Eliud Kipchoge NN Running Team

Laufsport-Geschichte im Wiener Prater

Heritage Plaque Laufsport-Geschichte im Wiener Prater

World Athletics zeichnete den Wiener Prater mit der Heritage Plaque aus. Bürgermeister Michael Ludwig und Marathon-Chef Wolfgang Konrad nahmen die Ehrung entgegen.

Die Hauptallee im Wiener Prater wurde vom internationalen Leichtathletik-Verband World Athletics im Frühjahr als Leichtathletik-Welterbe offiziell gewürdigt. Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig und der Chef des Vienna City Marathons, Wolfgang Konrad, nahmen die World Athletics Heritage Plaque entgegen, mit der der internationale Verband seit einiger Zeit ausgewählte Persönlichkeiten, Veranstaltungen und Orte für große Verdienste um die Leichtathletik würdigt. Bei der Prater Hauptallee geht es um Laufsport-Geschichte, die sich dort seit genau 200 Jahren widerspiegelt. Jährlich führt heutzutage die Strecke des Vienna City Marathons durch den Prater-Park. 2019 war die Hauptallee der Schauplatz des ersten Marathonlaufes unter zwei Stunden durch Kenias Superstar Eliud Kipchoge.

Die World Athletics Heritage Plaque ist inzwischen auf einer Stele an der Prater Hauptallee dauerhaft ausgestellt. Sie steht in dem Bereich wo Eliud Kipchoge im Oktober 2019 nach 1:59:40,2 Stunden ins Ziel gelaufen war. Die Zeit kann zwar nicht als offizieller Weltrekord geführt werden, da das Rennen nicht rekord-konform durchgeführt wurde, jedoch sorgte die Leistung für weltweites Aufsehen. Die Läufer des Vienna City Marathons passieren diesen Streckenpunkt jährlich nach der 30-km-Marke.

Vienna City Marathon
VCM / Rene Vidalli
Die Strecke des Vienna City Marathons führt jedes Jahr durch den Prater.

Die erste dokumentierte Lauf-Aktivität im Wiener Prater datiert vom 1. Mai 1822. Es war das „Wiener Lauferfest“, ein Wettrennen der herrschaftlichen Läufer Wiens. Die 9 bis 10 km lange Strecke führte damals über die Hauptallee zum Lusthaus und zurück. Dieses Rennen begeisterte 25 Jahre lang das Publikum. 30.000 Menschen sollen zum Zuschauen gekommen sein.

Laufen war damals ein Beruf. Die „Laufer“ waren Bedienstete des Kaiserhauses und der Adeligen. Sie liefen vor den Kutschen ihrer Herren, um auf dem Weg durch die Stadt freie Bahn zu schaffen, und erledigten Botendienste. Zum Abschluss seiner Ausbildung musste ein junger „Laufer“ einen „Freilauf“ über 18 Kilometer in 1:12 Stunden absolvieren. Solche Läufe fanden auch schon vor 1822 statt. Dies recherchierten die Veranstalter des Wien-Marathons.

Das „Lauferfest“ war kein Sportereignis im modernen Sinn. Die Teilnahme war nur wenigen Personen vorbehalten. Es wurde auf einer vorgegebenen Strecke um die Wette gelaufen und es gab Sieger. Aber Messbarkeit und Vergleichbarkeit, wie wir sie heute kennen, spielten damals keine Rolle. Das Ende des „Lauferfests“ kam mit der Bürgerlichen Revolution 1848. Der Wettbewerb wurde, so berichtet der Vienna City Marathon auf seiner Webseite, als „widerliche Menschenhetze“ der Adeligen auf Kosten ihrer Bediensteten kritisiert. Es dauerte, bis in der Prater Hauptallee wieder gelaufen wurde. Das Laufen in Wien stand aber erst am Anfang.

Über fast ein halbes Jahrhundert hinweg wurde - allerdings mit einige Unterbrechungen - von 1919 bis 1966 der Staffellauf „Quer durch Wien“ veranstaltet. Vereins-Staffelrennen waren vor rund 100 Jahren auch in Deutschland populär. So gab es in einem ähnlichen Zeitraum auch das Staffelrennen Potsdam-Berlin.

World Athletics Heritage Plaque
VCM / Leo Hagen
Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig und der Wien-Marathon-Chef Wolfgang Konrad (rechts) präsentieren die World Athletics Heritage Plaque.

Bis zu 1.500 Athleten liefen in Wien auf Abschnitten von einigen hundert Metern vom Westbahnhof in den Prater. Der finale Abschnitt führte dabei stets über die Prater Hauptallee. Neben einer Reihe von weiteren Rennen fanden auch mehrfach die österreichischen Marathon-Meisterschaften im Prater statt - so auch 2020, als aufgrund der Corona-Pandemie praktisch alle City-Marathonrennen ausfielen. Abgesehen vom Corona-Jahr 2020 führt die Strecke des Vienna City Marathons seit der Premiere 1984 jährlich auch durch den Prater. Die Passagen durch die Parkanlage, die rund ein Viertel der Marathondistanz ausmachen, sind flach, grün und windgeschützt.

Ein offizieller Weltrekord wurde in unmittelbarer Nähe der Prater Hauptallee und der Ziel-Position des Kipchoge-Rennens aufgestellt: Im heutigen Wiener Leichtathletik-Zentrum erreichte der Kenianer Henry Rono am 11. Juni 1978 über 10.000 m eine Zeit von 27:22,47 Minuten. 41 Jahre später lief sein Landsmann Eliud Kipchoge dann auf einer Pendelstrecke auf der Hauptallee den Marathon unter zwei Stunden.

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