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Projekt 19/19 (Fast) die Hälfte ist geschafft

Anthony Horyna läuft von Konstanz nach Flensburg, 45 Marathons in 45 Tagen. Hier verrät er, was von Tag 15 bis 22 passierte.

Mit Tag 23//45 ist heute offiziell Halbzeit von Projekt19/19. Wer hätte das gedacht? Ich (vor ein paar Jahren – ach was, noch letztes Jahr) wohl am wenigsten. Aber hier bin ich. Und 22 Marathons in Folge später sage ich unumwunden: es geht mir super. Aber lest selbst.

Wer wissen möchte, was Anthony bislang erlebt hat und was hinter dem Projekt19/19 steckt, findet hier die Blog-Übersicht:

Darum laufe ich 45 Marathons in 45 Tagen
Die ersten 5 Tage sind geschafft
Grüße aus Frankfurt

Tag 15 von 45 / Hohemark - Hennethal

Morgens an der Hohemark. Jule und ich verspäten uns um ein paar Minuten, werden aber vor Ort von einer ganzen Schar an Mitläufern begrüßt. Nachdem die Etappe 14 durch Frankfurt schon einen super Aufschlag gemacht hat, steht auch der heutige Tag an nichts nach. Eine coole Truppe hat sich hier zusammen gefunden um gemeinsam mit uns erst hoch zum Altkönig und dann über den Feldberg bis ins Hennethal zu laufen. Da wären zum einen mein guter Freund Moritz (von www.motionmatters.de mit dem ich gerne und oft in Wiesbaden durch die Wälder laufe) unsere gemeinsame Freundin Lisa, Oskar, Tati und Simon, Simone, Wiebke samt Hund, Andreas, Jonas und Ralph.

Der Lauf hoch zum Feldberg ist einfach super. Tolle Gespräche und Einblicke, Geschichten und Begegnungen. Das ist so bereichernd und zeigt immer wieder, dass das was wir hier machen, schon auch richtig ist. Und wichtig.

Oben am Feldberg, splittet sich die Gruppe dann auf und mit einem Teil geht‘s weiter Richtung Idstein. Neu dazu gestoßen sind nun Maren (die auch in Frankfurt schon mit dabei war) und Alex, der uns die ganzen GPS Etappen für Projekt 19/19 zusammengebaut hat. Nach und nach steigen dann die meisten aus, bis ich die letzten 10 Kilometer gemeinsam mit Ralph alleine laufe.

Im Ziel dann sogar noch ein Interview mit dem Aarboten/ Wiesbadener Kurier geführt.

Tag 16 von 45 / Hennethal - Obernhof

Der Tag bleibt, denke ich, noch lange in Erinnerung. Allem voran, weil ich hier Manuel kennengelernt habe. Zum Start aber freute ich mich Meike wieder zu sehen. Wir „kennen“ uns noch aus Teenagertagen und immer wieder kreuzen sich unsere Wege. Ganz tolle Frau. Und dann Daniel, den ich sogar noch länger kenne. Da war ich noch in der Mittelstufe. Die beiden sind extra für das Projekt und um die Botschaft mitzutragen ca. 8 Kilometer mitgelaufen – und das als echte Nicht-Läufer! Dann Manuel. Es gibt ja diese denkwürdigen Begegnungen mit Menschen, bei denen du nach 10 Minuten denkst, dass ihr euch schon seit Ewigkeiten kennt. Genau so etwas ist das heute. Wir verbringen am Ende 44 Kilometer mit Reden, Austauschen, Ähnlichkeiten entdecken. Er sagt bei dem Lauf Dinge, mit denen ich nicht nur vollkommen übereinstimme, sondern die mich ganz ehrlich berühren. Und da wir beide auch noch gleich alt sind, haben wir entsprechend eine ähnliche pop-kulturelle Sozialisierung mitgemacht. Dabei finden wir immer wieder das eigene in der Narration des anderen. Auf den letzten 8 Kilometer kommt uns Jule dann entgegen und zu Dritt steigen wir noch zwei derbe Anhöhen hinauf um dann gemeinsam zum Zielpunkt für heute runter zu rollen. Extrem toller und sehr persönlicher Tag. Danke dafür.

Projekt 19/19
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Wer einmal quer durch die Republik rennt, muss mit Hindernissen rechnen.

Tag 17 von 45 / Obernhof - Wirges

Heute erstmal alleine los. Was auch gut ist. Gut zum Nachdenken über die ganzen Begegnungen bisher. Wie Projekt 19/19 ganz offensichtlich Menschen dazu bewegt zu uns zu stoßen, selbst was zu machen und auch sich zu öffnen und über ihre eigenen Themen zu sprechen. Das ist echt so toll. Der Lauf heute ist schön, aber relativ unspektakulär. Wobei ich einen Teil vom SchinderTrail laufe und das hat es schon in sich. Dann Nassau und wieder in die Wälder und Hügel. Laufe in und mit meinen Gedanken, sortiere, ordne, entscheide. Sehr befreiend manchmal. Muss zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten an Kerouac denken, dem Autor von unter anderem The Dharma Bums und On The Road. Was ihn angetrieben und getrieben hat. Fortgetrieben, zurückgetrieben und schlussendlich in sein Ende getrieben hat. Aber immer auch mit diesem inneren Feuer zu reisen, unterwegs zu sein. Dann bei ca. Kilometer 30 kommt mir mitten im Wald Waldemar entgegen. Und läuft mit mir mit. Super netter Typ, begleitet mich bis zum Ende und läuft mit mir durch Montabaur (danke für die kleine Stadtführung). Sehr schöner Tag mit einem echt tollen Abschluss.

Tag 18 von 45 / Wirges - Bad Marienberg

Was für ein Typ! Am Startpunkt der heutigen Etappe kommt uns Manuel entgegen. Manuel ist den ganzen Weg von Krefeld hergekommen. Dabei ist er erst mit dem Auto bis zum Zielpunkt gefahren, um dann mehr als eine Stunde mit Busen über alle möglichen Dörfer zu tuckern um zum Start zu finden. Irre. Und Manuel ist ein guter Läufer. Er sagt zwar, dass er Anhöhen und Hügel eher nicht so cool findet, aber beinahe alle Läufe und Rennen, die er bis dato gefinisht hat sind echte Bergläufe (ich meine, der ZUT und der TAR gehen schon als Bergläufe durchJ). Klasse Kerl, der auch super engagiert ist und mit den Seidenraupen Krefeld (www.seidenraupen.org) viele Charity-Projekte am Start hat. Der Tag und der Lauf waren Klasse. Auch dass dank Manuel Jule 25 Kilometer mitlaufen konnte, denn er fuhr uns am Ende des Laufs sogar noch zu unserem Wagen zurück. Da war einfach alles dabei. Sogar ein spontanes Gespräch mit einem Förster, dem wir von dem Projekt und unser Anliegen berichten konnten. Diese Etappe prägte übrigens den Satz „Dieser Anstieg ist ein Privileg!“, denn heute fiel es mir tatsächlich wie Schuppen von den Augen: das was wir hier machen, die körperliche und auch mentale Voraussetzungen jeden Tag zu laufen sind ein Privileg. Gerade wenn es unwegsamer und auch anstrengender wird. Viele Menschen können dies nicht. Uns ist es vergönnt. Und genauso sollten wir es annehmen. Dankbar.

Tag 19 von 45 / Bad Marienberg - Herkersdorf

Viel Regen. Sehr viel Regen. Alleine. Auf der gesamten Etappe. War gut. War bei mir. Bei ca. 20 Kilometer längere Pause gemacht mit Jule. Das war fast schon eine Art PicknickJ Und selbst dort mitten im gefühlten aber dennoch wunderschönen „Nirgendwo“ eine Zufallsbekanntschaft gemacht und über Projekt 19/19 gesprochen. Toll. Dann weiter und von einer Regenwand in die nächste gelaufen. Und auch das ist ein Privileg

Tag 20 von 45 / Herkersdorf - Lahnhof

Projekt 19/19
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Die Läufer kommen von weit her, um Anthony zu begleiten.

Großartig! Stephan aus München, Jens aus Dortmund, Lisa aus Leipzig und drei super nette und inspirierende Jungs direkt hier aus dem Siegener Raum – wobei Tristan mittlerweile in Köln ansässig ist. Das macht einfach eine solche Freude, dass es Leute gibt, die extra für dieses Projekt anreisen und auch ihre Comfort Zone verlassen. Denn wieder haben zwei Mitläufer ihre eigene persönliche Laufdistanz getoppt. Heute war auch wieder einer dieser Tage, die gar nicht hätten aufhören müssen. Jeder spricht mit jedem, jeder läuft mit jedem. Und das sind Geschichten. Hammer. Da kommst du dir einfach menschlich näher. Und so soll und will das auch sein. In Siegen steigen 2 aus und so laufen Lisa, Tristan, Jens und ich weiter. Und werden kurz vor dem Ende der Etappe von Jule auf dem Weg eingesammelt um dann mit Frank – in voller Feuerwehrmann-Monitur, inklusive Helm und Flasche – gemeinsam einzulaufen. Ich kann gar nicht beschreiben, wie gut sich das anfühlt. Und bin ein wenig überwältigt von dem Tag und Lauf. Menschlich und einfach von der Grundstimmung. Das war echt gut. Und jeder einzelne trug dazu bei. Dadurch, dass sie/er dabei war. Und dieses Projekt weiter trägt und am Laufen hält. Danke. Ehrlich danke.

Tag 21 von 45 / Lahnhof - Bad Berleburg

Mit Holger, Kai und Joey haben wir drei super coole Läufer und Menschen hier aus der Gegend mit dabei. Mega. Und dann kommt für mich völlig unerwartet auch Gundi extra nochmals angereist (mit Auto und Rennrad), um gemeinsam mit uns zu laufen und damit ein Zeichen zu setzen. So toll. Und auch heute wieder ganz neue Einsichten, ganz unterschiedliche Impulse und neue Gedanken mit auf dem Weg bekommen.

Das Beste indes: dank Stephan, der heute das Crew Fahrzeug übernahm (und damit unsere fahrende Aid Station war) konnte Jule zum ersten Mal eine volle Etappe mitlaufen.

Großartig. Und ein ganz besonderes Vergnügen. Auch weil Jule und Lisa öfter einfach mal weg waren um „in die Pilze zu gehen“. Und somit das heutige Abendessen gejagt haben. Danke, Stephan – und jedem der heute mit dabei war.

Tag 22 von 45 / Bad Berleburg - Niedersfeld

Projekt 19/19
Projekt 19/19
Kunst im Wald – der Rothaarsteig überrascht nicht nur landschaftlich.

Heute alleine. Und irgendwie scheint es das Prinzip zu geben, dass wenn ich alleine laufe, Regen und Wind kommen will. Aber wie schon zuvor mal geschrieben, auch das ist toll. Der Weg heute lief zum Teil auf dem Rothaarsteig und ist wunderschön. Sehr laufbar das Ganze. Landschaftlich wunderschön. Und mit viel Kunst im Wald. Naturskulpturen, Plastiken und Gebilde. Das ist schon immens, wie die Kunst sich in die Natur zu gliedern vermag. Heraus sticht und doch zu einer Einheit verschmilzt. Der Lauf hatte heute etwas sehr meditatives. Und immer wieder falle ich auf das einzige Zen-Poem, dass mir in den Sinn kommt zurück: "Zuerst ist ein Berg. Dann ist kein Berg. Dann ist." Und mit diesem Gedanken laufe ich dann – trotz komplett fehlenden Telefonnetzes und GPS-Daten und arg verwirrender Wegmarkierung – doch irgendwann zum Zielpunkt ein.

Morgen ist tatsächlich schon Halbzeit

Nicht zu fassen! Da geht es auf die 23. Etappe. Das heißt 23 Marathons hintereinander. Mit unfasslichen Höhenmetern und fast schon 1000 Kilometer in den Beinen. Das Tollste aber: Mit einem guten Grund das hier alles zu machen. Und menschlichen Begegnungen, die so sonst vielleicht niemals stattfinden würden. Dafür bin ich gerade unsagbar dankbar.

Ich werde versuchen immer mal wieder kleine Updates zum Projekt 19/19 Lauf durch Deutschland zu geben und zu teilen. Etwaig nicht so ausführlich wie diese hier. Aber wir werden sehen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mich begleitet

Ich hoffe einige von euch irgendwo auf der Strecke auch zu begegnen. Wo genau ich unterwegs bin, könnt ihr bei Strava sehen. Und bis dahin laufe ich einfach weiter!

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Anthony Horyna lief 1900 Kilometer von Konstanz nach Flensburg. Teil VI.

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Bei seinem Projekt 19/19 läuft Anthony Horyna 45 Marathons in 45 Tagen.
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