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Projekt 19/19
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Projekt 19/19 Endlich in Norddeutschland

Anthony Horyna läuft von Konstanz nach Flensburg, 45 Marathons in 45 Tagen. Hier verrät er, was von Tag 23 bis 31 passierte.

Nach 31 Etappen, 1333,51 Kilometern und 33446 Höhenmetern ist Projekt 19/19 endgültig im Norden angelangt. Aber Schritt für Schritt. Lest selbst, wie und was die Tage seit dem Bergfest so alles in sich hatten und mit sich brachten.

Wer wissen möchte, was Anthony bislang erlebt hat und was hinter dem Projekt19/19 steckt, findet hier die Blog-Übersicht:

Darum laufe ich 45 Marathons in 45 Tagen
Die ersten 5 Tage sind geschafft
Grüße aus Frankfurt

(Fast) die Hälfte ist geschafft

Anthony Horyna Projekt 19/19
Projekt 19/19
Anthony folgt bei seinem Lauf von Konstanz nach Flensburg stets dem Fernwanderweg E1.

Tag 23 von 45

HALBZEIT! Jetzt ist es offiziell. Mit Tag 23//45 haben wir die Hälfte von #projekt1919 gemacht. Und wer hätte das gedacht? Dass einer 23 Marathons "nonstop" durch Deutschland läuft. Einen am Tag. An 45 Tagen hintereinander. Um auf Depressionen und Suizidprävention aufmerksam zu machen.

Aber die 45 sind noch in weiter Ferne. Heute ist erst einmal heute. Und heute ist superb. Denn mit am Start sind Eva und Michi, die beide schon bei der ersten Etappe in Konstanz dabei waren. Die beiden sind extra um uns zu begleiten hierher angereist. Irre toll. Genau wie Rosa und Sascha von www.soulyoga-dortmund.de .
Sascha kenne ich ja auch schon ein paar Jahre über die Willpower Athletes und diverse Läufe und Hang-Outs die wir gemeinsam hatten. Was ein Typ. Ich weiß noch, dass ich mal bei einem Wettkampf an einem Strand knapp 3 Kilometer eng hinter Sascha herlief um mich in seinem Windschatten vor dem Wind und Sand zu schützen. Hatte ich mich dafür eigentlich schon bedankt? Wenn du das hier lesen solltest Sascha: danke nochmals. Das war echt super. So wie der heutige Lauf. Ich jedenfalls hatte eine Menge Spaß, trotz oder vielleicht sogar genau aufgrund des häufigen Verlaufens. Orte mehrfach durchlaufen, über Kuhweiden rennen, den falschen Wegmarkierungen folgen und Hügel runter nur um sie wieder raufzulaufen – all das passte heute einfach. Und dann hat Michi auch noch mit 44 Kilometern seinen längsten Lauf bis dato mit uns gemacht. Wie stark ist das denn?

Tag 24 von 45

Ein sehr guter, ein sehr entspannter Tag. Erst mit Jule 10 K gemacht, dann ganz entspannt und im eigenen Trott die restlichen 34 K. Keine Hetze. Kein Stress. Ich bleibe dort stehen, wo es sich zu stehen bleiben lohnt. Ich laufe dort, wo es sich zu laufen lohnt. Folge meinem eigenen Rhythmus und Kompass und komme immer wieder ganz bei mir an. Ein Tag und Lauf ganz im Moment. Ganz im Jetzt.

Tag 25 von 45

Wie gestern die 24 zeigt sich auch die Etappe 25 von ihrer entspannten Seite. Ich denke das hat auch viel damit zu tun, dass es wieder trockener ist/wird. Denn das Campen im Regen machte auf Dauer doch schon ein wenig mürbe, muss ich zugeben. Heute zeigt sich aber mit vielen tollen Trails und einem Semi-Endpunkt, der schon rein optisch atemberaubend ist: die Externsteine. Die sehen so cool aus, dass Jule und ich beschließen den Start morgen hierher zu verlegen. Ganz nach dem Motto: It was so nice, they did it twice.

Dafür, dass ich 25 Marathons hinter mir habe, geht es mir richtig gut. Körperlich als auch mental. Es ist wirklich so: ich habe morgens nicht das Gefühl schon am Tag zuvor einen Marathon gemacht zu haben, geschweige denn die paar-und-zwanzig-Tage davor auch schon. Bin gespannt ob das so bleiben will. Aber wie schon erwähnt, ich laufe ja jeweils immer nur an dem einen Tag. Ich plane und denke nicht in 5er oder 10er Schritten. Das würde nichts bringen. Ganz im Gegenteil sogar. Ich möchte mutmaßen, dass das sogar ziemlich kontraproduktiv wäre. Das Jetzt, das Im-Moment-Sein erscheint mir der (zumindest hier und heute und für mich) einzig gangbare Weg. Und daher gehe ich ihn so.

Tag 26 von 45

Anthony Horyna Projekt 19/19
Projekt 19/19
Die Externsteine im Teutoburger Wald bilden die Kulisse für den Start von Etappe 26.

Heute ist eine Übung in Demut. Und ich werde nicht viel schreiben. Begonnen hat alles superb. Mit Jule an den Externsteinen gestartet und gemeinsam zum Hermannsdenkmal hoch. 10 Kilometer, die echt gut waren. Ab dort alleine weiter und es wurde ein einziger Orientierungslauf. Noch nie habe ich mich so oft verlaufen wie heute. Gefühlt alle 200 Meter musste ich das Handy mit den GPS Karten zücken. Und dass nur um wieder und wieder festzustellen, dass die GPS Daten so gar nicht zu den Wegemarkierungen (wenn denn vorhanden) passen. Dazu kommt noch, dass die heutige Etappe eine Menge Asphalt und Beton zu bieten hat. Und mit Detmold und Lemgo zwei Städte, die nicht zwangsläufig auf dem Fernwanderweg liegen müssten. Immer wieder frage ich mich, wer sich was dabei denkt den Europäischen Fernwanderweg E1 durch Städte zu führen. Frankfurt war ja schon grenzwertig. Über heute möchte ich keine Worte verlieren. Ich verzettele mich so häufig, dass ich erst um kurz nach 21 Uhr und damit schon im Dunkeln ans Ziel komme. Aber natürlich bringt es nichts zu lamentieren. Denn auch hierin gibt es ein Learning. Dass es halt nicht immer läuft. Und dass man (in dem Falle ich) auch Umwege (und derer viele) machen muss, um zum Ziel zu gelangen. Aber ist dies ein Grund aufzugeben? Ganz und gar nicht. Eher einer der sagen will: weiter. Immer weiter. Schritt für Schritt.

Tag 27 von 45

Super Tag. Die ersten 6 Kilometer gemeinsam mit Jule. Läuft richtig gut und toll. Abwechslungsreiche Strecke und echt schön. Irgendwann setzt die Hitze ein. Was aber heute auch passt, denn nur zu gut erinnere ich, dass wir nachts im Zelt zuweil richtig frieren. Dann bin ich für eine ganze Zeit lang alleine unterwegs und just in dem ersten Moment wo ich mich hätte verlaufen können, steht da der Sebastian. Und das ist richtig gut. Denn nicht nur verstehen wir uns auf Anhieb super, Sebastian kommt auch hier aus der Gegend und übernimmt die Wegeführung. Dabei bringt er mich ohne Vertun oder Verlaufen durch und wieder aus Hameln heraus. Ich mochte als Kind Hameln wegen der Geschichte des Rattenfängers. Und durch den Ort selbst zu laufen ist schon interessant. Auch weil Martin und die Filmcrew sich wieder einmal zu uns gesellen und uns für ein paar Kilometer begleiten. Freue mich sehr die drei wieder zu sehen. Mit Sebastian dann alleine weiter. Und der ist super interessant, also was er beruflich macht, seine Einstellung zum Laufen und überhaupt fühlt sich das alles sehr vertraut und gut an. Richtig krass indes ist, dass er erst vor knapp 4 Wochen einen Unfall in den Bergen hatte und seit der Zeit so gut wie gar nicht gelaufen ist, heute aber direkt 25 Kilometer mitnimmt. Als wir am Zielpunkt für heute ankommen, trennen sich erstmals die Wege von Sebastian und mir. Aber er sichert zu, dass er morgen wieder mit dabei sein will. Mit Martin und seinem Team gibt es dann noch ein Interview am Campingplatz, bevor Jule und ich uns auf dem Weg machen unsere Freunde aus den Niederlanden in ihrem Apartment zu besuchen. Yenny, Rudie und Jan Albert (der RaceDirector des Gaasterland Trail Rennens) sind uns sehr liebe und gute Freude und ich freue mich immens sie endlich zu sehen. Und es ist ein toller Abend mit viel Lachen, viel Essen und vielen Geschichten.

Tag 28 von 45

Und genau so! Heute stimmt einfach alles. Passt alles. Läuft alles. Haben eine supercoole Truppe an Läufern dabei. Thomas, Morten und Holger sowie Dennis. Und dann auch Sebastian nochmals. Dazu noch Rudie und Jan Albert aus den Niederlanden. Hammer! Und genauso läuft der Tag. Superbe Laufstrecken. Viel hoch und runter. Trails, aber auch Forstwege. Schatten und prasselnde Sonne. Und einfach jede Menge positiver Vibes. Da trifft es sich schon sehr gut, dass der NDR heute mit dabei ist, um eine kleine Reportage zum Projekt 19/19 zu drehen. Denn mit den Jungs, die hier dabei sind, kann das nur gut werden. Und so wird es auch. Und der Bericht ist (wie ich finde) auch treffend geworden. Denn es kommt sehr gut durch, wozu und warum wir/ich einmal durch Deutschland laufen. Wer sich das ansehen möchte, kann das in der NDR Mediathek machen.

Anthony Horyna Projekt 19/19
Projekt 19/19
Beim Projekt 19/19 zeigt sich: Laufen ist keine Einzelsportart.

Und irgendwann laufen wir am Zielort ein. Direkt am Kurpark in Bad Nenndorf. Und wie passend, dass es dort ein Wasserspiel, mit diversen Wasserfontänen gibt. Ein Haufen erwachsener Männer (und natürlich mit Jule und Yenny auch Frauen), die wie die Kinder durch die Springfontänen laufen, sich erfrischen, kichern und – so macht es auf mich jedenfalls den Eindruck – alle sehr glücklich sind und heute echt was mitgenommen haben. Danke dafür.

Die Geschichte, dass Jule und ich abends einen B&B Hotel Gutschein einlösen wollten und es dort – Achtung! Wir schreiben das Jahr 2019! – nur noch Raucherzimmer (ja richtig: Raucherzimmer!) gab, schreibe ich ein anderes Mal auf. Spoiler Alert: die netten Damen dort fanden dann doch noch eine Lösung für uns.

Tag 29 von 45

Die Hitzeschlacht geht in die nächste Runde. Dachte ich gestern schon es sei mitunter recht warm, zeigte uns heute: da geht noch mehr. Auch im Szeneriewechsel. Denn die Etappe heute ist wirklich flach. Also richtig FLACH. Dafür aber sind die Mitläufer richtig spitze wieder. Jana, Dennis und Karsten von www.laufengegenleiden.de, Malte (der für nächstes Jahr ein echt großes Ding plant, auf das ich mich persönlich schon freue) und Thomas (der gestern schon mit am Start war) sowie Holger, der heute zum zweiten Mal die volle Etappe mit uns laufen wird. Hammer-Typ. Aber Hammer-Typen alle. Jeder für sich und auch in der Gruppe. Macht richtig Bock. So laufen und reden wir. Machen faxen, verlaufen uns (ein klein wenig) und machen einfach weiter durch die Sonne. An der Kalihalde des Bergwerks Sigmundshall in Wunstorf vorbei immer Richtung Norden. Und dann kommt auch noch Shiva mit dazu. Sie ist auch ein/e 361° Ambassador/in und ist extra aus den Niederlanden angereist um heute und morgen jeweils Teilabschnitte mitzulaufen und gemeinsam mit uns zu Campen. Dann stößt Jule nochmals zu uns und wir laufen nach einem echt heißen Tag draußen gemeinsam am Zielpunkt ein. Ich weiß nicht wieviel Liter Wasser und Getränke wir heute zu uns genommen haben. Aber es dürften einige gewesen sein. Umso mehr freut es mich – und das ganz ehrlich – das Leute auch unter solchen Strapazen mitkommen. Weil sie es für wichtig und richtig erachten. Das ist so toll. Und ohne sie würde Projekt 19/19 ganz anders sein. Danke euch, dass ihr mit dabei wart. Das bedeutet mir wirklich viel.

Tag 30 von 45

Was für interessante Begegnungen #Projekt1919 mit sich bringt. Am Camp-Ground beim Abbau des Zeltes Hartmut nochmals getroffen. Mit ihm und seiner Frau kam ich gestern Abend schon ins Gespräch. Denn unser Wagen samt Dachzelt macht schon neugierig. Und Hartmut findet den Grund warum wir durch Deutschland laufen sehr richtig und wichtig. Und es sind eben diese Gespräche und Begegnungen, die Projekt 19/19 ausmachen. Dann aber geht es los und wir fahren zum Start der heutigen Etappe, wo uns René schon erwartet. René und ich „kennen“ uns eigentlich nur vom Social Media, aber kaum getroffen, macht es direkt schon „klick“. Was ein Typ. Und er wird heute tatsächlich mehr Kilometer machen als jemals zuvor am Stück. Denn sein längster Lauf bis dato lag bei 25 Kilometer, heute Abend wird er 44.88 K auf seiner Uhr haben. Und am Ende des Laufes sogar noch einen 1A-Sprint hinlegen. Also echt einen Sprint. Kann kaum mithalten und frage mich wo er das noch herholt, nachdem wir den Tag über in der prallen Sonne unterwegs waren. Das mitunter coolste aber: wir haben bei einem Zwischenstopp auch seine Frau Sanni kurz getroffen (als wir am Edeka-Parkplatz uns mit Wassereis und Kaltgetränken versucht haben abzukühlen. Ja Projekt 19/19 macht mitunter an den denkwürdigsten Orten halt J) und da und dort luden sie und René uns dazu ein den Abend und damit auch die Nacht doch einfach bei ihnen zu verbringen. Und das war so gut. Echt mal. Super entspannter und herzlicher Abend, leckeres Essen und natürlich die Vorzüge von Badezimmern, Waschmaschinen und echten Betten. René, wenn du oder Sanni das lesen solltet: 1000 Dank nochmals. Das war so super von und bei euch.

Tag 31 von 45

Heute war ein wenig anders. Nach dem ganzen Trubel und positiven Impulsen und Begegnungen der letzten Tage, bin ich heute wieder alleine unterwegs. Natürlich nicht ganz. Jule begleitet mich auf den ersten Kilometern, bis sie vor Celle kehrt macht. Celle (zumindest die Altstadt) nehme ich mit. Die Wohngebiete durch die mich der E1 dann durchführt, nun ja, ich weiß nicht wer für die Wegstrecken der Fernwanderwege zuständig ist, aber das geht auch schöner (erinnert euch bitte an Frankfurt. Ich meine, mitten durchs Nordwest-Zentrum? Warum?). Aber egal. Heute bin ich eh mehr in meinen Gedanken als im Drumherum. Muss viel an Verlust denken. An mir liebe Menschen, die jetzt die Erfahrung machen mussten, wie es ist, von einem geliebten Menschen Abschied zu nehmen. Daher hat der Lauf heute wirklich einen ganz eigenen Rhythmus und Tenor. Dabei laufe ich durch die Lüneburger Heide und die ist wirklich schön. Also anzuschauen. Auf Horsetracks an Militärischen Sicherheitsbereichen (ergo: Sperrgebieten) stundenlang vorbei zu laufen, steht auf einem anderen Blatt. Aber dennoch. Jeder Lauf hier ist etwas Besonderes. Ganz Eigenes. Und mit Barbara, der Fernwanderin aus Österreich, mit der ich mich kurz hinter Celle mindestens eine halbe Stunde lang unterhalten habe, gab es auch eine ganz tolle Begegnung. Und so bekommt auch Etappe 31//45 seinen ganz eigenen und besonderen Nachklang.

Projekt 19/19 geht weiter

Ich werde versuchen immer mal wieder kleine Updates zum Projekt 19/19 Lauf durch Deutschland zu geben und zu teilen.

Ich hoffe einige von euch irgendwo auf der Strecke auch zu begegnen. Wo genau ich unterwegs bin, könnt ihr bei Strava sehen. Und bis dahin laufe ich einfach weiter!

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