World Athletics / Dan Vernon

Peres Jepchirchirs Hoffnungen auf einen Olympiastart

Valencia-Marathon 2020 Peres Jepchirchirs Hoffnungen auf einen Olympiastart

Eine Woche nach ihrem WM-Titel hat Peres Jepchirchir bereits neue Pläne. Beim Valencia-Marathon soll eine neue Bestzeit her.

Für Peres Jepchirchir, die vor kurzem zum zweiten Mal nach 2016 den Weltmeistertitel im Halbmarathon gewonnen hat, ist die Saison noch nicht vorbei: Die Kenianerin strebt nun einen Start beim Valencia-Marathon an. Das Rennen soll am 6. Dezember als reiner Elitelauf in Spanien stattfinden. Die 27-Jährige, die im polnischen Gdynia beim WM-Sieg den Weltrekord für reine Frauen-Rennen (keine gemischten Läufe mit Männern) auf 65:16 Minuten verbesserte und vor Melat Kejeta (Laufteam Kassel) im Ziel war, hat aufgrund ihrer Halbmarathon-Leistung sicherlich das Potenzial für eine Marathonzeit von deutlich unter 2:20 Stunden. Zumal ihre Bestzeit über die „halbe Distanz“ mit 65:06 Minuten sogar noch zehn Sekunden schneller ist als ihr „Women only World Record“ von Gdynia. 2017 hatte sie das hochkarätige Rennen in Ras Al Khaimah (Vereinigte Arabische Emirate) in 65:06 Minuten gewonnen und damit einen Weltrekord aufgestellt, der inzwischen aber unterboten wurde.

Deutliche Marathon-Bestzeit möglich

„Ich hoffe, dass ich in Valencia eine Zeit von 2:17 oder 2:18 Stunden erreichen kann“, sagt Peres Jepchirchir, die nach einer Woche Pause wieder mit dem Training beginnen wollte. Abgesehen von zwei weniger ernsthaften Versuchen in der leistungsmindernden Höhenluft in Kenia, bei denen sie nach gut 2:45 Stunden das Ziel erreichte, ist sie bisher erst einen Marathon gelaufen: Im Dezember 2019 gewann Peres Jepchirchir den Saitama-Marathon in Japan in 2:23:50. Nach einer Schwangerschaft 2017 und einer längeren Babypause war sie erst 2019 wieder ins internationale Wettkampfgeschehen zurückgekehrt.

Peres Jepchirchir: entschlossen und motivert

Ausgerechnet im Pandemie-Jahr 2020 fand Peres Jepchirchir zur Bestform zurück. Bereits Anfang September hatte sie in Prag einen Halbmarathon-Weltrekord für reine Frauenrennen aufgestellt. Dort erreichte die Kenianerin fast durchweg alleine laufend eine Zeit von 65:34, die sie nun in Gdynia unterbot. Für ihren italienischen Manager Gianni Demadonna kam das nicht überraschend. „Sie lief in Prag alleine an der Spitze, aber man konnte ihr ihre Entschlossenheit am Gesicht ablesen. Sie ist nicht nur hoch motiviert sondern auch mental sehr stark“, sagt Gianni Demadonna. Das war dem Italiener schon aufgefallen, als er die damals unbekannte Athletin bei den kenianischen Crossmeisterschaften im Februar 2014 beobachtete. Peres Jepchirchir bot Weltklasseathletinnen Paroli und lag zeitweise in Führung. „Es war ein erstaunliches Rennen für ein Mädchen, das niemand kannte. Sie wurde am Ende zwar überholt, aber sie war ohne Angst und hoch motiviert an der Spitze des Feldes gelaufen“, erinnert sich Gianni Demadonna.

Unverändertes Training trotz Corona

Auf der elterlichen Farm für Tee und Mais in Kericho im westlichen Kenia aufgewachsen, hatte Peres Jepchirchir einen täglichen Schulweg von mehreren Kilometern zu laufen. Es war dann ihr Bruder, dem ihr Talent auffiel. „Er sagte zu mir, ich könne als Läuferin etwas erreichen und motivierte mich“, erzählt Peres Jepchirchir.

Einige Jahre lang war Gabriele Nicola ihr Trainer. Der Italiener hatte zuvor die Kenianerin Mary Keitany in die Marathon-Weltspitze geführt. Nachdem der Coach jedoch aus Kenia wieder zurück nach Italien gezogen war und eine Fernbetreuung schwierig wurde, übernahm ihr Ehemann Davis Ngeno das Training in Kapsabet. Zudem erhält Peres Jepchirchir auch im Training Unterstützung von einem Tempomacher. Diese Konstellation kommt ihr während der Pandemie entgegen. Sie konnte praktisch ohne Änderungen weiter trainieren, während die großen Trainingsgruppen nicht mehr zusammenarbeiten durften. „Es war schwierig während dieser Zeit und viele waren betroffen. Ich habe aber nicht aufgehört zu trainieren, denn ich versuchte, meine Bestform zu erreichen“, sagt Peres Jepchirchir, die ursprünglich beim Boston-Marathon starten wollte. Nach der Absage dieses Rennens konzentrierte sie sich dann auf die Halbmarathon-Weltmeisterschaften.

Dank Olympia-Verlegung Hoffnung auf einen Start

Nun rückt der Valencia-Marathon in den Fokus. Obwohl der kenianische Leichtathletik-Verband das Marathon-Olympiateam bereits im Januar nominiert hatte, hat Peres Jepchirchir nach der Verlegung der Spiele auf den Sommer 2021 die Hoffnung auf einen Start noch nicht aufgegeben. Weltrekordlerin Brigid Kosgei, Weltmeisterin Ruth Chepngetich und Vivian Cheruiyot sind zurzeit nominiert. „Wir haben in Kenia sehr starke Läuferinnen. Aber sollte ich eine gute Zeit laufen, könnte ich vielleicht doch noch eine Chance haben.“ Wahrscheinlich ist eine Zeit von rund 2:17 Stunden nötig, um die Diskussion einer neuen Nominierung in Gang zu bringen.

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