Angina Pectoris iStockphoto

Engegefühl in der Brust Angina Pectoris

Ein Engegefühl in der Brust beim Laufen kann harmlos, aber auch gefährlich sein: So sind die Symptome einzuordnen.

Wir Läuferinnen und Läufer kennen es alle: Wenn wir uns richtig verausgaben, brennt die Lunge, das Herz rast und der Brustkorb droht beim Einatmen zu platzen. Das ist das "Engegefühl", das wir lieben. Es ist physiologisch. Anders bei Angina Pectoris. Da wird es in der Brust wie aus dem Nichts eng und beklemmend, hinter dem Brustbein schmerzt und brennt es und wir bekommen vor allem eines: Angst. Was so ein Angina-Pectoris-Anfall bedeutet und wie man damit umgeht, erklären wir hier.

Was ist Angina Pectoris?

Plötzlich auftretende Schmerzen hinter dem Brustbein (Sternum) mit einem gleichzeitigen Engegefühl im Brustkorb werden als Angina Pectoris (auch: AP, Stenokardie) bezeichnet. Man spricht umgangssprachlich auch von Brustenge. Eine Angina Pectoris entsteht auf der Grundlage der koronaren Herzkankheit (KHK), bei der es zu arteriosklerotischen Veränderungen (Ablagerungen) in den Blutgefäßen kommt. Zu der koronaren Herzkrankheit zählt man auch den Herzinfarkt und den plötzlichen Herztod. Alle Erkrankungen werden überwiegend durch Ablagerungen in den Blutgefäßen verursacht.

Woran erkenne ich Angina Pectoris?

Das Gefühl der Brustenge bei einem Angina-Pectoris-Anfall dauert meist nur einige Sekunden, kann aber auch über Minuten hinweg bestehen bleiben. Dabei kommt es zu einem Engegefühl bzw. Druckgefühl hinter dem Brustbein. Häufig kommen Schmerzen in der Herzgegend dazu. Charakteristisch ist besonders bei Frauen die Ausstrahlung der Schmerzen vom Brustbein in die Schultern, zwischen die Schulterblätter und in den Oberkiefer.

In einigen Fällen kann sich ein Angina-Pectoris-Anfall auch wie eine Magenverstimmung anfühlen und sich vor allem im Oberbauch bemerkbar machen. Übelkeit mit Würgereiz, Schwindel, starkes Schwitzen und Atemnnot können weitere Begleitsymtpome sein, sind allerdings nicht charakteristisch für Angina Pectoris. Das Engegefühl in der Brust führt bei Betroffenen häufig zu Angstzuständen mit Gefühlen der Beklemmung und Todesangst. Der Schmerz hinter dem Brustbein bessert sich, sobald Sie sich ausruhen oder durch die Gabe von Nitropräparaten in Aerosol- oder Tablettenform. Bei Menschen mit Diabetes Mellitus verläuft ein Angina-Pectoris-Anfall oft schmerzlos, weil die schmerzleitenden Nerven durch die Erkrankung geschädigt sind.

Die Diagnose Angina Pectoris kann in einigen Fällen sehr mühsam und schwierig sein, da die Abgrenzung der charakteristischen Symptome von denen anderer Erkrankungen kompliziert ist. Mithilfe eines Elektrokardiogramms (EKG) und bildgebenden Verfahren können jedoch Engstellen und Unregelmäßigkeiten in den Blutgefäßen des Herzens festgestellt werden. Außerdem sollte Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mithilfe eines Blutbildes den Cholesterin-Wert und den Blutzucker überprüfen.

Wo hat man bei Angina Pectoris Schmerzen?

Die Schmerzen eines Angina-Pectoris-Anfalls treten plötzlich und anfallsartig hinter dem Brustbein auf. Besonders bei Frauen können die Schmerzen recht unspezifisch in die Schulterblätter, den Bauchraum (Oberbauch) oder in Richtung Herz oder Oberkiefer ausstrahlen. Abzugrenzen ist der Angina-Pectoris-typische Schmerz von Herzstechen, das beispielsweise durch muskuläre Verspannungen ausgelöst werden kann und besser wird, wenn man den linken Arm mit der rechten Hand vor dem Bauch nach rechts zieht, während man regelmäßig tief ein- und ausatmet.

Wann tritt Angina Pectoris auf?

Meist tritt ein Angina-Pectoris-Anfall bei sportlicher Betätigung, direkt nach dem Sport oder in Stresssituationen auf, da in dieser Zeit der Sauerstoffbedarf des Herzens zunimmt und das Herz eine größere Leistung als im Ruhezustand vollbringen muss. Sind die Herzkranzgefäße in diesen Situationen nicht in der Lage, den Sauerstoffbedarf des Herzens durch eine ausreichende Blutzufuhr zu decken, kommt es zu der für eine Angina Pectoris charakteristischen Brustenge.

Risikofaktoren für das Auftreten eines Angina-Pectoris-Anfalls sind bereits bestehende Erkrankungen wie Diabetes Mellitus oder Hypertonie (Bluthochdruck). Lebensstilfaktoren wie Rauchen erhöhen das Risiko ebenfalls. Die Wahrscheinlichkeit steigt mit zunehmendem Alter.

Welche Formen von Angina Pectoris Anfällen gibt es?

In der ärztlichen Diagnostik werden typische und atypische Anfälle unterschieden sowie die stabile und instabile Form der Angina Pectoris.

  • Bei einem typischen Anfall treten Schmerzen hinter dem Brustbein beim Sport oder unter emotionalem Druck auf und bessern sich bei Entlastung oder Entspannung und unter Gabe eines Nitropräparates.
  • Atypische Anfälle erfüllen nur ein oder zwei der oben genannten Kriterien.

Was ist der Unterschied zwischen einer stabilen und einer instabilen Angina Pectoris?

Man unterscheidet zwischen den beiden Formen stabile und instabile Angina Pectoris.

  • Bei einer stabilen Angina Pectoris treten die Engefühle in regelmäßigen Abständen, meist bei körperlicher Belastung, auf. Die Symptome des Angina-Pectoris-Anfalls bleiben aber immer gleich.
  • Anders bei der instabilen Angina Pectoris. Bei der instabilen Angina Pectoris werden die Abstände zwischen den Angina-Pectoris-Anfällen immer kleiner und das Druck- und Engegefühl nimmt von Anfall zu Anfall zu. Man spricht auch von einer instabilen Angina Pectoris, wenn die Symptome in Ruhe, ohne äußere Stresseinwirkung, auftreten.

Was ist die Ursache für Angina Pectoris?

Die Ursache der Angina Pectoris ist eine verminderte Durchblutung des Herzens, meist verursacht durch eine Engstelle in einem der Blutgefäße, die für die Blut- und somit Sauerstoffversorgung des Herzens sorgen. Häufig sind arteriosklerotische fetthaltige Ablagerungen (Plaques) in den Blutgefäßen die Ursache für die Minderdurchblutung, weil sie zu einer Engstelle im Blutgefäß führen oder selbiges sogar komplett verstopfen. Extreme Kälte, Stress und körperliche Anstrengung können die Symptome einer Angina Pectoris auslösen.

Wann sollte man mit Angina Pectoris zum Arzt?

Wichtig: Ein Angina Pectoris-Anfall kann lebensbedrohlich sein!

Wenn Sie häufig während Ihres Lauftrainings unter Engegefühlen in der Brust, Schmerzen in der Herzgegend oder ziehende Schmerzen in Oberbauch, Schulterblättern oder Oberkiefer leiden, sollten Sie dringend einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Eine Angina Pectoris kann auch ein Anzeichen für einen Herzinfarkt sein.

Gut zu wissen: Ziehende Schmerzen im Brustbereich müssen nicht zwingend auf eine Angina Pectoris hindeuten, sondern können auch durch Muskelverspannungen oder einen Muskelkrampf der Zwischenrippenmuskulatur oder der Brustmuskulatur ausgelöst werden. Diese verschwinden recht schnell, wenn man die Arme locker in unterschiedliche Richtungen bewegt oder den Oberkörper mehrfach nach rechts und links dreht.

Was hilft bei Angina Pectoris? Die Behandlung

Im Akutfall ist als Erstmaßnahme wichtig: Ruhe bewahren! Und bei instabiler Angina Pectoris: Den Notruf 112 wählen!

Wenn Sie als Ersthelfer oder Ersthelferin vor Ort sind, entfernen Sie Kleidungsstücke und Gegenstände, die den Oberkörper des Betroffenen einengen wie z. B. Sport-BH, Kompressionsshirt oder Pulsgurt. Lagern Sie den Oberkörper hoch, um das Herz zu entlasten.

Kann der Arzt eine Angina Pectoris sicher feststellen, die das Risiko eines Herzinfarktes birgt, wird er Aspirin (ASS, Acetysalicylsäure) verabreichen, um die Schmerzen zu lindern. Ergänzend bekommt die betroffene Person Heparin, um die Blutgerinnung zu hemmen und eine weitere Verengung der evtl. bereits vorhandenen Engstelle in den Blutgefäßen zu vermeiden. Für eine Gefäßerweiterung wird unter Umständen die Einnahme von Nitraten notwendig. Betablocker senken unterstützend den Blutdruck und den Puls.

In schlimmen Fällen muss eine Operation vorgenommen werden, bei der die Engstelle des Blutgefäßes durch einen Stent beseitigt oder ein „Umgehungskreislauf“ (Bypass) eingesetzt wird. Das Ziel der Akutbehandlung ist es, einen Herzinfarkt zu verhindern. Im Anschluss an die Akutbehandlung gehört regelmäßige Bewegung, als Ausdauer- und Krafttraining, zu den Grundpfeilern einer erfolgreichen Therapie.

Welchen Sport kann ich bei Angina Pectoris noch machen?

Ausdauertraining ist die Basis von (Rehabilitations-)Sportprogrammen, die für Menschen mit einer koronaren Herzerkrankung maßgeschneidert sind. Studien deuten zeigen jedoch, dass auch Krafttraining, das mit zunehmender Intensität durchgeführt wird, zu einer Verbesserung und Linderung der Symptome führen kann. Ein solches Training wirkt sich außerdem positiv auf Erkrankungen aus, die bei Betroffenen der KHK oft zusätzlich auftreten, wie Diabetes Mellitus, Depressionen oder Arthrose.

Für ein regelmäßiges Ausdauertraining an drei Tagen pro Woche eignen sich Trainingseinheiten auf dem Fahrrad- oder Handergometer, Gehen und Walken.

Ein ergänzendes Krafttraining sollten Sie an zwei bis drei Tagen pro Woche absolvieren. Das Trainingsprogramm sollte über sechs Monate geplant werden und aus etwa sechs Übungen bestehen, die Sie mit jeweils zwei bis drei Sätzen mit 12 Wiederholungen ausführen. Die Trainingsintensität kann dabei je nach individueller Leistungsfähigkeit von 40 bis 80 Prozent der maximalen Kraft variieren.

Auch Entspannungstraining, Stretching und Atemübungen wirken sich positiv auf den Verlauf einer KHK aus.

Wichtig: Da es sich bei Angina Pectoris um ein ernstzunehmendes Symptom handelt, sollten Sie Ihr Sportprogramm mit einem Sporttherapeuten oder einer Physiotherapeutin eingehend besprechen und an Ihre individuellen Bedürfnisse anpassen. Vielleicht fühlen Sie sich am Anfang auch in einer Herzsportgruppe oder unter Aufsicht einer Therapeutin im Fitnessstudio besser und sicherer aufgehoben.

Wie kann ich Angina Pectoris vorbeugen?

Regelmäßige Bewegung ist das beste Rezept gegen und bei Herzerkrankungen. Rauchen, fetthaltige Nahrung und Übergewicht sind die größten Risikofaktoren für die Entstehung von arteriosklerotischen Veränderungen in den Blutgefäßen. Achten Sie daher unbedingt auf Ihre Ernährung, halten Sie sich fit und kontrollieren Sie hin und wieder Ihr Gewicht. Wenn Sie rauchen, sollten Sie ernsthaft darüber nachdenken, es aufzugeben!

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Eine regelmäßige sportmedizinische Untersuchung, vor allem aber bevor Sie nach längerer Pause wieder ins Training einsteigen, kann vorab Unklarheiten beseitigen und gesundheitslichen Überraschungen vorbeugen.

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