Joggen mit Blasenschwäche: Tipps und Strategien

Laufen trotz Harninkontinenz
Joggen mit Blasenschwäche: Tipps und Strategien

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 04.06.2026
Als Favorit speichern
Blasenschwäche trifft auch Läuferinnen und Läufer
Foto: iStockphoto

Es ist ein schöner, sonniger Tag und du freust dich auf die morgendliche Laufrunde. Du stehst auf, schnürst die Laufschuhe und joggst los. Obwohl du direkt vorm Loslaufen noch im Bad warst, musst du schon nach wenigen Kilometern wieder so dringend zur Toilette, dass du dem Harndrang kaum standhalten kannst. Du bist mitten im Ort unterwegs, kein Busch in Sicht, also läufst du unter Qualen zurück nach Hause, mit der Angst, es nicht rechtzeitig zu schaffen. So oder ähnlich geht es dir häufiger? Dann leidest du vermutlich an einer Blasenschwäche, die in der medizinischen Fachsprache zu den Beckenbodendysfunktionen zählt.

Was versteht man unter Blasenschwäche?

Eine Blasenschwäche, fachsprachlich Harninkontinenz, bedeutet, dass du Schwierigkeiten hast, Urin in der Blase zu speichern und zurückzuhalten. Menschen mit Inkontinenz sind nicht immer in der Lage, ihre Harnausscheidung zu kontrollieren – sie tritt teils ohne Vorwarnung wie aus dem Nichts auf und bringt den (Sport-)Alltag komplett durcheinander. Blasenschwäche unterschiedlicher Schweregrade kann in jedem Alter auftreten, betrifft in der Regel eher ältere Menschen, und Frauen zwei- bis viermal häufiger als Männer. Zuverlässige Zahlen, wie viele Betroffene es wirklich gibt, sind durch Befragungen kaum herauszubekommen, weil Harn- und Stuhlinkontinenz immer noch als Tabuthemen gelten.

Tritt die Harninkontinenz beim Sport (z. B. beim Joggen), beim Lachen, Niesen oder Husten auf, spricht man von einer Belastungs- oder Stressinkontinenz.

Wie funktioniert eine gesunde Harnblase?

Die Harnblase speichert bei Frauen etwa 400 Milliliter Urin, bei Männern durchschnittlich etwas mehr, etwa 500 Milliliter. Dass wir bald zur Toilette müssen, merken wir meist schon, wenn die Blase halb voll ist. Weil im weiblichen Körper Platz für die Gebärmutter benötigt wird, ist die weibliche Harnblase etwas kleiner. Das ist auch der Grund, warum Frauen häufiger Wasser lassen müssen.

Mit gesunder Harnblase müssen wir am Tag, bei normalem Trinkverhalten (etwa 1,5 bis 2,5 Liter Wasser pro Tag), sechs- bis achtmal zur Toilette. In der Nacht ist es in Ordnung, wenn du ein- bis zweimal aufs Klo laufen musst.

Damit der Urin aus der Harnblase herauslaufen kann, müssen wir die Beckenbodenmuskulatur aktiv entspannen. Tun wir das, lockert sich der Blasenmuskel, der wie eine Schlinge die Harnröhre umschließt, und die Blase entleert sich. Bei geschwächtem Beckenboden verringert sich die Muskelspannung, der Blasenschließmuskel hält weniger Druck aus und die Harnblase kann weniger Urin fassen. Aufgrund dieses abnehmenden Harnröhrenschließdrucks können wir mit zunehmendem Alter weniger Urin in der Harnblase speichern und müssen schneller wieder zur Toilette.

Der Beckenboden besteht zu etwa 70 Prozent aus langsamen und zu etwa 30 Prozent aus schnellkräftigen Muskelfasern. Die langsamen Muskelfasern sind diejenigen, die den alltäglichen Harnröhrenschließdruck aufrechterhalten, damit sich der Urin in der Blase sammeln kann. Die schnellkräftigen Muskelfasern reagieren reflexartig, wenn wir husten, niesen oder springen, damit sich der Blasenhals nicht unkontrolliert öffnet. Werden die langsamen Muskelfasern schwächer (insuffizient), können wir im normalen Alltag „das Wasser nicht halten“. Lässt die Kraft der schnellkräftigen Muskelfasern nach, verlieren wir beim Husten, Niesen, Lachen oder sportlicher Belastung wie Springen und Hüpfen tröpfchenweise Urin.

Die Ursachen einer Blasenschwäche

Eine Blasenschwäche kann viele Ursachen haben, von denen einige geschlechtsspezifisch und andere altersbedingt sind. Manchmal ist Harninkontinenz die unerwünschte Nebenwirkung eines Medikaments. Eine Blasenschwäche entsteht häufig aufgrund von Muskelschwäche, neurologischen Störungen, Stress oder Nervosität. Was viele nicht erwarten: (Sportliche) Inaktivität ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für eine Blasenschwäche. Übrigens kann nicht nur ein schwacher Beckenboden zu Harninkontinenz führen, sondern ebenso eine dauerhaft zu starke Anspannung des Beckenbodens.

Zu den häufigsten Erkrankungen, die zu einer Blasenschwäche führen können, gehören Diabetes Mellitus, ein Schlaganfall, Lungenerkrankungen wie chronische Bronchitis oder Raucherhusten, Depressionen, Übergewicht (BMI über 25) sowie neurologische Krankheiten wie Multiple Sklerose. Auch operative Eingriffe im Beckenbereich wie Gebärmutterentfernung und Prostataoperationen erhöhen das Risiko für die Entstehung von Harninkontinenz. Dauerhafte Probleme mit Verstopfung (Obstipation) erhöhen die Belastung auf den Beckenboden beim Toilettengang und erhöhen nicht nur das Risiko für Hämorrhoiden, sondern auch für Blasenschwäche.

Sind nur Frauen von einer Harninkontinenz betroffen?

Frauen sind zwar häufiger, aber nicht ausschließlich von einer Harninkontinenz betroffen. Unabhängig davon, ob sie Kinder haben oder kinderfrei leben, denn die genetische Veranlagung scheint für die Entwicklung einer Blasenschwäche wichtig zu sein.

Schwangerschaften erhöhen das Risiko einer Blasenschwäche, weil Bauch- und Beckenraum über längere Zeit stark beansprucht werden. Bei der Geburt werden die Beckenmuskulatur und das Bindegewebe während einer vaginalen Entbindung überdehnt und häufig auch verletzt. Nervenverletzungen, Gewebe- und Muskelrisse können die Folge sein. Diese heilen in den meisten Fällen schnell und vollständig, können Funktionsstörungen des Beckenbodens jedoch kurz- und langfristig begünstigen. Die abrupte Hormonumstellung nach der Geburt, unabhängig davon, ob vaginale Geburt oder Kaiserschnitt (Sectio), kann ebenfalls eine Ursache sein. Jenseits der Geburt spielt im Zyklus der Frau vor allem der Östrogenmangel eine Rolle für Blaseninkontinenz.

Haben Läuferinnen und Läufer ein höheres Risiko einer Blasenschwäche?

Einige Sportarten können das Risiko einer Blasenschwäche erhöhen, reichen als alleinige Ursache aber nicht aus, tatsächlich inkontinent zu werden. Dazu zählen Joggen, Basketball, Volleyball, Handball, Fußball, Badminton, Gewichtheben, Leistungsturnen und Kampfsportarten wie Karate, Judo oder Kickboxen – also Sportarten, die mit einer punktuell hohen Belastung der Beckenbodenmuskulatur und des Bauchraums einhergehen (sogenannte High-Impact-Sportarten). Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass der Beckenboden aus Muskulatur besteht und Training per se positiv ist – auch die oben aufgezählten Sportarten.

Grundsätzlich gilt: Vom Laufen alleine bekommst du keine Blasenschwäche. Und: Auf die Dosis und das „Wie“ kommt es an. Wer mit gebeugter Wirbelsäule läuft, belastet seinen Beckenboden beispielsweise stärker als aufrechte Läuferinnen und Läufer. Und ein kurzes Aufwärmprogramm bereitet nicht nur die Beinmuskulatur, sondern auch die Beckenbodenmuskeln auf das bevorstehende Lauftraining vor. Die Ursache ist somit meist ein ohnehin schon geschwächter Beckenboden, der dem Druck, der im Bauchraum bei der Belastung entsteht, nicht standhalten kann. Ausschlaggebend ist dabei die individuelle Belastbarkeit deines Beckenbodens, der einem mehr oder weniger intensiven Lauftraining gewachsen ist – oder eben nicht. Wenn du regelmäßiges Joggen mit Beckenbodentraining und gezieltem Krafttraining kombinierst, schaffst du einen guten Ausgleich zwischen Beckenbodenbelastung und Beckenbodenstärkung.

Du willst ganz sanft ins Laufen einsteigen? Dann probiere doch mal unseren Trainingsplan, mit dem du innerhalb von zwölf Wochen eine halbe Stunde durchlaufen kannst:

Weiterer Pluspunkt: Laufen beugt Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes, Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen vor, die Harninkontinenz begünstigen. Außerdem hilft es beim Stressabbau.

Wann muss ich eine Blasenschwäche ärztlich abklären lassen?

Wenn die Blasenschwäche plötzlich auftritt, du Schmerzen im Unterbauch und/oder beim Wasserlassen und/oder Fieber hast, oder die Beschwerden deinen Alltag so stark beeinträchtigen, dass du selbst keine Lösung parat hast: Suche einen Arzt auf. Nach einer Schwangerschaft ist es sinnvoll, wenn du mit deiner Hebamme eng im Austausch bleibst und dir Kontakte zu spezialisierten Physiotherapeutinnen und Sportwissenschaftlern geben lässt, auf die du zugehen kannst, falls du Hilfe brauchst.

Kann ich eine Blasenschwäche wegtrainieren?

Es gibt Studien, die zeigen, dass Menschen, die körperlich fit sind, seltener von Harninkontinenzen betroffen sind, als solche mit geringer körperlicher Aktivität. Ist die Ursache für deine Blasenschwäche eine Beckenbodendysfunktion, durch Stress oder ungünstige Gewohnheiten (z. B. Trinkverhalten, häufiges Wasserlassen, flache Atmung, Baucheinziehen) bedingt, kannst du sie durchaus mit Training von Körper und Gehirn positiv beeinflussen.

Beckenboden-Übungen für Läuferinnen

Die Stärkung der Muskeln ist bei einer Blasenschwäche das A und O – und die betrifft nicht nur den Beckenboden. Das ist für Frauen nach der Geburt Pflicht, und für Männer nach Prostataoperationen oder mit Potenzproblemen sowie grundsätzlich für alle, die eine schwache Blase haben, sinnvoll. Beckenbodentraining ist für viele zunächst ungewohnt, weil es um Muskeln geht, die sie nicht sehen – und häufig anfangs auch nicht spüren können. Beim Beckenbodentraining lernst du, deinen Beckenboden zu spüren, und mithilfe von Atemtechniken und Muskelkräftigungsübungen anzuspannen und zu entspannen.

Beckenboden-Übungen klingen für die meisten erstmal langweilig, und sicherlich stellst du dir gerade Frauen vor, die im Kreis liegen, atmen und „mit der Vagina Fahrstuhl fahren“, also den Beckenboden, wo auch immer er sein mag, einziehen und locker lassen. Ganz ehrlich? Das war mal so. Heute weiß man es besser. Wenn du deinen Beckenboden fürs Laufen trainieren möchtest, solltest du Kräftigungsübungen im Stehen machen. Dein Beckenboden muss wieder lernen, sich bei Belastung nach oben zu bewegen, um deine Bauchorgane zu stabilisieren, und bei Entlastung nachzulassen. Das lernt er im Stehen – nicht im Liegen oder im Vierfüßlerstand. Zum Erspüren des Beckenbodens kannst du dich gerne auf den Rücken legen, die Atmung langsam fließen lassen und mit der Ausatmung den Beckenboden, also die Hängematte zwischen deinen Beckenknochen, nach oben Richtung Bauchnabel ziehen. Wenn das klappt: aufstehen!

Dein Beckenboden und die richtige Atmung: Wie bei allen anderen Kräftigungsübungen, ist die richtige Atmung die Voraussetzung für eine physiologische und kontrollierte Muskelanspannung. Bei einer Kniebeuge zum Beispiel ist das Aufstehen aus der tiefen Hocke die Belastung. Also atmest du aus, während du dich aufrichtest und gleichzeitig den Beckenboden nach oben einziehst. Der Beckenboden steht in enger Verbindung mit der Lendenwirbelsäule und der Bauchmuskulatur. Sobald du den Beckenboden anspannst, aktiviert sich automatisch deine Bauchmuskulatur und deine Muskulatur im unteren Rücken spannt an. Eine tolle Übung, um den Beckenboden zu trainieren, ist beispielsweise auch das Knien auf einem Gymnastikball wie bei der Übung „Der Seeigel“. Denn das ist ohne Anspannung des Beckenbodens kaum möglich.

Tipps und Tricks fürs Joggen trotz Inkontinenz

Sport ist eines der besten Mittel, um langfristig fit zu bleiben und Risikofaktoren, die zu einer Blasenschwäche führen können, zu minimieren. Ja, Sportarten wie Joggen können unter Umständen eine Blasenschwäche begünstigen und zeitweise verschlimmern – du solltest deshalb aber bitte nicht deinen Lieblingssport aufgeben. Joggen ist für Menschen mit Blasenschwäche kein Tabu.

10 Tipps fürs Laufen mit schwacher Blase

1

Nutze auch Alternativen

2

Optimiere dein Flüssigkeitsmanagement

3

Und dein Toilettentiming

4

Hilfreiche Unterwäsche

5

Gute Einlagen wählen

6

Training anpassen

7

Öffentliche Toiletten kennen

8

Vorm Laufstart nach der Geburt: Rückbildung!

9

Mit dem Rauchen aufhören

10

Kein Alkohol vor dem Laufen

Eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung und ausgewogener Ernährung ist außerdem hilfreich, um einer Blasenschwäche vorzubeugen. Wenn du deine Ernährung gerne optimieren möchtest, aber noch nicht genau weißt, wie, dann kann dir unser RUNNER’S-WORLD-Ernährungscoaching dabei helfen. Mit dem Tool bekommst du jeden Tag individuell auf dich und deine Bedürfnisse abgestimmte, gesunde und leckere Rezepte.

Training anpassen: Tempo, Dämpfung und Streckenauswahl

Wenn du trotz Blasenschwäche wieder unbeschwert joggen willst, suche dir vor allem Laufstrecken mit weichem Boden. Strand vor der Haustür wäre natürlich optimal, aber weicher Waldboden tut es auch. Lass es langsam angehen und mache im wahrsten Sinne des Wortes kleine Schritte – keine schnellen Intervallläufe und Tempoläufe, sondern ruhige Dauerläufe, die deinen Körper nicht zu sehr strapazieren. Wenn eine Toilette in der Nähe ist, kannst du dein Training in zwei Phasen einteilen: eine ruhige Anfangsphase bis zum ersten Wasserlassen und eine schnellere Phase im Anschluss. Laufschuhe mit hoher Sprengung und weicher Sohle oder Dämpfung mindern den Aufprall nach der Schwungphase.

Praktische Tipps gegen Blasenschwäche

Neben Tipps und Tricks, wie du trotz Blasenschwäche laufen gehen kannst, gibt es grundsätzlich einige Dinge, die du im Alltag tun kannst, um dich besser zu fühlen und deine Blaseninkontinenz in den Griff zu bekommen.

1

Beckenbodentraining

2

Core-Training

3

Atemübungen

4

Keine harntreibenden Getränke

5

Viel trinken

6

Vorsicht beim Toilettengang

7

Gesunde Ernährung

8

Einlagen oder Tampons benutzen

9

Expertenhilfe suchen

Fazit