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Berliner 25-km-Lauf 1981 startete deutsche Laufbewegung im großen Stil

Der Berliner 25-km-Lauf hieß früher „25 km de Berlin“ und war ein Meilenstein der (deutschen) Laufgeschichte. Ein Rückblick.

Es war Anfang der 80er Jahre als im westlichen Europa die ersten bedeutenden City-Straßenläufe für Breitensportler entstanden. Das Vorbild für sie war vor allen New York: Dort führte der Marathon bereits seit 1976 mit großem Erfolg mitten durch die Stadt. Am 29. März 1981 hatte der London-Marathon eine großartige Premiere, am 17. Mai wurde dann in Frankfurt der erste deutsche City-Marathon gestartet. Im Herbst führte schließlich auch die Strecke des Berlin-Marathons erstmals mitten durch das westliche Zentrum der damals noch geteilten Stadt.

Berliner 25-km-Lauf hieß zunächst „25 km de Berlin“

Unter den nun im Frühjahr aufgrund der Coronavirus-Krise abgesagten Rennen waren ein paar, die ihr 40. Jubiläum feiern wollten. Dies trifft auch auf jenen Lauf zu, der im Frühjahr 1981 als erstes großes deutsches City-Laufspektakel in die Geschichte einging: der Berliner 25-km-Lauf, der zunächst „25 km de Berlin“ hieß, fand am 3. Mai 1981 zum ersten Mal statt. Mit diesem Rennen startete die deutsche Laufbewegung im großen Stil.

Die Straßen waren bis zu jenem 3. Mai nicht für die Läufer da. Es gab vor allem in Berlin in den Jahren zuvor schon Bemühungen, es den Amerikanern nachzumachen. Doch alle Versuche scheiterten an den Behörden und der Polizei. Um- und vor allen Dingen durchsetzen konnten diese Pläne als erstes die französischen Alliierten in Berlin. Sie organisierten die „25 km de Berlin“, die somit zu einem Wegbereiter deutscher Cityläufe wurden.

Bei der Premiere 1981 waren 3.250 Läufer dabei

Der französische Major Bride hatte einst die Idee für einen 25-km-Lauf quer durch Berlin. Vorbild war für ihn das 20-km-Rennen von Paris nach Versailles. Da das alliierte Recht in Berlin Vorrang hatte, konnte die Polizei nichts unternehmen, um die Pläne der Franzosen und den Lauf mitten durch die Stadt zu stoppen. Nicht nur für Major Bride und die ihm bei der Organisation zur Seite stehenden Institutionen, der Landessportbund Berlin (LSB) und der Berliner Leichtathletik-Verband (BLV), bedeutete das einen Großeinsatz, auch für die Polizei. Die „25 km de Berlin“ wurden aber auf Anhieb zu einem vielbeachteten Erfolg, und damit war der Damm gebrochen. Noch im gleichen Jahr verlief auch die Strecke des Berlin-Marathons durch die Innenstadt.

3.250 Läufer starteten bei der 25-km-Premiere 1981. Die beiden Türken Mehmet Yurdadön und Mehmet Terzi liefen damals nach 1:16:59 Stunden Hand in Hand ins Ziel im Berliner Olympiastadion. Bei den Frauen siegte die Französin Yonille Audibert in 1:36:35. Dass es gleich im ersten Jahr zwei Läufer gab, die gemeinsam als Gewinner durch das Ziel liefen, passte zum Konzept der französischen Organisatoren. Denn sie wollten mit dem Rennen ihre freundschaftliche Verbundenheit zu der Berliner Bevölkerung dokumentieren. Die Soldaten der westlichen Alliierten bildeten während der ersten zehn Jahre einen nicht unerheblichen Anteil am immer größer werdenden Teilnehmerfeld.

Bereits 1984 wurden 7.583 Starter gezählt, zwei Jahre später dann 10.063. Den Höhepunkt, was die Beteiligung anging, erlebten die „25 km de Berlin“ 1990. Rund ein halbes Jahr nach dem Fall der Mauer rannten 14.300 Läufer aus aller Welt durch die Stadt. In der Folge gab es über viel Jahre hinweg einen deutlichen Teilnehmerrückgang bei der zuvor zeitweilig größten Laufveranstaltung Deutschlands. Dies lag teilweise daran, dass die Läufer der alliierten Streitkräfte weggefallen waren.

Christa Vahlensieck gewann zweimal

Spitzensportlich sorgte der Berliner 25-km-Lauf, der nach der Wiedervereinigung und dem Abzug der französischen Alliierten ab 1991 zunächst vom Berliner Leichtathletik-Verband (BLV) fortgeführt wurde, immer wieder für Furore. Schon in den 80er Jahren trugen sich Weltklasseläufer in die Siegerlisten des Berliner Rennens ein. Zweimal gewann die frühere Marathon-Weltrekordlerin Christa Vahlensieck (Barmer TV/Wuppertal), und 1989 stellte die damalige Marathon-Olympiasiegerin Rosa Mota (Portugal) mit 1:25:46 Stunden einen Streckenrekord auf.

Nachdem es 1992 den bisher einzigen Berliner Doppelerfolg gegeben hatte – Kathrin Ullrich-Weßel verbesserte den Kursrekord auf 1:24:41 und Rainer Wachenbrunner steigerte sich auf 1:15:21 –, lief Tendai Chimusasa (Simbabwe) 1993 überraschend eine Weltbestzeit von 1:14:25 Stunden. In der Folge wurden bei dem Rennen sechs weitere 25-km-Weltrekorde aufgestellt. Sieben globale Bestzeiten können im internationalen Straßenlauf nur wenige Rennen vorweisen.

Einmaliger Doppel-Weltrekord durch Kosgei und Keitany

Ganz große spitzensportliche Höhepunkte erlebte das Rennen 2010 und 2012. Inzwischen hatten die erfahrenen Berliner Leichtathletik-Veranstalter und -Manager Gerhard Janetzky und Christoph Kopp das Rennen vom BLV übernommen und unter dem Titel „Berlin läuft … 25 km“ wieder in ein erfolgreicheres Fahrwasser geführt – so stiegen die Teilnehmerzahlen für den Traditionslauf endlich wieder an und das Rennen wurde wieder stärker international wahrgenommen.

Am 9. Mai 2010 schrieb der 25-km-Lauf bei seiner 30. Auflage ein Kapitel Leichtathletik-Geschichte. Die Kenianer Samuel Kosgei und Mary Keitany stürmten zu einem einmaligen Doppel-Weltrekord und krönten damit die Jubiläumsausgabe. Nie zuvor – und das gilt bis heute – brachen in einem Straßenrennen beide Sieger die bestehenden Weltrekorde, egal über welche Distanz. Sammy Kosgei stürmte nach 1:11:50 Stunden ins Ziel im Berliner Olympiastadion, Mary Keitany blieb mit 1:19:53 sogar als erste Frau unter 1:20 Stunden und durchbrach damit eine Schallmauer. Im hochklassigsten 25-km-Rennen aller Zeiten nutzten die Topathleten die idealen Wetterbedingungen.

Während die Bestzeit von Mary Keitany nach wie vor Bestand hat, steigerte der kenianische Newcomer Dennis Kimetto am 6. Mai 2012 den Welt- und Streckenrekord in Berlin auf 1:11:18 Stunden. Auch diese Marke von Kimetto wird vom internationalen Leichtathletik-Verband World Athletics nach wie vor als schnellste Zeit aller Zeiten gelistet.

Heute nur noch ein Schatten seiner selbst

Leider hat sich der Höhenflug des Berliner 25-km-Laufes in den letzten Jahren nicht fortgesetzt. Seit der Übernahme der Veranstaltung durch das belgische Unternehmen „Golazo Sports“ ist der Traditionslauf nur noch ein Schatten seiner selbst. Es ist bedauerlicherweise offensichtlich, dass es den heutigen Betreibern in erster Linie nicht mehr um den sportlichen und historischen Wert der Veranstaltung geht, die eine derart hohe Bedeutung für den deutschen Laufsport hat.

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