war der Ungar Mihaly Csikszentmihalyi, der den Begriff Flow prägte.

Die wichtigsten Mentaltraining-Techniken für Läufer

Im Laufsport soll mentales Training hauptsächlich dazu dienen, schneller in den „Flow-Zustand“ zu kommen, auch „Runner’s High“ genannt. „Regelmäßiges mentales Training verhilft Läuferinnen, den eigenen Fokus zu steuern. Wenn Läufer sich immer wieder an ihre persönliche Grenze bringen, entwickeln sie ein Schweregefühl in den Beinen und verlieren sich oft in diesem Gefühl, worunter letztlich die Leistung leidet. Legt man den Fokus jedoch auf etwas anderes – einen anderen Läufer, die Umgebung oder andere Körperteile –, wird der Kopf abgelenkt und kommt automatisch in einen Flow“, erklärt Patrick Thiele.

Zudem verbessern sich durch regelmäßiges Training die Bewegungsabläufe, der Laufstil und die Kondition. Studien zeigen, dass besonders Langstreckenläufer vom Mentaltraining profitieren. „Wenn mentales Training regelmäßig in den Trainingsplan integriert und dadurch ein besserer Umgang mit Druck und Stress erlernt wird, dann profitiert man auch in anderen Bereichen und kann das erlernte Wissen übertragen“, so Thiele.

Beim Mentaltraining geht es also in erster Linie darum, Strategien zu erlernen, um leichter zu laufen. Das hilft vor allem auf den letzten Kilometern eines harten Trainings oder beim Wettkampf, wenn es so richtig anstrengend wird. Dann entscheidet der Kopf über Sieg oder Niederlage. Ist dieser gut vorbereitet, können wir alles aus uns rausholen.

Übungen fürs Mentaltraining: Praxisbeispiele für Training und Wettkampf

Im Folgenden geben wir dir eine Übersicht an verschiedenen Tipps und Tricks, um dein positives Mindset zu trainieren. Du kannst dich für eine Methode entscheiden oder jeden Tag eine andere nutzen. Wichtig zu wissen ist, dass mentales Training – genau wie körperliches Training – nicht von heute auf morgen seine große Wirkung zeigt. Das Gehirn ist eben auch wie ein Muskel, der stärker wird, je öfter man ihn trainiert. Es braucht Zeit und Routine, damit die Verbesserungen spürbar werden und nachhaltig sind. Du solltest also regelmäßig üben, vor allem in der Wettkampfvorbereitung!

1

Visualisiere das gewünschte Ergebnis

2

Nutze positive Glaubenssätze

3

Reflektiere mit einem Journal

4

Auf das Positive fokussieren

5

Umfeld anpassen

6

Meditation

7

Atemtechniken lernen

8

Dankbarkeit praktizieren

9

Realistische Ziele setzen

10

Praktiziere den positiven Perfektionismus

11

Mit Routinen Willensenergie sparen

Zur Trainingsumsetzung: „Das Wichtigste ist, sich für die mentale Entwicklung Zeit zu geben. Genau wie beim Sport, handelt es sich auch hier um einen Trainingsprozess. Die meisten geben zu schnell auf, wenn nicht sofort eine Veränderung spürbar ist“, erklärt Patrick Thiele. Er empfiehlt, für eine nachhaltige Veränderung mindestens drei Monate einzuplanen. Der Fokus soll darauf gelegt werden, eine Routine aufzubauen. „Zu Beginn reichen zwei- bis dreimal die Woche. Nach der Integration können Häufigkeit und Intensität gesteigert werden – für Hobbysportler reicht das Üben dreimal in der Woche“, so der Mentaltrainer.

3 häufige Fragen zu Mentaltraining

Fazit