Bewegung als Vorbeugung und in der Therapie
Sport bei Krebs

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 27.07.2026
Als Favorit speichern
Sport bei Krebs
Foto: iStockphoto

Die Diagnose Krebs ist ein Schock. Sie kommt häufig gepaart mit einem vorangegangenen, schleichenden Verlust von körperlicher Ausdauer, aber die psychischen Belastungen und die Verzweiflung sind vorrangig. Wir informieren in diesem Artikel darüber, was Krebs eigentlich ist, wie Sport vorbeugen und das Rückfallrisiko senken, aber auch hilfreich in der Therapie sein kann.

Was ist Krebs?

Wenn von Krebs gesprochen wird, geht es eigentlich um eine bösartige Gewebeneubildung. In gesundem Gewebe werden Tumorsuppressoren stillgelegt und Proto-Onkogene aktiviert. Beides sind Gene, also proteinbildende Bauanleitungen, die sich der Kontrolle des körpereigenen Immunsystems entzogen haben und sich unkontrolliert vermehren. Dieser Prozess kann in allen Gewebearten des Körpers stattfinden.

Wenn sich diese fehlerhaften Tumorzellen über das Blut oder das Lymphsystem streuen, können sich Metastasen in anderen Organen bilden. In letzterem Fall sprechen wir von einer „bösartigen“ Tumorerkrankung, während der Begriff „gutartig“ einen abgekapselten Verbund von Tumorzellen bezeichnet. Je nachdem, in welchem Gewebe dieser Prozess zuerst stattgefunden hatte, ergibt sich die Bezeichnung der Krebsart. Man spricht also von Lungenkrebs, wenn der Tumor im Lungengewebe entstand, oder von Brustkrebs, wenn der Ursprungsort das Brustgewebe war.

Kann Sport gegen Krebs vorbeugen?

Es ist tatsächlich so: Sport hat eine Schutzwirkung und kann, statistisch betrachtet, Krebs vorbeugen. Wer sich regelmäßig mindestens eine halbe Stunde moderat körperlich aktiv hält, reduziert nicht nur sein Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken, sondern auch an Brust- oder Darmkrebs. Besonders Frauen, die sich über das gesamte Leben hinweg viel sportlich betätigen, haben laut einer Studie mit knapp 1,5 Mio. Über-40-Jährigen aus dem Jahr 2023 ein geringeres Risiko, an Krebs allgemein und insbesondere an Brustkrebs zu erkranken, als solche mit geringer körperlicher Aktivität. Dies gilt übrigens unabhängig vom BMI (Body-Mass-Index).

Eine Metastudie der American Association for Cancer Research aus 2021 zeigt darüber hinaus, dass das Rückfallrisiko geringer ist, wenn man sich sportlich betätigt und – bei hohem BMI – gleichzeitig das Gewicht reduziert.

Andersherum wird geschätzt, dass bis zu 19 % der Tumorerkrankungen aufgrund von Bewegungsmangel auftreten. Wie genau Sport sich vorbeugend auf die Krebsentstehung auswirkt, ist noch ungeklärt. Dies liegt hauptsächlich an der großen Vielfalt von Einflussfaktoren, die eine Krebserkrankung begünstigen können, und dem unterschiedlichen Umfang von körperlicher Aktivität in der Gesellschaft.

Kann Sport bei Krebs helfen und wie wichtig ist Bewegung bei Krebs?

Schon länger ist klar: Bewegung und Sport sind während und nach einer Krebstherapie (aber auch in der Palliativtherapie) wichtig und sinnvoll. Du kannst damit die Nebenwirkungen der Medikamente verringern sowie das allgemeine Wohlbefinden und somit die Lebensqualität steigern. Auch auf die Regenerationszeit wirkt sich Bewegung positiv aus. Zudem hat Sport einen positiven Einfluss auf die körperlichen Auswirkungen der Krebstherapie (Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, Leistungsverlust). Auch die psychologischen Hürden (Erschöpfung/Fatigue, Depressionen, Ängste) kannst du durch Bewegung reduzieren bzw. präventiv vermeiden.

Was bewirkt Sport bei Krebs?

Bisherige Untersuchungen fokussieren besonders Brustkrebs, Leukämie und Knochenmarkskrebs und zeigen, dass Ausdauersport wie Joggen, Laufen und Radfahren sich nicht nur als machbar und sicher, sondern auch als besonders effektiv erweist. Aktuelle Studien an kleinen Untersuchungsgruppen geben außerdem Hinweise darauf, dass hochintensives Intervalltraining (HIIT) bei (fortgeschrittenen) Krebserkrankungen eine positive Wirkung hat. Der positive Einfluss von Sport zeigt sich bei Krebserkrankungen in Form von:

  • Verringerung der Nebenwirkungen von Medikamenten und Krebstherapie
  • Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens und der Lebensqualität
  • Verkürzung der Regenerationszeit
  • Verbesserung des psychischen Wohlbefindens
  • Erhalt und auch Wiederaufbau von Muskelmasse
  • Erhöhung der Kraftreserven über den Gebrauch im Alltag hinaus
  • Verbesserung des allgemeinen Aktivitätsniveaus
  • Verbesserung der Ausdauer
  • Stimulation des Immunsystems

Welcher Sport ist bei Krebs geeignet?

Empfehlenswert bei Krebs sind grundsätzlich alle Sportarten, die die Beweglichkeit verbessern, Kraft und Ausdauer aufbauen und die eigene Körperwahrnehmung fördern.

Neben aerobem Ausdauersport wie Laufen und Radfahren können auch Yoga oder Fitnessübungen zur Steigerung der Lebensqualität beitragen. Lange Krankenhausaufenthalte, aber auch einige Medikamente, beschleunigen nicht nur den Muskelabbau, sondern auch den Rückgang der Knochendichte. Gerade deshalb ist Krafttraining eine entscheidende Säule zur Steigerung der Muskelleistungsfähigkeit und zum Erhalt der Knochendichte und somit zur Reduktion der Gefahr von Brüchen, aber auch von Fatigue.

Eine aktuelle Untersuchung des Universitätsklinikum Essen an 20 Krebspatienten, überwiegend mit Tumor in der Bauchspeicheldrüse (Pankreaskrebs), hebt die positive Wirkung von HIIT hervor. Die Patienten, die sich gerade einer Chemotherapie unterzogen, absolvierten ein einmaliges 20-minütiges intensives Intervalltraining auf einem Fahrradergometer. Vor dem Training, direkt im Anschluss und eine Stunde nach der Belastung wurden Blutproben entnommen und die darin enthaltenen Immunzellen kontrolliert. Das Ergebnis: Bei den Krebspatienten erhöhte sich die Anzahl relevanter Immunzellen für etwa eine Stunde um 50 Prozent und fiel danach wieder auf den Ausgangswert zurück. Wie sich ein regelmäßiges hochintensives Training auf das Immunsystem auswirkt und welchen Benefit diese regelmäßige Aktivierung des Immunsystems für den Verlauf einer Krebserkrankung haben kann, soll Gegenstand zukünftiger Untersuchungen sein. Fakt ist jedoch: Auch bei fortgeschrittenem Tumor ist ein individuell angepasstes intensives Training mit therapeutischer Begleitung möglich und sinnvoll. Du solltest es jedoch immer mit der behandelnden Ärztin abstimmen.

Um Überlastungen zu vermeiden, solltest du Ausdauer- und Krafttraining tageweise abwechseln. Gleichzeitig gibt es sportartunabhängige, wichtige Faktoren, die während der Erstellung des Trainingsplans nicht unberücksichtigt bleiben sollten. Hierzu zählen die körperliche Verfassung des Betroffenen, Krebsart, Therapienebenwirkungen und eventuelle akute und chronische Begleiterkrankungen. Wenn die aktuelle Verfassung etwa ein Lauftraining im gewohnten Umfang nicht zulässt, können Wandern, Walken oder Spazierengehen geeignete Alternativen sein. Am besten erfolgt eine regelmäßige Rücksprache mit den behandelnden Ärzten.

Wie viel Sport ist bei Krebs in Ordnung?

Während der Krebstherapie durchlaufen die meisten Patienten eine Reha, bei der sie therapeutisch begleitet werden. Im Rahmen des Rehasports können sie eine behutsame, aber gezielte Steigerung der Belastungsgrenzen erfahren. Wichtig ist hierbei, zuerst die aerobe Ausdauer aufzubauen, um die Belastung des Körpers durch Laktatabbau und Ähnliches möglichst gering zu halten und gleichzeitig eine Steigerung des Herz-Minuten-Volumens zu bewirken. Das Herz-Minuten-Volumen gibt an, wie viel Blut das Herz in einer Minute pumpen kann. Es ist ein Maß für die Pumpleistung des Herzens. Mit einem höheren Herz-Minuten-Volumen kann pro Herzschlag mehr Sauerstoff zu den Organen und Muskeln transportiert werden.

Sowohl die Dauer der Trainingsphasen als auch die Trainingsintensität wird dein Therapeut an dein individuelles Leistungsniveau anpassen und, nach einem möglichen Leistungstief, langsam steigern. Die Intensität ist aber abhängig vom aktuellen Gesundheitszustand und kann daher auch tagesformabhängig sein.

Direkt nach der Krebstherapie oder bei eventuellen zusätzlichen limitierenden Begleiterkrankungen kannst du wahrscheinlich mit einem täglichen Training von niedriger Intensität und Dauer (10 bis 15 Minuten) beginnen. Später kannst du drei bis fünf Trainingseinheiten pro Woche bei moderater bis submaximaler Intensität und einer Dauer von 20 bis 50 Minuten absolvieren – entsprechend deinem aktuellen Aktivitätsniveau. Ein professionell erstellter Trainingsplan kann dich dabei unterstützen, langsam wieder an dein ursprüngliches Ziel heranzukommen, ohne den Körper zu überfordern. Zu den Zeichen der Überforderung gehören: das (Wieder-)Auftreten von Schmerzen, Schwellungen der Beine oder Arme, übermäßige Erschöpfung und Ähnliches. Treten solche Überforderungsanzeichen auf, solltest du dein Sportpensum reduzieren und das weitere Training mit deinen behandelnden Ärzten oder Therapeutinnen besprechen.

Wann muss ich bei Krebs auf Sport verzichten und wann ist Sport bei Krebs gefährlich?

Auch bei Krebs gibt es Situationen, bei denen du auf Sport verzichten solltest. Insbesondere nach einer Operation ist der Körper noch mit den inneren Verletzungen und den Medikamenten beschäftigt und sollte geschont werden. Ganz besonders frische OP-Narben sollten keinen Zug oder Druck erfahren. Dies gilt bis zu vier bis sechs Wochen nach der OP.

Auch bei instabilen Knochenmetastasen, direkt vor und nach der Einnahme von kardio-toxischer Chemotherapie oder während laufender Bestrahlung (insbesondere bei Bestrahlungen nahe der Herzregion), solltest du auf Sport verzichten und schonende Bewegungsabläufe in den Vordergrund stellen.

Zudem solltest du bei Fieber, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Hyperventilation oder allgemeinem Unwohlsein keinen Sport treiben, beziehungsweise eine sportliche Betätigung sofort abbrechen.

Begleiterkrankungen können genauso den Umfang oder die Art des Sports einschränken. Um dennoch in Bewegung zu bleiben, ist in diesen Fällen therapeutisch unterstützte Bewegungstherapie mit individuell ausgewählten Übungen dem klassischen Sport vorzuziehen.

Fazit