Übertraining: Der Selbsttest für Läufer

Übertrainings-Test
Trainierst du zu viel?

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 10.02.2026
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Erschöpft aber nicht ausgebrannt.
Foto: iStockphoto

Du gibst im Training alles, aber plötzlich stagnieren deine Fortschritte. Deine Beine fühlen sich schwer an, die Motivation sinkt in den Keller. Hier könnte mehr dahinterstecken als nur ein schlechter Tag. Unser Übertrainings-Selbsttest hilft dir herauszufinden, ob dein Körper nach einer Pause schreit.

Was ist Übertraining?

Trotz intensivem Training fühlst du dich nicht spitzenmäßig fit, sondern ausgelaugt, matt und einfach nur schlapp? Dann könntest du dich im Übertraining befinden. Du hast zu viel trainiert, bist zu schnell und zu oft gelaufen. Die Auswirkungen sind Erschöpfungszustände, die Wochen oder gar Monate anhalten können. Übrigens ist ein Übertraining kein rein sportliches Überlastungssyndrom. Auch Stress in Beruf und Familie kann deine Leistungsfähigkeit und Belastungsverträglichkeit vermindern und so zum Übertrainingszustand beitragen.

Weiterführende Artikel, die sich detailliert mit dem Übertraining und der Sportsucht befassen, findest du hier:

Typische Symptome von Übertraining

Die Warnsignale des Körpers sind vielfältig und oft schleichend. Man unterscheidet dabei häufig zwischen dem sympathischen Übertraining und dem parasympathischen Übertraining. Beim sympathischen Übertraining steht dein Körper unter Dauerstress. Du bist im Grunde ständig im Flucht-Modus: Das merkst du daran, dass dein Ruhepuls erhöht ist, du unter innerer Unruhe leidest, Schlafstörungen hast und schnell gereizt bist. Dein Körper findet schlichtweg nicht mehr in den Entspannungszustand zurück. Während die sympathische Form eher ein Zeichen von akutem Stress ist, deutet die parasympathische Form oft auf eine schon länger bestehende, chronische Überlastung hin. Hier schaltet das System auf Schutzfunktion und bremst dich massiv aus. Dein Ruhepuls kann dabei sogar ungewöhnlich niedrig sein, was fälschlicherweise oft für ein Zeichen hoher Fitness gehalten wird. Du fühlst dich jedoch bleiern, ständig müde und antriebslos. Das deutlichste Zeichen ist hier, dass dein Puls selbst bei intensiver Anstrengung kaum noch nach oben geht.

Achte auf folgende Symptome:

  • Das deutlichste Zeichen: Trotz hoher Trainingsintensität schaffst du deine gewohnte Pace oder die Gewichte nicht mehr.
  • Schlafstörungen: Obwohl du körperlich am Ende bist, liegst du nachts wach. Das liegt an einem dauerhaft erhöhten Cortisolspiegel, der deinen Körper in Alarmbereitschaft hält und einen tiefen, erholsamen Schlaf verhindert.
  • Erhöhter Ruhepuls: Wenn dein Herzschlag am Morgen bereits 5 bis 10 Schläge über deinem Normalwert liegt, ist das ein Zeichen, dass dein Herz-Kreislauf-System unter Dauerstress steht.
  • Dein Körper verwendet alle Ressourcen für die (vergebliche) Reparatur der Trainingsschäden. Dadurch haben Viren leichtes Spiel: häufige Infekte oder ein ständiges Kränkeln sind die Folge.
  • Übertraining zeigt sich oft durch eine dünne Haut. Reizbarkeit, plötzliche Antriebslosigkeit oder sogar depressive Verstimmungen sind keine Seltenheit.
  • Chronische Schmerzen: Es zwickt überall. Gelenkschmerzen und Schmerzen in den Sehnen klingen nicht mehr ab, da die Entzündungsprozesse im Körper nicht mehr reguliert werden können.
  • Ein hormonelles Ungleichgewicht sorgt dafür, dass das Hungergefühl unterdrückt wird, obwohl der Körper für die Heilung eigentlich Energie bräuchte.

Der Übertrainings-Test: Bist du betroffen?

Hier findest du einen Selbsttest, mit dem du feststellen kannst, ob du gerade zu viel trainierst und Gefahr läufst, ins Übertraining zu kommen. Die Fragen basieren auf den Erkenntnissen des US-Psychologen Jack Raglin, der sich intensiv mit dem Thema Übertraining beschäftigt hat. Er empfiehlt, die Fragen einmal pro Woche ehrlich zu beantworten. Im Anschluss an den Test bekommst du eine Auswertung, ob die Balance zwischen Be- und Entlastung bei dir stimmt.

Betrachte den Test unten als Orientierung. Er soll dich dazu anregen, über ein eventuelles Übertraining nachzudenken und dein Training entsprechend anzupassen. Er ersetzt selbstverständlich keine Begutachtung deines Trainingsplans und deines Trainingszustandes.

Wie du Übertraining vermeidest und richtig regenerierst

Damit es gar nicht erst zum Burn-out im Sport kommt, ist ein intelligentes Management deiner Ressourcen entscheidend. Vermeiden ist immer leichter als Heilen.

Periodisierung und Deloads

Trainiere nicht 52 Wochen im Jahr am Limit. Eine kluge Periodisierung sieht alle 3 bis 4 Wochen eine sogenannte „Deload-Woche“ vor. In dieser Zeit reduzierst du das Volumen und die Intensität um etwa 30 bis 50%. Das gibt deinem System die Chance, die Reize der Vorwochen final zu verarbeiten.

Schlaf und Ernährung als Fundament

Unterschätze niemals die Macht von 8 Stunden Schlaf. Es ist das effektivste legale Dopingmittel der Welt. Parallel dazu musst du sicherstellen, dass du genügend Kalorien und Mikronährstoffe zuführst. Ein Mangel an Magnesium, Zink oder Eisen kann die Regeneration massiv ausbremsen und die Anfälligkeit für Übertraining erhöhen.

Aktive Regeneration und Stressmanagement

Regeneration bedeutet nicht nur, auf der Couch zu liegen. Leichtes Yoga, Spaziergänge an der frischen Luft oder eine sanfte Massage mit der Faszienrolle fördern die Durchblutung, ohne das Nervensystem zu belasten. Bedenke zudem: Dein Körper unterscheidet nicht zwischen Trainingsstress und privatem Stress. Ist es im Alltag turbulent, musst du das Training entsprechend anpassen.

Wann du zum Arzt solltest

Ein Selbsttest ersetzt keine medizinische Diagnose. Wenn du trotz einer kompletten Trainingspause von zwei Wochen keine Besserung spürst, dein Puls weiterhin rast oder du unter starken chronischen Schmerzen leidest, ist ein Termin beim Hausarzt oder einer Sportmedizinerin unumgänglich. Ein großes Blutbild kann klären, ob ein handfester Nährstoffmangel vorliegt oder ob deine Hormonwerte (z. B. das Verhältnis von Testosteron zu Cortisol) bereits kritisch verschoben sind. Auch organische Ursachen für die Erschöpfung müssen in hartnäckigen Fällen ausgeschlossen werden.

Fazit