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Rabea Schöneborn und das Marathon-„Trostpflaster“:

Berlin-Marathon 2021 Rabea Schöneborn und das Marathon-„Trostpflaster“

Die Norm für den olympischen Marathon von Tokio hatte Rabea Schöneborn knapp verpasst – nun läuft sie beim Berlin-Marathon 2021.

Für Rabea Schöneborn ist der Berlin-Marathon so etwas wie ein perfektes „Trostpflaster“. Die Qualifikation für den olympischen Marathon in Japan hatte sie um Haaresbreite verpasst. Lediglich neun Sekunden fehlten der Berlinerin im April im holländischen Enschede, wo sie sich auf 2:27:03 Stunden verbesserte. Verdrängt hätte sie im Kampf um die Olympia-Tickets allerdings ihre Zwillingsschwester Deborah Schöneborn, die zuvor 2:26:55 gelaufen war. So hielt sich die Enttäuschung über die knapp verpasste Olympia-Premiere in familiären Grenzen. Während Deborah Schöneborn in Sapporo, wo die olympischen Marathonrennen stattfanden, einen hervorragenden 18. Platz belegte, hat Rabea Schöneborn nun dafür am 26. September 2021 die Gelegenheit, als erste der beiden Zwillinge in ihrer Heimatstadt Berlin einen Marathon zu laufen.

Streckenrekord-Jagd: Starke Konkurrenz beim Berlin-Marathon 2021

In Berlin wird sie auf hochkarätige Konkurrenz treffen. Als Favoritin geht dabei die Äthiopierin Hiwot Gebrekidan ins Rennen, die im Frühjahr den Mailand-Marathon mit der nach wie vor aktuellen Jahresweltbestzeit von 2:19:35 Stunden gewonnen hatte. Die 26-Jährige kündigte bei der Pressekonferenz am Donnerstag vor dem Marathon sogar eine Jagd auf den Streckenrekord der Kenianerin Gladys Cherono an (2:18:11). Und sie dürfte mit einem solchen Tempo wohl auch den äthiopischen Rekord im Blick haben. Diese Bestzeit von 2:17:41 Stunden lief Worknesh Degefa 2019 in Dubai.

Da aber insgesamt nur sechs Läuferinnen schnellere Bestzeiten als Rabea Schöneborn aufweisen, ist für die Berlinerin durchaus eine sehr gute Platzierung möglich. „Ich freue mich sehr, dass ich jetzt in Berlin starten kann. Bisher bin ich ja nur bei reinen Elite-Marathonrennen an den Start gegangen, nun kann ich das erste Mal das Flair eines großen City-Marathons erleben. Ich versuche immer, etwas vorsichtiger anzugehen, um dann möglichst die zweite Hälfte schneller zu laufen. Das ist auch am Sonntag der Plan“, sagte Rabea Schöneborn, die aber trotzdem eine flotte Halbmarathon-Durchgangszeit anstrebt: „Eine Zwischenzeit zwischen 73:10 und 73:20 ist geplant“, sagte die 27-Jährige, die für die LG Nord Berlin startet und dort zusammen mit ihrer Schwester von Detlef Müller trainiert wird.

Höhentrainingslager in St. Moritz

Da sie für die Olympischen Spiele zunächst als Ersatzläuferin nominiert war und sich auf einen möglichen, kurzfristigen Einsatz vorbereitet hatte, hat Rabea Schöneborn nun ein umfangreiches Training für den BMW Berlin-Marathon in den Beinen. „Ich habe dabei auch das erste Mal ein Höhentraining absolviert. Vier Wochen war ich in St. Moritz und habe die Höhe gut verkraftet.“

Dass ihre Zwillingsschwester dann bei Olympia eine Platzierung unter den Top-20 erreichte, beflügelt sie. „Das ist eine große Motivation. Wenn eine von uns das schafft, eine so starke Leistung zu bringen, dann kann die andere das auch“, sagt Rabea Schöneborn, die in Berlin anhand der Zwischenzeiten beobachtete, wie ihre Schwester im letzten Dritten des Rennens etliche Plätze gutmachte. „Es war vorher schwer einzuschätzen, was möglich sein würde. Aber ich war nicht überrascht, dass Debbie so gut lief. Es ist eine Stärke von uns, dass wir uns gut auf schwierige Bedingungen einstellen können. Man muss in solch einem Rennen auch Geduld haben.“

Rabea Schöneborn lief Marathon-Debüt in 2:28:42 Stunden

Rabea Schöneborn hat parallel zu ihrer Zwillingsschwester in den letzten zwei Jahren eine starke Entwicklung gemacht und sich in die deutsche Langstrecken-Spitze geschoben. Beide bewegen sich auf einem fast identischen Leistungsniveau. Je länger die Strecken, desto besser sind die Leistungen der Zwillinge. Im Halbmarathon verbesserte sich Rabea Schöneborn im Februar 2020 in Barcelona überraschend auf 71:40 Minuten. Danach belegte sie bei der hochkarätig besetzten Halbmarathon-WM Rang 54 und gewann mit dem deutschen Team, zu dem auch ihre Schwester zählte, die Bronzemedaille. Darauf folgte im Dezember ein gutes Marathon-Debüt in Valencia mit 2:28:42 Stunden. In diesem Frühjahr zeigte die Berlinerin dann beim Enschede-Marathon die bisher beste Leistung ihrer Karriere: Sie belegte Rang drei in 2:27:03. Nach einer weiteren Bestzeit beim Halbmarathon in Berlin vor rund einem Monat (70:35 Minuten) folgt nun der Start beim Berlin-Marathon.

Rabea Schöneborn, die ihr Psychologie-Studium abgeschlossen hat und trotz der erheblichen Trainingsbelastung anstrebt, neben dem Sport auch zu arbeiten, kommt aus einer sportlichen Familie. „Mein Großvater spielte Tennis, mein Vater machte unter anderem Ausdauersport und hat eine Marathon-Bestzeit von 2:42 Stunden,“ erzählt Rabea Schöneborn. Sport-Star der Familie ist jedoch ihre acht Jahre ältere Schwester Lena. Sie ist die Olympiasiegerin im Modernen Fünfkampf von Peking 2008. Lena Schöneborn wurde in Berlin 2015 auch Weltmeisterin und gewann etliche Team-Medaillen in dieser Sportart. Ein 3.000-m-Crosslauf gehört in Kombination mit Schießen (ähnlich wie beim Biathlon) zum Modernen Fünfkampf.

Auch Rabea und Deborah Schöneborn betrieben über mehrere Jahre hinweg Modernen Fünfkampf. Als es aber immer schwerer wurde, die umfangreichen Trainingszeiten mit dem Studium zu kombinieren und die Leistungen weiter zu verbessern, versuchten es die Zwillinge schließlich mit dem Laufen. Seit 2017 trainieren sie bei der LG Nord. Und relativ schnell konzentrierten sie sich dann vollkommen auf den Langstreckenlauf. Ein zusätzlicher Ansporn kam vom Vater: „Er sagte: Wenn wir seine Marathon-Bestzeit unterbieten, schenkt er uns eine Reise“, erzählt Rabea Schöneborn. Sowohl sie als auch ihre Schwester blieben jeweils auf Anhieb deutlich unter dem Familien-Rekord. „Den Urlaub müssen wir aber erst noch einlösen – Südostasien wäre ein Ziel oder auch eine Skireise.“

Das Frauen-Elitefeld in Berlin

Hiwot Gebrekidan ETH 2:19:35
Shure Demise ETH 2:20:59
Helen Tola ETH 2:21:01
Ruth Chebitok KEN 2:23:29
Bethelhem Moges ETH 2:23:38
Fancy Chemutai KEN 2:24:27
Rabea Schöneborn GER 2:27:03
Iwona Bernardelli POL 2:27:47
Martina Strähl SUI 2:28:07
Izabela Paszkiewicz POL 2:28:12
Grace Momanyi KEN 2.28:18
Hanna Lindholm SWE 2:28.59
Edith Chelimo KEN 2:29:03
Beatie Deutsch ISR 2:31:39
Martha Akeno KEN 2:33:25
Nora Szabo HUN 2:35:00
Gotytom Gebreslase ETH Debut

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