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Ist CBD ein Wundermittel?

Das steckt hinter dem Wirkstoff aus Hanf Ist CBD ein Wundermittel?

Es fördert angeblich den Schlaf, wirkt schmerzlindernd und unterstützt die Regeneration. Wir beantworten dich wichtigsten Fragen zum Hanf-Wirkstoff Cannabidiol (CBD).

Mit einem Mal begegnet einem Cannabidiol, kurz CBD, überall: Es gibt CBD-Muskelsalbe, -Eiscreme, -Kissenspray, ja sogar CBD-Hundefutter. Es soll Schmerzen und Wehwehchen heilen, uns zu besserem Schlaf verhelfen, die Regeneration unterstützen, Stress abbauen und Vierbeinern ein seidiges Fell verschaffen. Es scheint kaum ein Versprechen zu geben, das die CBD-Marketingmaschine nicht gibt – das zeigt Wirkung. Laut einer Online-Umfrage aus dem Jahr 2020 würden 70,34 Prozent der deutschen Bevölkerung im Alter von 16 bis 69 Jahren CBD-­Produkte konsumieren oder haben es bereits getan. Laut einer in „Forbes“ ­veröffentlichten Studie wird der globale CBD-Markt 2024 ein Volumen von 20 Milliarden Dollar erreichen. Haben wir ein medizinisches Wundermittel gefunden, ein Allheilmittel ohne Nebenwirkungen, oder wird uns das Blaue vom Himmel versprochen?

Was ist CBD?

Die Geschichte der Medikamente auf Cannabis-Basis reicht Jahrtausende zurück – wie auch die der Versprechungen. Laut einer chinesischen Legende empfahl schon vor 5000 Jahren der chinesische Kaiser Shennong Marihuana-Tee zur Behandlung von Gicht, Rheuma, Malaria und Gedächtnisschwäche. Im alten Ägypten wurde Marihuana gegen Fieber und Schmerzen eingesetzt, und in Europa beschrieb Pedanios Dioskurides, der Arzt des römischen Kaisers Nero, es als Mittel gegen Ohrenschmerzen. In der islamischen Welt wurde es im Mittelalter (wie auch heute) als Schmerzmittel, Entzündungshemmer und Mittel gegen Epilepsie eingesetzt. So ging es weltweit jahrhundertelang weiter – bis ins 20. Jahrhundert, als die Vorschriften für den Einsatz von Medikamenten verschärft und Cannabis weitgehend verboten wurde.

Erst 1940 wurde CBD von der Pflanze isoliert und 1964 dann auch THC (Tetrahydrocannabinol). Tatsächlich sind CBD und THC nur zwei von über hundert bisher identifizierten chemischen Verbindungen im Marihuana, und Forscher finden immer weitere. THC ist ein psychoaktiver Stoff, das heißt, es beeinflusst die Funktionsweise des Gehirns und verursacht Stimmungs- und Verhaltensänderungen. Weitere Beispiele für psychoaktive Substanzen sind Heroin, LSD und Kokain, aber auch Alkohol, Koffein und Nikotin. CBD gehört nicht dazu – es hat keine psychoaktive Wirkung, macht nicht süchtig und bewirkt keinen Rausch. Tatsächlich scheint eine Studie des King’s College London zu zeigen, dass CBD eine gewissermaßen ausgleichende Wirkung hat und eben jene Bereiche des Gehirns beruhigt, die von THC stimuliert werden. Die Weltgesundheitsorganisation hat festgestellt, dass von CBD allein „offenbar kein Risiko des Missbrauchs und kein Gesundheitsrisiko“ ausgeht. CBD scheint also recht unbedenklich zu sein.

Wie genau wirkt CBD?

­Graeme Close ist Professor für Human­psychologie an der Liverpool John Moores University und befasst sich mit CBD. Was kann er uns darüber sagen, wie es auf den menschlichen Körper wirkt? „Nicht allzu viel“, gesteht er. „Die Forschung hat hier einen großen Rückstand, weil CBD so lange verboten war. Selbst heute ist es für mich als Wissenschaftler noch schwierig, die Zustimmung der zuständigen Ethikkommission zu bekommen, um die Untersuchungen durchführen zu können, die wir brauchen.“

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Da es auf dem CBD-Markt von Marken fragwürdiger Seriosität nur so wimmelt, sind beim Einkauf einige wichtige Aspekte zu beachten.

Was wir bisher über CBD wissen, ist freilich faszinierend. Der menschliche Körper produziert es selbst. Diese natürlichen, „endogenen“ Cannabinoide koppeln sich an spezielle Rezeptoren im Gehirn und versenden Nachrichten zwischen den Nervenzellen im gesamten Nervensystem. „Das ist eine wichtige Methode, wie der menschliche Körper Schmerzen bewältigt“, erklärt Close. „Tatsächlich haben wir das menschliche Endocanna­binoidsystem erst entdeckt, als wir uns angeschaut haben, was die in der Cannabispflanze enthaltenen Cannabinoide bewirken. Wir erkannten, dass der Körper chemische Verbindungen produziert, die an diese Rezeptoren andocken – ein bisschen wie Schloss und Schlüssel – und dass, wenn sich der Schlüssel im Schloss dreht, all diese erstaunlichen Dinge im menschlichen Körper passieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein pflanzliches Cannabinoid wie CBD es schafft, sich mit demselben System zu verbinden, dürfte bei ungefähr eins zu einer Million liegen.“ Aber dennoch ist es passiert.

Was genau kann dieser Schlüssel nun aber aufschließen? „Es gibt Hinweise, dass CBD bei der Schmerzbehandlung, bei Ängsten und Schlafstörungen helfen kann – drei aus dem Blickwinkel sportlicher Leistungsfähigkeit enorm wichtigen Anwendungsfeldern“, sagt Professor Close. „Wissenschaftlich gesehen liegt sicherlich allen drei Effekten nur ein Mechanismus zugrunde. Zurzeit muss ich aber gestehen, dass der Stand der Forschung nicht ausreicht, um dies zu belegen. Das muss noch weiter erforscht werden.“

Hilft CBD gegen Schmerzen?

Danielle McCartney ist Wissenschaftlerin bei der Lambert Initiative for Cannabinoid Therapeutics an der University of Sidney. Auch sie betont, dass die Wissenschaft bei CBD noch ganz am Anfang steht. „CBD ist eine jener mysteriösen chemischen Verbindungen, von denen wir schlicht nicht wissen, wie sie vieles von dem bewirken, was sie bewirken“, sagt sie. „Ich habe eine Untersuchung da­rüber gelesen, auf welchen Wegen CBD interagiert, und darin wurden mehr als 60 molekulare Ziele nachgewiesen. Es hat also die Tendenz, mit vielen ganz unterschiedlichen Dingen zu interagieren, und das macht es enorm schwierig, genau zu verstehen, ­warum es eine bestimmte therapeutische Wirkung hat.“

Wenn man bedenkt, was für heftigen Zusammenstößen und Verletzungen Rugby-Spitzenspieler ausgesetzt sind, dann überrascht es nicht, dass die Verwendung von CBD unter den Aktiven zugenommen hat. ­Graeme Close hat an einer Studie mitgewirkt, die ergab, dass 26 Prozent aller befragten Rugby-Profis CBD-Öl ausprobiert hatten und 8 Prozent es zum Zeitpunkt der Studie nutzten. Unter älteren Spielern hatten 40 Prozent es probiert – was die Wissenschaftler auf die zunehmenden Pro­bleme mit Schmerzen im Verlauf einer sportlichen Karriere zurückführten.

Schenkt man den Werbesprüchen und Berichten begeisterter Anwender Glauben, leistet CBD bei der Schmerzlinderung wahre Wunder. Tatsächlich gibt es dafür einige wissenschaftliche Belege – allerdings mit einem großen Vorbehalt: „Leider betrachten die meisten Schmerzstudien CBD bisher nicht vollständig isoliert, als Einzelsubstanz“, erklärt Close und führt weiter aus: „Sie untersuchen die Rolle von Cannabinoiden bei der Schmerzbehandlung, greifen aber auf sogenannte Vollspektrumprodukte zurück, die nicht nur CBD enthalten, sondern auch all die sonstigen Cannabinoide, Ter­pene und solche Dinge. Die Studienlage zu CBD allein ist also begrenzt. Was wir aber wissen, ist, dass an den Schmerzneuronen Cannabinoidrezeptoren sitzen und dass diese schmerzlindernd wirken. Die Theorie ist also, dass wir, wenn es uns gelingt, diese Rezeptoren mit exogenen Cannabinoiden zu stimulieren, dieselbe Wirkung hervorrufen können. Das ist durch Studien recht gut belegt, aber diese beziehen sich wiederum nicht auf CBD allein. In einer Studie wurden unterschiedliche Kombinationen von THC und CBD verglichen, und die mit Abstand beste Wirkung zeigte sich, wenn sowohl THC als auch CBD vorhanden waren, die bei Weitem schlechteste dagegen, wenn nur CBD allein vorhanden war. Aber es schien immerhin noch eine gewisse positive Wirkung zu haben.“

Wir müssen also noch viel lernen über das Zusammenspiel zwischen verschiedenen Cannabinoiden. Und es gibt einen weiteren Grund, warum es so schwer ist, an belastbare Schmerz­daten zu kommen: Das Untersuchungsgebiet ist „wahnsinnig komplex“, wie Danielle McCartney sagt. „Wenn Sie sich einen bestimmten Ausschnitt der Bevölkerung ansehen und all die unterschiedlichen Medikamente, die diese Menschen einnehmen, dann kommen alle möglichen anderen Arzneimittel mit ins Spiel und Wechselwirkungen aller Art. Zudem gibt es viele unterschiedliche Arten von Schmerzen, und es lässt sich nicht immer klar bestimmen, woher sie kommen. CBD ist da ohne Frage ein spannendes Thema, aber es ist wirklich schwer, gute Daten zu bekommen.“

Sorgt CBD für einen besseren Schlaf?

Die Schlafqualität ist ein weiterer Bereich, in dem CBD zu großen Hoffnungen Anlass gibt. Jeder Läufer weiß, dass guter Schlaf zur Regeneration unverzichtbar ist. Aber in unserer geschäftigen, lauten, stressigen Welt ist es nicht immer leicht, genug davon zu bekommen. Wenn CBD also dazu beitragen kann, dass wir besser und länger schlafen, sollten wir es dann einnehmen?

Die Antwort nach Analyse der Faktenlage ist ein nicht allzu überzeugendes Vielleicht. In einer aktuellen Studie mit gesunden Probanden, die je 300 Milligramm CBD erhielten, wurde keinerlei Wirkung auf die Schlafqualität festgestellt. Das Problem dabei, wie sowohl Danielle McCartney als auch ­Graeme Close zu bedenken geben, ist womöglich, dass die falschen Probanden ausgewählt wurden. „Keine der Personen hatte vor Studienbeginn angegeben, unter Schlafstörungen zu leiden“, sagt Close. „Warum also hätte CBD da helfen sollen?“
„Andere neuere Untersuchungen legen nahe, dass bei Schlafstörungen, die durch Angstzustände bedingt sind, die Chancen gut stehen, dass es [CBD] helfen kann“, so Close weiter. „Aber falls Sie aus anderen Gründen schlecht schlafen – etwa weil Sie Ihr Schlafzimmer ungünstig eingerichtet haben oder vor dem Zubettgehen mit dem Smart­phone oder PC herumspielen –, dann wird es nicht helfen.“ Close sagt, er werde oft gefragt, ob er es selbst nehme, und die Menschen seien stets überrascht, wenn er das ver­neine, obwohl CBD doch sein Fachgebiet ist. „Aber ich schlafe gut“, sagt er, „warum sollte ich es dann nehmen?“

Bevor Sie also als vermeintliches Allheilmittel gegen schlaflose Nächte zu CBD greifen, versuchen Sie erst einmal herauszufinden, warum Sie so schlecht schlafen, und stellen Sie sicher, dass Sie die naheliegenden und lösbaren Ursachen ausgeschaltet haben. Nachdem das passiert ist, könnte es sich lohnen, es eine Weile mit CBD zu probieren. McCartney stimmt zu: „Es zeichnen sich allmählich gewisse Muster in den ­Daten ab. Das muss zwar noch eingehender erforscht werden, aber es scheint so, als könne CBD Menschen, die aus Gründen wie Angstzuständen oder auch Schmerzen schlecht schlafen, zu einem besseren Schlaf verhelfen.“

Hilft CBD bei Ängsten und in Stresssituationen?

Danielle McCartney hat kürzlich eine umfassende Übersichtsarbeit zum Stand der Forschung hinsichtlich des Einsatzes von CBD im Sport verfasst. Ein Bereich, in dem CBD eindeutig wirksam zu sein scheint, ist die Verringerung von Nervosität. „Ich würde sagen, die bisher vielversprechendsten Belege betreffen die anxiolytische oder angstlösende Wirkung von CBD“, sagt sie. „Es ist noch eine Menge Arbeit erforderlich, aber dies ist einer der wenigen Bereiche, in denen wir über klinische Studien verfügen, die im Vergleich zum Placebo und zu anderen Medikamenten eine positive Wirkung zeigen.“ Eine Angstminderung in Stresssituationen, wie etwa Sportwettkämpfen, wäre eindeutig etwas, von dem jeder Sportler profitieren könnte – oder überhaupt jeder, der unter Ängsten leidet. „Es ist wieder derselbe Mechanismus“, sagt ­Graeme Close. „Und mir scheint, dass er hier seine stärkste Wirkung zeigt.“

Hat CBD Auswirkungen auf die Muskulatur?

CBD könnte sich aber noch auf andere Weisen positiv auf den Körper auswirken, die wir gerade erst zu entdecken beginnen. ­Graeme Close zitiert Studien, die darauf hindeuten, dass es die Muskelregeneration unterstützt – was für Sportler aller Leistungsstufen von enormer Bedeutung wäre. „Wir versuchen, das in meinem Labor an Zellen sowie bei Mäusen näher zu untersuchen“, sagt er. „Wann immer ein Muskel beschädigt wird, muss er imstande sein, sich zu regenerieren, sonst hätten wir irgendwann keine funktionierenden Muskeln mehr.

Es gibt erste Hinweise darauf, dass CBD diesen Regenerationsprozess unterstützen kann. Das wurde sowohl in Zellkulturen als auch in Mausmodellen etwa für Muskeldystrophie gezeigt, die mit einem gravierenden Verlust an Muskelsubstanz einhergeht. Es wirkt offenbar nicht nur auf diese Rezeptoren, sondern auch entzündungshemmend.“ Die Förderung der Muskelregeneration würde die Erholung nach dem Training beschleunigen und Trainingsanpassungen unterstützen. Es scheint also, als könnte CBD eine Art Wundermolekül sein, wenn auch ­immer unter dem Vorbehalt, dass weitere Forschung nötig ist.

Was spricht gegen CBD?

Wenn Forschungsergebnisse darauf hindeuten, dass CBD entzündungshemmend wirkt, die Nerven schützt, angstmindernd und schmerzlindernd wirkt, warum sind die Fachleute dann noch so vorsichtig? Nun, das liegt in erster Linie an der sehr wichtigen Einschränkung, dass viele dieser Ergebnisse vorläufig sind, nicht immer übereinstimmen und überwiegend nicht von Rugby-Spielern, Läufern oder auch nur Stubenhockern stammen, sondern von Mäusen.

Zudem gibt es Probleme mit der Qualitätskontrolle. So wurden kürzlich für eine Studie 25 Produkte überprüft, und es stellte sich heraus, dass lediglich drei davon auch nur annähernd so viel CBD enthielten, wie auf der Packung angegeben war. Bei einer anderen Studie wurden 84 Proben untersucht, und es zeigte sich, dass nur 26 die angeblich enthaltene Menge enthielten. Wirklich besorgniserregend ist jedoch, dass 18 davon mehr THC enthielten als angegeben. Für Spitzensportler ist das ein Problem, da THC selbst in kleinsten Mengen auf der Dopingliste der WADA steht. In Deutschland verkaufte CBD-Produkte dürfen nicht mehr als 0,2 Prozent THC enthalten, aber selbst das würde für eine Sperre mehr als ausreichen. Sportler und alle, die THC meiden möchten, müssen darauf achten, CBD nur aus Quellen zu beziehen, die jede einzelne Charge ordnungsgemäß testet. Ein Problem dabei: Informed Sport, die Institution, die als vertrauenswürdige Informationsquelle dafür gilt, welche Supplemente ordnungsgemäß getestet sind, testet keine CBD-Produkte. Auch in der Kölner Liste finden sich derzeit keine CBD-Produkte.

Ändern könnte sich die Situation durch ein EU-Gesetz über neuartige Lebensmittel, den Novel Food Act, der seit Januar 2019 auch für CBD gilt. Das bedeutet, dass Hersteller von CBD-Produkten eine Genehmigung beantragen mussten, damit diese auf dem Markt bleiben können. Die Genehmigungsverfahren laufen noch, und die Produkte dürfen so lange auf dem Markt bleiben, bis sie geprüft wurden. Es könnte aber sein, dass ein großer Anteil vom Markt genommen wird. „Hoffentlich werden wir dann die Scharlatane los, und nur die vertrauenswürdigen Marken bleiben zurück“, sagt Professor ­Graeme Close. „Zurzeit kann man eine Stange Geld aus­geben, ohne wirklich zu wissen, was man dafür bekommt und wie man es einnehmen soll. Doch es gibt einige wirklich vertrauenswürdige Marken, die in Forschung investieren und ihr Bestes tun, um diese Fragen zu beantworten.“

Eine weitere interessante Option ist synthetisches CBD, das inzwischen von Unternehmen wie Pureis hergestellt wird. Der Vorteil: CBD, das im Labor künstlich hergestellt wird anstatt aus Marihuana-Pflanzen, ist gänzlich frei von sonstigen Cannabinoiden. Das heißt, dass jeder – ob Profi- oder Amateursportler – sicher sein kann, dass das Produkt „sauber“ ist. Was wir allerdings nicht wissen, ist, wie gut CBD wirkt, bei dem diese anderen chemischen Verbindungen nicht vorhanden sind.

Alle Experten sind sich zudem einig, dass noch in einer anderen Frage Klärungsbedarf besteht, und zwar in welcher Dosis und welcher Form CBD am wirksamsten ist. Zwar gibt es heute alle möglichen Arten von Produkten, die CBD enthalten – von Handcreme bis hin zu Eiscreme –, doch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen erwartungsgemäß, dass es bei innerlicher Anwendung wirksamer ist als bei äußerlicher. „Ich will auf keinen Fall Werbung fürs Vapen oder Rauchen machen, aber wenn man eine Rangliste nach der Wirksamkeit aufstellen wollte“, so Close, „dann wäre das vermutlich die effektivste Methode, um es ins Körpersystem zu bekommen. Danach kommen Tropfen unter der Zunge und dann Tabletten. Über Cremes und solche Sachen weiß man noch sehr wenig.“ Und wie wär’s, wenn man ein paar Tropfen in den Kaffee geben und es trinken würde? „Na ja, das ist überhaupt keine seriöse Methode, um irgendetwas einzunehmen.“

Auch die Frage nach der richtigen Menge lässt sich bisher unmöglich beantworten. Untersuchungen legen nahe, dass das menschliche Endocannabinoidsystem bei jedem etwas anders funktioniert, sodass auch CBD womöglich nicht bei jedem gleich wirkt. „Wir wissen, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit als unbedenkliches Höchstlimit 70 mg pro Tag festgelegt hat“, sagt ­Graeme Close. „Aber wir wissen nicht, ob das eine wirksame Dosis ist.“ Und wenn das Etikett auf der Flasche angibt, dass ein CBD-Öl 1000 mg CBD enthält, dann bezieht sich das auf den gesamten Flascheninhalt. Aber wie viel ist in ein paar Tropfen?

Ist CBD empfehlenswert?

Auch wenn vieles noch ungewiss oder zumindest unbewiesen bleibt, wissen wir immerhin, dass CBD gesundheitlich relativ unbedenklich ist. „Wenn man Qualitätsprodukte bekommen kann, in denen auch drin ist, was draufsteht, dann ist CBD nachweislich sehr sicher“, sagt Danielle McCartney. „Die höchste in einer Studie verabreichte Dosis, von der ich gelesen habe, waren 6000 mg akut. Das, was man rezeptfrei bekommt, enthält dagegen meist weniger als 100 mg. Bedenken hätte ich, wenn überhaupt, wegen der Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: CBD scheint ziemlich gut darin zu sein, mit anderen Stoffen zu interagieren; wenn Sie also viele andere Medikamente nehmen, dann könnte das problematisch sein.“

Würde Close also CBD empfehlen? „Ich bin ein vorsichtiger Mensch“, sagt er. „Beim gegenwärtigen Stand der Dinge, wo es für vertrauenswürdige Firmen schwierig ist, ihre Produkte an den Mann zu bringen und Interessenten zu beraten, und wo weniger vertrauenswürdige Unternehmen auf den Zug aufspringen, müssen wir, glaube ich, vorsichtig sein.“

Und doch bleibt Close optimistisch. „Als verhalten enthusiastisch könnte man vielleicht bezeichnen, wie ich als Forscher derzeit zu CBD stehe, weil es eine der aufregendsten Entwicklungen ist, die sich seit einer ganzen Weile in der Sport­ernährung getan haben. Es gibt nichts vergleichbar Neuartiges, das wirklich das Potenzial hat, den Menschen zu helfen.

Das Problem ist, dass Sportler dazu neigen, Neuwentwicklungen frühzeitig aufzugreifen. Aber ich bin vorsichtig optimistisch und heiß darauf, ins Labor zu kommen.“ Und wie lange werden wir noch warten müssen, bis sich ein klareres Bild abzeichnet? „Ich glaube, in zwei Jahren werden wir sehr viel mehr wissen, und in fünf Jahren wird es eine Menge an wissenschaftlichen Studien geben, die die Wirksamkeit von CBD belegen“, sagt Close. „Ich bin noch nicht so weit, dass ich es empfehlen würde, weil ich meine Forschungen dazu gerade erst begonnen habe und es eine Menge ungeklärter Fragen gibt. Aber als Wissenschaftler halte ich es für unsere Pflicht zu forschen, und dies ist ein aufregender neuer Forschungsbereich.“

Was ist beim Kauf von CBD-Produkten zu beachten?

  • Achten Sie auf eine seriöse Angabe der Inhaltsstoffe. Auf Web­sites wie beispielsweise www.fourfive.com/certificates-of-analysis werden Analysezertifikate an Produkte vergeben, die von einem externen Labor ­getestet wurden. Dieses ­bestätigt, dass das Produkt genau das enthält, was auf dem Etikett steht, zum Beispiel den korrekten CBD-­Gehalt, und dass es kein THC und potenziell schädliche Substanzen enthält.
  • Prüfen Sie, ob die Marke einen Antrag auf Zulassung als neuartiges Lebensmittel gestellt hat. Eine vollständige Liste aller Anträge finden Sie hier: www.ec.europa.eu/food/safety
  • Machen Sie sich ­bewusst, was die Angaben auf dem Etikett tatsächlich bedeuten. Falls dort etwa „500 mg“ steht, dann ist das die Menge an CBD, die in der gesamten Flasche enthalten ist. Sie müssen dann die Menge, die Sie brauchen, um auf Ihre bevorzugte tägliche Dosis zu kommen, selbst berechnen.
  • Zu beachten: Nicht alle Kapseln sind vege­tarisch. Falls Ihnen das wichtig ist, überprüfen Sie das Etikett auf eine entsprechende eindeutige Aussage. Einige Kapseln werden ­unter Verwendung von Rindergelatine hergestellt.

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