Henning Lenertz

So finden Läufer den richtigen Weg Alles zum Thema Routen und Navigation beim Laufen

Wie findet man in einer fremden Gegend eine schöne Runde zum Laufen? Wie plane ich selbst eine Route zum Nachlaufen? Unser Autor verrät, wie er neue Laufrouten erstellt und wo man tolle Strecken zum Nachlaufen findet.

Die meisten Läufer kennen ihr Laufrevier in- und auswendig. Wenn sie fünf Kilometer laufen möchten, haben sie schon eine bestimmte Runde im Kopf. Und wenn die Zwölferrunde heute mal 15 Kilometer lang sein soll, wissen sie, wo sie noch drei Kilometer dranhängen können. Was jedoch macht man, wenn man in einer fremden Stadt oder unbe­kannten Gegend unterwegs ist? Oder wenn man einfach mal eine spannende neue Strecke laufen möchte?

Weiter unten stellen wir drei Möglichkeiten vor, wie Sie neue Routen selbst planen oder im Internet finden

Ich konzentriere mich hier nur auf die digitale Routenplanung am Computer oder Smartphone. Natürlich können Sie auch die gute alte Papierkarte nutzen, doch ist die beim Laufen wenig praktikabel. Abgesehen davon, dass man zuerst eine Karte für die gewünschte Region besorgen muss, bleibt die Planung damit nur grob. Selbst wenn man sich eine tolle Strecke erstellt hat, muss man anhand des Kartenmaßstabs und der Höhenlinien Dis­tanz und Höhenmeter schätzen. Und was dann? Soll man beim Laufen ständig die Karte aus der Tasche kramen und sich neu orientieren?

Henning Lenertz
Die schönsten Strecken führen oft dort entlang, wo die meisten Läufer unterwegs sind. Strava und Garmin nutzen die Daten ihrer Nutzer, Routen auf diesen beliebten Wegen zu kreieren.

Wer seine Routen digital plant, weiß genau, wie viele Kilometer und Höhen­meter (im Auf- und Abstieg) auf einen zukommen. Man kann sich im Anschluss an die Planung eine Datei auf seine GPS-Uhr, das Smartphone oder ein anderes Navigationsgerät laden und diese bequem nachlaufen. Das gängigste Dateiformat, das von den meisten Anwendungen und Geräten unterstützt wird, ist gpx (kurz für GPS Exchange Format). Auch kml und fit sind weit verbreitet, müssen aber je nach Soft- und Hardware erst umgewandelt werden. Zugegeben, einen großen Vorteil muss man der Papierkarte zugestehen: Sie hat keinen Akku, der irgendwann leer ist und einen orientierungslos zurücklassen kann.

3 Möglichkeiten, neue Laufstrecken zu planen, zu finden und nachzulaufen

1. Route selbst erstellen

Noch nie war es so leicht wie heute, an detailliertes Kartenmaterial samt hochauflösenden Satelliten­aufnahmen von quasi allen Ecken der Welt zu gelangen. Anbieter wie Google Maps, Here oder OpenStreetMap liefern kostenfrei viele Infos über Straßen und Wege sowie das Gelände und die Topografie. Schon mit einem flüchtigen Blick auf einen Kartenausschnitt lassen sich nette Strecken etwa entlang eines Flusses, durch den nächsten Park oder zu einer Landmarke finden. Doch das Karten­mate­rial kann man nicht nur ­anschauen, sondern auch direkt darin Routen planen und sich diese danach etwa als .gpx-Datei aufs Smartphone oder die Laufuhr ziehen, um sie nachzulaufen. Portale zur Routenplanung gibt es ­viele. Ich selbst nutze am liebsten die Websites AllTrails (früher GPSies) und Strava oder die Smart­phone-App Maps3D. Auch Komoot ist sehr beliebt.

Maps3D
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In der App "Maps3D" lassen sich Routen auf sehr detailreichen Karten intuitiv planen.

Alle Apps und Programme bieten die Möglichkeit, von einem beliebigen Start­punkt aus direkt auf der Karte eine Route anzulegen. Anders als beim Navigationssystem im Auto gibt man nicht bloß ein Ziel ein und bekommt Routenvorschläge, sondern kann anhand einzelner Wegpunkte den Streckenverlauf gezielt beeinflussen. Ein Beispiel: Ich möchte von meinem Startpunkt aus auf einen Gipfel laufen. Nun könnte ich einfach zwei Wegpunkte setzen – einen am Start, einen am Gipfel – oder ich wähle weitere Wegpunkte, da ich statt des direkten Wegs lieber den Umweg über einen See in der Nähe nehmen möchte. Gleiches gilt auch für die Wegbeschaffenheit: Statt direkt zum Zielpunkt zu laufen, lohnt es sich, Wegpunkte in Grünflächen auf dem Weg zu setzen und so möglichst viele Parkwege statt Straßen zu laufen. Zwischen diesen Wegpunkten erstellen die Programme nun automatisch eine Verbindung entlang vorhandener Straßen, Wege oder Pfade.

Wichtig ist, vorab die passende Routing-Ein­stellung festzulegen. Meist hat man die Wahl zwischen Laufen/Wandern, Rennrad, Mountainbike und kann zudem ergänzend Attribute wie Wegbeschaffenheit und Höhenmeter auswählen. So landet man nicht aus Versehen auf einem steilen Trail, obwohl man lieber ­einen flachen Waldweg laufen wollte. Schauen Sie zudem in der Legende der App/des Programms nach, welche Bedeutung Linien und Symbole haben. So erkennen Sie schnell, ob es sich um eine Straße, einen Waldweg oder Trampelpfad handelt. Meist kombiniere ich die Infos mit Satellitenaufnahmen, um abgelegene Wege in Waldgebieten zu finden. Tipp: Gerade bei Maps3D gefällt mir die Option, Routen im Smartphone zu planen und mit der Karte offline abzuspeichern. Auch eine Offline-Routenplanung (kostenpflichtige Premium-Funktion) ist möglich, sodass man sogar ohne Handyempfang klarkommt.

2. Route anderswo finden

Man muss gar nicht selbst aktiv werden, um Routen zu erstellen. Die meisten Strecken ist nämlich schon jemand vor einem gelaufen – und hat sie ins Netz gestellt. Auch hierzu gibt es etliche Portale, die Sie auf der Suche nach Laufstrecken durchforsten können. Apps und Webseiten wie Komoot, AllTrail, Runmap, aber auch Strava und die Portale der Uhrenhersteller wie Suunto (Moves­count), Garmin (Connect) und Polar (Flow) bieten viele Strecken echter Nutzer.

Garmin Connect
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In Garmin Connect können Sie die Routen anderer Nutzer entdecken, herunterladen und nachlaufen.

Vorteil: Bei diesen Routen können Sie davon ausgehen, dass sie tatsächlich zum Laufen geeignet sind und Sie nicht plötzlich auf einer Autobahnauffahrt landen. Dennoch sollten Sie natürlich jede Tour genau studieren, um mögliche Mängel zu erkennen. Und wie bei Punkt 1 gilt auch hier: Unpassierbare Abschnitte können sich überall auftun.Wie auch schon beim Anlegen einer Route können Sie bei den Portalen oft bestimmte Parameter wie Distanz, Höhenmeter, Wegbeschaffenheit oder Sportart auszuwählen, um die Suche einzugrenzen.Tipp: Ich persönlich laufe auch sehr gern lokale oder über­regionale Wander­wege. Die sind zwar in der ­Regel gut gekennzeichnet, doch zur vorherigen Planung nutze ich gern auf den Websites bereitgestellte Dateien oder lade sie gleich auf meine Uhr.

3. Route erstellen lassen

Wer tolle Laufstrecken in einer fremden Gegend sucht, fragt am besten ­einheimische Läufer. Nach diesem Prinzip arbeiten auch einige Hersteller von Sportuhren und -Apps. Tatsächlich befragen die Anbieter aber nicht einzel­ne Läufer, sondern analysieren die riesigen Datenmengen ihrer Nutzer und kreieren aus diesen mittels Algorithmen neue Strecken. Stark vereinfacht gilt: Wo viele Läufer unterwegs sind, wird eine attraktive oder beliebte Laufstrecke sein. Wer in einer Region nach einer Route sucht, bekommt danach quasi die Strecken der Einhei­mischen angezeigt.

Strava- und Garmin-Nutzer kennen diese Funktion bereits seit einigen Jahren unter dem Stichwort „Heatmap“. Wer sich die Heatmaps anzeigen lässt, erkennt sofort, wo mehr und wo weniger gelaufen wird: Sind Straßen besonders rot (Strava) oder lila (Garmin Connect), heißt das, dass dort viele Läufer unterwegs sind. So bieten etwa einige Garmin-Uhren Funktionen wie das sogenannte „RoundTrip-Routing“ oder „Points of Interest“. Dabei erstellt die Uhr anhand vorgegebener Parameter wie Wunsch­­distanz, Himmelsrichtung oder dem konkreten Ziel (Adresse, Sehenswürdigkeit) drei Vorschläge, die man direkt auf der Uhr nachlaufen kann. Ähnlich funktioniert das neue System von Strava. Hier erhält man stets agil neu berechnete Routenvorschläge mitsamt Details zu Höhenprofil und Untergrund. Praktisch: Vorab kann man anhand diverser Parameter auswählen, ob die Strecke flach oder hügelig sein soll. Auch den Untergrund (Asphalt, Schotter) kann man vorab bestimmen. Weitere Möglichkeiten, die Route anzupassen, hat man hier zwar nicht, kann aber direkt loslaufen und ist auf den Top-Strecken der Insider unterwegs.Tipp: Die Heatmap können Sie auch nutzen, um, wie unter Punkt 1 beschrieben, ganz frei Strecken zu kre­ieren. Nutzen die dazu die Streckenplanungsfunktion von Strava oder Garmin Connect und lassen sich die Heatmap anzeigen.

Strava Routen
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Die Routen-Funktion von Strava erstellt Routen auf Basis häufig gelaufener Wege – so läuft man stets auf den beliebten Strecken in der Nähe.

So kommt die Route auf die Laufuhr

Henning Lenertz
Dank immer detailliertem Kartenmaterial lassen sich schmale Pfade abseits der Hauptwege finden.

Ich selbst nutze beim Laufen stets meine Laufuhr zur Navigation. Wurde bis vor wenigen Jahren nur ein Strich mit ergänzenden Abbiegehinweisen angezeigt („Wurmnavigation“), so stellen die heutigen Top-Modelle von Garmin (Fenix 6, Forerunner 945), Suunto (9 und 7) und Polar (Grit X) sowie manche Smartwatch inzwischen sogar Karten auf der Uhr dar. Dies hat den Vorteil, dass man nur selten zu früh oder spät abbiegt, wenn mehrere Wege nah beieinander sind. Die Datei und damit die Route überspielt man mittels der jeweiligen Computer-Anwendung oder Smartphone-App der Uhr. Das ist mitunter gar nicht so leicht: Oft muss man die Route erst im Portal des jeweiligen Uhrenherstellers hochladen und dann mit der Uhr synchronisieren. Falls Sie Probleme dabei haben, hilft neben der Bedienungsanleitung Ihrer Uhr meist auch eine Google-Suche. Wer keine navigationsfähige Laufuhr hat, kann auch das Smartphone und die nebenstehend erwähnten Apps nutzen. Da ich das Handy beim Laufen nur ungern mitschleppe und schon gar nicht in der Hand halten möchte, ist das für mich zwar nicht die Top-Lösung, aber ich sehe klare Vorteile: Das Kartenmaterial ist detaillierter und je nach App (Komoot) gibt es sogar eine sprachliche Routenführung, wie man sie vom Auto kennt. So kann das Smartphone in der Tasche bleiben, während man den Sprachbefehlen folgt.

So laufen Sie die erstellte Route nach

Das Planen einer Route ist stets nur die Theorie. Ob sich die Strecke wie geplant laufen lässt, zeigt sich erst in der Praxis. So kann es vorkommen, dass ein gewählter Weg nicht mehr vorhanden oder passierbar ist. Meist ist das kein großes Problem, da sich einige Hundert Meter weiter ein anderer Weg findet, der in die gleiche Richtung führt. Anders sieht es bei Pfaden in alpinem Gelände oder Brücken aus: Ist die entscheidende Verbindung unterbrochen, kann das einen langen Umweg bedeuten. Genau das ist mir mal passiert: Nach 18 von 20 Kilometern stand ich vor einem Fluss. Die eingezeichnete Brücke war offenbar kürzlich abgerissen worden. Der einzige Weg, der mir blieb, waren die 18 Kilometer zurück zum Ausgangspunkt. Um solche Risiken zu minimieren, sollten Sie mit möglichst aktuellen Karten arbeiten. Bei Google Maps etwa sind Baustellen und Sperrungen zumindest für Straßen meist zuverlässig eingezeichnet. Abseits der Hauptstrecken, etwa in den Alpen, informiert das lokale Tourismusbüro, welche Wege aktuell gesperrt oder unpassierbar sind. Lassen Sie sich davon aber nicht abschrecken. Neue Strecken sind immer ein Erlebnis – und manchmal sogar ein kleines Abenteuer.

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