Laufen zur Entspannung: So baust du mit Joggen Stress ab

Stress abbauen
Laufen zur Entspannung

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 17.10.2025
Als Favorit speichern
Laufen zur Entspannung
Foto: iStockphoto

Der Stress des Alltags kann vielen Menschen stark zusetzen. Hinzu kommen Belastungen und Sorgen durch weltpolitische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Krisen und den fortschreitenden Klimawandel. In solchen Zeiten kann das Laufen dabei helfen, Stress abzubauen. Doch wer es vor Frust im Training übertreibt, läuft schnell Gefahr, sich zu überfordern oder sogar zu verletzen.

So wirkt Laufen auf Körper und Psyche

Laufen, oder Bewegung ganz allgemein, hat zahlreiche Vorteile – sowohl für den Körper als auch für deine mentale Gesundheit. Dein gesamter Bewegungsapparat, aber auch dein Immunsystem sowie dein Herz-Kreislauf-System profitieren von den regelmäßigen Laufeinheiten. Daneben kann Ausdauersport deine Stressresistenz verbessern und sich positiv auf deine Selbstwirksamkeit und damit auch auf dein Selbstbewusstsein auswirken.

Hormone beim Laufen

Dass sich Sport positiv auf deine Psyche auswirken kann, ist kein Zufall. Während der körperlichen Aktivität schüttet dein Körper nämlich bestimmte Stoffe aus, die umgangssprachlich auch als „Glückshormone“ bekannt sind. Besonders Endorphine können eine spürbare Wirkung haben. Diese werden beim Joggen nach ca. 45 bis 120 Minuten im Körper freigesetzt und docken an denselben Rezeptoren wie Opiate an. Somit lösen in uns Glücksgefühle aus und können das berühmte „Runner’s High“ verursachen.

Sport stellt aber auch immer Stress für den Körper dar. Dieser schüttet also nicht nur Glücks-, sondern auch Stresshormone, wie etwa Cortisol oder Adrenalin, aus. Das ist erstmal nichts Schlechtes, denn Stresshormone können uns kurzzeitig belastbarer und leistungsfähiger machen. Bedenklich wird es dann, wenn der Cortisol- oder Adrenalin-Spiegel dauerhaft erhöht ist. Stress wird zum Dauerzustand und kann der Psyche und dem allgemeinen Wohlbefinden dauerhaft schaden.

Stressabbau durch Bewegung

Sport kann also unser Stresslevel erhöhen. Die gute Nachricht ist jedoch: Er kann auch helfen, dieses wieder zu reduzieren. Ist der Körper gestresst, sorgt das für eine erhöhte Atemfrequenz, einen erhöhten Puls sowie für höhere Blutzucker- und Blutdruckwerte. Sport, aber insbesondere Ausdauersport, senkt Blutzucker, Blutdruck und den Cortisolspiegel und regt gleichzeitig die Produktion von Glücksstoffen an. Letztere wirken auch nach der Trainingseinheit und sorgen für ein Gefühl der Zufriedenheit.

Obwohl dein Stresslevel also zweifelsfrei von einer Laufrunde profitiert, gilt das allerdings nur in gewissem Maße. Ein gestresster Körper ist nämlich anfälliger für Verletzungen, vor allem, wenn sich die Anspannung in einen Dauerzustand wandelt. Hier besteht dann die Gefahr, dass der Stress, den du abschütteln möchtest, nur durch neuen Stress verdrängt wird und im schlimmsten Fall gesundheitliche Folgen haben kann.

Bessere Schlafqualität durch Joggen

Ob und wie die Schlafqualität durch Ausdauersport beeinflusst wird, ist auch immer von individuellen Faktoren, wie Alter, Gesundheitszustand und Schlaftyp abhängig. Grundsätzlich gibt es aber Grund zur Annahme, dass Bewegung einen guten Schlaf fördert. So kann schon ein kurzer Spaziergang von ca. 30 Minuten die Qualität des Schlafs verbessern. Daneben fallen Sportlerinnen und Sportler schneller in die Tiefschlafphase als Personen, die keinen Sport betreiben.

Wichtig ist hierbei allerdings, dass genug Zeit zwischen der Aktivität und dem Schlafengehen liegt. Unser Körper braucht nämlich ausreichend Zeit, um sich nach der sportlichen Belastung wieder zu regenerieren, sonst verbessert Sport deinen Schlaf nicht, sondern fördert Schlafprobleme.

FAQ: Häufige Fragen zum Joggen bei Stress

Stress macht verletzungsanfälliger und hemmt die Leistung

Besonders an miesen Tagen schnüren viele entnervt die Laufschuhe und reagieren sich im Training ab. Doch das ist meist keine sehr kluge Entscheidung. In Stresssituationen verbraucht der Körper nämlich zusätzliche Energie, die ihm beim Sport dann nicht mehr zur Verfügung steht. Als Folge arbeitet die Muskulatur nicht so effektiv wie sonst und reagiert nicht so schnell wie gewohnt.

Eine Studie im „Journal of Sports and Medicine“ zeigte, dass Triathleten, die unter dem Einfluss angespannter Situationen in Familie oder Beruf standen, eine höhere Verletzungsanfälligkeit zeigten als solche, die keinen derartigen Stressfaktoren ausgesetzt waren. Eine weitere Studie aus dem „British Journal of Sports Medicine“ kam zu dem Schluss, dass sich Top-Athleten eher verletzen, wenn sie während eines belastenden Trainings wütend, aufgewühlt, müde, angespannt oder depressiv verstimmt waren. Für Freizeitsportler bedeutet das, dass sie nur dann hart trainieren oder an Wettkämpfen teilnehmen sollten, wenn sie sich nicht gerade angespannt fühlen.

Etwas Stress ist vollkommen in Ordnung, da Hormone wie Cortisol oder Adrenalin in geringer Dosis sogar leistungssteigernd wirken können. Während eine gewisse Vorstart-Nervosität also absolut bedenkenlos ist, wirkt Dauerstress hingegen leistungshemmend und macht Sportler offenbar verwundbar. Bleibt der Cortisol-Spiegel nämlich zu lange auf hohem Niveau, funktionieren Muskulatur sowie Immunsystem nicht mehr optimal.

Das richtige Tempo finden: Wohlfühltempo statt Auspowern

Da du jetzt weißt, dass Stress nicht nur deine Leistung negativ beeinflussen, sondern dich auch noch verletzungsanfälliger machen kann, solltest du diesen im Training unbedingt reduzieren. Das Laufen sollte besonders in stressigen Zeiten als Ausgleich dienen und keine zusätzliche Belastung darstellen! Hierbei kann es helfen, die Intensität des Trainings, also das Lauftempo, zu reduzieren. Denn es sind die hohen Tempi, bei denen du außer Atem kommst, die den Stress in dein Training bringen. Und auch, wenn solche „Reize“ den Körper leistungsfähiger machen können, darf das in stressigen Lebensphasen nicht dein Trainingsziel sein. Stattdessen solltest du dich darauf konzentrieren, Entspannung im Laufen zu finden. Das tust du im Wohlfühltempo bei herabgesetzten wöchentlichen Kilometerumfängen und leicht reduzierter Intensität.

Das Wohlfühltempo ist, wie der Name schon verrät, ein Tempo, in dem du dich wohlfühlst und gleichzeitig in flüssigem Laufschritt joggst. Hier fühlst du dich aktiv, aber nicht stark angestrengt, sodass du dieses Tempo problemlos am Stück halten kannst. Neben deinem Körpergefühl bietet der allseits bekannte Sprechtest eine geeignete Orientierung zur Ermittlung des Wohlfühltempos. Dabei solltest du dich beim Laufen problemlos unterhalten können, ohne in Schnappatmung zu verfallen, und gleichzeitig in der Lage sein, das Tempo locker zu halten.

Laufen in der Natur

Auch das Laufen in der Natur kann dabei helfen, den Stress im Training zu reduzieren. Zeit in der Natur zu verbringen, kann unsere Stresshormone senken und somit für Beruhigung und Entspannung sorgen. Daneben bietet beispielsweise ein Wald Schutz vor Lärm oder anderen Reizen und kann dir so ein Gefühl der Entschleunigung geben. Außerdem begünstigt die erhöhte Sauerstoffkonzentration an der frischen Luft die Produktion und Ausschüttung von Endorphinen, weshalb das Training im Freien dem Stress besser entgegenwirken kann als eine Runde auf dem Laufband.

Schließlich weist der Boden im Wald oder auf Trails meist Unebenheiten auf, sodass hier ein achtsames Laufen erforderlich ist. Auch dadurch wird das Training etwas entschleunigt und der Stress weniger.

Tipps für stressfreies Lauftraining

Besonders in stressigen Zeiten kann das Laufen helfen, Stress und Druck abzubauen. Allerdings kann das Training die Ursache für Frust und Anspannung auch schnell ersetzen. Mit zunehmendem Stress im Training steigt auch das Risiko einer Verletzung, weshalb es wichtig ist, diesen nicht zu groß werden zu lassen. Unten haben wir einige Tipps gesammelt, mit denen du weniger Stress und mehr Entspannung beim Laufen hast:

1

Verringere die Intensität

2

Spaß über Tempo

3

Suche dir einen Trainingspartner

4

Feste Strukturen vs. Spontanität

5

Andere Sportarten als Ergänzung

Beispielplan: 7 Tage Joggen zur Entspannung

Erkennst du dich in einigen der bisher beschriebenen Punkten wieder, kann das ein Hinweis sein, dass du deine Trainingsroutine weniger auf Leistung und stattdessen mehr auf Entspannung auslegen solltest. So könnte dann beispielsweise eine Trainingswoche aussehen:

Montags startest du entspannt mit einer Yoga-Einheit in die Woche. Hast du die Zeit dafür, kannst du im Anschluss gerne noch eine kleine Runde Dehnen absolvieren. Am Dienstag gehst du nach der Uni oder Arbeit in Wohlfühltempo laufen. Hierbei achtest du vor allem auf dein Körpergefühl und gestaltest die Runde so, wie es sich gerade richtig anfühlt. Am Mittwoch kannst du bei einem Restday die Füße hochlegen. Wenn du trotzdem das Bedürfnis nach Bewegung hast, spricht nichts gegen einen Spaziergang oder ein paar Yoga-Übungen. Donnerstags steht die zweite Laufeinheit der Woche an, bei der du mit deinen Freunden eine entspannte Runde im Park drehst. Freitags bringst du deinen Körper mit einer kleinen Runde Yoga in Schwung und am Samstag kannst du dich je nach Befinden für einen Spaziergang oder aber einen Tag Pause entscheiden. Sonntag schließt du die Woche mit einem lockeren Lauf im Wohlfühltempo ab.

Hier nochmal die Wochenübersicht:

Fazit