Bei einer Patellasehnenreizung schmerzt es unter der Kniescheibe. iStockphoto

Patellasehnenentzündungen richtig behandeln

Schmerzen an der Kniescheibe Patellasehnenentzündungen richtig behandeln

Sehnen brauchen eine optimale Belastung, um widerstandsfähig zu bleiben. So trainieren Sie Ihre Patellasehne gesund.

Ziehende oder stechende Schmerzen im vorderen Bereich des Kniegelenks beim Laufen, aber auch beim Aufstehen nach längerem Sitzen können auf eine Entzündung der Patellasehne hindeuten.

So funktioniert die Patellasehne

Die fünf bis sechs Millimeter dicke Patellasehne zieht als Fortsetzung des vorderen Oberschenkelmuskels (Musculus Quadrizeps Femoris) vom unteren Ende der Kniescheibe (Patella) zu einer kleinen Vorwölbung am Schienbein, die auch Tuberositas Tibiae genannt wird. Sie können die Patellasehne unter der Kniescheibe sehr gut selbst ertasten, da sie direkt unter der Haut liegt.

Die Patellasehne ist aufgrund ihrer hohen Dehnfähigkeit eine energiespeichernde Sehne. Ihre Aufgabe ist die Übertragung der Kraft und Bewegung vom Oberschenkel auf den Unterschenkel. Besonders bei schnell wechselnden Start- und Stoppbewegungen, Landungen nach Sprüngen und plötzlichen Richtungswechseln muss die Patellasehne starken Belastungen standhalten. Gerade beim Laufen wird die Patellasehne permanent belastet. Sie ist extrem widerstandsfähig bei zyklischen Belastungen und wenig verletzungsanfällig gegenüber Überlastungserscheinungen.

Wenn die Patellasehne durch eine Verletzung komplett gerissen ist, können Sie das Knie nicht mehr ohne Hilfe strecken. Ein Patellasehnenriss ist allerdings gerade bei Läufern eine sehr seltene Verletzung. Und die gute Nachricht ist: Mit gezielten regelmäßigen Dehnübungen, dem richtigen Laufstil und ergänzenden Kräftigungsübungen können Sie Verletzungen der Patellasehne erfolgreich vorbeugen!

So trainieren Sie Ihre Sehnen gesund

Sehnen dienen der Kraftübertragung zwischen Knochen und Muskel. Je größer der Querschnitt einer Sehne, desto geringer die Belastung pro Sehneneinheit und desto geringer die Wahrscheinlichkeit für Überlastungserscheinungen und Verletzungen. Mechanische Belastungen sind essentiell, um die Funktionsfähigkeit einer Sehne zu erhalten. Aber wie trainiert man Sehnen? Eine strukturelle Veränderung von Sehnen ergibt sich durch die erhöhte Produktion von Kollagen. Kollagen ist ein Hauptbestandteil von Sehnen, Bändern und Faszien. Die Produktion von Kollagen ist vor allem nach Übungen, die der Verbesserung der Maximalkraft dienen, erhöht. Aber nicht nur Krafttrainingseinheiten, sondern auch Dehnübungen fördern das Wachstum von Sehnengewebe. Wichtig sind beim Training von Sehnen die Stärke und die Dauer der Belastung. Hohe Belastungen bei langsamer Bewegungsgeschwindigkeit und langer Belastungsdauer scheinen laut Studien am wirksamsten zu sein. Ein Trainingszyklus über sechs bis 14 Wochen ist ausreichend, um die Steifigkeit und Elastizität der Patellasehne zu verbessern.

Gut zu wissen: Sehnen brauchen deutlich länger, um sich an neue Belastungssituationen anzupassen. Das Wachstum von Sehnen verläuft langsamer als von Muskulatur. Beachten Sie also bei jeder Trainingsumstellung oder beim Einstieg in eine neue Sportart, dass die Belastung an die Belastbarkeit der Sehnen angepasst erfolgt. Das gilt vor allem, wenn Ihr Bein längere Zeit ruhiggestellt war. Eine Ruhigstellung vermindert die Elastizität und Steifigkeit einer Sehne mehr als die Kraft der umliegenden Muskulatur.

Die Symptome bei einer Patellasehnenentzündung

Eine entzündete Patellasehne ruft Schmerzen am unteren Ende der Kniescheibe hervor. Meist betreffen die Schmerzen nur eine Seite, in 20 Prozent der Fälle schmerzt die Patellasehne jedoch auf beiden Seiten. Schmerzen, die durch eine entzündete Patellasehne hervorgerufen werden, können je nach Erkrankungsstadium lediglich nach einer sportlichen Belastung, z. B. einer längeren Laufeinheit, vor und nach dem Laufen oder während der gesamten Trainingseinheit sowie im Alltagsleben bestehen.

Wenn Sie einen Arzt aufsuchen, wird dieser Sie auf einen Druckschmerz an der Patellaspitze (unteres Ende der Kniescheibe) untersuchen und feststellen, ob das Strecken des Kniegelenks gegen den Widerstand seiner Hand schmerzhaft ist. Durch Untersuchungen wie Ultraschall oder MRT (Kernspintomographie) kann die Diagnose gesichert werden. Das ist für den weiteren Therapieverlauf und auch für den Therapieerfolg und die Prognose von großer Wichtigkeit. Die oben genannten bildgebenden Verfahren geben Aufschluss darüber, in welchem Ausmaß die Patellasehne bereits in ihrer Struktur geschädigt ist.

Die Ursachen einer Patellasehnenentzündung

Durch dauerhafte Überlastung des Kniegelenkes kommt es zu degenerativen Prozessen an der Patellasehne. Die kontinuierliche Belastung des Streckapparates des Beines (Muskulatur vorne am Oberschenkel und Unterschenkel) führt zu einer Reizung der Patellasehne.

Ursächlich können einseitige Belastungen sein. So brauchen Sehnen, um ihre Elastizität und Steifheit und damit ihre Belastungsfähigkeit zu erhalten, nicht nur zyklisches Training, sondern vor allem langsame und intensive Trainingseinheiten. Eine einseitige Entzündung der Patellasehne entsteht häufig durch einseitig geschwächte Gesäß-, Bauch- oder Wadenmuskulatur oder eine Einschränkung der Mobilität im Sprunggelenk oder Hüftgelenk.

So behandeln Sie die Patellasehne bei einer Entzündung

Egal, ob Achillessehne oder Patellasehne: Bei Sehnenentzündungen galt lange das exzentrische Training, also das langsame aktive Verlängern der Muskulatur, als Mittel der Wahl, um Schmerzen zu reduzieren und die Funktionsfähigkeit der Sehne wiederherzustellen. Mittlerweile zeigen Studien, dass vor allem die Gesamtbelastung und die Zeit unter Anspannung (Time under Tension, TUT) für eine erfolgreiche Therapie ausschlaggebend sind. Dabei soll es egal sein, ob das Training exzentrisch, konzentrisch oder isometrisch (statisch) erfolgt. Denn für Sehnen macht es offenbar keinen Unterschied, ob eine Muskelkontraktion exzentrisch oder konzentrisch erfolgt. Dass in Studien trotzdem immer wieder exzentrische Belastungen zu größerem Erfolg führen, ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass diese langsam ausgeführt werden, zu einer intensiveren Muskelkontraktion führen und somit die Sehne stärker belasten. Eine Studie zur Therapie der Patellasehnenentzüng ergab, dass langsam ausgeführte tiefe exzentrische Kniebeugen auf einem Schrägbrett mit etwa 25° Neigung hoch effektiv sind, um die Schmerzen der Entzündung zu lindern. Als optimale Wiederholungszahlen werden 3 Sätze mit 15 Wiederholungen pro Tag oder viermal vier Wiederholungen mit maximal möglicher Belastung (also plus Zusatzlast) angegeben.

Um eine Reduzierung Ihrer Laufeinheiten werden Sie trotz tiefer Kniebeugen mindestens in den ersten sechs Wochen nicht herumkommen. Laufen Sie nur im schmerzfreien Bereich und suchen Sie sich eine Laufstrecke aus, die anspruchslos ist und wenige Kurven, Anstiege oder einen unebenen Untergrund hat. So können Sie die Belastung für die Patellasehne gering halten. Lassen Sie sich, wenn möglich, von einem Physiotherapeuten behandeln. Dieser kann die entzündete Patellasehne mit Kälteanwendungen und speziellen Übungen erträglicher machen und den Verlauf der Verletzung günstig beeinflussen. Zu begleitender Laser- und Stoßwellentherapie gibt es derzeit nur wenige aussagekräftige, sich widersprechende, Studien.

Viele Ärzte verschreiben zur Unterstützung der übrigen Therapiemaßnahmen entzündungshemmende Medikamente. Diese sollten Sie allerdings nur über einen kurzen Zeitraum einnehmen, da es ansonsten zu Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt kommen kann.

So können Sie einer Patellasehnenentzündung vorbeugen

Eine Entzündung bzw. Überlastung der Patellasehne lässt sich am besten vermeiden, indem Sie Ihren Trainingsplan abwechslungsreich, aber strukturiert durchführen. Wechseln Sie zwischen Laufeinheiten, Kräftigungsübungen und alternativen Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen. So schaffen Sie eine abwechslungsreiche Belastung für die Patellasehne und vermeiden eine einseitige Belastung.

Dehnen Sie sich vor dem Laufen, führen Sie regelmäßig Stretching-Übungen, vor allem für die Hüft-, Oberschenkel und Wadenmuskulatur durch. Diese tragen außerdem zu einem ausgeglichenen Laufstil bei, durch den Sie eine Fehlbelastung der Patellasehne vermeiden können.

Mit diesen Übungen beugen Sie einer Patellasehnenentzündung vor

Um die Patellasehne beim Laufen zu entlasten, ist es wichtig, dass die Gesäßmuskeln und die Wadenmuskeln ausreichend kräftig sind. Zudem minimiert eine aufrechte Körperhaltung bei stabiler Rumpfmuskulatur ungünstige Drehbewegungen des Kniegelenks.

Krafttraining & Stretching
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