Themenspecial
Ich bin ein Läufer
Tim ­Teege im Hamburger ­Hafen mit einer kleinen Auswahl der Finisher­medaillen der letzten Jahre. Marcus Vogel

Tim Teege Tour d’Europe

Agenturchef und Hobbymusiker Tim Teege lief in allen EU-Hauptstädten Marathon. Seine Erfahrungen auf der langen Europareise.

Tim Teege, 35, Unternehmer und vierfacher Familienvater aus Hamburg, lief von 2011 bis 2018 eine EU-Marathon-Serie. Seine Tour begann mit dem Amsterdam-Marathon und endete sieben Jahre später in Brüssel. Dazwischen lagen 28 Europäische Metropolen, Marathonmessen, Sightseeing im Laufschritt und zwischendurch immer wieder Windeln­wechseln, denn in dieser Zeit wurde Tim viermal Vater. Seine Familie war von Anfang an in das Europa-Laufabenteuer involviert.

„Ich wollte Menschen, die derzeit skeptisch sind, zeigen, wie schön es ist, in der EU Teil eines größeren Ganzen zu sein“

So begann die EU-Hauptstadt-Serie

Vor neun Jahren lief ich meinen ersten Marathon“, erzählt Tim und dass er sofort vom Laufvirus infiziert war: „Ich spürte gleich: Das ist mein Ding.“ Nur ein Jahr später, 2011, absolvierte er in Amsterdam den zweiten und den dritten in Kopenhagen. Danach war die Sache für ihn klar und er beschloss: „Ich mache eine EU-Hauptstadt-Serie daraus.“

Zur Zeit des Amsterdam-Marathons steckte Tims Frau Sophie mitten im Medizinstudium und war hochschwanger. Nur ein halbes Jahr später, im Mai 2012, überquerte Tim die Ziellinie des Kopenhagen-Marathons – an der Strecke: Töchterchen Julie und Sophie, die ihn anfeuerten. „Wir hatten damals eine Wohnung genau neben der Freistadt Christiania, das war toll!“, erzählt Tim. Das alternative Viertel mit seinen bunten Häuschen und Gärten ist ein Touristenmagnet. Im selben Jahr folgte Hauptstadt Nummer drei der Europa-Marathon-Serie: Lissabon.

Bei Nacht durch Luxemburg

2013 kam Tim dann richtig in Fahrt und lief fünf Marathons in Folge: Madrid, Luxemburg, Berlin, Budapest und Athen. Wenn man ihn nach prägen­den Eindrücken und Erfahrungen fragt, erzählt er zum Beispiel vom Luxemburg-Marathon: Bei Nacht zu laufen sei eine neue Erfahrung für ihn gewesen. Ein schmerzvolles Erlebnis hatte er in Athen, der Wiege des Marathons. Obwohl der Lauf im November stattfand, „war es war sehr trocken und heiß und ich litt unter der Hitze. Vor lauter Schmerzen konnte ich die traumhafte historische Kulisse nicht genießen.“ Im Jahr 2014 ging es munter weiter: Rom, Wien, Riga, Helsinki, Warschau und Ljubljana. Den Marathon in der Hauptstadt Sloweniens lief Tim im EU-Shirt. „Es war wirklich schön, in dieses kleinere EU-Land zu reisen und dort zu laufen, wo die Menschen die EU richtig gut finden“, sagt er. 2015 folgten Malta, Bratislava, London, Stockholm und Tallinn.

Bestzeit in Bukarest

2016 startete Tim mit dem Zypern-Marathon und lief anschließend Paris, Prag, Vilnius und Sofia. Den Abschluss des Jahres bildete im November der Dublin-Marathon. 2017 lief Tim nur zwei ­EU-Marathons, dafür aber sehr gedrängt innerhalb von nur zwölf Tagen: Am 8. Oktober hechtete er in Zagreb über die Ziellinie, sieben Tage später in Bukarest. Zu diesem Zeitpunkt reiste Tim bereits mit Frau und drei Töchtern. Seine Zeit in Rumäniens Hauptstadt war mit 3:50:08 fast eine Stunde schneller als bei seinem Hitze-Marathon in Athen und ist die Bestzeit seiner EU-Marathonserie.

Finale in Brüssel

Im Oktober letzten Jahres schloss er die Sammlung mit der letzten von 28 Hautstädten ab: Brüssel. Während des Laufs schlang Tim sich eine EU-Fahne um die Schultern. Es geht ihm auch da­rum, ein Zeichen für Europa zu setzen. „Ich finde die EU gut und wichtig. Wir müssen zusammenwachsen und uns unterstützen. Ich wollte den Menschen, die derzeit so skeptisch sind, zeigen, wie schön es ist, Teil eines größeren Ganzen zu sein.“

Die drei Lieblingsstädte

Sieben Jahre, ein Fünftel seines bis­herigen Lebens, benötigte Tim für sein Projekt. Sieben Jahre, in denen sich in seinem Leben viel veränderte. Am Ende seiner Odyssee war er stolzer Familien­vater von vier Töchtern: Julie, Vera, Emma und der kleinen Ida. „Als Familie haben wir alle Städte genossen, jede für sich ­hatte etwas Besonderes. Drei Städte, die mich positiv überrascht haben, waren die Hauptstädte der baltischen Länder Lettland, Estland und Litauen – Riga, Tallin und Vilnius: wunderschöne Kulturstädte mit einer tollen Stimmung.“

Die Familie Teege genoss auch die gute Stimmung in Kopenhagen und Bukarest. „In Dänemark ist Kindheit ganz entspannt, das Softeis superlecker – ein wunderbares Familienland. Bukarest überraschte uns mit Hüpfburgen und Kinderattrak­tionen schon auf der Marathonmesse und den vielen Kids Runs für verschiedene Alters­klassen“, resümiert Tim.

Welches Ziel hat er sich nun gesetzt – geht er jetzt zur UNO? Tim grinst und winkt ab. „Das werde ich wohl nicht mehr schaffen. Meine Kinder fliegen nicht gern.“ Aber wer weiß? Mittlerweile läuft er spielend zwölf Marathons im Jahr, dazu ein paar Ultra­läufe und Langdistanz-Triathlons. Zu seinem 35. Geburtstag schenkte er sich im Juli den Ironman Hamburg. Was für eine Geburtstagsparty!

Run the EU

Auf seiner Webseite: teesches-marathons.eu schildert Tim Teege seine Eindrücke von seiner Marathon-Tournee durch Europa. Die 28 englischsprachigen Artikel bieten viel historisches und politisches Hintergrundwissen zu den einzelnen Städten bzw. Ländern des Staatenverbunds sowie viele Bilder von Sehens­würdigkeiten entlang der Strecken und natürlich von Tim und seiner Familie. Lesenswert und sehr unterhaltsam!

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