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Die Halbmarathon-Bilanz der Frauen 2020:

Spitzensport Die Halbmarathon-Bilanz der Frauen 2020

Das beste Jahr aller Zeiten: Sowohl international, als auch auf nationaler Ebene fällt die Bilanz der Damen auf der Halbmarathon-Strecke überragend aus.

Es war das beste Halbmarathon-Jahr der Frauen aller Zeiten: Insgesamt wurden 2020 drei Weltrekorde gelaufen, zudem blieben erstmals drei Athletinnen in einem Kalenderjahr unter 65 Minuten. Die Äthiopierin Ababel Yeshaneh lief mit ihrem Weltrekord von 64:31 Minuten im Februar in Ras Al Khaimah in den Vereinigten Arabischen Emiraten die beste Zeit des Jahres. Auch in der Breite der Spitze produzierten die schnellsten Läuferinnen trotz der Coronavirus-Pandemie und einer damit verbundenen stark eingeschränkten Zahl von hochklassigen Rennen einmalige Ergebnisse.

Melat Kejeta holte Silbermedaille bei der Halbmarathon-WM 2020

Während die Kenianerin Peres Jepchirchir bei der Halbmarathon-WM – der einzigen Leichtathletik-Weltmeisterschaft, die im Pandemie-Jahr 2020 stattfand – den Titel gewann, stürmte Melat Kejeta sensationell bei ihrem ersten Start für Deutschland zur Silbermedaille. Mit 65:18 Minuten pulverisierte sie den deutschen Rekord und wurde zur zweitschnellsten Europäerin aller Zeiten. Auch in der Breite waren die deutschen Topläuferinnen über die genau 21,0975 Kilometer lange Distanz so stark wie noch nie.

World Athletics/Dan Vernon
Melat Kejeta sorgte mit ihrem zweiten Platz bei der WM für eine Sensation.

Ababel Yeshaneh hatte auf der flachen Strecke in Ras Al Khaimah, wo im Februar vor der Corona-Pandemie noch unter normalen Bedingungen gelaufen werden konnte, für den ersten Paukenschlag des Jahres gesorgt. Überraschend setzte sie sich im Duell mit Kenias Ausnahmeläuferin Brigid Kosgei durch und unterbot den bisherigen Weltrekord um 20 Sekunden. Während Brigid Kosgei in 64:49 Minuten Zweite wurde, lief eine andere Athletin die zweitschnellste Zeit des Jahres: Yalemzerf Yehualew (Äthiopien) gewann den Neu-Delhi-Halbmarathon, der aufgrund der Corona-Pandemie im November als reines Eliterennen auf einer veränderten Strecke stattfand, in 64:46. Damit blieben 2020 erstmals gleich drei Läuferinnen unter 65 Minuten. Und dieses Trio belegt nun auch in der Liste der schnellsten je gelaufenen Zeiten die ersten drei Ränge.

Zwei Weltrekorde in reinen Frauenrennen

Neben der globalen Bestzeit von Ababel Yeshaneh wurden 2020 auch zwei Weltrekorde in reinen Frauenrennen gelaufen. Der internationale Leichtathletik-Verband World Athletics führt seit einiger Zeit bei den Straßen-Laufwettbewerben der Frauen auch einen Weltrekord für Rennen, in denen Frauen separat und ohne männliche Tempomacher laufen. Es war 2020 zweimal Peres Jepchirchir, die diese Marke unterbot. Zunächst lief die Kenianerin in Prag 65:34, dann verbesserte sie ihre eigene Bestzeit in Gdynia beim WM-Triumph auf 65:16.

Wie stark die internationale Spitze im Corona-Pandemie-Jahr war, zeigt sich, wenn man auf die weiteren Topzeiten blickt. Gleich 16 Ergebnisse von unter 66 Minuten wurden 2020 gelaufen - so viele wie noch nie. 2019 hatte es elf derartige Zeiten gegeben, 2018 und 2017 waren es jeweils sieben.

Nach 25 Jahren wurde Uta Pippigs Halbmarathon-Rekord abgelöst

Die einzige Läuferin, die 2020 eine derartige Zeit erreichte und nicht für ein afrikanisches Land startet,2 ist Melat Kejeta. Dass es der 28-jährigen deutschen Läuferin, die aus Äthiopien stammt und für das Laufteam Kassel startet, gelungen ist, sich beim WM-Rennen derart zu verbessern, war eine Sensation. Mit einer Bestzeit von 68:41 Minuten an den Start gegangen, steigerte sie sich auf famose 65:18. Damit hatte sie auch den 25 Jahre alten deutschen Rekord von Uta Pippig (67:58) pulverisiert. Die schnellste Zeit einer Europäerin – die ebenfalls aus Äthiopien stammende Holländerin Sifan Hassan hält diese Bestzeit mit 65:15 – verpasste Melat Kejeta um lediglich drei Sekunden. Da Sifan Hassan diesen Europarekord jedoch in einem gemischten Rennen gelaufen war, hält Melat Kejeta nun die kontinentale Bestzeit für reine Frauenrennen.

WM-Bronzemedaille in der Team-Wertung

Mit ihrer Weltklassezeit, mit der sie auf Rang sechs der Jahresweltbestenliste und auf Platz eins der europäischen Bestenliste 2020 platziert ist, legte Melat Kejeta den Grundstein zu einer ebenso sensationellen Bronzemedaille für das deutsche Team bei der Halbmarathon-WM. Zu diesem Team gehörten auch Laura Hottenrott (TV Wattenscheid), die sich auf 70:49 Minuten steigerte und damit Rang 26 belegte, Rabea und Deborah Schöneborn (beide LG Nord Berlin), die in 72:35 beziehungsweise 72:39 die Plätze 54 und 55 belegten, und Fabienne Königstein (MTG Mannheim/Rang 87 in 77:03). Bemerkenswert ist auch, dass die Nummer zwei und drei der deutschen Jahresbestenliste 2020 gar nicht bei der WM an den Start gegangen sind: Miriam Dattke (LG Telis Finanz Regensburg) steigerte sich auf 69:43 und Alina Reh (SSV Ulm) hatte 70:08 erreicht.

Zum ersten Mal seit zwölf Jahren liefen wieder zwei deutsche Athletinnen binnen eines Kalenderjahres Zeiten von unter 70 Minuten: 2008 waren Irina Mikitenko und Sabrina Mockenhaupt jeweils 68:51 gelaufen. Dass im vergangenen Jahr vier deutsche Läuferinnen unter 71 Minuten blieben und insgesamt sechs unter 72:00, ist einmalig in der Geschichte dieser allerdings noch recht jungen Laufstrecke. Von den zehn schnellsten deutschen Halbmarathon-Läuferinnen des Jahres 2020 erzielten gleich acht persönliche Bestzeiten.

Die Jahres-Bestenlisten 2020

International:

64:31 Ababel Yeshaneh ETH Ras Al Khaimah/UAE 21.2.

64:46 Yalemzerf Yehualew ETH Neu-Delhi 29.11.

64:49 Brigid Kosgei KEN Ras Al Khaimah/UAE 21.2.

65:06 Ruth Chepngetich KEN Neu-Delhi 29.11.

65:16 Peres Jepchirchir KEN Gdynia/POL 17.10.

65:18 Melat Kejeta GER Gdynia/POL 17.10.

65:18 Genzebe Dibaba ETH Valencia 6.12.

65:19 Yehualew (2) Gdynia/POL 17.10.

65:21 Yeshaneh (2) Neu-Delhi 29.11.

65:34 Rosemary Wanjiru KEN Ras Al Khaimah/UAE 21.2.

65:34 Jepchirchir (2) Prag 5.9.

65:39 Zeineba Yimer ETH Gdynia/POL 17.10.

65:39 Sheila Kiprotich KEN Valencia 6.12.

65:41 Yeshaneh (3) Gdynia/POL 17.10.

65:51 Senbere Teferi ETH Valencia 6.12.

65:58 Joyciline Jepkosgei KEN Gdynia/POL 17.10.

Deutschland:

65:18 * Melat Kejeta Laufteam Kassel Gdynia/POL 17.10.

69:43 * Miriam Dattke LG Telis Finanz Regensburg Dresden 8.11.

70:08 Alina Reh SSV Ulm Barcelona 16.2.

70:49 * Laura Hottenrott TV Wattenscheid Gdynia/POL 17.10.

71:37 * Debora Schöneborn LG Nord Berlin Barcelona 16.2.

71:40 * Rabea Schöneborn LG Nord Berlin Barcelona 16.2.

72:23 * Katharina Steinruck LG Eintracht Frankfurt Frankfurt 13.9.

72:32 * Domenika Mayer LG Telis Finanz Regensburg Barcelona 16.2.

73:26 * Thea Heim LG Telis Finanz Regensburg Barcelona 16.2.

74:03 Fabienne Königstein MTG Mannheim Neapel 23.2.

* = persönliche Bestzeit

Die schnellsten je gelaufenen Zeiten

64:31 Ababel Yeshaneh ETH Ras Al Khaimah/UAE 2020

64:46 Yalemzerf Yehualew ETH Neu-Delhi 2020

64:49 Brigid Kosgei KEN Ras Al Khaimah/UAE 2020

64:51 Joyciline Jepkosgei KEN Valencia 2017

64:52 Jepkosgei (2) Prag 2017

64:52 Fancy Chemutai KEN Ras Al Khaimah/UAE 2018

64:55 Mary Keitany KEN Ras Al Khaimah/UAE 2018

65:04 Joan Melly KEN Prag 2018

65:06 Peres Jepchirchir KEN Ras Al Khaimah/UAE 2017

65:06 Ruth Chepngetich KEN Neu-Delhi 2020

65:07 Caroline Kipkirui KEN Ras Al Khaimah/UAE 2018

65:09 Florence Kiplagat KEN Barcelona 2015

Die schnellsten Deutschen aller Zeiten

65:18 Melat Kejeta (Laufteam Kassel) Gdynia/POL 2020

67:58 Uta Pippig (SCC Berlin) Kyoto/JPN 1995

68:45 Sabrina Mockenhaupt (Kölner Verein für Marathon) Berlin 2009

68:51 Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) Paderborn 2008

69:15 Katrin Dörre-Heinig (SC DHfK Leipzig) Grevenmacher/LUX 1998

69:29 Alina Reh (SSV Ulm) Köln 2018

69:35 Luminita Zaituc (LG Braunschweig) Grevenmacher/LUX 2004

69:36 Melanie Kraus (Bayer Leverkusen) Grevenmacher/LUX 1999

69:43 Miriam Dattke (LG Telis Finanz Regensburg) Dresden 2020

70:09 Claudia Lokar (TV Wattenscheid) Paderborn 1996

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