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Vor dem Berlin-Marathon 2019 Gladys Cherono peilt Rekord-Sieg an

Vor dem Berlin-Marathon 2019: Melat Kejeta hofft auf ein sensationelles Debüt, Anna Hahner will die Olympia-Norm laufen.

Gladys Cherono will am Sonntag ein weiteres Stück Geschichte schreiben beim größten und spektakulärsten deutschen Straßenlauf: Vor einem Jahr brach die Kenianerin beim BMW Berlin-Marathon den 13 Jahre alten Streckenrekord, nun könnte sie mit Triumph Nummer vier zur Rekord-Siegerin des Rennens werden. Auch ihren eigenen Kursrekord von 2:18:11 Stunden hat Gladys Cherono im Visier. Während an der Spitze mit Weltklassezeiten von unter 2:20 Stunden zu rechnen ist, plant Melat Kejeta (Laufteam Kassel) mit einer sehr schnellen Zeit von 2:22. Dies wäre ein sensationelles Debüt für die aus Äthiopien stammende Läuferin, die seit März für Deutschland startberechtigt ist. Die internationale Olympia-Norm für die Spiele in Tokio 2020, die auf 2:29:30 Stunden festgesetzt wurde, peilt währenddessen Anna Hahner an, die für das Team des Veranstalters (SCC-Events Pro-Team) startet.

„Wir haben sicherlich eines der stärksten Elitefelder unserer Veranstaltungsgeschichte am Start, obwohl es ein paar Absagen gab“, sagte Race-Direktor Mark Milde. „Wir müssen natürlich abwarten, wie das Wetter sich entwickelt. Aber ich hoffe, dass wir am Sonntag den Streckenrekord der Frauen angreifen können.“

Cherono will den vierten Sieg beim vierten Start holen

Gladys Cherono will am Sonntag ihre lupenreine Berlin-Serie fortsetzen: Dreimal ging sie bisher in der deutschen Hauptstadt an den Start, dreimal triumphierte sie. Damit steht sie jetzt in einer Reihe mit den Berliner Rekord-Siegerinnen Renata Kokowska (Polen), Uta Pippig (Berlin) und Aberu Kebede (Äthiopien), die das Rennen auch jeweils dreimal gewonnen haben. „Ich habe gut trainiert und es ist mein Ziel, meinen Titel zu verteidigen“, sagte Gladys Cherono und fügte hinzu: „Ich hoffe, dass ich auch eine persönliche Bestzeit erreichen kann.“ Ihren persönlichen Rekord von 2:18:11 Stunden stellte sie im vergangenen Jahr in Berlin auf. Gladys Cherono ist damit die sechstschnellste Läuferin aller Zeiten.

Während die vermeintlich stärkste Herausforderin von Gladys Cherono, ihre Landsfrau Vivian Cheruiyot, aufgrund von Achillessehnenproblemen ausfällt, gibt es eine andere Läuferin im Feld, die das Leistungsvermögen hat, die Titelverteidigerin herauszufordern: Meseret Defar hat das Potenzial, Zeiten von deutlich unter 2:20 Stunden zu laufen. Die zweimalige 5.000-m-Olympiasiegerin (2004 und 2012) aus Äthiopien hat bisher eine Zeit von 2:23:33 Stunden erreicht. „Ich hatte in den letzten Jahren oft Verletzungen, aber jetzt konnte ich sehr gut trainieren. Ich habe mich entschlossen in Berlin zu laufen, weil die Strecke hier so schnell ist“, sagte Meseret Defar, die am Sonntag auf eine deutliche Bestzeit hofft.

Ebenfalls zum Kreis der Favoritinnen zählt Mare Dibaba – auch wenn die äthiopische Marathon-Weltmeisterin von 2015 und Olympia-Dritte von 2016 zuletzt nicht in Topform war. „Mein Ziel ist es, in den Bereich meiner Bestzeit zu laufen“, erklärte Mare Dibaba, die das Kunststück schaffte, zweimal 2:19:52 Stunden zu laufen. Neunmal wurden beim Berlin-Marathon bisher Zeiten von unter 2:20 Stunden gelaufen. Darunter war 2001 der erste Lauf einer Frau unter der 2:20-Barriere: Die Japanerin Naoko Takahashi rannte damals 2:19:46. Die Chancen stehen gut, dass es am Sonntag die zehnte Zeit unter 2:20 in Berlin geben wird.

Melat Kejeta will bei ihrem Debüt um 2:22 h laufen

Überraschend kam die Aussage von Melat Kejeta während der Pressekonferenz am Donnerstag, dass sie am Sonntag eine Debüt-Zeit von 2:22 Stunden anpeilt. Damit würde sie auf Anhieb zur drittschnellsten deutschen Marathonläuferin aller Zeiten werden. Schnellere Zeiten erzielten lediglich die deutsche Rekordlerin Irina Mikitenko (2:19:19) und Uta Pippig, die auf der allerdings nicht rekordkonformen Strecke in Boston 1994 eine Zeit von 2:21:45 erreicht hatte. „Ich werde alles versuchen, um eine sehr gute erste Bestzeit zu laufen. Mein Ziel sind 2:22 Stunden“, sagte Melat Kejeta, deren Halbmarathon-Bestzeit bei 68:41 Minuten steht.

Für Anna Hahner ist es bereits der fünfte Start beim BMW Berlin-Marathon. „Dieses Mal ist es für mich aber wie ein Heimspiel“, sagte Anna Hahner. Die 29-Jährige startet seit Jahresbeginn für das SCC-Events Pro-Team, lebt hauptsächlich in München, ist aber regelmäßig auch zum Training in Berlin. Nach einer längeren Verletzungspause und einem kompletten Neuaufbau ist sie noch nicht wieder in Topform. „Auch mit einer semi-spezifischen Vorbereitung – ich bin nicht mehr als 120 Kilometer pro Woche gelaufen, aber viel Rad gefahren – traue ich mir zu, die Olympia-Norm von 2:29:30 zu laufen“, sagte Anna Hahner, die in Berlin 2014 mit 2:26:44 Stunden ihre Bestzeit aufstellte.

Eliteläuferinnen und ihre Bestzeiten

Gladys Cherono KEN 2:18:11
Mare Dibaba ETH 2:19:52
Haftamnesh Tesfay ETH 2:20:13
Helen Tola ETH 2:21:01
Ashete Bekere ETH 2:21:14
Sally Chepyego KEN 2:23:15
Meseret Defar ETH 2:23:33
Rahma Tusa ETH 2:23:46
Zhixuan Li CHN 2:26:15
Sara Hall USA 2:26:20
Anna Hahner GER 2:26:44
Andrea Deelstra NED 2:26:46
Maja Neuenschwander SUI 2:26:49
Sally Kipyego USA 2:28:01
Martina Strähl SUI 2:28:07
Krista Duchene CAN 2:28:32
Adriana Nelson USA 2:28:52
Virginia Moloney AUS 2:29:14
Nina Lauwaert BEL 2:30:24
Tracy Barlow GBR 2:30:42
Samantha Bluske USA 2:31:55
Dawa Jila CHN 2:31:55
Marisa Casanueva ESP 2:32:22
Melat Kejeta GER Debüt

Text: race-news-service.com

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