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Joggen mit Asthma

Atemwegserkrankung Laufen mit Asthma: Infos und Tipps

Kontrolliertes Laufen fördert bei Asthmatikern die körperliche Leistungsfähigkeit und gibt Lebensqualität. Wir klären, was Sie beim Training beachten sollten.

Etwa fünf Prozent der deutschen Bevölkerung leiden unter Asthma. Tobias C. ist einer von ihnen. Die Krankheitsgeschichte des Steinfurters begann mitten in der Vorbereitung auf seinen ersten Marathon. Immer wieder litt der begeisterte Läufer unter Atembeschwerden, führte dies aber auf das anstrengende Training zurück. Was er zunächst ignorierte, steigerte sich bald zu heftigen Attacken mit Atemnot und einem beängstigenden Engegefühl in der Brust. So stieß Tobias schon beim lockeren Laufen an seine Belastungsgrenze.

Diagnose: Asthma bronchiale

Erst als die Symptome wiederholt auch im Ruhezustand und sogar nachts auftraten – ihm buchstäblich den Schlaf raubten –, nahm er sie ernst und suchte einen Arzt auf. Der Spezialist unterzog Tobias einem Lungenfunktionstest. Die Diagnose: Asthma bronchiale. Anstatt sich also auf den Trainingsplan für die letzten Wochen der Marathonvorbereitung konzentrieren zu können, wurde Tobias plötzlich mit einer dauerhaften Lungenerkrankung konfrontiert und musste akzeptieren, ständig auf Medikamente angewiesen zu sein. Neben den körperlichen Beschwerden machten ihm zudem die psychischen Belastung arg zu schaffen: „Ich hatte wirklich Angst, dass mir beim Laufen die Luft ganz wegbleibt, habe einige Zeit gar nicht mehr trainiert“, erzählt Tobias.

Körperliche Schonung war für den Sportler aber keine Lösung. Dank der Behandlung mit gezielter Medikation und der Wiederaufnahme seines Trainings hat er jetzt deutlich seltener Beschwerden als noch zu Zeiten der Diagnose. Insgesamt fühlt sich – körperlich wie psychisch – sehr viel stabiler. Auch die dramatischen Anfälle und seine Kurzatmigkeit hat Tobias weitgehend in den Griff bekommen. Die Herausforderung, einen Marathon zu bestreiten, ist für ihn nun kein unrealistisches Ziel mehr. „Die Medikamente geben mir das gute Gefühl der Sicherheit“, sagt er. „Ich habe nicht nur das Asthma unter Kontrolle, sondern mir auch ein Stück Lebensqualität und Gesundheit erlaufen.“

Im Folgenden haben wir alle wichtigen Fragen zum Thema Laufen und Asthma für Sie zusammengestellt:

Wie wird Asthma diagnostiziert und therapiert?

Zur Diagnose wird ein Lungenfunktionstest durchgeführt. Die sogenannte Spirometrie ist die aussagekräftigste Untersuchung zur Messung der Lungenfunktion und zur Beurteilung der Atemwege. Der wichtigste Parameter, der damit erfasst wird, ist das „forcierte Expirationsvolumen“ FEV1: Der Patient atmet erst vollständig ein und dann schnell und kräftig aus. Die Luftmenge, die in der ersten Sekunde ausgeatmet wird, ist das FEV1. Ein FEV1-Wert, der deutlich unter dem Sollwert liegt, deutet auf eine Verengung der Atemwege hin. Typisch für Asthmatiker ist eine Verbesserung der Werte durch ein bronchienerweiterndes Medikament.

Auch Peak-Flow-Messungen, also die Kontrolle der maximalen Ausatmungsgeschwindigkeit, sind eine gute Möglichkeit, um die Atemwegswerte zu Hause zu überwachen. Dazu pusten Sie nach maximalem Einatmen so stark wie möglich in ein kleines medizinisches Gerät mit Mundstück. Je entzündeter und verengter die Bronchien, umso langsamer fließt die Luft aus den Lungen.

Ist bei den Betroffenen der erste Schock über die Gewissheit ihrer Krankheit überstanden, bringt eine gesicherte Asthmadiagnose die Möglichkeit, die Krankheit durch eine systematische Therapie unter Kontrolle zu bringen. Um Folgeschäden durch die Asthmaanfälle zu vermeiden, genügt es nicht, lediglich die Symptome zu behandeln – vielmehr muss eine fortlaufende Therapie erfolgen.

Als Basis der modernen Behandlung kommen in der Regel inhalative Kortikosteroide zum Einsatz. Diese vereinen zwei Medikamente in einem Inhalierspray: Kortison gegen die Entzündung der Bronchien und sogenannte Beta-2-Agonisten, die für eine verbesserte Atmung sorgen, indem sie die Bronchien in den Lungen erweitern. Abhängig von den übrigen enthaltenen Wirkstoffen und der Dosierung erlaubt dies eine flexible, an den Beschwerden orientierte Behandlung. Bei Belastung und zunehmenden Symptomen kann der Betroffene selbst die Medikation anpassen.

Kann Sport einen positiven Einfluss auf Asthma haben?

Regelmäßiger Sport ist nicht nur für Gesunde wichtig, sondern auch gerade für Asthmapatienten sinnvoll. Neben der allgemein positiven Wirkungen (wie die Stärkung von Muskeln, die Anregung der Durchblutung und des Herz-Kreislaufsystems) kann Sport speziell die Beschwerden von Asthmatikern lindern: Ein gezieltes Training stärkt die Atemmuskeln, verbessert die Lungenfunktion, macht die Sauerstoffversorgung effizienter und hilft zu entspannen. Desweiten lässt sich die Schwelle, an der es zur Atemnot kommt, durch Sport deutlich nach oben verschieben. Asthmatiker, die regelmäßig Sport treiben haben oft eine bessere Lebensqualität. Außerdem wirkt sich körperliches Training günstig auf den Schleimtransport aus den Lungen aus.

Welche Sportarten sind für Asthmatiker geeignet?

Besonders gut eigenen sich Ausdauersportarten wie Laufen, Radfahren, Schwimmen, Nordic Walking oder Wandern. Die stetig gleichbleibende Belastung vertragen Asthmapatienten besser als Sportarten mit kurzen und heftigen Belastungsphasen (wie Squash oder Basketball).

Regelmäßiges Ausdauertraining erhöht nicht nur die Atemtiefe, sondern führt auch zu einer niedrigeren Atemfrequenz und senkt somit die Schwelle, ab der ein Anstrengungsasthma auftritt. Ein Anstrengungs- oder Belastungsasthma wird insbesondere durch körperliche Aktivitäten bzw. Sport ausgelöst. Bei starker körperlicher Belastung verengen sich die Bronchien und die Schleimhaut schwillt an. Dies führt zu einer vermehrten Schleimproduktion und kann wenig später Husten, Keuchen oder Atemnot auslösen.

Worauf sollten Asthmatiker beim Lauftraining achten?

Die medizinische Empfehlung für Asthmatiker zur Durchführung von ausdauerorientiertem Training hat sich in den letzten Jahren zunehmend etabliert. Das Training, speziell für lange Distanzen, sollte gut geplant und möglichst regelmäßig ärztlich betreut werden. Das Ausmaß der körperlichen Belastung bzw. des Trainings, das empfohlen werden kann, hängt allerdings entscheidend vom Schweregrad der Asthma-Erkrankung ab.

Konkrete Aussagen hierzu können nur unter Kenntnis der individuellen Befunde erfolgen. „Daher sollte eine individuelle Belastbarkeitsuntersuchung mit entsprechender Trainingsempfehlung durch einen erfahrenen Internisten/Sportmediziner erfolgen“, empfiehlt Dr. med. Bernd Wolfarth, Ärztlicher Leiter der Abteilung Sportmedizin der Charité Universitätsmedizin Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin. „Dieser kann dann auch eine Optimierung Ihrer Medikation vornehmen und eine konkrete Prognose abgeben, in welchem Umfang ein Ausdauertraining sinnvoll ist.“

Sind die Regeln befolgt, gibt es lediglich eine Einschränkung: Komplettes Auspowern ist absolut tabu! Beginnen Sie langsam und wärmen Sie sich vorher ausreichend auf. Während des Laufens sollten keinerlei Beschwerden auftreten – für den Notfall darf das Inhalierspray jedoch nie fehlen. Bei Bedarf können Sie Ihr Notfallspray auch schon vor dem Lauf nehmen. Außerdem empfiehlt es sich, tägliche Messungen vorzunehmen und diese in einem Asthmatagebuch zu protokollieren. So erhalten Asthmatiker einen Überblick über den Verlauf der Krankheit und können ihre Lungenfunktion und die Wirksamkeit der Therapie bequem zu Hause überprüfen.

Wie erbringen Leistungssportler trotz Asthma Topleistungen?

Sportmediziner Dr. med. Bernd Wolfarth: „Immer wieder liest und hört man davon, dass Hochleistungssportler an Asthma leiden und daher Sprays benutzen. Die im Leistungssport zur Anwendung gebrachten Medikamente zur Behandlung von Asthmabeschwerden unterscheiden sich in der Regel nicht von den klassischen Medikamenten, die bei nicht Sport treibenden Asthmatikern verwendet werden, allerdings enthalten sie dopingrelevante Substanzen.

Insbesondere der systemischen Gabe der beiden Substanzklassen in Asthmamedikamenten wird eine leistungssteigernde Wirkung nachgesagt. Aufgrund der schwierigen Differenzierung zwischen systemischer und nicht-systemischer Gabe wird auch die inhalative, nicht-systemische Gabe dieser Medikamente im Rahmen der Therapie des Belastungsasthmas reglementiert.

Die inhalativen Kortikosteroide müssen bei Benutzung im Wettkampf mittels einer verkürzten therapeutischen Ausnahmegenehmigung angemeldet werden. Aus der Gruppe der Beta-2-Agonisten dürfen nur vier Substanzen (Salbutamol, Terbutalin, Salmeterol und Formoterol) nach Erteilung einer medizinischen Genehmigung verwendet werden. Der Antrag muss in diesem Fall zusammen mit dem lungenfunktionellen Nachweis eines hyperreagiblen Bronchialsystems/Belastungsasthmas, bei der zuständigen Anti-Doping-Behörde eingereicht werden. Die Therapie darf erst nach Erteilung der Genehmigung begonnen werden!“

Fazit: Ausdauertraining hilft – aber immer mit Inhalierspray

Auch als Asthmatiker können Sie Laufen. Ärzte empfehlen sogar ausdauerorientiertes Training. Denn neben den bekannten positiven Wirkungen verbessert das Laufen bei Asthmatikern die Funktion der Atemmuskeln: Sie können die Schwelle, an der es zur Atemnot kommt, durch das Laufen deutlich nach oben verschieben. Wie sehr Sie sich belasten dürfen, hängt aber entscheidend vom Schweregrad Ihrer Asthma-Erkrankung ab. Komplettes Auspowern ist absolut tabu. Ihr Training, besonders für lange Distanzen, sollte gut geplant und möglichst regelmäßig ärztlich betreut werden. Führen Sie daher eine individuelle Belastbarkeitsuntersuchung mit entsprechender Trainingsempfehlung durch. Und haben Sie für den Notfall immer das Inhalierspray dabei.

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