Olympia 2021
Olympische Spiele in Tokio
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Olympia-Vorschau – Teil 6

Tokio 2021 Olympia-Vorschau – Teil 6

Im Marathon der Männer ist Weltrekordhalter Eliud Kipchoge der Topfavorit.

Der abschließende Teil sechs der Vorschau auf die Lauf-Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen beschäftigt sich mit dem Marathon der Männer. Hier startet der kenianische Superstar Eliud Kipchoge als Titelverteidiger und großer Favorit. Deutschland hat mit Amanal Petros, Richard Ringer und Hendrik Pfeiffer drei Athleten im Rennen, die gute Leistungen zeigen können, sofern sie mit den klimatischen Bedingungen zurecht kommen. Die Zeitangabe bezieht sich auf die deutsche Zeit (MESZ).

Marathon der Männer

Finale: 8. August, 0.00 Uhr
Olympiasieger 2016: Eliud Kipchoge (Kenia)
Weltmeister 2019: Lelisa Desisa (Äthiopien)
Weltrekord: 2:01:39 Eliud Kipchoge (Kenia/2018)
Deutscher Rekord: 2:07:18 Amanal Petros (TV Wattenscheid/2020)
Jahresweltbestzeit: 2:02:57 Titus Ekiru (Kenia)

Der beste Marathonläufer aller Zeiten ist der große Favorit: Kenias Weltrekordler und Titelverteidiger Eliud Kipchoge wird in Sapporo kaum zu schlagen sein. Und der 36-Jährige könnte in Japan ein weiteres Stück Laufsport-Geschichte schreiben. Denn nur zweimal gelang es bisher in der 125-jährigen olympischen Geschichte einem Marathonläufer, zweimal diese prestigeträchtige Goldmedaille zu gewinnen: Der Äthiopier Abebe Bikila triumphierte 1960 und 1964, Waldemar Cierpinski wurde im Trikot der DDR 1976 und 1980 Olympiasieger.

Wenn traditionell am Schlusstag der Olympischen Spiele der Marathonlauf der Männer gestartet wird, erwarten die Athleten im nördlichen Japan aller Voraussicht nach heiße Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Wie bei den Frauen tags zuvor, dürfte das Wetter einen starken Einfluss auf das Rennen haben.

Eliud Kipchoge zeigte im vergangenen Oktober erstmals eine Schwäche in einem Marathonrennen. In London kam er offensichtlich mit den Wetterbedingungen nicht zurecht. Es regnete in Strömen und war so nasskalt, dass viele Athleten muskuläre Probleme bekamen. Bei diesen Bedingungen wurde Eliud Kipchoge nur Achter. Dagegen hat der Kenianer aber bereits bewiesen, dass er bei warmen und schwülen Wetterbedingungen sehr gut laufen kann: 2016 wurde er in Rio überlegen Olympiasieger.

Der Mann, der Eliud Kipchoge wohl am ehesten hätte gefährlich werden können, wird in Japan nicht starten: Äthiopiens Superstar Kenenisa Bekele verzichtete auf ein Rennen gegen Eliud Kipchoge in Sapporo und dürfte stattdessen bei einem Herbst-Marathon antreten. Ein Bekele in Bestform hätte Kipchoge vielleicht herausfordern können. Wohl nur wenn bei dem kenianischen Superstar etwas schief laufen sollte, könnte das Rennen um die Marathon-Goldmedaille spannend werden. Eine sehr gute Rolle spielen kann der aktuelle London-Marathon-Sieger Shura Kitata (Äthiopien), sofern er mit der Hitze klar kommt. Stark einzuschätzen ist auf jeden Fall der Japaner Suguru Osako, der aufgrund der Wettersituation sicherlich einen Heimvorteil hat. Doch die Bestzeiten dieser Athleten von 2:04:49 beziehungsweise 2:05:29 Stunden deuten darauf hin, dass ihnen weiterhin noch ein gutes Stück zum Niveau von Eliud Kipchoge fehlt. Der Kenianer hält nicht nur den Weltrekord (2:01:39 Stunden) sondern war in Wien 2019 in einem nicht rekordkonformen Rennen als erster unter zwei Stunden gelaufen (1:59:40,2).

„Ich habe mein Training abgeschlossen, die Vorbereitungen liefen insgesamt sehr gut. Jetzt freue ich mich sehr auf Sapporo. Für mich gibt es keinen größeren Wettkampf als das Rennen um eine olympische Medaille. Ich will in Japan meinen in Rio gewonnenen Titel verteidigen. Eine zweite olympische Marathon-Medaille zu gewinnen, würde die Welt für mich bedeuten“, schrieb Eliud Kipchoge auf seiner Instagram-Seite.

Einen Meisterschafts-Marathon im Sommer ist noch keiner der drei deutschen Starter in Sapporo gelaufen. Daher sind Prognosen schwierig, gute Leistungen aber durchaus möglich. „Ich konnte zuletzt in Kenia vier Wochen lang sehr gut und hart trainieren und hatte keine Probleme mehr mit der Verletzung - es war alles im grünen Bereich“, sagt der deutsche Marathon-Rekordler Amanal Petros (TV Wattenscheid). Der 26-Jährige war Anfang Juni bereits in Kenia, musste dann aber nach einem Sturz im Training und einer Blessur am Sprunggelenk für Behandlungen zwischenzeitlich nach Deutschland zurück. „Nachdem ich mich im Juni noch gefragt habe, ob ich überhaupt an den Start gehen kann, habe ich jetzt doch ein gutes Niveau erreicht und kann wieder angreifen - ich werde alles geben“, sagt Amanal Petros, der sich mit Platz 10 bis 20 ein ambitioniertes Ziel gesetzt hat. Wenn er mit der Hitze klarkommen, könnte es klappen - und das wäre dann eine beachtlich starke Leistung. „Ich mache mir nicht zu viele Gedanken bezüglich der Wetterbedingungen. Sie sind für alle gleich, ich denke positiv.“

Richard Ringer (LC Rehlingen) will lieber kein konkretes Ziel nennen. „Bei mir lief bisher alles gut. Ich bin fit und freue mich auf den Marathon“, sagt der 32-Jährige, der sich möglicherweise in einem ähnlichen Leistungsbereich wie Amanal Petros bewegt. Beide sind noch relative Marathon-Newcomer und werden in Sapporo erst ihr drittes Rennen über die klassische Distanz laufen. Insofern darf man die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Sollten sie mit dem Wetter zurecht kommen, wäre ein Rang unter den Top 25 sicher ein sehr gutes Resultat.

Etwas mehr Marathon-Erfahrung hat Hendrik Pfeiffer - allerdings hatte er in den vergangenen Jahren auch zweimal großes Verletzungspech und musste jeweils lange pausieren. 2016 hatte sich der inzwischen 28-jährige Läufer des TV Wattenscheid bereits sensationell für die Spiele in Rio qualifiziert. Doch eine karrierebedrohende Fersenverletzung ließ seinen Olympia-Traum zerplatzen. Dass er nach jahrelangen Problemen jetzt wieder die Qualifikation geschafft hat, ist ein großer Erfolg für Hendrik Pfeiffer.

„Ich kann ganz ohne Druck laufen, da ich mit der Teilnahme mein großes Ziel erreicht habe. Wann immer ich einen Athleten hinter mir lassen kann, ist dies in diesem extrem starken Olympia-Feld wie ein kleiner Sieg für mich“, sagt Hendrik Pfeiffer, der sich zusammen mit Amanal Petros in Kenia auf seine Olympia-Premiere vorbereitet hat. „Das Trainingslager lief ziemlich gut und ich habe sehr von meinen Trainingspartnern profitiert.“ Neben kenianischen Läufern gehörte unter anderen der Marathon-Europameister Koen Naert (Belgien) zu der Gruppe. „Wir haben uns gegenseitig gut gepusht und meine Form müsste stimmen. Ich bin gespannt, für welche Platzierung es in Sapporo reicht“, sagt Hendrik Pfeiffer, der sich im Februar 2020 in Sevilla auf 2:10:18 Stunden verbessert hatte. Eine Platzierung im Mittelfeld sollte möglich sein.

Favoriten und ausgewählte Starter mit Bestzeiten

Eliud Kipchoge KEN 2:01:39 (WR)
Lawrence Cherono KEN 2:03:04
Amos Kipruto KEN 2:03:30
Sisay Lemma ETH 2:03:36
Lelisa Desisa ETH 2:04:45
Shura Kitata ETH 2:04:49
Bashir Abdi BEL 2:04:49
Suguro Osako JPN 2:05:29
Sondre Moen NOR 2:05:48
Oqbe Kibrom ERI 2:05:53
Galen Rupp USA 2:06:07
Yuma Hattori JPN 2:07:27
Koen Naert BEL 2:07:39
Callum Hawkins GBR 2:08:14
Shogo Nakamura JPN 2:08:16
Amanal Petros TV Wattenscheid 2:07:18
Richard Ringer LC Rehlingen 2:08:49
Hendrik Pfeiffer TV Wattenscheid 2:10:18
Peter Herzog AUT / Union Salzburg 2:10:06
Lemawork Ketema AUT / SVS 2:10:44
Tadesse Abraham SUI / LC Uster 2:06:40

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