Viele Hobby- und Leistungssportler lieben Tätowierungen. Die vielfältigen ein- oder mehrfarbigen Motive erfreuen sich unter Sporttreibenden sowohl im Profi-, als auch im Breitensport großer Beliebtheit, auch im Laufsport. Aber auch die Profis mussten sich einige Zeit nach dem Stechen ihrer Tattoos erst mal mit einer Sportpause zurechtfinden. Wir haben einen Hautexperten befragt, wie lange man Schwitzen vermeiden muss und was für eine optimale Wundheilung des neuen Tattoos sorgt.
Wie lange sollte man nach einem Tattoo keinen Sport machen?
Je nach Größe der Tätowierung kann der Heilungsprozess eine Woche bis ein paar Wochen Zeit benötigen. Da es gerade bei Ausdauersportarten in der Regel zu einer starken Schweißbildung kommt, sind in den ersten Wochen nach der Tätowierung Vorsicht und Zurückhaltung gefragt.
Warum Schwitzen für ein frisches Tattoo problematisch ist
„Ich rate wegen der Keime und Bakterien so lange zu pausieren, bis die Tätowierung vollständig abgeheilt ist. Durch das Schwitzen beim Sport könnten Bakterien in die Wunde gespült werden und diese könnte sich entzünden. Der Heilungsprozess kann ein paar Wochen benötigen“, sagt Hautarzt Dr. med. Michael Hartmann aus Freiburg.
Die Länge der Sportpause hängt von der Größe des Tattoos ab, aber auch von der ausgewählten Körperstelle. Auch bei kleinen Motiven solltest du ein bis zwei Wochen auf schweißtreibenden Sport verzichten. Ausdauersport ist also erst mal tabu. Denn wer nach einer Tätowierung zu schnell wieder einsteigt, riskiert eine Wundinfektion.
Egal für welche Körperstelle du dich entschieden hast: Ob Oberarm, Unterarm, Beine oder Rücken, nach dem Stechen musst du mindestens eine Woche lang eine Sportpause einhalten. Das gilt für alle Läuferinnen und Läufer. Natürlich ist der Heilungsprozess der Haut individuell. Je jünger die Haut, desto schneller in der Regel die Wundheilung, aber dennoch solltest du auf den Rat von Experten hören und deiner Haut die nötige Zeit geben. Nur so bekommst du langfristig ein schönes Ergebnis.
Wie schütze ich mein Tattoo nach dem Stechen?
Durch die Pause vom Sport, wie oben beschrieben. Aber keine Sorge, denn das gilt nur für die ersten Wochen. Manche Tattoos sind auch bereits nach einer Woche nahezu verheilt, sodass du wieder Sport machen darfst. Jede Tätowierung ist eine Hautwunde, zu vergleichen mit einer oberflächlichen Schürfwunde. Mit einer Frequenz von bis zu 100 Stichen pro Sekunde bringt die Tattoo-Nadel die Farbe in die Lederhaut ein, so heißt die Hautschicht zwischen der Ober- und der Unterhaut.
Man kann davon ausgehen, dass sich wie bei jeder anderen offenen Hautwunde auch, erst Wundsekret und später eine Kruste bildet. Beides ist für die Wundheilung wichtig und sollte möglichst in Ruhe gelassen werden, um den Heilungsprozess nicht zu stören. Deshalb ist die Sportpause so unverzichtbar: erstens, damit sich kein Schweiß bildet, und zweitens, um Reibung zu vermeiden, die die Kruste am Abheilen hindert.
Die Tätowierkünstler bringen nach dem Stechen eine Schutzfolie auf dem Motiv an. Diese bedeckt das frisch gestochene Tattoo komplett, um die Hautstelle vor Schmutz (Keimen und Bakterien) zu schützen. Nach einigen Stunden (mindestens drei Stunden drauflassen!) kannst du diese Folie entfernen und das Tattoo mit lauwarmem Wasser abwaschen. Anschließend vorsichtig mit einem sauberen Handtuch abtupfen, bis die Hautstelle trocken ist, und eventuell für einige Zeit einen atmungsaktiven Wundverband aus der Apotheke anbringen.
Sobald dein neues Tattoo komplett abgeheilt ist, braucht es keinen Schutz vor Schweiß mehr. Dann kannst du wieder sorglos Sport treiben wie zuvor. Du solltest jedoch darauf achten, es mit Creme oder Heilsalbe zu pflegen, aber dazu erfährst du gleich mehr.
Welche Sportarten sind nach einem Tattoo tabu?
Auf Schwimmbad- und Sauna-Besuche sowie das Baden in Seen und im Meer solltest du etwas länger verzichten (mindestens vier bis sechs Wochen). Schwimmen ist somit erstmal verboten! Denn in Bädern und Seen befinden sich etliche Bakterien, im Meer reizt das Salzwasser die tätowierte Haut.
Das Chlor in Schwimmbädern kann dem Tattoo schaden und die Farben schneller verblassen lassen. „Wer eine Pause bis zur Wundheilung einhält, hat länger etwas von seiner Tätowierung“, sagt der Hautexperte Hartmann. „Die Sauna ist ein Schweißtreiber und für ein neues Tattoo komplett kontraproduktiv und gefährlich“, fügt er hinzu.
Außerdem solltest du bei Kontaktsportarten wie beispielsweise Basketball, Handball, Fußball und Volleyball mit frischem Tattoo erst mal pausieren, denn die Verletzungsgefahr ist zu groß. Bei diesen Teamsportarten kommt es zu einem ständigen Wechsel von Stop and Go sowie zu vielen Richtungswechseln und manchmal sogar auch zu Kollisionen mit anderen Spielerinnen oder Spielern, was zu Hautspannungen und Verletzungen führt.
Genauso ist vom Fitness- und Kraftsport eine Pause vonnöten, vor allem dann eine längere, wenn sich das Tattoo auf der Hautfläche befindet, die vom Training betroffen ist, wie beispielsweise Bi- oder Trizeps beim Armmuskel-Workout. Dasselbe gilt für Pilates und Yoga: Bei diesen Bewegungsformen wird der Muskel gestärkt bzw. angespannt und zusätzlich gedehnt; die Haut darüber ebenfalls.
Wann darf man wieder laufen oder joggen?
Sobald die Wunde abgeheilt und die Kruste abgefallen ist, kannst du wieder laufen. Nutze die Woche oder die Wochen Trainingspause für deine Regeneration: Gönne dir einfach mal ein paar erholsame Pausentage.
Für alle, die sich trotzdem bewegen möchten, gilt: Leichte Bewegung ist erlaubt, zum Beispiel spazieren gehen oder auf dem Laufband walken. Diese sollte nur nicht zu schweißtreibend sein und auch nicht zur Rotation oder Reibung der betroffenen Hautstelle führen. Leichtes Dehnen oder Stretching der nicht betroffenen Körperstellen ist ebenfalls möglich. Es darf nur keine Spannung bei der Kruste entstehen, damit diese nicht aufplatzt.
Tattoo-Pflege für sportlich aktive Menschen
Wichtig für den Heilungsprozess ist, dass die wunde Haut atmen kann. Sobald sich wieder eine dünne Hautschicht auf dem Tattoo gebildet hat, kann man es zusätzlich mit einer Heilsalbe pflegen. Bei der Auswahl der Wundheilsalbe ist zu beachten, dass sie parfümfrei sein muss und auch nicht zu stark fetten sollte, weil deine Haut dann nicht atmen kann. Klassische Wundheilsalben aus der Apotheke sind oft fettig, weshalb du sie nur sehr dünn auftragen solltest. Ein professionelles Tattoo-Studio gibt dir auch Tipps zu guter Nachsorge mit Salben und Cremes.
Auch wenn durch die Krustenbildung die Haut juckt, darfst du keinesfalls kratzen und die Kruste entfernen. In den meisten Fällen verläuft das Abheilen der Wunde unkompliziert, doch es gibt Ausnahmen.
Auch das Duschen mit neuer Tätowierung ist für viele ein wichtiges Thema. Zum Duschen kannst du die frische Tätowierung mit einer Plastiktüte umwickeln, wenn diese sich am Oberarm oder Unterarm, Handrücken, Bein oder Fuß befindet. Sollte sie sich nicht auf den Extremitäten, sondern mitten auf dem Körper befinden (Bauch-, Rücken- und Schulterbereich), kannst du die Stelle mit Folie bedecken und an den Seitenrändern abkleben, damit kein Wasser eindringt.
„Bei Klebebändern sollte ganz vorsichtig vorgegangen werden, diese dürfen nicht mit der Klebeseite auf die Wunde geraten, sondern mit etwas Abstand auf der nicht gereizten Haut angebracht werden, um die Schutzfolien so wasserdicht wie möglich über dem Tattoo anzubringen. Nach dem Duschen sollte die Konstruktion sofort wieder entfernt werden, sodass Luft an die Wunde kommt“, informiert der Hautexperte Michael Hartmann.
So bleibt dein Tattoo lange schön
Nachsorge und langfristige Pflege ist vor allem bei farbigen Tattoos wichtig. „Nach der Tätowierung sollte man nicht in die Sonne, aber auch langfristig viel Sonnenexposition vermeiden. UV-Strahlung lässt die Farben schneller verblassen“, informiert Hautarzt Dr. Hartmann.
Empfehlenswert ist daher bei der langfristigen Pflege eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, damit die Farben intensiv bleiben und man lange Freude an dem Tattoo hat. Falls du bereits vorgebräunt bist, kannst du auch nur für die tätowierte Stelle einen höheren Sonnenschutz wählen, am besten den maximal erhältlichen.
„Die tägliche Pflege der tätowierten Hautstelle mit einer Feuchtigkeitscreme erhält die Farben langfristig leuchtend. Jede Tätowierung verblasst mit den Jahren, doch mit der richtigen Pflege kann man das Nachstechen hinauszögern oder sogar ganz vermeiden“, so der Hautexperte.
Tattoo-Termin und Trainingsplanung: Tipps für Läufer
Für ambitionierte Läuferinnen und Läufer empfiehlt es sich, das Ganze zu planen. Wenn du dich gerade mitten in der Marathonvorbereitung befindest, raten wir dir dazu, mit der Tätowierung abzuwarten und deinen Tattoo-Termin in den Winter zu verlegen oder in eine Phase nach dem Wettkampf, in der du sowieso Regeneration einplanst. Wenn du die Winterpause für dein neues Tattoo nutzt, hat das zudem den Vorteil, dass du dein frisches Tattoo nicht vor der Sonne schützen musst.
Versuch also, den richtigen Zeitpunkt zu finden: Eine Zeitphase mitten in der Regeneration zu wählen, ist für Läufer und Läuferinnen sinnvoll, auch vor dem Hintergrund, dass in der trainingsfreien Regenerationsphase ausreichend Schlaf sowie eine gesunde Ernährung der Wundheilung eines frischen Tattoos ebenfalls zuträglich sind.
Übrigens ist es auch nicht empfehlenswert, direkt vor dem Tattoo-Termin ein intensives Lauftraining zu absolvieren, denn in diesem Fall ist die Haut aufgrund der starken Durchblutung empfindlicher und das Tätowieren dadurch schmerzhafter.
Risiken, wenn man zu früh wieder Sport macht
Wer den Rat zur Sportpause nicht berücksichtigt und direkt nach dem Tattoo-Termin laufen geht, riskiert unter Umständen eine Entzündung. Wenn es zu einer Wundinfektion kommen sollte, ist es wichtig, sofort den Hausarzt oder besser gleich eine Hautärztin aufzusuchen.
Was muss ich noch berücksichtigen?
Wer eine Tätowierung plant, sollte sich zuvor über Studios und Farben informieren. „Bei der Auswahl des Tattoo-Studios sollte besonders auf die Hygiene geachtet und ruhig nachgefragt werden. Denn durch vernachlässigte Hygiene können Probleme auftreten, aber natürlich auch durch die falsche Nachsorge“, informiert der Freiburger Hautexperte.
So erkennst du ein gutes Studio
In einem professionellen Studio ist der Bereich, in dem tätowiert wird, gut desinfiziert und von anderen Räumlichkeiten deutlich abgetrennt. Es wird eine Einmal-Nadel genutzt und die Tätowierer und Tätowiererinnen wechseln regelmäßig ihre Handschuhe. Ein professionelles Tattoo-Studio gibt auf Nachfrage eine Empfehlung, was die Pausenlänge (auch bezüglich der Sportart) angeht. Wer sich danach immer noch unsicher ist, kann zusätzlich den Rat seines Hautarztes einholen.
Achtung bei Hautallergien oder Unverträglichkeiten!
Es ist wichtig, das Tattoo in gesunde Haut stechen zu lassen. Bei Allergikern und Allergikerinnen ist daher besondere Vorsicht angebracht, denn Tätowierungen können Allergien auslösen. Die metallischen Bestandteile der Tintenpigmente wie zum Beispiel Chrom, Nickel oder Quecksilber können Allergien auslösen und Entzündungen verursachen. Für Menschen, die beispielsweise auf Nickel bereits allergisch reagiert haben, empfiehlt es sich, vor dem Termin einen Allergietest beim Hautarzt zu machen.
Es ist wichtig zu wissen, dass die Farben für Tätowierungen nicht regelmäßigen medizinischen Kontrollen unterzogen werden. Auch deren Inhaltsstoffe müssen nicht umfassend auf der Verpackung ausgewiesen werden, wie dies beispielsweise bei Kosmetik der Fall ist. Zudem werden die Farben in den Tattoo-Studios vermischt, um neue Farben zu erhalten. Welche Inhaltsstoffe sich schlussendlich in den Farbpigmenten befinden, ist nicht in jedem Fall eindeutig nachvollziehbar.
Bedenklich ist, dass die Farbpigmente im Körper wandern und ins Lymphsystem geraten können, was von einigen Medizin- und Sportwissenschaftlern in puncto Gesundheit sowie Leistungsfähigkeit kritisch bewertet wird.
Tattoo-Farben in der Kritik
Im Januar 2022 trat ein neues EU-Gesetz in Kraft, das weniger Farben bzw. Inhaltsstoffe für bunte Tätowierungen und Permanent Make-up erlaubt. Wer sich darüber genauer informieren möchte, kann in der REACH-Verordnung (Chemikalienordnung der EU) nachlesen, die die zulässigen Inhaltsstoffe für die Farben regelt. Aus gesundheitlichen Gründen ist es empfehlenswert, zuvor im Tattoo-Studio nachzufragen, um sich die Inhaltsstoffe für das gewünschte Tattoo zeigen zu lassen, und sich dann vor dem Termin umfassend über diese und ihre möglichen Risiken zu informieren.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung berief im März 2023 eine internationale Kommission für Tätowiermittel ein, um das Gesundheitsrisiko zukünftig besser bewerten zu können. Diese setzt sich aus Expertinnen und Experten verschiedener Disziplinen zusammen. Dazu zählen Medizin, Toxikologie, Chemie, Hygiene und Herstellerfirmen von Tattoo-Tinte. Informiere dich am besten ganz genau, bevor du dich tätowieren lässt.
3 häufige Fragen zu Tattoos
Ja, leichtes Dehnen anderer Körperregionen ist auch nach dem Stechen eines frischen Tattoos erlaubt. Aber nur, wenn es nicht die Tätowierung beeinträchtigt. Du darfst die wunde Haut keiner Reibung, Druck oder Spannung aussetzen, weil das den Heilungsprozess stört. Du kannst aber auch alle anderen nicht schweißtreibenden Bewegungen ausführen (spazieren, leichtes Krafttraining der nicht betroffenen Körperpartien, sanftes Walking).
Die oberflächliche Heilung geht meistens recht schnell (bei kleinen Tattoos ein bis zwei Wochen). Dann ist die obere Hautschicht (= Epidermis) verheilt, die Kruste bzw. der Schorf lösen sich. Wenn nichts mehr rot oder geschwollen ist, es auch nicht mehr spannt, zieht oder brennt, ist Sporttreiben wieder erlaubt. Die langfristige Heilung der unter der Oberhaut liegenden Lederhaut (= Dermis, mittlere Hautschicht) braucht aber länger. Das kann sogar ein paar Monate dauern und liegt daran, dass die Hautschichten unterschiedlich schnell regenerieren. Die Farben bzw. Linien sind manchmal erst dann richtig deutlich und stark.
Meistens ja, weil weniger Haut verletzt wird. Oft kann man dann nach drei bis fünf Tagen schon wieder ins Training einsteigen. Trotzdem ist in den ersten Trainingstagen Vorsicht vonnöten. Intensive Einheiten solltest du erstmal vermeiden. Zwar wird beim Nachstechen in der Regel weniger Haut verletzt als beim ersten Mal, es kommt aber dennoch zu einer offenen Wunde, die du schützen musst. Übrigens: Wer sein abgeheiltes Tattoo sorgfältig mit Feuchtigkeitscreme und bei Sonnenschein mit Sonnencreme eincremt, erhält länger die Konturen und Farben. So kann man den Nachstech-Termin hinauszögern. Oder vielleicht sogar ganz darauf verzichten.





