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Adidas Solarboost Laufschuh mit Raketentechnik

Beim neuen Adidas Solarboost soll jedes Element wie in einem Space Shuttle eine spezifische Funktion erfüllen - Form follows Function sozusagen. Wir haben mit den Designern über den Ansatz gesprochen.

Adidas Solarboost Designer Falk Bruns und Marius Jung +
Foto: Henning Lenertz

Falk Bruns und Marius Jung sind die Designer hinter dem neuen Adidas Solarboost.

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Adidas

Anfang Februar durfte ich als Redakteur von RUNNER'S WORLD als einziger Journalist bei der Kampagnen-Fotoproduktion für den neuen Adidas Solarboost in Los Angeles dabei sein. Bis heute bin ich beeindruckt, wie aufwändig das Shooting vor Ort war. Drei Tage lang pendelte ein riesiger Tross von sicherlich 50 Leuten frühmorgens und spätabedns – es wurde nur zum Sonnenauf- und -untergang fotografiert – zu verschiedenen Orten in der Stadt. Als Model mit dabei war auch Philipp Pflieger.

Adidas gegenüber musste ich versichern, dass wir den Schuh nicht öffentlich zeigen. Denn hinter dem Solarboost steckt eine Technologie, die nun erstmals in einem Laufschuh eingesetzt wird. Der Name dieser Technologie: Tailored Fibre Placement, kurz TFP.

Im Adidas Solarboost steckt Raketentechnik

"TFP wird bereits in der Luft- und Raumfahrt eingesetzt, um Carbonfasern speziell zu legen, sodass beispielsweise Rotorblätter von Hubschraubern besonders leicht und strapazierfähig sind", erklärt Falk Bruns, Senior Designer bei Adidas Running. Dabei wird ein Garn präzise auf einen Untergrund (Basis-Material) gelegt. Die Fasern, die teilweise aus recyceltem Parley-Plastikmüll bestehen, werden dabei auf optimale Weise übereinandergelegt werden. "So können wir millimetergenau bestimmen wie viel Unterstützung oder eben Stretch das Obermaterial an jeder beliebigen Stelle haben soll."

Auch wenn der Solarboost als Nachfolger des Supernova sowie des Energy Boost gedacht ist, wurde er komplett neu konzipiert. "Bei der Entwicklung eines Schuhs, schauen wir zunächst, wer ist der Kunde, was erwartet der Kunde. Beim neuen Solarboost ist dieser gedachte Kunde, ein ganz normaler Läufer, der zum Vergnügen läuft, aber auch ambitioniert trainiert", so Bruns. "Er soll sich keine Gedanken machen, welchen Schuh er anzieht – der Schuh soll einfach funktionieren und alles mitmachen." Entsprechend soll jedes Element am Solarboost funktional sein und nicht bloß hübsch aussehen.

Adidas Solarboost +
Foto: Adidas

Laut Adidas wiegt der Solarboost 295 Gramm (Größe 42,5) und hat eine Sprengung von 10 Millimetern.

Um herauszufinden, welche Funktionen überhaupt gewünscht sind, wird der grundlegende Charakter eines Schuhes (Gewicht, Passform, Sprengung, ...) anhand riesiger Datenmengen ermittelt. Hierfür nutzt Adidas nicht nur Testläufer, sondern unter anderem eine Methode namens ARAMIS, mit der sogar die Laufbewegung auf der Haut gemessen werden kann. Im Mittelfuß- und Fersenbereich hatte Adidas von Kunden und Testern grundlegend positive Rückmeldungen zum Supernova und dem Energy Boost. Einzig im Vorfußbereich empfanden viele Letzteren als etwas eng. "Nachdem wir alle Daten ausgewertet hatten, haben wir entschieden, wie der Fit des Schuhs sein soll und wo wir Stretch und wo wir Support brauchen", so Marius Jung, der als Designer ebenfalls an der Entstehung des Solarboost mitgearbeitet hat. Für den Solarboost benötigte man daher einen ganz neuen Leisten, der mehr Raum im Vorfuß gibt.

Weitere Neuerung beim Solarboost: Alle Prototypen wurden direkt in Herzogenaurach hergestellt. Dafür hat sich Adidas eigens eine TFP-Maschine angeschafft. Das hat den Entwicklungsprozess vereinfacht und beschleunigt – dennoch dauerte es von der ersten Ideen in den Köpfen der Designer bis zum fertigen Produkt in den Regalen der Händler rund zwei Jahre.

Zwei Jahre in denen die Designer darauf achten mussten, dass ihre Visionen und Ideen am Ende auch (in der Massennproduktion) umsetzbar sind. "Es hilft ja keinem, wenn wir einen Schuh designen, den am Ende keiner bauen kann", so Bruns. "Die Produktion mit TFP mag zwar je Schuh ein wenig länger dauern, aber durch diese Art der Herstellung sparen wir auch viele Arbeitsschritte", so Jung. "Es ist einfach sehr effektiv."

Ob sich der ganze Aufwand gelohnt hat? Ab dem 17. Mai können sich Läufer selbst ein Bild vom neuesten Adidas Modell machen – dann nämlich kommt der Solarboost für 160 Euro in den Handel. Bis dahin werden wir auch einen ausführlichen Testbericht auf www.runnersworld.de veröffentlichen.
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Autor: Henning Lenertz 08.05.2018
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