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Projekt 19/19
Projekt 19/19 Renz Rotteveel

Projekt 19/19 Hamburg war gut zu uns

Anthony Horyna läuft von Konstanz nach Flensburg, 45 Marathons in 45 Tagen. So liefen die Tage 32 bis 38.

Projekt 19/19 goes Nordisch. Was seit Etappe 31 so passiert ist, und wie gut Hamburg zu uns war, lest ihr in diesem Blog.

Wer vorher noch wissen möchte, was Anthony bislang erlebt hat und was hinter dem Projekt19/19 steckt, findet hier die Blog-Übersicht:

Darum laufe ich 45 Marathons in 45 Tagen
Die ersten 5 Tage sind geschafft
Grüße aus Frankfurt

(Fast) die Hälfte ist geschafft
Endlich in Norddeutschland

Tag 32 von 45

Ich weiß nicht genau wieso, aber irgendwie sind wir heute erst zur Mittagszeit gestartet. Ich mag das ja eher nicht so. Morgens laufen? Kein Problem. Spät am Abend? Auch kein Problem. Aber zur Mittagszeit? Da tue ich mich immer ein wenig schwerer als sonst. Sei’s drum. Die ersten 10 Kilometer gehen Jule und ich auch sehr langsam an. Was aber auch daran liegen mag, dass wir die ersten Kilometer am Telefon verbringen, um diverse Dinge zu regeln, die das Projekt so mit sich bringt. Bei Kilometer 10 kehrt Jule zum Auto um und ich trabe weiter und voll in die Tageshitze hinein. Nur um Stunden später vor dem aufkommenden Gewitter davon zu laufen. Versteh einer dieses Wetter. Aber der Tag an sich ist ein sehr ruhiger, ein sehr angenehmer und friedlicher.

Tag 33 von 45

Heute bin ich in der Lüneburger Heide unterwegs. Toll da. Aber jetzt schon der dritte Tag hintereinander, an dem ich für weite Teile der Strecke ganz alleine unterwegs bin. Jule schafft es irgendwie – neben dem Management des Projekts (Etappen-Planung, Aid-Stations/ Versorgung, Kommunikation, PR und Social Media) – immer wieder mit einzusteigen in den Lauf. Was ganz wundervoll ist. Und so wertvoll. Ich bin so dankbar und glücklich, dass sie dieses ganze Abenteuer mitmacht, mitträgt und mitgestaltet. Denn, und da mache ich niemanden etwas vor, ohne sie würde das Ganze so wie es läuft überhaupt nicht funktionieren. Das bedarf schon eines ganz besonderen Schlag Mensch. Und der ist sie. Ohne Zweifel. Ohne Wenn und Aber.

Tag 34 von 45

Heute durch die Heide. Und wie sie blüht. Und wie schön sie ist. Das ist zum Laufen, zum Wandern oder auch „nur“ zum auf sich wirken lassen eine ganz großartige Landschaft. Und großartig war auch meine Begleitung heute. Denn nachdem ich mich morgens am Start von Jule verabschiedet hatte, traf ich keine 100 Meter weiter auf Michaela, die relativ spontan beschlossen hat, mich mit dem Fahrrad zu begleiten. Und genau das auch macht. Über Stock und Stein. Was ihr als ehemalige Triathletin auch ganz offensichtlich wenig Mühe macht. Klasse. Und so vergehen die ersten rund 20 Kilometer wie im Fluge. Beim Laufen, Radfahren und im Gespräch.

Zur Halbzeit macht Michaela dann kehrt, während ich gestärkt von Jules Aid-Station (unbezahlbar dieser Service!) mich auf den zweiten Teil des Weges mache. Und weiterlaufe. Weiter und immer weiter. So weit, dass ich irgendwann übers Ziel hinauslaufe, da Jule und ich uns irgendwie auf der Strecke verpasst haben müssen. Und so renne ich schon heute durch die Fischbeker Heide. Die ist zwar ganz wunderbar, aber ein so richtig tolles Gefühl will sich nicht einstellen. Vor allem da ich mal wieder keinen Telefonempfang habe und somit weder erreichbar bin, noch erreichen kann. Und so renne ich immer weiter bis nach Fischbek, wo wir uns ein wenig später dann doch finden. Aber ganz ehrlich: bin ziemlich angestresst deswegen. Auch wenn es „nur“ weitere vier Kilometer sind.

Dafür wird aber der Abend umso schöner, da wir heute bei alten Freunden von mir bleiben werden. Und genau so endet dieser doch recht lange Lauftag: mit gutem Essen, guten Freunden, richtigen Betten und einer heißen Dusche.

Tag 35 von 45

Anthony Horyna Projekt19/19
Renz Rotteveel
Entlang der Elbe und einmal quer durch Hamburg lief Anthony – und war keinen einzigen Meter allein.

Was für ein Tag! Mal ehrlich. Genau so. Menschen, die zusammenkommen um mit mir und uns zu laufen. Die mit am Start sind, weil sie die Botschaft richtig und wichtig finden. Die genau wie wir der Meinung sind, dass wir über Depressionen und auch Suizid sprechen müssen. Und die unsere Leidenschaft und Liebe zum Lauf jeglicher Couleur teilen. Hammer.

Morgens erst mal mit Jule und sieben weiteren Läufern über 1-A-Trails auf den höchsten Berg Hamburgs hoch. Micha gibt den Guide – und das ist gut so. Kennt die Gegend hier wie die sprichwörtliche Westentasche. Cooler Kerl. „Kenne“ ihn eh schon von dem ein oder anderen Rennen und von Social Media. Aber heute endlich mal Zeit für Gespräche und besseres Kennenlernen. Und hey, ich sage nur „Middle Class Fantasies“. Der Mann kennt die Band. Und ich auch (C. Schnee war jahrelang mein Chef) Und viele gemeinsame Themen. Stark. Genau wie alle anderen Mitläuferinnen und -läufer. Die Maiken und die Catie. Der Jan (der heute mit 55 Kilometer seine erste Ultradistanz läuft), Michael Raab (auch mit 50 Km auf der Uhr erste Ultradistanz), Dawid, Sven und für die ersten knapp 15 Km der Tobias noch.

Weiter durch die blühende Heide (OK, die kenne ich schon ein wenig von gestern – aber dennoch oder auch gerade deswegen wunderschön). Schließlich „kämpfen“ wir uns durch die Hitze des Tages über Feldwege am „Alten Land“ vorbei bis hin zur Fähre nach Cranz. Nur um dort zu erkennen: Niedrigwasser. Also eigentlich: Kein Wasser. Dann nach kurzem Kiosk-Zwischenstopp weiter an den Airbus-Gelände vorbei 8 Km zum nächsten Fähranleger. Was für eine Hitzeschlacht. Hamburg zeigt sich heute als Sun City. Und dann das: Auf der anderen Seite erwarten uns eine Gruppe von weiteren Läufern und rund 20 bis 25 Besucher, Zustimmer, Glückwünscher, Anfeuerer, Freunde und Menschen, die die Sache gut und unterstützenswert finden. Bin überwältigt von der Positivität und Resonanz auf das Projekt. Dann weiter Richtung Landungsbrücken und in einen Junggesellinnen-Abschied hinein. Was auch toll war.

Dann weiter und immer weiter durch Hamburg. Planten & Blomen (wo Nina auf uns wartet – mit einem A3 Zettel auf dem Projekt 19/19 steht – um mit uns durch den Park zu laufen. Wie toll ist das denn?), dann ein bisschen an der Alster lang, weiter rein und durch HH bis schließlich mit reduzierter Läuferzahl aber alle voll gut und fein in Billstedt das Ziel für heute erreicht ist.

Was für ein Tag. Echt. Ganz viel Liebe. Ganz viel Glück. Und ich bin beseelt und dankbar für jeden einzelnen der da war und noch dazu gestoßen ist. Jörg, Stefan, Karsten, Sarah, Patrick, Kathrin, Maria, Angela (auf’m Bike heute), Nina und Renz. Und alle, die ich nicht aufgezählt habe, die aber auch da und dort waren. 1000 Dank euch. Das ist so so wichtig und toll.

Am Ende habe ich auch 50 K auf meiner Uhr. Und keinen einzigen Kilometer möchte ich davon missen.

Tag 36 von 45

Heute mit am Start mein guter Freund Jörg aus Köln, der schon im Schwarzwald für ein paar Etappen mit dabei war und auch gestern in Hamburg ab Kilometer 30 mitlief.

Christiane, Henning und Maiken (welche gestern auch schon mit am Start war) und dann stieß sogar Michael Raab noch für ein paar Kilometer dazu. Und dass nachdem er gestern mit 50 Kilometer seinen längsten Lauf überhaupt gemacht hat (und das in der Hitze). Stark. Und toller fließender Lauf wieder. Fühlt sich ein bisschen so an, als hätte Hamburg gestern was freigesetzt. An Tempo. An Kraft. An Gefühl.

Ab etwa der Mitte stiegen dann Jule und unsere Freundin Angela mit ein. Und mit Mia (die auch extra aus Köln anreiste), Friederike, Juno, Achim und Karim für ein paar Kilometer noch weitere ganz tolle Herzensmenschen.

Dann irgendwann sind Maiken, Jule, Ang, Jörg und ich alleine weiter, während Henning und Christiane die Fahrzeuge übernahmen und im Ziel auf uns warteten. Und ja, die letzten paar Kilometer waren wieder richtiges Laufen. Mit gutem Pace. Und Kribbeln im Bauch, in den Beinen, im Kopf. Starkes Finish zu einem wirklich tollen Tag.

Und das Stärkste: unsere Freundin Ang ist heute das allererste Mal über 20 Kilometer gelaufen. Einfach so. Für sich. Für uns. Für die Sache. Und ich bin so froh, dass ich da dran teilhaben darf. Solche Momente miterleben darf. Das ist so motivierend. Danke dafür.

Tag 37 von 45

Gut geschlafen. Und super entspannt in den Tag rein. Es ist schön, dass Jörg, Ulrike und auch Ang bei uns sind. Eine kleine verschworene Gruppe, die das hier echt mit Leben füllt. Nach dem klassischen „Viel-Müsli-Frühstück“, ruft der SWR noch für ein Radiointerview an. Find ich toll, dass wir auch hier die Möglichkeit bekommen, auf das Thema Depression und Suizidprävention hinzuweisen. Und ich hoffe, wir erreichen so noch mehr Menschen.

Dann der Start auf die heutige Etappe. Und Dank Angela und Ulrike, die sich um die Autos und Verpflegung heute kümmern, hat Jule „Urlaub“ und kann wieder eine komplette Etappe mitlaufen. So gut! Ich muss gestehen, dass ich heute – zur 37. Etappe – tatsächlich meine Beine merke. Bzw. merke, dass die beiden vorherigen Etappen sehr laufstark und intensiv waren (Hamburg hatte immerhin 50 K). Daher sind die ersten 20 Kilometer auch von einigen Gehpausen durchzogen. Ca. ab Kilometer 23 aber laufe ich konstant und ganz annehmbar. Dabei führt uns der Weg nicht nur an sehr schönen Seen vorbei und über Trails und in Wälder, sondern auch durch die Eulenspiegel-Stadt Mölln. Irgendwann bin ich so in meinem eigenen Rhythmus und Tempo, dass ich Jule und Jörg nicht mehr hinter mir sehe. Da der Weg aber gut markiert ist, laufe ich einfach weiter. Und weiter. Und zu weit! Denn schon zum zweiten Mal bei diesem Laufprojekt verpasse ich den Finish. Naja, ca. 3 Kilometer später fällt‘s auf und nach einem kurzen Geschimpfe mitten im Wald (ja auch das passiert hier), mache ich kehrt und laufe wieder zurück. Dort, wo Angela, Jule, Ulrike und auch Jörg schon warten. Der Rest des Abends ist super entspannt beim gemeinsamen Essen. Ein sehr schöner Tag heute. Und doch auch einiges gelaufen.

Tag 38 von 45

Regen! In der Nacht. Am Morgen. Beim Start. Beim Lauf. Aber schlechte Stimmung deswegen? No, Sir! Denn auf den ersten ca. 17 Kilometern begleiten mich Angi sowie Jörg samt Laufhund Watson. Schon stark, was die richtige Begleitung für einen Effekt auf die eigene Stimmung hat. Fühl mich richtig gut. Und komme mit dem Wetter super klar.

Beim Zwischenstopp muss ich mich leider von den beiden und auch von Jörgs Frau Ulrike verabschieden. War eine sehr schöne Zeit mit den dreien (mit Watson natürlich vieren). Und ich bin sehr glücklich so tolle Menschen zu kennen und meine Freunde nennen zu dürfen.

Dann alleine weiter in Richtung Lübeck. Mal in der Sonne, mal im Regen. Alles dabei. Auch das permanente Jacke an- und Jacke ausziehen.

Treffe Jule nochmals bevor ich mich auf die letzten 15 Kilometer mache. Kaum laufe ich weiter, beginnt es wieder wie aus Eimern zu gießen. Im strömenden Regen treffe ich dann Silja und Karsten, die extra auf mich gewartet haben, um gemeinsam mit mir die letzten 13 Km bis zum heutigen Ziel zu laufen. Stark. Und wieder tolle Gespräche. Und wieder spüre ich, dass Projekt 19/19 viel Richtiges und Wichtiges macht bzw. mit sich bringt. Für andere. Für mich. Und so endet 38//45. Und endet toll.

Projekt 19/19 geht weiter

Ich werde versuchen immer mal wieder kleine Updates zum Projekt 19/19 Lauf durch Deutschland zu geben und zu teilen.

Ich hoffe einige von euch irgendwo auf der Strecke auch zu begegnen. Wo genau ich unterwegs bin, könnt ihr bei Strava sehen. Und bis dahin laufe ich einfach weiter!

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