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Gefährliches Blutgerinnsel Thrombose bei Ausdauersportlern

Belastungsabhängige Beinschmerzen können auf eine Gefäßveränderung hindeuten. Das sind die Symptome und ihre Behandlung.

Wer viel läuft oder anderen Sport betreibt, kennt ihn: den mehr oder weniger wohligen Muskelschmerz nach dem Training und vor allem nach einem Wettkampf am Limit. Dieser belastungsabhängige Schmerz, der bei Läufern vor allem in den Beinen auftritt, hat fast immer harmlose Ursachen; meist sind sie muskulär bedingt. Was ist aber, wenn eine Gefäßveränderung wie die Thrombose den Waden- oder Oberschenkelschmerz auslöst und der belastungsabhängige Schmerz ein Indiz für eine Gefäßveränderung ist? Damit Ausdauersportler nach einer Thrombose möglichst schnell wieder in ihr Training einsteigen können, ist eine schnelle Diagnose für die weitere Prognose absolut entscheidend.

Hier erfahren Sie

  • wie man eine Thrombose erkennt und welche Selbsttests es dafür gibt
  • wann Sie zu welchem Arzt gehen sollten
  • wie Gefäßveränderungen behandelt werden
  • welche Rolle Kompressionsstrümpfe bei der Vorbeugung einer Thrombose spielen
  • wie eine Thrombose und eine Embolie zusammenhängen
  • und wann Läufer nach einer Thrombose wieder laufen dürfen

Was ist eine Thrombose?

Die Thrombose ist eine lokale Gerinnung von Blut innerhalb eines Blutgefäßes, die man Thrombus nennt. Der Thrombus verengt oder verlegt das betroffene Gefäß und beeinträchtigt so den Blutfluss.

Was sind die Ursachen für eine Thrombose?

Eine pathologische Blutgerinnung in Blutgefäßen entsteht durch Veränderungen in der Gefäßwand, Störungen des Blutflusses, Veränderungen der Blutzusammensetzung oder eine Störung mehrerer dieser Faktoren in Kombination. Die drei genannten Faktoren (Gefäßwand-, Strömungs- und Blutfaktor) werden in der Medizin als Virchow-Trias bezeichnet.

Strukturelle oder funktionelle Veränderungen der Gefäßwand können beispielsweise bei Atherosklerose auftreten. Atherosklerose ist eine Erkrankung der Arterien, bei der die Dehnbarkeit der Arterien und damit deren Anpassungsfähigkeit an Belastungen abnimmt. Weitere Gründe für Gefäßwandveränderungen sind Bluthochdruck (Hypertonus), Traumen, Rauchen, Chemotherapeutika, Hypercholesterinämie, Hypoxie, Immunerkrankungen oder Entzündungen.

Die häufigste Ursache für eine Thrombose in den Venen ist ein verlangsamter Butfluss. Solche Thromben entstehen bevorzugt in den tiefen Wadenvenen. Sie sind deshalb klinisch sehr wichtig, weil sie eine Lungenarterienembolie auslösen können. Bei einer Lungenarterienembolie wandert der Thrombus aus den tiefen Beinvenen oder den Beckenvenen in die deutlich kleineren Lungenarterien und verstopft dort lebenswichtige Arterien. So führt eine Lungenembolie zu Luftnot und starken Brustschmerzen.

Wenn das Verhältnis der festen Bestandteile des Blutes zu den flüssigen zunimmt, erhöht sich der Strömungswiderstand des Blutes in den Venen und Arterien. Die Folge ist eine erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes. Sie entsteht vor allem nach Operationen, nach der Geburt oder nach starken Verbrennungen und hängt mit der Freisetzung gerinnungsfördernder Gewebefaktoren zusammen.

Zu den Risikofaktoren einer Thrombose zählen Immobilisation, größere Operationen, Lungenerkrankungen, Krampfadern, die Einnahme der Pille und anderer Kontrazeptiva, Rauchen, Knochenbrüche insbesondere der langen Extremitätenknochen wie Oberschenkel oder Oberarm, Gerinnungsstörungen unterschiedlicher Genese und die letzten sechs Monate einer Schwangerschaft. Auch längere Bettlägerigkeit oder Langstreckenflüge reichen aus, um die Blutflussgeschwindigkeit so stark zu drosseln, dass eine Thrombose die Folge sein kann.

Welcher Arzt stellt die Diagnose "Thrombose"?

Bei anhaltenden unklaren Schmerzen, vor allem in den Waden, der Kniekehle und dem inneren Oberschenkel, ist ein Gang zum Gefäßchirurgen oder Angiologen ratsam. Bei einem akuten Verdacht auf eine Thrombose tätigt entweder der Hausarzt eine Überweisung oder die notwendigen Untersuchungen finden direkt im Krankenhaus auf der entsprechenden Station statt.

Behandelt wird eine Thrombose, um eine Ablösung des Thrombus von der Venenwand und dadurch die Entstehung einer Embolie zu verhindern. Die Therapie erfolgt durch Medikamente (meist Heparin), die den Blutfluss erleichtern, die Blutgerinnung hemmen und/oder den Thrombus auflösen und Kompression durch Verbände oder Kompressionsstrümpfe, die die Blutflussgeschwindigkeit erhöhen sollen. Im Notfall wird der Thrombus operativ entfernt.

Wie lange besteht die Gefahr einer Embolie?

Eine Lungenembolie entsteht, wenn durch die Ablösung eines Thrombus von der Gefäßwand eine Lungenarterie oder eine Bronchialarterie durch den dann sogenannten Embolus regelrecht verstopft. Die Durchblutung im betroffenen Arterienabschnitt wird dadurch unterbrochen. Eine Lungenembolie äußert sich meist durch Atemnot oder Kurzatmigkeit und Brustschmerzen. Hinzu kommen eine Blaufärbung der Haut (Zyanose), Herzrasen (Tachykardie), Husten, (kurzzeitiger) Bewusstseinsverlust (Synkopen) sowie Schweißausbrüche. Die Gefahr, dass aus einer Thrombose eine Lungenembolie entsteht, besteht, solange sich der Thrombus vom Ort seiner Entstehung in der Geßäßwand ablösen und in Richtung der Lunge wandern kann. Eine medikamentöse oder operative Auflösung oder Entfernung des Thrombus löst dieses Problem.

Welche Symptome deuten auf eine Thrombose hin?

Generell können bei einer Thrombose die typischen Entzündungszeichen, nämlich eine Schwellung, Rötung, Überwärmung, Schmerzen und Spannungsgefühle der Haut auftreten. Hinzu kommen Fieber und eine erhöhte Herzfrequenz. Eine Thrombose entsteht am häufigsten in den Venen der Beine. Eine tiefe Beinvenenthrombose äußert sich durch eine Schwellung der Wade und möglicherweise des gesamten Unterschenkels, geschwollene Knöchel, schwere Beine und Spannungsgefühle in der Wade. Die begleitenden Schmerzen sind einem Muskelkater sehr ähnlich und können nur den Fuß oder das gesamte Bein bis in den Oberschenkel oder die Leistenregion betreffen. Häufig färbt sich die Haut im betroffenen Beinbereich leicht bläulich (livide). Sie wirkt dann gespannt und glänzend; die Venen der Haut treten prominent hervor. In der Wade kann man eine leichte Erhöhung der Körpertemperatur fühlen.

Woran erkennt man eine Thrombose?

Bei einer Thrombose sind meist drei unterschiedliche Tests positiv: Beim Anheben der Fußspitze schmerzt die Wade (Homans-Zeichen), bei Druck an der Innenseite des Fußes sind ungewöhnlich starke Schmerzen spürbar (Payr-Zeichen) und lokaler Druck auf die Wadenmuskulatur löst ebenfalls Schmerzen aus (Meyer-Zeichen).

Wann Thrombosespritzen und was bringen sie?

Nach Operationen oder bei länger andauernder Immobilität (bei starker Gerinnungsneigung auch auf Langstreckenflügen) oder Bettlägerigkeit verhindern Thrombosespritzen, dass sich in den Venen Blutgerinnsel bilden. Der dazugehörige Wirkstoff nennt sich Heparin.

Wie kann man einer Thrombose vorbeugen?

Bewegen! Eine regelmäßige Anregung der Muskelpumpe erhöht die Mobilität des Blutes im gesamten Gefäßsystem. Bewegen Sie auf Langstreckenflügen oder wenn Sie lange sitzen müssen, regelmäßig die Sprunggelenke: kreisen, auf und ab bewegen, abrollen. So sorgen Sie für ein Mindestmaß an Blutzirkulation in den Beinen.

Wann darf man nach Thrombose wieder laufen?

Der Laufeinstieg sollte auf jeden Fall in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Die akute Thrombosebehandlung dauert meist etwa 14 Tage. Danach geht es in langsamen Schritten wieder vom Spazierengehen über langsames Laufen zurück ins Lauftraining.

Gesundheit Verletzungen & Vorbeugung Gesundheit geht vor Check-up vor dem Lauf-Einstieg

Sportärztliche Untersuchung und Bewegungsanalyse vor dem Laufen