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Eine Doping-Welle aus Kenia

Doping Eine Doping-Welle aus Kenia

54 kenianische Läufer dürfen aktuell aufgrund einer Dopingsperre nicht an Wettkämpfen teilnehmen. Kaum ein anderes Land hat mehr gesperrte Sportler.

Kenias Läufer erregen zurzeit nicht nur aufgrund von sportlichen Bestzeiten Aufmerksamkeit. Denn eine ungewöhnlich hohe Zahl von Athleten ist aufgrund von Dopings entweder gesperrt oder suspendiert. Die aktuellste Liste der Athletics Integrity Unit (AIU), die weitestgehend unabhängig vom internationalen Leichtathletik-Verband World Athletics (WA) unter anderem das Anti-Doping-System steuert, beinhaltet 54 Kenianer, die zurzeit wegen Dopings nicht starberechtigt sind.

Darin enthalten sind allerdings auch etwas ältere Fälle, die aufgrund der Länge der Sperre von bis zu acht Jahren noch nicht beendet sind. Dies betrifft zum Beispiel einen der spektakulärsten Dopingfälle im Laufbereich überhaupt, Jemima Sumgong. Die Kenianerin war rund ein halbes Jahr nach ihrem Marathon-Olympiasieg in Rio 2016 positiv getestet worden. Da sie in der Folge während des Doping-Verfahrens ein medizinisches Dokument fälschte, ist sie nun noch bis Anfang 2027 gesperrt.

Mit 54 Athleten in der AIU-Liste gehört Kenia derzeit zu den drei Nationen mit den meisten Doping-Sündern. Mehr Fälle weisen lediglich Russland (102) - der nationale Verband und seine Athleten sind bis auf einige wenige Ausnahmen weiterhin komplett gesperrt - sowie Indien (61) auf. China hat zurzeit 23 gesperrte Athleten während die traditionell starken Lauf-Nationen Marokko und Äthiopien 22 beziehungsweise 10 gesperrte Langstreckler haben. Zum Vergleich: Es gibt zurzeit keinen deutschen Läufer, der wegen Dopings gesperrt ist.

Obwohl sich die 54 kenianischen Fälle über mehrere Jahre verteilen, verzeichnet das Läufer-Land schlechthin 2022 besonders viele Dopingfälle. In der AIU-Liste finden sich dabei zwar „nur“ sieben Kenianer, die in diesem Jahr gesperrt wurden, doch bei etlichen läuft das Verfahren noch - sie sind entweder erst suspendiert oder es gibt einen Einspruch und ein entsprechendes Widerspruchsverfahren. Acht Kenianer stehen auf einer weiteren AIU-Liste, die die Suspendierungen unmittelbar nach einer positiven Probe abbildet. Insgesamt gibt es in diesem Jahr offenbar schon rund 20 kenianische Dopingfälle, so dass kenianische Medien bereits spekuliert haben, ob das Land von World Athletics demnächst mit einem pauschalen Bann nach russischem Vorbild belegt werden könnte.

Zu den bekanntesten kenianischen Läufern, die in diesem Jahr gesperrt oder suspendiert wurden, zählen Lawrence Cherono, Marius Kipserem, Philemon Kacheran, Diana Kipyokei und Kenneth Kiprop. Cherono hatte die Marathonrennen in Boston, Chicago und Amsterdam gewonnen. Er weist eine Bestzeit von 2:03:04 Stunden auf und war Olympia-Vierter 2021. Kacheran war 2021 Dritter beim Valencia- und Sechster beim Berlin-Marathon, Kipserem gewann zweimal den Rotterdam-Marathon (2016 und 2019) und Kipyokei gewann 2020 den Istanbul- und 2021 den Boston-Marathon. Da ihre positive Probe unmittelbar nach dem Rennen in Boston genommen wurde, würde sie diesen Sieg verlieren. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Kiprop für fünf Jahre gesperrt wurde. Er hatte sich in diesem Jahr auf Weltklassezeiten von 26:57 über 10 km und 58:35 Minuten im Halbmarathon verbessert. Kiprop gewann 2022 die Halbmarathonrennen in Prag und Lissabon.

Ist World Athletics zu passiv?

Bereits vor längerer Zeit hatte die frühere Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe gewarnt, dass man diesen Kampf gegen Doping nicht gewinnen könne, wenn man sich nur auf die Athleten konzentriere. Man müsse, so forderte die Britin, auch gegen die entsprechenden Manager vorgehen, die oft im Hintergrund verantwortlich dafür seien, wenn Athleten dopen. Ihnen gehe es nur um das Geld, das sie mit erfolgreichen Athleten verdienen können.

Einer der wenigen deutschen Athleten-Manager, die mit kenianischen Läufern arbeiten, ist Christoph Kopp mit seinem Berliner ISS-Team. Bei einer Pressekonferenz im Rahmen des Mainova Frankfurt-Marathons auf die Problematik angesprochen, erklärte er: „Unsere Erfahrung ist, dass viele Athleten in Kenia unbedingt getestet werden wollen. Denn sie leiden unter der Situation, die ein schlechtes Licht auf alle wirft. Das Problem ist, dass es in Nationen wie Kenia, Uganda oder Äthiopien kein wirklich unabhängiges Kontrollsystem gibt. Hier müsste World Athletics mehr machen. Ich denke, dass mindestens 90 Prozent der kenianischen Athleten sauber sind, und sie sind enttäuscht, dass nicht mehr passiert im Kampf gegen Doping.“

Wenden sich zum Beispiel Athleten oder deren Manager mit der Bitte um Doping-Kontrollen an den kenianischen Leichtathletik-Verband Athletics Kenya, so die Erfahrungen des ISS-Teams, wird dies immer wieder mit dem Hinweis abgelehnt, dass aus finanziellen Gründen nicht genügend Kapazitäten zur Verfügung stehen. Dabei kassiert World Athletics seit einigen Jahren in erster Linie von jenen Straßenläufen die zur Label-Serie des internationalen Verbandes gehören aber auch von den Athleten-Managern hohe Summen, die zusätzlich in den Anti-Doping-Kampf fließen sollen. Es geht dabei insgesamt um Millionen-Beträge.

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