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Marathon-Weltrekord im vierten Anlauf?

Bekele zurück in Berlin Weltrekord im vierten Anlauf?

Kenenisa Bekele nimmt beim Berlin-Marathon 2021 wohl Kurs auf den Weltrekord. Der Überblick vor dem Rennen.

Kann Kenenisa Bekele am Sonntag, 26. September 2021, im vierten Anlauf den Weltrekord brechen? Bereits zum vierten Mal wird der 39-jährige Äthiopier beim Berlin-Marathon an den Start gehen. Vor zwei Jahren triumphierte Kenenisa Bekele am Brandenburger Tor mit einer äthiopischen Rekordzeit von 2:01:41 Stunden und verfehlte dabei den Weltrekord des Kenianers Eliud Kipchoge um die Winzigkeit von zwei Sekunden. Damit ist er nach wie vor der zweitschnellste Marathonläufer aller Zeiten und führt das Berliner Elitefeld an. Auch wenn er bei der Pressekonferenz am Freitag vor dem Rennen nicht von einer Weltrekordjagd spricht, zeichnet sich ab, dass Kenenisa Bekele am Sonntag diese Marke angreifen wird.

Zehn Läufer mit Bestzeiten unter 2:10 Stunden am Start

Nicht nur in der absoluten Spitze mit Kenenisa Bekele, sondern auch in der Breite der Spitze ist der Berlin-Marathon sehr gut besetzt. Zehn Läufer gehen mit Bestzeiten von unter 2:10 Stunden an den Start. „Wir schließen praktisch nahtlos dort an, wo wir 2019 aufgehört haben. Natürlich freuen wir uns sehr, dass wir ein derart starkes Feld mit Kenenisa Bekele an der Spitze verpflichten konnten“, sagte Berlins Race-Direktor Mark Milde.

Mit Guye Adola und Olika Adugna sind zwei Landsleute von Kenenisa Bekele im Rennen, die ebenfalls für sehr gute Leistungen sorgen können. Guye Adola lief 2017 in Berlin das damals schnellste Debüt aller Zeiten mit 2:03:36. Mit dieser nach wie vor aktuellen persönlichen Bestzeit wurde er damals Zweiter. „Ich möchte am Sonntag mit der ersten Gruppe mitlaufen“, kündigte Guye Adola an. Ein exzellentes Marathon-Debüt lief 2020 Olika Adugna. Nachdem er damals das hochkarätige Rennen in Dubai in 2:06:15 gewonnen hatte, wird er auch am Sonntag in Berlin zu beachten ein.

Marathon-Weltrekord fiel schon elfmal in Berlin

Elfmal wurde in der Geschichte des Berliln-Marathons ein Weltrekord gebrochen – so oft wie bei keinem anderen Marathon weltweit. Macht Kenenisa Bekele am Sonntag das Dutzend voll? „Ich habe mich gut vorbereitet, aber es war aufgrund der Pandemie nicht leicht in den letzten zwei Jahren“, sagte Kenenisa Bekele. Befragt nach dem Unterschied zu seinem Berliner Rennen 2019, als er den Weltrekord um Haaresbreite verpasst hatte, sagte der dreifache Langstrecken-Olympiasieger: „Damals war es vorher nicht klar, ob ich so schnell würde laufen können. Jetzt gehe ich mit mehr Zuversicht an den Start und werde mein Bestes geben. Aber es wird am Sonntag noch nicht meine letzte Chance auf den Weltrekord sein, ich möchte noch ein paar Jahre laufen“, sagte der 39-Jährige, der bei seinem ersten Berlin-Sieg 2016 mit 2:03:03 Stunden den damaligen Weltrekord auch nur um sechs Sekunden verpasst hatte. 2017 war er in Berlin dagegen nicht ins Ziel gekommen. Der neue Anlauf am Sonntag bietet sicherlich die beste Chance für Kenenisa Bekele, den Weltrekord noch zu brechen. Dies sieht auch sein holländischer Manager Jos Hermens so: „Kenenisa hat die Energie und das Vermögen, auch mit über 40 noch ganz vorne mitzulaufen. Aber das Rennen am Sonntag wird bezüglich des Weltrekordes seine beste Chance sein.“

Bekeles große Erfolge auf der Bahn

Bezogen auf die Bahn-Langstrecken und den Crosslauf ist Kenenisa Bekele sicherlich der größte Langstreckenläufer aller Zeiten. Er hielt über 15 Jahre hinweg - und damit länger als jeder andere zuvor in der Geschichte – die Weltrekorde über 5.000 m (12:37,35) und 10.000 m (26:17,53). Über 5.000 m gewann Bekele bei den Olympischen Spielen 2008 sowie den Weltmeisterschaften 2009 Gold, über 10.000 m bei den Olympischen Spielen 2004 und 2008 sowie bei den Weltmeisterschaften 2003, 2005, 2007 und 2009. Hinzu kommen elf Goldmedaillen bei Cross-Weltmeisterschaften.

Dagegen verlief die Marathon-Karriere des Kenenisa Bekele holprig. Bei seinen vergangenen sechs Rennen über die klassische Distanz kam er dreimal nicht ins Ziel. Darunter waren die Läufe in Dubai 2017, wo er den Weltrekord angreifen wollte, und in Berlin im gleichen Jahr. Vor einem Jahr hatte er zudem Pech, weil er wenige Tage vor dem London-Marathon aufgrund einer Zerrung auf seinen Start verzichten musste.

Marathon-Weltrekord das wohl letzte große Ziel der Karriere

„Es gibt noch etwas zu erledigen“, hatte Kenenisa Bekele vor einigen Wochen im Hinblick auf sein Rennen in Berlin gesagt. Auch wenn er den „unfinished business“ nicht näher erklärte, ist klar, was er damit meinte: Kenenisa Bekele kommt nach Berlin, um den Marathon-Weltrekord anzugreifen. Diese Bestmarke zu brechen, ist das wohl letzte große Ziel in seiner einmaligen Karriere. Berlin bietet ihm dabei die besten Voraussetzungen: „Die Strecke ist gut, meist herrscht gutes Wetter in dieser Jahreszeit, die Luft ist klar und sauber, und es sind viele Zuschauer am Straßenrand – deswegen mag ich Berlin“, erklärte Kenenisa Bekele.

Gelingt es Kenenisa Bekele, den Weltrekord zu brechen, den Kenias Superstar Eliud Kipchoge vor drei Jahren in Berlin aufgestellt hatte, wäre dies auch eine zusätzliche sporthistorische Leistung. Denn nur einem Läufer ist es in der Geschichte der Leichtathletik bisher gelungen, in seiner Karriere Weltrekorde über 5.000 m, 10.000 m und über die 42,195-km-Distanz aufzustellen. Sein Landsmann Haile Gebrselassie schaffte dies mit seinem Marathon-Weltrekord in Berlin 2007.

Das Männer-Elitefeld in Berlin

Kenenisa Bekele ETH 2:01:41
Guye Adola ETH 2:03:36
Philemon Kacheran KEN 2:06:05
Festus Talam KEN 2:06:13
Tadu Abate ETH 2:06:13
Olika Adugna ETH 2:06:15
Tesfaye Lencho ETH 2:06:18
Hidekazu Hijikata JPN 2:06:26
Michael Njenga KEN 2:06:43
Okubay Tsegay ERI 2:06:46
Josphat Boit KEN 2:07:20
Kazuki Muramoto JPN 2:07:36
Taku Fujimoto JPN 2:07:57
Bethwel Yegon KEN 2:08:35
Weldu Gebretsadik NOR 2:09:14
Yimer Getahun ISR 2:09:27
Melkam Jamber ISR 2:09:51
Kamil Karbowiak POL 2:10:35
Hosea Kipkemboi KEN 2:10:40
Getaye Gelaw ETH 2:11:03
Blazey Brzezinski POL 2:11:27
Philipp Pflieger GER 2:12:15
Ömer Alkanoglu TUR 2:12:15
Adrian Lehmann SUI 2:12:34
Christian Vasconez ECU 2:12:50
Philipp Baar GER 2:16:17
Benard Kimeli KEN Debüt
Abraham Kipyatich KEN Debüt
William Wanjiku KEN Debüt

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