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Japanisches Marathon-Spektakel Olympisches Qualifikationsrennen in Tokio

Beim Marathon Grand Championship starten viele japanische Top-Läufer. Das Rennen kann als eine Art Generalprobe für den olympischen Marathon 2020 gewertet werden.

Für die Japaner steht am Sonntag, dem 15. September 2019, das bedeutendste Marathon-Ereignis des Jahres auf dem Programm: In Tokio wird das „Marathon Grand Championship“-Rennen (MGC) gestartet. Knapp elf Monate vor den olympischen Marathonläufen in der japanischen Metropole ist das MGC das japanische Qualifikationsrennen für die Spiele.

1992 gewann Koichi Morishata die Silbermedaille für Japan

Im Marathon-verrückten Japan haben die olympischen Rennen über die 42,195 km einen extrem hohen Stellenwert. Ein japanischer Marathon-Olympiasieger wird wie ein Volksheld verehrt, alle Medaillengewinner werden gefeiert. Zuletzt hielten sich die olympischen Erfolge der japanischen Straßenläufer, die in der Regel alle in Lauf-Teams von großen Unternehmen organisiert sind, allerdings in Grenzen. Beim Olympiasieg von Mizukio Noguchi gab es 2004 in Athen die letzte Marathon-Medaille für Japan.

Vier Jahre zuvor war Naoko Takahashi in Sydney als erste japanische Frau zum Olympiasieg über die klassische Distanz gelaufen. So groß war die Begeisterung um Takahashi in Japan, dass ihre Karriere in einer Comic-Serie dargestellt wurde. Das Heft, „Young Sunday“, erschien wöchentlich mit einer Auflage von 700.000 Stück. Bei den Männern liegt der letzte japanische Medaillengewinn noch länger zurück: 1992 gewann Koichi Morishata in Barcelona die Silbermedaille in einem Rennen, in dem der Cottbuser Stephan Freigang sensationell Bronze gewann.

MGC-Strecke entspricht größtenteils dem olympischen Kurs

Die Strecke des MGC wird in weiten Teilen mit dem olympischen Kurs im nächsten Jahr übereinstimmen. „Jene Läufer, die sich beim MGC für Olympia qualifizieren, werden dadurch bei den Spielen einen Vorteil haben“, erklärte Naoko Takahashi gegenüber der Zeitung „Japan Times“. Da das Olympiastadion noch nicht fertig ist, befinden sich Start und Ziel in der Nähe der Arena.

Aufgrund der Hitze werden die Marathonläufe in Tokio 2020 im August bereits um 6 Uhr früh gestartet. Bemerkenswert ist, dass der japanische Leichtathletik-Verband (JAAF) das Qualifikationsrennen nicht im August stattfinden lassen wollte, um die Gesundheit der Athleten zu schonen. „Wir sind der Ansicht, dass es zu gefährlich für die Läufer gewesen wäre, jetzt im August in Tokio zu laufen und dann 2020 erneut“, erklärte JAAF-Funktionär Mitsugi Ogata. Mit einem Hitzerennen bei Temperaturen von über 20 Grad Celsius wird aber auch am Sonntag gerechnet.

31 Männer und 12 Frauen sind beim Rennen dabei

Es dürfen übrigens längst nicht alle japanischen Topläufer beim MGC an den Start gehen. Die Athleten mussten sich über ein ausgeklügeltes System, bei dem unter anderem Durchschnittszeiten erreicht werden mussten, erst für das Olympia-Qualifikationsrennen qualifizieren. 31 Männer und 12 Frauen wurden im Juni im Rahmen einer Pressekonferenz des japanischen Leichtathletik-Verbandes als Starter bestätigt.

18 Starter erreichten im Qualifikationszeitraum für das MGC Ergebnisse von unter 2:10 Stunden. Unter ihnen sind auch jene beiden Athleten, die 2018 den japanischen Marathonrekord brachen: Zunächst erreichte Yuta Shitara in Tokio 2:06:11 Stunden, dann lief Suguru Osako in Chicago 2:05:50. Nicht dabei ist dagegen Japans Marathon-Vielstarter Yuki Kawauchi, der 2018 sensationell den Boston-Marathon gewonnen hatte. Die schnellste Frau im Qualifikationszeitraum für das MGC ist Mizuki Matsuda, die in Berlin im vergangenen Jahr als Fünfte 2:22:23 Stunden erreicht hatte. Die Zweitschnellste, Hanami Sekine (2:23:07), wird dagegen voraussichtlich aufgrund einer Verletzung passen müssen.

In jedem Fall sind spannende Rennen zu erwarten. Der japanische Verband hat aber auch noch eine Hintertür offen gehalten. Denn nur die ersten beiden des MGC können sich ihres Olympia-Startplatzes sicher sein (sofern sie parallel auch die internationalen Normen von 2:11:30 beziehungsweise 2:29:30 erfüllen). Den jeweiligen dritten Startplatz könnten die japanischen Funktionäre noch kurzfristig im nächsten Frühjahr an einen Shooting-Star vergeben, der bei einem von drei japanischen City-Rennen auftrumpft.

Text: race-news-service.com

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