Lieber Kai, deine Frage ist eine Steilvorlage zur Werbung für Sportgesundheitsuntersuchungen. Laut Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention sollte „eine sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung in Abhängigkeit des individuellen Risikoprofils, der jeweiligen Sportart, des Leistungsniveaus und der Intensität alle ein bis fünf Jahre wiederholt werden“. Zu den Risikofaktoren gehören höheres Lebensalter (ab 35 Jahren), bekannte Vorerkrankungen und Anomalien des Herz-Kreislauf-Systems.
Eine sportmedizinische Untersuchung umfasst in der Regel einen internistischen Teil mit Untersuchungsfokus auf Herz und Lunge. Vor allem dieser Teil ist wichtig für deinen speziellen Fall. Es gibt Erkrankungen des Herzens, von denen auch junge, vermeintlich gesunde und sportliche Menschen betroffen sein können, zum Beispiel aufgrund einer genetischen Belastung. Ein Beispiel sind die Kardiomyopathien, das umfasst eine Gruppe von Erkrankungen des Herzmuskels. Solche Erkrankungen sind selten, aber das Tückische ist, dass man im Alltag nicht zwingend etwas von ihnen merkt, sie aber unter Extrembelastung ein erhöhtes Risiko darstellen, zum Beispiel einen Herzstillstand zu erleiden. Bei fast allen Fällen des plötzlichen Herztodes junger Menschen liegt eine strukturelle Herzerkrankung vor.
Funktionsuntersuchungen wie das Belastungs-EKG, das Teil jeder sportmedizinischen Untersuchung ist, können Hinweise geben, ob du von einer solchen Erkrankung betroffen sein könntest. Eine sehr große Studie an 12- bis 35-Jährigen konnte zeigen, dass die jährliche Rate des plötzlichen Herztodes bei jungen Sportlern durch Screening-Untersuchungen um 89 Prozent reduziert werden konnte: von 3,6 Todesfällen/100.000 Athletenjahre zu Beginn der Untersuchungen 1979/80 auf 0,4 Todesfälle 2003/04.

Deborah „Debbie“ Schöneborn ist eine der schnellsten deutschen Marathonläuferinnen (Bestzeit: 2:24:54 Stunden) und hat an der Berliner Charité Medizin studiert. In unserer Kolumne beantwortet sie eure Fragen zu Gesundheit, Training und Ernährung.
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