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Zerrungen bei Läufern

Leistenzerrung

Eine Leistenzerrung bzw. Adduktorenzerrung entsteht meist durch eine plötzliche Seitwärtsbewegung.

Normalerweise sind beim Laufen hauptsächlich die Gesäßmuskeln (Musculus glutaeus maximus et medius et minimus) stabilisierend aktiv. Ist die Gesäßmuskulatur jedoch zu schwach, fällt ein Großteil der Arbeit auf die Adduktoren. Gerade bei langen Läufen wie Marathon kann dies der Fall sein. Auf diese Weise kommt es zu einer Überlastung der inneren Oberschenkelmuskulatur, den Adduktoren.

Wo befinden sich die Adduktoren und was machen die Adduktoren?

Die inneren Muskeln des Oberschenkels gehören zur quergestreiften Skelettmuskulatur. Die Adduktorengruppe besteht aus sechs Muskeln:

  • Musculus adductor longus
  • Musculus adductor brevis
  • Musculus adductor magnus
  • Musculus adductor minimus
  • Musculus gracilis und
  • Musculus pectineus.

Alle Muskeln haben ihren Ursprung am Becken und ziehen zum Oberschenkelknochen. Die Funktion der Adduktoren des Oberschenkels ist das Heranführen des abgespreizten Beines zurück zur Körpermitte. Außerdem bewirken die Adduktoren eine Beugung im Hüftgelenk. Die wichtigste Aufgabe der Adduktoren speziell bei Läufern ist jedoch die Stabilisation des Beckens. Die Adduktoren sind die Gegenspieler (Antagonisten) der Gesäßmuskulatur. Beide Muskelgruppen befinden sich somit beim Laufen in einem ständigen Wechselspiel.

Wie fühlt sich eine Leistenzerrung an?

Ziehende Schmerzen im Bereich des inneren Oberschenkels können Anzeichen für eine Leistenzerrung oder Adduktorenzerrung sein. Bei Schmerzen, die über längere Zeit in der Leiste auftreten, sollte durch den Arzt ein Leistenbruch (Leistenhernie) ausgeschlossen werden. Ähnliche Schmerzen können auch bei einer Schambeinentzündung auftreten.

Was sind die Ursachen für eine Leistenzerrung?

Die häufigste Ursache für eine Leistenzerrung bzw. Adduktorenzerrung ist eine Überlastung oder Überdehnung der inneren Oberschenkelmuskulatur. Eine Überdehnung entsteht meist durch plötzliche Seitwärtsbewegung, zum Beispiel wenn Sie unvorbereitet einem Hindernis ausweichen. Überlastungen der Adduktoren entwickeln sich über einen längeren Zeitraum durch eine Schwäche der äußeren Oberschenkelmuskulatur und der Gesäßmuskulatur.

Wie lässt sich eine Leistenzerrung behandeln?

Bei einer akuten Leistenzerrung bzw. Adduktorenzerrung sollten Sie, soweit möglich, die PECH-Regel einhalten. PECH steht für Pause, Eis, Compression und Hochlagerung. Dies gilt für die ersten 24 Stunden. Das bedeutet, dass Sie das Bein mit einer Idealbinde umwickeln und optimalerweise immer wieder für 15 Minuten Eiswasser draufgeben oder einen mit Eiswasser getränkten Schwamm mit einwickeln. Das Eiswasser produzieren Sie, indem Sie Eiswürfel in normal kaltes Wasser geben und dieses so lange stehenlassen, bis die Eiswürfel geschmolzen sind.

Von einer direkten Eisbehandlung sollte dringend abgeraten werde, da zuviel Kälte eine Hyperämie (Mehrdurchblutung) nach sich zieht und das Kühlen durch Minderdurchblutung eine Einblutung verhindern soll. Bei einer Mehrdurchblutung wäre genau das Gegenteil der Fall.Nach 24 Stunden gilt es, die Adduktoren zu dehnen und die Gesäßmuskulatur zu kräftigen. Die Adduktoren können zusätzlich mit Wärme (Heiße Rolle) behandelt werden. Unterstützend kann eine Leistenzerrung bzw. Adduktorenzerrung mit Ultraschall oder Elektrotherapie durch einen Physiotherapeuten behandelt werden.

So können Sie einer Leistenzerrung vorbeugen

Trainieren Sie Ihre Gesäßmuskulatur regelmäßig und sorgen Sie so für ein gutes muskuläres Gleichgewicht zwischen Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur. Ein stabiler Rumpf trägt dazu bei, dass die Hüftbeuger beim Laufen nicht übermäßig belastet werden.

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