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Nike Oregon Project Top-Trainer Alberto Salazar vier Jahre gesperrt

Alberto Salazar, der Cheftrainer des Nike Oregon Projects, bei dem auch die Deutsche Konstanze Klosterhalfen trainiert, wurde wegen schweren Dopingvorwürfen für vier Jahre gesperrt.

Alberto Salazar wurde von der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur (USADA) für vier Jahre gesperrt. Diese Nachricht schlug mitten während der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha wie eine Bombe ein. Seit Jahren liefen Untersuchungen und 2017 erhob die USADA Anklage gegen den Erfolgs-Coach. Alberto Salazar ist der Chef-Trainer des Nike Oregon Projects (NOP) in Beaverton (Oregon/USA). Neben zahlreichen Weltklasseathleten waren über Jahre hinweg Galen Rupp (USA) und Großbritanniens Superstar Mo Farah die Aushängeschilder des NOP. Farah trennte sich allerdings 2017 von Alberto Salazar. Dem Trainer wurde vom internationalen Leichtathletik-Verband IAAF umgehend die Akkreditierung für die Titelkämpfe entzogen.

Zu den derzeitigen Stars des Nike Oregon Projects zählt neben der Holländerin Sifan Hassan, die am Sonnabend in Doha das 10.000-m-Rennen gewann, auch Konstanze Klosterhalfen (Bayer Leverkusen), die morgen bei der WM an den Start geht. Trainer der deutschen 5.000-m-Rekordlerin ist nicht Alberto Salazar sondern Pete Julien. Der allerdings arbeitet als angestellter Coach beim NOP, das wiederum von Salazar geleitet wird. Hassans Coach ist offiziell Alberto Salazar. Zuletzt wurde berichtet, dass beide Läuferinnen teilweise auch zusammen trainieren, was natürlich sinnvoll ist für die Leistungsentwicklung. Keiner der Top-Athleten des NOP wurde positiv getestet.

Die USADA hat neben Alberto Salazar auch den Arzt Dr. Jeffrey Brown, der eine Reihe von NOP-Athleten betreute, für vier Jahre gesperrt. Diese Entscheidung trafen laut USADA zwei unabhängige Gremien des US-amerikanischen Schiedsgerichtes AAA, die sich jeweils aus drei Mitgliedern zusammensetzten. Wie die britische BBC berichtet, hatten die Untersuchungen gegen Alberto Salazar 2015 begonnen, und seit 2017 lief unter Ausschluss der Öffentlichkeit das Gerichtsverfahren. Der Sender hatte mit einem Hintergrundbericht 2015 zusammen mit der US-Webseite ProPublica den Stein ins Rollen gebracht.

Die USADA erklärte weiter, dass das Schiedsgericht urteilte, dass Salazar und Brown mit der verbotenen Substanz Testosteron arbeiteten, verbotene Infusionen verabreichten und daran beteiligt waren, relevante Informationen über ihr Verhalten vor der USADA geheim zu halten.

Alberto Salazar zeigte sich in einer ersten Stellungnahme entrüstet und erklärte, er werde in Berufung gehen. Es gibt offenbar eine Reihe von schweren Belastungen durch Zeugenaussagen. Unter ihnen ist die ehemalige amerikanische Langstrecken-Weltklasseläuferin Kara Goucher, die einst unter Salazar trainierte, den Coach und das NOP dann verließ und die Courage hatte, über die Praktiken des Trainers öffentlich zu sprechen. „Die Athleten hatten den Mut über diesen Fall zu sprechen, so dass die Wahrheit ans Licht kam“, erklärte USADA-Chef Travis Tygart und fügte hinzu: „Während sie für das Nike Oregon Project arbeiteten, demonstrierten Mr. Salazar und Mr. Brown, dass Siegen wichtiger war als die Gesundheit und das Wohlbefinden der Athleten, die sie verpflichtend schützen sollten.“ Dieser Aussage widerspricht Alberto Salazar.

In einer auf der Internetseite des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), www.leichtathletik.de, veröffentlichten Stellungnahme erklärt DLV-Präsident Jürgen Kessing: „Jeder Verstoß gegen die Anti-Doping-Bestimmungen ist aus Sicht des Deutschen Leichtathletik-Verbandes ein Verstoß zu viel. Dies war und ist die klare Position des DLV. Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir noch zu wenige Informationen, um die Suspendierung von Alberto Salazar einordnen zu können. Die DLV-Athletin Konstanze Klosterhalfen trainiert in Portland bei Coach Pete Julien. Konstanze ist eine mündige Athletin. Schon im Vorfeld der WM in Doha hat sie sich mehrfach zu kritischen Fragen positioniert und dabei verdeutlicht, dass sie dem deutschen und internationalen Anti-Doping-Kontroll-System unterliegt. Trotz intensiver Kontrollen gab es bei ihr nie Beanstandungen und sie lehnt jede unerlaubte Methode strikt ab. Derzeit bereitet sie sich auf ihren Start bei der WM in Doha vor.“

Seit vielen Jahren gibt es immer wieder Berichte und Gerüchte, wie weit Alberto Salazar mit seinen NOP-Athleten geht. 2015 startete der britische Leichtathletik-Verband aufgrund der Verbindung von Alberto Salazar und Mo Farah eine Untersuchung, die sich aber ausschließlich auf den Läufer bezog. Er bekam danach Grünes Licht von dem Verband für eine weitere Zusammenarbeit mit Alberto Salazar. Inzwischen trainiert Mo Farah aber bei Gary Lough, dem Ehemann und früheren Coach von Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe. Mo Farah erklärte jetzt gegenüber der BBC: „Ich bin erleichtert, dass die USADA nach vier Jahren die Untersuchungen im Fall von Alberto Salazar abgeschlossen hat. Ich habe das Nike Oregon Project 2017 verlassen, aber, wie ich immer gesagt habe: Ich habe keine Toleranz für jemanden, der die Regeln bricht und die Linie überschreitet. Ich bin froh, dass es jetzt endlich einen Abschluss gibt.“

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