Die Laufkolumne von Dieter Baumann
Dieters Kolumne: Mein Lauf der Woche

Baumanns Lauf der Woche Mit Hölderlin am Spitzberg

Im Hölderlin-Jubiläumsjahr feiert Tübingen seinen berühmten Dichter in der ganzen Stadt. Nur nicht auf der Runde von Dieter Baumann auf dem Spitzberg. Völlig unverständlich!

Lauf der Woche
Donnerstag, 20.2.2020
Tübingen
Wie-der-Sternenhimmel-Dauerlauf

Ich melde mich vom Dauerlaufen – ja gut, zugegeben, heute vom Gehen. Ach, liebe Freunde der Laufkunst – jetzt bitte keine Häme, von wegen „Hey Baumann, sportlich, sportlich, Walken! Und das ohne Stöcke. Ha, ha, sehr witzig.

Aber was soll ich machen? Ich bin verletzt! Und, nein, bitte keine Häme. Einfach nur eine Feststellung. Laufen ist nicht – deshalb Gehen. Das ist allemal besser als auf dem Sofa rumhocken.

Oh ja, liebe Viel-und-jeden-Tag-Läuferinnen und Läufer, liebe Marathonsammler und Altersklassenrekordbrecher, ich höre euch bis nach Tübingen rufen: Gehen? Walken? Würde ich niemals machen. Albern ist das. Das würde ich so nicht sagen. Ich halte es lieber mit Hölderlin, der sagte: „Es ist nichts so klein und wenig, woran man sich nicht begeistern könnte.“

Hölderlin. Unser bekannter Dichter. Walken. Es ist nichts zu klein, liebe Läuferinnen und Läufer. Friedrich Hölderlin.

In Tübingen gibt es in diesem Jahr die große Hölderlinsause. 250 Jahre, Geburtstag und so. Wir feiern das ganze Jahr und Hölderlin ist überall.

Verwunderlich ist: Nur hier auf dem Spitzberg nicht. Hierher lenkt die Stadt keine Touristen und Hölderlinfans. Verstehe ich gar nicht. Denn hier auf dem Spitzberg ist er oft gegangen. Hört gut zu, liebe Freunde der Laufkunst: GEGANGEN. Ja doch, Hölderlin wanderte. Von Nürtingen nach Tübingen, von Tübingen nach Nürtingen, nach Stuttgart, nach Frankreich und wieder zurück. So wie ich gerade.

Gut ich gehe jetzt nicht unbedingt freiwillig. Eher notgedrungen. Wobei Hölderlin auch notgedrungen gewandert ist. Er hatte kein Geld. Das heißt, eigentlich hatte er Geld, bekam es aber nicht, aber das würde jetzt zu weit führen, jedenfalls gehe ich und halte es wie Hölderlin: „Wenn ich auf mein Unglück trete, stehe ich höher.“

Schön nicht?

Wenn ich während dieser Verletzungsphase weiterhin – so wie gerade – gehe, statt auf dem Sofa zu sitzen, dann komme ich gestärkt zurück. Wichtig ist (nach Hölderlin): „Nicht in einem geheimen Bund, sich mit dem Schmerz einlassen.“

Doch diese Gefahr besteht nicht. Mir tut ja nichts weh. Beim Gehen, wohlgemerkt. Aber um wirklich fit zurück zu kehren, muss ich viel Gehen. Experten sagen dreimal länger als Laufen. Also um es genau auszudrücken: viel, viel länger.

Nach drei Stunden Walken bleibt nur festzustellen: „Wie der Sternenhimmel, bin ich still und bewegt.“ (Hölderlin)

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