True Motion Aion Hersteller

True Motion U-Tech Aion im Test

Ein unkonventionelles Schuhkonzept True Motion U-Tech Aion im Test

Erst seit zwei Jahren gibt es die Marke True Motion. Nach einem erfolgreichen Start wird jetzt das in Deutschland entwickelte Modell Aion vorgestellt.

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Der U-Tech Aion ist erst das zweite Modell des jungen Herstellers True Motion ("richtige Bewegung“, wörtlich übersetzt). Dessen Geschichte begann am 1. Juli 2019. Da nämlich kam das erste True-Motion-Modell, Nevos genannt, in einige ausgewählte Geschäfte. Der Hersteller hat seine Wurzeln nicht etwa in Portland, in Kobe oder in Herzogenaurach, also einem der weltweiten Entwicklungszentren für Laufschuhe, sondern – und jetzt wird es interessant – in Münster und Köln. Doch dazu später und an anderem Ort mehr. Jetzt geht es erst einmal um das zweite Produkt von True Motion, und der Schuh heißt wie gesagt Aion.

Eine hufeisenförmige Sohle

Aus dem typischen Betrachtungswinkel und auf den ersten Blick, also wenn man sich den Schuh von oben anschaut, sieht der Aion nicht besonders spektakulär aus. Das ändert sich, wenn man den Schuh dreht und von unten betrachtet. Denn die Sohlenkonstruktion ist, naja, anders. Denn statt einer durchgängigen Mittelsohle ist da ein hufeisenförmiger, etwa Gartenschlauch-dicker Gummiwulst, der sich um die Fersenpartie des Schuhs legt und bis in den Mittelfußbereich vorreicht.

Und in der Mitte der Sohle, also direkt unter der Ferse, da ist: Nichts. Da, wo „normale“ Laufschuhe in der Vergangenheit und bis heute mit ausgeklügelten Polstern, High-Tech Komponenten oder schlicht Luftkissen im Zentrum der Mittelsohle den Aufprallschock des Läufers beim Aufkommen dämpften, da hat der Aion eine Aussparung. Umgeben wird diese Aussparung von der nach vorne offenen Hufeisenkonstruktion aus „U-Foam“, wie der Hersteller seine ihm eigene Schaumstoffkreation nennt. Es ist eine jener hochmodernen TPU-Verbindungen, die die ganz neue Generation der Komfort-Laufschuhe begründet haben, Stichwort Adidas Boost, und die auch dafür bekannt sind, sehr reaktiv zu sein: True Motion spricht von bis zu 70 Prozent Energierückgabe beim U-Foam.

Biomechanischer Paradigmenwechsel

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Gut zu sehen: Die hufeisenförmige Sohle mit Aussparung unter der Ferse.

Ohne diese Schaumstoffkomponente,„U-Foam“, wäre die Konstruktion, wären die Laufeigenschaften des Aion nicht zu realisieren. Um Sinn und Hintergrund der Funktion zu erklären, muss wiederum etwas ausgeholt werden – hier kommt man um einen kurzen Exkurs in die Biomechanik-Geschichte nicht herum. Bei der hufeisenförmigen True-Motion-Konstruktion geht es um Kraftansatzpunkte und Hebelarme: Die Sohle des Schuhs soll für den biomechanischen Bewegungsablauf des Körpers arbeiten, nicht dagegen.

Was genau heißt das? Lange Jahre dachte man – von namhaften Biomechanikern unterstützt – es gäbe fürs Laufen einen perfekten Bewegungsablauf. Die so genannte Überpronation, die man allenthalben bei Läufen auf dem Laufband per Videoanalyse beobachten konnte, galt es abzustellen oder zu verhindern. Dazu wurden steife Laufschuhkonstruktionen geschaffen, externe Stützelemente und verschieden dichte Materialien in der Mittelsohle. Dann gab es vor etwa sechs Jahren, das ist also noch gar nicht so lange her, einen sogenannten Paradigmenwechsel. Man fand nämlich heraus, dass man sich geirrt hatte. Auslöser war die Beobachtung, dass jahrelange, jahrzehntelange Forschung und Laufschuhentwicklung nichts gebracht hatten – jedenfalls in punkto Verletzungsvermeidung. Läufer waren nach vierzig und mehr Jahren Laufschuhentwicklung nicht weniger häufig verletzt als ohne das ganze technische Gedöns. Die Entwicklung war also irgendwo in die falsche Richtung abgebogen. Mit der ganzen Überpronationsgeschichte jedenfalls schien man biomechanisch nicht ganz richtig gelegen zu haben.

Die Sohlenform ist von der menschlichen Ferse inspiriert

„Beseitigen wir die Ursache für unphysiologische Belastungen“, sagt Gert-Peter Brüggemann ganz lax. Er ist einer der beiden True-Motion-Gründer. Und er hat eine ganze Reihe von biomechanischen Untersuchungen gemacht, die ihm neue Erkenntnisse lieferten und den Weg geleitet haben für die Philosophie von True Motion und die Konstruktion des Aion. Dabei berücksichtigt die Konstruktion der U-Shape, dass jeder Läufer etwas anders läuft – und Kraftansatz und Hebelwirkung nie genau gleich sind.

In welchem Winkel der Fuß landet und in welchem Winkel das Fersenbein steht, ist individuell; deshalb wird das Abrollverhalten dann stark durch die Schuhkonstruktionen beeinflusst. Beziehungsweise war dies früher genau das Ziel der „Bewegungskontrollschuhe“. Hintergrund war, dass man von einem perfekten Bewegungsmuster ausging, das jeder Läufer anstreben solle. Und genau das war falsch, „da haben wir uns geirrt“, sagt Gert-Peter Brüggemann. Und fortan wurde ein Paradigmenwechsel eingeleitet: Es komme bei den Schuhkonstruktionen eher darauf an, biomechanisch sinnvolle Lösungen zu schaffen. Und die berücksichtigen, verkürzt ausgedrückt, stärker das individuelle Abrollverhalten. Das Vorbild für die U-Shape Konstruktion von True Motion liefert deshalb die Biologie, besser gesagt die Konstruktion des menschlichen Fersenbeins: Dieser harte Knochen an der Ferse ist nämlich von Weichteilen umgeben und in ein ringförmiges Fettpolster gebettet; sicher wie ein zartes Ei im Eierbecher. Und beim True Motion-Schuh wird diese geniale Erfindung der Natur fortgedacht, die U-Tech-Lösung ist wie ein Last-Verteiler. Sie bringt die beim Laufschritt auftreffende Kraft sofort in die Mitte. Somit sollen Fehlbelastungen reduziert werden und der Druck auf Achillessehne, Knie und Hüfte niedriger.

Wie läuft sich der U-Tech Aion in der Praxis?

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Der Aion in einer Farbvariante für Frauen.

Soweit die Theorie, die schlüssig wirkt. Die Frage ist freilich, wie der Aion die Theorie in der Praxis auf die Straße bringt. Und auch da, das sei vorweggenommen, schlägt sich der Schuh bravourös, wenngleich einige Einschränkungen gemacht werden müssen.

Der erste Laufeindruck ist sehr komfortabel; das Gefühl beim Aufsetzen mit der Ferse ist äußerst weich und gut gedämpft. "Der Abrollvorgang wird äußerst sanft eingeleitet“, berichtet ein Testläufer, der ein typischer Fersenaufsetzer ist, so wie die meisten Läufer: Ein Großteil aller Läufer setzt tatsächlich mit der Ferse zuerst auf. Mittelfuß- oder gar Vorfußläufer sind unterrepräsentiert. Und bei Fersenläufern wird die Theorie tatsächlich in die Praxis umgesetzt, der Schuh funktioniert – und beschert ein komfortables, unbeschwertes Laufgefühl.

Nach den bisherigen Testbeobachtungen ist der Aion für die Fersenläufer sehr gut geeignet – Dämpfung und Konstruktion des Schuhs funktionieren sehr komfortabel und funktionell. Bei Mittelfußläufern hingegen ist der Dämpfungseffekt deutlich geringer, beziehungsweise weniger spektakulär. Das ist eine der Einschränkungen. Die zweite Einschränkung betrifft die Passform: Zwar ist der Fersenhalt sehr gut, und auch im Mittelfuß sitzt der Schuh prima. Jedoch im Vorfußbereich ist der Schuh eher schmal, für Läufer mit breiteren Füßen ist da wenig Platz.

Weiche Sohlenkonstruktion (nur) für festen Untergrund

Übrigens ist der erste Trageeindruck bei der Anprobe – so berichten verschiedene Testläufer – durchaus etwas speziell, relativiert sich aber schnell bei den ersten Laufschritten. Hintergrund: Die Sprengung des Schuhs beträgt 10 Millimeter also der Rückfuß steht 10 Millimeter höher im Schuh als der Vorfuß. Der Wert reduziert sich aber beim Laufen, wenn der der Dämpfungsschaum unter dem Rückfuß durch die Belastung zusammengedrückt wird. True Motion behauptet, dass die Sprengung dann bis auf 0 Millimeter reduziert wird.

„Im Stand habe ich das Gefühl, dass ich im Aion bergab stehe“, beschreibt es ein Testläufer, und fügt an: „Beim Laufen spüre ich aber überhaupt keine Fersenerhöhung.“ Dies zeigt, wie sehr sich der U-Foam verformen lässt. Einen Nebenaspekt beobachteten mehrere Tester, die den Schuh für den Einsatz auf festem Untergrund, wie Asphalt, empfehlen: Auf unebenem Untergrund oder bei schrägem Aufkommen des Fußes bietet die weiche Sohlenkonstruktion wenig Halt. Da knickt der Schuh mitunter leichter zur Seite weg als vergleichbare andere Modelle. Der Aion ist kein Trailschuh, seine Qualitäten liegen eindeutig im komfortablen Trainingseinsatz auf festem Untergrund.

Fazit: Fersenläufer waren begeistert

Das drückt auch die Testbilanz aus. Einige Testläufer, vor allem Mittelfußaufsetzer und Vorfußläufer, kamen mit dem Schuh zwar nicht gut klar. Fersenläufer waren dagegen mehrheitlich von dem Abrollverhalten des Aion begeistert. Der weiche, gut gedämpfte Übergang von der Ferse über den Mittelfuß zum Vorfuß und die dabei erzielte, konstruktionsbedingte Stabilität im Abrollvorgang sind die im Test am meisten hervorgehobenen Eigenschaften. Zwar verfügt der Aion über eine Mittelfußbrücke – ein härteres Plastikelement in der Mitte der Sohle unter dem Mittelfuß – aber entscheidend für den Laufeindruck dürfte der U-Tech-Foam sein, der sich durch die komplette Sohlenkonstruktion zieht: Von der hufeisenförmigen, nach vorne offenen Fersenkonstruktion bis in den Vorfußbereich.

Übrigens sollen es 30 Prozent mehr Schaum in der Mittelsohle des Aion sein als beim Nevos, was auch das höhere Gewicht des Aion erklärt (348 Gramm bei einem Testschuh in US-Größe 11). Und der Nevos bekam bereits ein herausragendes Gesamtergebnis im RUNNER’S WORLD-Lesertest, selten waren die Lesertester unisono so begeistert von einem Testschuh. Das war übrigens auch ein Testläufer aus dem Redaktions-Testteam. Er sorgte für ein Novum, denn er ist – das gab es noch nie in der RUNNER’S WORLD-Testgeschichte – bei seinem ersten Lauf mit dem Aion statt des geplanten 10-Kilometer-Laufes dann gleich mal spontan eine Marathondistanz gelaufen, im Training, wohlgemerkt. Da war das Vertrauen in den Schuh schnell hergestellt.

Der True Motion U-Tech Aion in Zahlen

Kategorie: Neutraler Dämpfungsschuh

Gewicht: Männer 290 Gramm in US 9,5 (43); Damen 250 Gramm in Größe Damen EUR 40 (US 8,5)

Sprengung: 10 Millimeter

Preis: 180 Euro

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