Veranstalter

Jagd auf die Olympianormen beim Valencia-Marathon

Spitzensport während der Pandemie Jagd auf die Olympianormen beim Valencia-Marathon

Der Valencia-Marathon 2020 findet als reines Eliterennen statt – und ist hochkarätig besetzt. Auch sieben Deutsche sind dabei. Die große Vorschau.

Mit einem absoluten Weltklassefeld wird am Sonntag, dem 6. Dezember 2020, der Valencia-Marathon gestartet. Die Spanier veranstalten das Rennen während der Corona-Pandemie als reinen Elitelauf unter strikten Hygiene- und Sicherheitsvorschriften mit einem Feld von rund 250 Athleten. Für die Breitensportler wird die 40. Auflage des Rennens als virtueller Lauf angeboten.

In der Breite der Spitze findet sich in diesem Jahr kein besser besetzter Marathon. Bei den Männern stehen neun Athleten mit Bestzeiten von unter 2:05 Stunden auf der Startliste, bei den Frauen liefen bereits acht unter 2:21. Während es für sie um Weltklassezeiten geht, wollen etliche Dutzend Athleten die schnelle Strecke und die voraussichtlich sehr guten Wetterbedingungen nutzen, um die Olympianormen zu unterbieten. Diese stehen bei 2:11:30 Stunden (Männer) beziehungsweise 2:29:30 (Frauen). Gleich sieben deutsche Athleten, so viele wie bei keinem anderen bedeutenden internationalen Marathon in diesem Jahr, gehen in Valencia an den Start.

5,3 Millionen Euro Budget für den Valencia-Marathon 2020

Dass das Rennen in Valencia mit einer derartigen Besetzung stattfinden kann, verdanken die Veranstalter in erster Linie ihrem wichtigsten Geldgeber: der Stiftung Trinidad Alfonso. Sie alleine stellt für den Marathon sowie den Elite-Halbmarathon, der in das Rennen am Sonntag integriert ist und ebenfalls hochklassige besetzt sein wird, eine Summe von 4,6 Millionen Euro zur Verfügung. Das Gesamt-Budget dieses Elite-Rennens beträgt 5,3 Millionen Euro und hat damit sicherlich Größenordnungen erreicht wie bei den finanzstärksten Rennen der World Marathon Majors. „Es ist sicherlich nicht das 40. Jubiläum, das wir uns erträumt hatten, aber trotz Corona findet der Marathon statt“, sagt Race-Direktor Paco Borao, der auch Präsident der Vereinigung der internationalen Straßenlaufveranstalter (AIMS) ist.

Die Startlisten werden angeführt von äthiopischen Läufern. Zwar fehlen in Valencia die ganz großen Namen der Marathon-Szene – zuletzt hatte sich der erhoffte Start von Kenenisa Bekele (Äthiopien) nicht realisiert –, doch es sind eine Reihe von Athleten dabei, die für Furore sorgen können. Birhanu Legese geht mit einer Bestzeit von 2:02:48 Stunden ins Rennen und ist damit hinter Weltrekordler Eliud Kipchoge (Kenia/2:01:39) und Kenenisa Bekele (2:01:41) derzeit die Nummer drei in der Liste der schnellsten Läufer aller Zeiten. Legese gewann zuletzt zweimal in Folge den Tokio-Marathon. In diesem Jahr lief er in Japan 2:04:15 Stunden und führt damit die Jahresweltbestenliste an. Diese Zeit und auch den aktuellen Streckenrekord von 2:03:51 Stunden zu unterbieten, ist das Ziel der Veranstalter, die für die erste Gruppe am Sonntag sogar ein Tempo von 2:02:45 Stunden planen.

Stark besetztes Frauen-Rennen: Führungsgruppe soll Tempo um 2:17:30 laufen

Bei den Frauen gehen zwei Äthiopierinnen an den Start, deren Bestzeiten lediglich eine Sekunde auseinanderliegen: Ruti Aga (2:18:34) und Birhane Dibaba (2:18:35) sind die beiden schnellsten Läuferinnen auf der Startliste und zwei von fünf Athletinnen, die bereits unter 2:20 Stunden gelaufen sind. Hier steht der Streckenrekord bei 2:18:30 und die Jahresweltbestzeit von Lonah Salpeter (Israel) bei 2:17:45. Die Führungsgruppe der Frauen soll am Sonntag ein Tempo im Bereich von 2:17:30 laufen.

Nachdem Melat Kejeta (Laufteam Kassel), die bei der Halbmarathon-WM im Oktober sensationell die Silbermedaille gewonnen hatte, krankheitsbedingt passen musste, sind immer noch sieben deutsche Läufer im Rennen. Vor einem Jahr lief Amanal Petros (TV Wattenscheid) in Valencia ein beeindruckendes Debüt über die 42,195 Kilometer. Mit 2:10:29 Stunden blieb er auf Anhieb deutlich unter der Olympianorm. Wie vor einem Jahr war Amanal Petros bis wenige Tage vor dem Start in Kenia, wo er vier Wochen in der Höhe in Iten trainierte. „Es hat alles so geklappt wie geplant, Wetter und Atmosphäre waren perfekt“, schrieb der 25-Jährige aus Kenia. „Meine Form ist gut und ich denke etwas besser als vor einem Jahr.“ In diesem Jahr hatte Amanal Petros bei den aufgrund der Corona-Situation wenigen Wettkämpfen mehrmals Pech. Zuletzt behinderten ihn bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften im Oktober Seitenstiche, so dass er nicht über Rang 100 hinaus kam.

Gröschel, Pflieger und Ringer wollen Olympianorm für Tokio laufen

Während Amanal Petros die Marathon-Olympianorm ebenso wie der am Sonntag nicht startende Hendrik Pfeiffer (TV Wattenscheid/2:10:18) bereits unterboten hat, wollen Tom Gröschel (TC Fiko Rostock), Philipp Pflieger (LT Haspa Marathon Hamburg) und Debütant Richard Ringer (LC Rehlingen) in Valencia nachziehen. Drei Startplätze gibt es bei Olympia maximal pro Nation für den Marathon der Olympischen Spiele von Tokio.

Nach seiner Steigerung auf 2:13:49 Stunden im April 2019 bei seinem Sieg in Düsseldorf und einem überzeugenden Auftritt bei der EM in Berlin 2018 zuvor (Platz elf als bester deutscher Läufer), schien Tom Gröschel auf einem guten Weg zur Olympianorm zu sein. Doch eine Operation an der Ferse im Sommer 2019 warf ihn zurück. Kaum hatte er den Anschluss wieder gefunden, folgte die Corona-Pandemie, so dass der geplante Start beim Hannover-Marathon in diesem Frühjahr nicht zustande kam. Im September meldete er sich dann mit soliden 64:36 Minuten beim Halbmarathon in Frankfurt zurück. „Danach habe ich wieder richtig auf Marathontraining umgestellt“, sagt Tom Gröschel. „Die Form ist gut, aber schwer zu vergleichen mit Düsseldorf, da ich kein richtiges Höhentrainingslager absolvieren konnte. Das Tempo der längeren Läufe habe ich aber besser hinbekommen, und ich habe keinerlei Fersenprobleme mehr.“

„Am Sonntag möchte ich versuchen, die Olympianorm zu knacken. Ich habe nichts zu verlieren, werde so lange es geht in der Gruppe mitrennen die die Norm anstrebt und dann schauen was passiert“, sagt Tom Gröschel. „Wir sind vier starke deutsche Läufer. Ich bin gespannt, wie es am Ende ausgeht. Trotzdem möchte ich mich auf mich konzentrieren und für mich ein gutes Rennen abliefern. Es ist ein absolutes Privileg, in Valencia an der Startlinie stehen zu können! Um diesen Startplatz beneiden mich sehr viele. Deshalb möchte ich ein gutes Rennen zeigen.“

Anja Scherl vor dem Valencia-Marathon 2020: „Ich werde mein Bestes geben“

Die spanischen Organisatoren planen offenbar eine Gruppe mit Tempomachern, die eine Endzeit von 2:11:00 Stunden anstreben sollen. In dieser Gruppe wird sicherlich auch Philipp Pflieger (Bestzeit: 2:12:50) laufen und voraussichtlich Richard Ringer. Spanien ist durchaus ein gutes Pflaster für Anja Scherl (LG Telis Finanz Regensburg), die in Sevilla im Februar mit 2:28:25 Stunden als dritte deutsche Läuferin nach Melat Kejeta (2:23:57) und Katharina Steinruck (Eintracht Frankfurt/2:27:26) die Olympianorm unterbot. In Valencia lief Anja Scherl auch schon einen guten Marathon: 2017 erreichte sie dort 2:28:54.

Bezüglich ihrer Form, speziell im Vergleich zu Sevilla, und ihren Zeitzielen hält sich die 34-Jährige zurück. „Jede Marathonvorbereitung ist anders und ich möchte keine mit der anderen vergleichen oder mich auf eine Zielzeit festlegen. Ich werde auf alle Fälle mein Bestes geben und bin froh, dass trotz Corona und mit dem entsprechenden Hygienekonzept der Marathon in Valencia stattfinden kann“, erklärte Anja Scherl. Für das Frauenrennen planen die Veranstalter eine Gruppe, die ein Tempo für eine Zielzeit von 2:29:00 Stunden laufen soll. Die nächst schnellere Gruppe läuft nach der derzeitigen Planung dann schon in Richtung 2:21:00.

Rabea und Deborah Schöneborn haben ebenfalls die Olympianorm im Blick

Sollte Anja Scherl ihre Zeit von Sevilla verbessern können, würden ihre Chancen auf eine Olympia-Nominierung steigen. Dabei kann sie am Sonntag zwei Rivalinnen im Rennen um einen olympischen Startplatz direkt im Blick haben. Denn Deborah Schöneborn (Bestzeit: 2:31:18) und ihre Zwillingsschwester Rabea Schöneborn (beide LG Nord Berlin), die ihr Debüt laufen wird, starten ebenfalls in Valencia. „Beide konnten zuletzt gut trainieren, nachdem Deborah Ende September noch ein Problem an der Plantarsehne hatte“, sagte der Manager der Zwillinge, Christoph Kopp, und fügte hinzu: „Beide werden auf jeden Fall in Richtung Norm laufen.“ Deborah und Rabea Schöneborn werden wohl nicht nur die Norm sondern zumindest die Sevilla-Zeit von Anja Scherl (2:28:25) im Blick haben müssen im Rennen um einen Olympia-Startplatz.

Die schnellsten Athleten auf der Startliste und die deutschen Starter

Männer

Birhanu Legese ETH 2:02:48
Kinde Atanaw ETH 2:03:51
Leul Gebreselasie ETH 2:04:02
Lawrence Cherono KEN 2:04:06
Kaan Kigen Özbilen TUR 2:04:16
Hayle Lemi ETH 2:04:33
Reuben Kiprop KEN 2:04:40
Lelisa Desisa ETH 2:04:45
Abebe Negewo ETH 2:04:51
Evans Chebet KEN 2:05:00
Philemon Rono KEN 2:05:00
Abel Kirui KEN 2:05:04
Betesfa Getahun ETH 2:05:28
Amos Kipruto KEN 2:05:43
Andualem Shiferaw ETH 2:06:00
Amanal Petros GER 2:10:29
Philipp Pflieger GER 2:12:50
Tom Gröschel GER 2:13:49
Richard Ringer GER Debüt

Frauen

Ruti Aga ETH 2:18:34
Birhane Dibaba ETH 2:18:35
Degitu Azimeraw ETH 2:19:26
Zeineba Yimer ETH 2:19:28
Tigist Girma ETH 2:19:52
Meskerem Assefa ETH 2:20:36
Purity Rionoripo KEN 2:20:39
Jordan Hasay USA 2:20:57
Helen Tola ETH 2:21:01
Helalia Johannes NAM 2:22:25
Abeba Gebremeskel ETH 2:22:29
Joyciline Jepkosgei KEN 2:22:38
Madai Perez Carrillo MEX 2:22:59
Hawi Feysa ETH 2:23:36
Valeria Straneo ITA 2:23:44
Peres Jepchirchir KEN 2:23:50
Anja Scherl GER 2:27:50
Deborah Schöneborn GER 2:31:18
Rabea Schöneborn GER Debüt

Dieser Artikel kann Links zu Anbietern enthalten, von denen RUNNER'S WORLD eine Provision erhält. Diese Links sind mit folgendem Icon gekennzeichnet:
Zur Startseite