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Chicago-Marathon 2019 Brigid Kosgei bricht Paula Radcliffes Marathon-Weltrekord

Einen Tag nach Eliud Kipchoges inoffiziellem Weltrekord, stellte Brigid Kosgei beim Chicago-Marathon einen offiziellen auf.

Brigid Kosgei ist die neue Marathon-Weltrekordlerin. Die 25-jährige Kenianerin gewann den Chicago-Marathon in sensationellen 2:14:04 Stunden. Die Britin Paula Radcliffe hatte über 16 Jahre lang den Weltrekord über die 42,195 km gehalten. Sie war 2003 in London 2:15:25 Stunden gelaufen. Seitdem war nie eine Läuferin in die Nähe dieser Zeit gekommen. Es gab vor dem Chicago-Marathon kein anderes Ergebnis einer Frau von unter 2:17 Stunden.

Kosgei lässt offiziellen Weltrekord auf Kipchoges inoffiziellen folgen

Einen Tag nachdem der Kenianer Eliud Kipchoge nicht unerwartet in Wien in einem inoffiziellen Rennen als erster Läufer die 42,195 km unter zwei Stunden gelaufen war (1:59:40,2), sorgte seine kenianische Landsfrau Brigid Kosgei in Chicago für eine wirkliche Sensation. Die Läuferin hatte beim London-Marathon im April ihre Bestzeit von 2:18:20 Stunden aufgestellt und war nun gleich über vier Minuten schneller.

Aufgrund ihrer kürzlich erzielten Halbmarathon-Zeit von 64:28 Minuten in Newcastle war mit einer deutlichen Steigerung von Brigid Kosgei zu rechnen. Dies ist die schnellste je gelaufene Zeit über die 21,0975-km-Distanz. Das Ergebnis konnte jedoch nicht als Weltrekord anerkannt werden, da die Strecke nicht die entsprechenden Kriterien erfüllt. Dass Brigid Kosgei in Chicago nun aber den Weltrekord von Paula Radcliffe gebrochen hat und dies auch noch so deutlich, war eine große Überraschung. Mit 2:14:04 hatte sie einen großen Vorsprung von weit über sechs Minuten auf die Äthiopierinnen Ababel Yeshaneh (2:20:51) und Gelete Burka (2:20:55).

Anke Esser steigert sich über elf Minuten

Eine sehr deutliche Steigerung von über zehn Minuten gelang Anke Esser (Ostbevern). Mit einer Bestzeit von 2:43:14 ins Rennen gegangen, kam sie nach 2:32:06 Stunden ins Ziel und erreichte damit immerhin Rang 13. Sie belegt mit dieser Zeit in der deutschen Jahresbestenliste nun Platz drei. In der ersten Hälfte lief Anke Esser deutlich schneller. Die Halbmarathonmarke passierte sie bereits nach 1:13:52 Stunden, so dass sie sogar auf Kurs lag für die internationale Olympia-Norm von 2:29:30 und für eine Top-10-Platzierung. Doch sie konnte dieses ambitionierte Tempo nicht halten und wurde in der Folge immer langsamer. Immerhin brach Anke Esser nicht völlig ein, so dass sie in 2:32:06 ins Ziel kam. Sie könnte im nächsten Frühjahr die Olympia-Norm angreifen.

Knapp und spektakulär: Das Rennen der Herren

Das weit weniger spektakuläre Rennen der Männer gewann Lawrence Cherono (Kenia) in 2:05:45 Stunden ganz knapp vor Dejene Debela (Äthiopien), der nur eine Sekunde Rückstand hatte. Dritter wurde Asefa Mengstu (Äthiopien) in 2:05:48. Auch der viertplatzierte Kenianer Bedan Karoki blieb mit 2:05:53 noch unter 2:06 Stunden. Titelverteidiger Mo Farah (Großbritannien), der vor einem Jahr in Chicago mit der aktuellen Europa-Rekordzeit von 2:05:11 Stunden gewonnen hatte, verlor bereits deutlich vor der 15-km-Marke den Kontakt zur Spitzengruppe. Am Ende kam er nicht über Rang acht in 2:09:58 hinaus. Im Hinblick auf den Olympia-Marathon in Tokio im nächsten Sommer ist dies ein Rückschlag für Mo Farah.

Brigid Kosgei überrascht sich selbst

Brigid Kosgei stürmte gleich zu Beginn davon und ließ ihren Konkurrentinnen keine Chance. Nach 15:28 Minuten hatte sie den 5-km-Punkt erreicht. Das ist ein Tempo für eine Marathon-Endzeit von 2:10 Stunden - also schneller als die internationale Olympia-Norm der Männer! Oftmals haben sich in der Vergangenheit Läuferinnen mit einem viel zu schnellen Anfangstempo das Rennen ruiniert, weil sie dann später eingebrochen sind. Doch Brigid Kosgei schaffte es irgendwie, das Tempo zunächst etwas zu reduzieren, dann aber auf extrem hohen Niveau zu halten und einen Einbruch zu vermeiden.

Sie lag mit ihren Zwischenzeiten durchweg klar unter der Weltrekordzeit von Paula Radcliffe und erreichte die Halbmarathonmarke nach 66:59 Minuten. In der zweiten Hälfte wurde sie nicht langsamer und siegte schließlich in 2:14:04. Vor einem Jahr hatte sie sich bei ihrem Sieg in Chicago auf 2:18:35 Stunden verbessert und dabei erstmalig die 2:20-Stunden-Barriere unterboten. Dann folgte ihr London-Sieg im April mit 2:18:20. „Ich habe nicht erwartet, dass ich so schnell laufen könnte“, sagte Brigid Kosgei nach ihrem Fabel-Weltrekord in Chicago.

„Als ich sah, wie schnell Brigid die erste Hälfte lief, wusste ich, dass der Weltrekord fallen würde“, sagte Paula Radcliffe gegenüber der BBC. Die bisherige Weltrekordlerin war eine der ersten Gratulantinnen von Brigid Kosgei im Ziel in Chicago.

Ergebnisse, Männer:

1. Lawrence Cherono KEN 2:05:45
2. Dejene Debela ETH 2:05:46
3. Asefa Mengstu ETH 2:05:48
4. Bedan Karoki KEN 2:05:53
5. Bashir Abdi BEL 2:06:14
6. Seifu Tura ETH 2:08:35
7. Dickson Chumba KEN 2:09:11
8. Mo Farah GBR 2:09:58

Ergebnisse, Frauen:

1. Brigid Kosgei KEN 2:14:04
2. Ababel Yeshaneh ETH 2:20:51
3. Gelete Burka ETH 2:20:55
4. Emma Bates USA 2:25:27
5. Fionnuala McCormack IRL 2:26:47
6. Stephanie Bruce USA 2:27:47
7. Lindsay Flanagan USA 2:28:08
8. Laura Thweatt USA 2:29:06
13. Anke Esser GER 2:32:06

Entwicklung des Frauen-Weltrekordes seit Berlin 1977

2:34:47,5 Christa Vahlensieck (GER) Berlin 1977
2:27:32,6 Grete Waitz (NOR) New York 1979
2:25:41,3 Grete Waitz (NOR) New York 1980
2:25:28,7 Grete Waitz (NOR) London 1983
2:22:43 Joan Benoit (USA) Boston 1983
2:21:06 Ingrid Kristiansen (NOR) London 1985
2:20:47 Tegla Loroupe (KEN) Rotterdam 1998
2:20:43 Tegla Loroupe (KEN) Berlin 1999
2:19:46 Naoko Takahashi (JPN) Berlin 2001
2:18:47 Catherine Ndereba (KEN) Chicago 2001
2:17:18 Paula Radcliffe (GBR) Chicago 2002
2:15:25 Paula Radcliffe (GBR) London 2003
2:14:04 Brigid Kosgei (KEN) Chicago 2019

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